Band 17, No. 2/2003(Ausgabe 2)
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Neuropsychiatrie
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Bericht
Der aktuelle Stand opiatgestützter Behandlungen in der Schweiz
M.F. Kuntze
Nachruf
In memoriam Dr. Friederike Susanne Tschabitscher
H. Hinterhuber
Editorial des Präsidenten
Editorial des Präsidenten
W.W. Fleischhacker
Abstract
W.W. Fleischhacker
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Mit knapp 450 Teilnehmern war die heurige Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie in Bad Ischl die seit der Trennung von der ÖGN bisher am besten besuchte. Diese Teilnehmerzahl entspricht etwa der Hälfte der Mitglieder unserer Gesellschaft und bestärkt uns in der Annahme, dass das diesjährige Programm dem Bedürfnis nach Information und Kommunikationsaustausch unserer Kolleginnen und Kollegen entgegengekommen ist. Der Themenkreis "psychosomatische Medizin" und die Podiumsdiskussion zum Thema "Psychosomatische Versorgung in Österreich" stießen auf großes Interesse.
Die im Rahmen der Tagung, und auch danach noch, von vielen von Ihnen unterstützte Resolution gegen die Errichtung von psychosomatischen Großkliniken in Niederösterreich und der Steiermark hat zumindest in Niederösterreich inzwischen dazu geführt, dass dieses Thema nicht nur auf politischer Ebene neu diskutiert wird, sondern dass auch Mitglieder der ÖGPP erstmals aktiv in diese Diskussionen eingebunden werden. Dies gibt zu der Hoffnung Anlass, dass ein aus versorgungspolitischer Hinsicht unsinniges Konzept, das auch außerhalb des Psychiatrieplans für Niederösterreich und der Psychosomatikplanung im österreichischen Krankenanstaltenplan steht, vielleicht doch noch so modifiziert werden kann, dass es den Ansprüchen einer modernen psychiatrischpsychosomatischen Versorgung gerecht wird. Dass darüber sogar in der ZIB 1 berichtet wurde, reflektiert das Engagement vieler für die gute Sache, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Es zeigt auch auf, dass unsere Fachgesellschaft zunehmend politisches Gewicht bekommt, was uns helfen wird, auch in Zukunft die Interessen unserer Patienten und des Faches Psychiatrie zu vertreten.
Wir möchten als Fachgesellschaft aber auch über den nationalen Kontext hinaus agieren. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Ausrichtung der International Thematic Conference “Diagnosis in Psychiatry: Integrating the Sciences” in Zusammenarbeit mit dem Weltpsychiatrieverband im Juni dieses Jahres. Wir haben dafür viel Lob und Anerkennung von unseren Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland – insgesamt waren 86 Länder aus allen Kontinenten vertreten – bekommen. Dieser Schritt hat uns auch dazu ermutigt, uns als Standort für das ständige Sekretariat der WPA zu bewerben. Unsere Konkurrenten sind London, New York und Genf, und ich werde über das Ergebnis dieser Bemühungen berichten. Die ÖGPP ist auch in der Vereinigung europäischer Fachärzte (UEMS) vertreten, wo wir unter anderem aktiv an der Ausarbeitung europaweiter Ausbildungsrichtlinien mitarbeiten. Zudem sind wir seit kurzem stimmberechtigtes Mitglied in der World Federation of Mental Health.
Eine Gesellschaft lebt von ihren Mitgliedern. Viele von Ihnen tragen mit großem Engagement zu verschiedenen Aktivitäten der ÖGPP bei. In diesem Sinne möchte ich Sie alle ermutigen, Kritik, Wünsche und Anregungen an uns heranzutragen. Ich werde mir erlauben, in Zukunft, im Rahmen dieser Zeilen, bestimmte Arbeitsschwerpunkte der Gesellschaft und deren Proponenten hervorzuheben. Sollten manche von Ihnen den President’s Corner in "Jatros" vermissen, ich habe mich entschlossen, diesen zugunsten eines Editorial des Präsidenten in der "Neuropsychiatrie", die ja offizielles Organ unserer Fachgesellschaft ist, aufzugeben.
Übersichten
Interaktionen und Pharmakokinetik von Psychopharmaka – Teil 1: Grundlagen
W. Aichhorn und C. Stuppäck
Abstract
W. Aichhorn1 und C. Stuppäck2
1Universitätsklinik für Psychiatrie, Innsbruck,2Landesklinik für Psychiatrie 1, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg
Das pharmakokinetische Verhalten eines Arzneistoffs, d.h. seine Resorption, Verteilung, Plasmaeiweißbindung, Metabolismus und Elimination, steht in direktem Zusammenhang mit der gemessenen Konzentration im Plasma und am Wirkort. Diese Konzentration ist verantwortlich für Wirkung und unerwünschte Wirkungen von Pharmaka. Interaktionen von Arzneimitteln können auf jeder dieser Ebenen ablaufen und zu unvorhergesehenen Ereignissen führen. Diese reichen vom Wirkverlust bis zur Intoxikation. Die Mehrzahl von klinisch relevanten Interaktionen läuft auf der Ebene des Metabolismus durch Cytochrom-P450-Enzyme ab. Für bestimmte Cytochrom-P450-Enzyme liegt ein genetischer Polymorphismus vor, der die Metabolisierungsrate vieler Pharmaka determiniert. Substanzen, die einen hemmenden oder induzierenden Effekt auf die Aktivität von Cytochrom-P450-Enzymen ausüben, besitzen große klinische Relevanz.
Übersichten
Interaktionen und Pharmakokinetik von Psychopharmaka – Teil 2
W. Aichhorn und C. Stuppäck
Abstract
W. Aichhorn1 und C. Stuppäck2
1Universitätsklinik für Psychiatrie, Innsbruck,2Landesklinik für Psychiatrie 1, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg
Wirkung und Nebenwirkungen von Psychopharmaka können zwischen Patienten stark variieren. Pharmakokinetische und pharmakodynamischen Faktoren sind dafür verantwortlich. Genetisch bedingte interindividuelle und interethnische Unterschiede auf Rezeptorebene und den dazugehörigen Signalkaskaden (z.B. G-Proteine, “second messengers”, Kinasen, Expressionsfaktoren und andere) sind noch wenig erforscht, werden aber in den nächsten Jahren unser Wissen über interindividuelles Ansprechen auf Psychopharmaka wesentlich erweitern. Pharmakokinetische Ursachen sind bei weitem besser erforscht und Inhalt des zweiten Teils unseres Übersichtsartikels. Zu diesen pharmakokinetischen Faktoren zählen Alter, Geschlecht, genetische Einflüsse, Nahrung, Organerkrankungen, Substanzmißbrauch und Arzneimittelinteraktionen. Einen Schwerpunkt in unserer Darstellung stellen relevante Interaktionen von und mit Antidepressiva, Antipsychotika, Tranquilizern und Mood Stabilizern dar. Pharmaka aus anderen medizinischen Bereichen werden ergänzend mit berücksichtigt. Vergleichende pharmakokinetische Tabellen von Antidepressiva und Antipsychotika geben einen zusätzlichen Hinweis für rationale Therapieentscheidungen.
Originalarbeiten
Wie genau können Hochrechnungen über die zukünftige Zahl Demenzkranker sein?
J. Wancata, M. Krautgartner, J. Berner und R. Alexandrowicz
Abstract
J. Wancata1, M. Krautgartner1, J. Berner1 und R. Alexandrowicz2
1Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie und Evaluationsforschung, Universitätsklinik für Psychiatrie, Wien, 2Institut für Psychologie, Universität Klagenfurt
Verschiedene Autoren haben berichtet, daß aufgrund der zunehmend älter werdenden Bevölkerung mit einer Zunahme von Demenzerkrankungen zu rechnen ist. Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, wie genau Berechnungen über die zukünftige Zahl von Demenzkranken für Österreich sein können. Zu diesem Zweck wurden Meta-Analysen epidemiologischer Studien und die Bevölkerungsprognosen des Österreichischen Statistischen Zentralamtes sowie der Vereinten Nationen verwendet. Innerhalb der nächsten 50 Jahre ist in Österreich mit einer Zunahme von Demenzerkrankungen von etwa 90500 auf etwa 233800 zu rechnen, wobei aber die einzelnen Meta-Analysen zu etwas unterschiedlichen Ergebnissen führen. Dies hat eine deutliche Zunahme der Belastung der erwerbsfähigen Bevölkerung zur Folge. Wenn man annimmt, daß Demenzkranke künftig voraussichtlich länger mit ihrer Erkrankung leben werden, ist von einer noch stärkeren Zunahme der Zahl Demenzkranker auszugehen. Die Verwendung unterschiedlicher demographischer Szenarien führt zu nur geringfügig veränderten Prognosen. Auch wenn man unterschiedliche potentielle Einflußfaktoren berücksichtigt, zeigt sich, daß Demenzerkrankungen deutlich zunehmen werden und die Belastung für die Erwerbsbevölkerung dramatisch ansteigt.
Originalarbeiten
Verbesserte Therapiestandards in der Depressionsbehandlung? Eine zweite Umfrage unter Österreichs Nervenärzten
M. Mühlbacher und Ch. Stuppäck
Abstract
M. Mühlbacher und Ch. Stuppäck
Landesklinik für Psychiatrie 1, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg
Im Jahr 2001 wurde ein 17 Punkte umfassender Fragebogen zu den Therapiestandards der Depressionsbehandlung mit den Themenschwerpunkten Akutbehandlung, Erhaltungstherapie und Strategie bei Therapieresistenz an angestellte Psychiater sowie an niedergelassene Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie in Österreich versandt. Derselbe Fragebogen war schon 1996 in einer ersten Umfrage verwendet worden. Im Vergleich zur ersten Befragung wurde in stärkerem Ausmaß eine Kombination von Pharmako- und Psychotherapie als bevorzugte therapeutische Strategie angegeben, naturgemäß spielten in der “Hitliste” der verordneten Medikamente die in den letzten Jahren auf den Markt gekommenen neuen Antidepressiva bereits eine wichtige Rolle. Das Gros der Befragten wechselt bei mangelnder Wirksamkeit des erstverordneten Antidepressivums nach 3 – 4 Wochen auf ein anderes Antidepressivum; auffallend ist die Vielfalt der angegebenen Möglichkeiten zur Behandlung therapieresistenter Depressionen. Im Mittel verordnet der österreichische Nervenarzt ein Antidepressivum nach Abklingen einer ersten depressiven Episode 6,7 Monate weiter, wobei die Vorschläge zwischen einem Monat und 5 Jahren lagen. Die Indikation zu einer Phasenprophylaxe wird insgesamt gesehen rechtzeitig gestellt, die meistempfohlene Substanz ist hier nach wie vor Lithium.
Originalarbeiten
Tagesklinik für Psychotherapie und Psychosomatik: Konzept und Evaluation
M. Bach, D. Wuchse, J. Hierländer und C. Pass
Abstract
M. Bach1,2, D. Wuchse1,3, J. Hierländer1 und C. Pass1
1Tagesklinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Caduceus Centrum, Bad Sauerbrunn, 2Station für Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin, Universitätsklinik für Psychiatrie, Wien, 3Abteilung für Psychosomatik, Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, Li
In der vorliegenden Arbeit wird das Behandlungskonzept der Tagesklinik für Psychotherapie und Psychosomatik in Bad Sauerbrunn, Burgenland, dargestellt. Bei diesem Tagesklinikmodell handelt es sich um eine verhaltensmedizinisch ausgerichtete interdisziplinäre Kurzzeittherapie (durchschnittlich 4 Behandlungswochen) mit hoher Behandlungsintensität (bis zu 20 Therapiestunden pro Woche). Ein erster Erfahrungsbericht an 32 Patienten mit chronischen Schmerzen, Angststörungen und Zwangsstörungen zeigt eine signifikante Rückbildung der Beschwerden (SCL-90-R, p < 0,005) und des subjektiven Beeinträchtigungsgrades (FBSA, p < 0,01) sowie eine trendmäßige Besserung der Lebensqualität (SF-36). Die Ergebnisse weisen auf die Brauchbarkeit dieses Behandlungsansatzes auch bei chronisch psychosomatisch Erkrankten hin.