Jahrgang 36, No. 4/2011(4. Quartal)
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Intensiv- und Notfallbehandlung
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Editorial
M. Bernhard, E. Martin, M. Buerke und K. Werdan
Abstract
Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 36, Nr. 4/2011, S. 179–180
Editorial
M. Bernhard, E. Martin, M. Buerke und K. Werdan
Herzinsuffizienz
Chirurgische Therapieoptionen bei der Herzinsuffizienz
H. Bushnaq, M. Buerke, R.E. Silber und I. Friedrich
Abstract
Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 36, Nr. 4/2011, S. 181–187
Chirurgische Therapieoptionen bei der Herzinsuffizienz
H. Bushnaq1, M. Buerke2, R.E. Silber1 und I. Friedrich1
1Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie und 2Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Halle (Saale), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Die Inzidenz der Herzinsuffizienz liegt jährlich bei ca. 2 Millionen. Weltweit sind das mehr als 22 Millionen Menschen, die unter dieser Erkrankung leiden. In Deutschland sind 2% der Bevölkerung betroffen. Die Pathogenese der Erkrankung wird sowohl durch die ischämische sowie die primäre Kardiomyopathie dominiert. Die therapeutischen Ansätze sind unterschiedlich. Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung und Resynchronisationstherapie spielen die chirurgischen Therapieoptionen zur Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz zunehmend eine wichtige Rolle. Die orthotope Herztransplantation ist zurzeit der chirurgische Goldstandard zur Behandlung von Patienten mit therapierefraktärer Herzinsuffizienz. Die limitierenden Faktoren dieser Therapie bestehen in der Individualität und der Abhängigkeit von der Anzahl der Spenderorgane. In der letzten Dekade hat sich eine Reihe chirurgischer Therapieansätze zur effektiven und sicheren Behandlung von Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Herzinsuffizienz etabliert. Neben der klassischen operativen Myokardrevaskularisation haben sich auch einige chirurgische Therapieoptionen wie die Linksherzunterstützungssysteme, die Mitralklappenrekonstruktion, die chirurgische Ventrikelrekonstruktion nach Batista oder Dor, die Kardiomyoplastie sowie die Netzkompression des linken Ventrikels durchgesetzt. Einige dieser Maßnahmen haben sich mittlerweile durch Daten und Studien etabliert, der Rest wird derzeit durch prospektiv durchgeführte Studien evaluiert.Correspondence to:
Ltd. OA Dr. med. H. Bushnaq
Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Universitätsklinikum Halle/Saale
Ernst-Grube-Straße 40
D–06120 Halle/Saale
Email: h.bushnaq@medizin.uni-halle.de
Herzinsuffizienz
Linksventrikuläre Unterstützungssysteme zur Behandlung der akuten und chronischen Herzinsuffizienz
I. Friedrich, H. Bushnaq, R. Scheubel, M. Buerke und R.E. Silber
Abstract
Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 36, Nr. 4/2011, S. 188–198
Linksventrikuläre Unterstützungssysteme zur Behandlung der akuten und chronischen Herzinsuffizienz
I. Friedrich1, H. Bushnaq1, R. Scheubel1, M. Buerke2 und R.E. Silber1
1Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie und 2Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Halle(Saale) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Zur Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz werden zunehmend mechanische Unterstützungssysteme eingesetzt. Aufgrund technischer Weiterentwicklungen haben sich die langfristigen Ergebnisse verbessert, sodass neben der Indikation „bridge-to-transplant“ zunehmend auch die Strategie einer endgültigen Versorgung im Sinne einer „destination therapy“ verfolgt wird. Zudem hat ein Paradigmenwechsel von den pulsatilen hin zu den nicht pulsatilen Systemen stattgefunden. Während die extrakorporalen pulsatilen Systeme mit erheblichen Komplikationen wie Sepsis, Device-Versagen und Thrombembolien verbunden waren, konnte diese Rate bei implantierbaren Systemen mit kontinuierlichem Fluss deutlich gesenkt werden. Erste Ergebnisse weisen auf eine verbesserte Lebensqualität nach Implantation eines linksventrikulären Unterstützungssystems (LVAD) hin. Bezüglich der 2-Jahres-Überlebensrate ist bei der elektiven Implantation das Ergebnis mit dem der Herztransplantation vergleichbar. Ziel zukünftiger Studien wird sein, das langfristige Überleben unter Berücksichtigung der Lebensqualität zu untersuchen und damit die Frage zu klären, ob der Implantation eines LVAD als „destination therapy“ bereits ein fester Platz unter den Therapieoptionen des myokardialen Pumpversagens eingeräumt werden kann. Dies wäre ein zukünftiges Behandlungskonzept für Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz im höheren Lebensalter bzw. für Patienten mit Kontraindikationen zur Herztransplantation.Correspondence to:
Prof. Dr. med. I. Friedrich
Chefarzt der Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder
Nordallee 1
D–54292 Trier
Email: i.friedrich@bk-trier.de
Reanimatologie
Reanimation erfolgreich – vom Notfallort bis in die Klinik
U. Schniedermeier
Abstract
Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 36, Nr. 4/2011, S. 199–205
Reanimation erfolgreich – vom Notfallort bis in die Klinik
U. Schniedermeier
Feuerwehr Dortmund und Klinikum Westfalen GmbH, Betriebsteil Knappschaftskrankenhaus, Dortmund
Die zerebrale Dysfunktion ist für 68% der Todesfälle nach Erreichen eines Spontankreislaufs (ROSC) verantwortlich. Die Maßnahmen auf dem Weg in die Klinik müssen deshalb vor allem die Vermeidung von zerebralen Schäden und die Stabilisierung des Kreislaufs zum Ziel haben. Die Atemwege können während des Herzkreislaufstillstands zur Vermeidung von Thoraxkompressionspausen mittels supraglottischer Atemhilfen gesichert werden. Ist der Kreislauf wieder hergestellt, kann die endotracheale Intubation nachgeholt werden. Die Kapnographie ist gut geeignet, die Qualität der Thoraxkompression zu beurteilen, das Erreichen eines eigenen Kreislaufs zu erkennen, die korrekte Lage des Atemwegszugangs zu dokumentieren und die Beatmung zu steuern. Nach Wiedererlangung des Spontankreislaufs muss eine ausreichende Oxygenierung und Normokapnie sichergestellt werden. Bei zuverlässiger Messung der pulsoxymetrisch bestimmten Sauerstoffsättigung (SpO2) und fehlendem Hinweis auf eine Kohlenmonoxid (CO)-Intoxikation ist die Sauerstoffsättigung auf 94 – 98% einzustellen, um eine möglicherweise schädliche Hyperoxie zu vermeiden. Die Narkoseeinleitung ist zur Reduktion des Sauerstoffverbrauchs bei Patienten mit Abwehrreaktionen und bei Kältezittern unter Einleitung der milden therapeutischen Hypothermie sinnvoll. Nach Herzkreislaufstillstand ist die zerebrale Autoregulation gestört. Die zerebrale Perfusion hängt vom Blutdruck ab. Volumengaben, inotrope und vasopressorische Substanzen kommen in Frage, um einen normalen Blutdruck zu erreichen. Bei Bradykardie kann eine transkutaner Schrittmacherstimulation sinnvoll sein. Ist ein Transport unter laufender Thoraxkompressionen notwendig, sollten automatische Stempelreanimationsgeräte eingesetzt werden. Eine Hypothermie sollte so früh wie möglich, also präklinisch, eingeleitet werden. Die Gabe einer auf 4 °C gekühlten Infusionslösung ist einfach und sicher durchzuführen. Die geeignete Zielklinik sollte bei Hinweisen auf das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit über die Möglichkeit einer perkutanen Koronarintervention (PCI) verfügen. Eine präklinisch eingeleitete milde therapeutische Hypothermie muss klinisch aufrechterhalten werden können.Correspondence to:
Dr. med. U. Schniedermeier
Ltd. Arzt der Zentralen Notaufnahme,
Stellv. Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Feuerwehr Dortmund
Klinikum Westfalen GmbH
Betriebsteil Knappschaftskrankenhaus
Am Knappschaftskrankenhaus 1
(ehem. Wieckesweg 27)
D–44309 Dortmund
Email: udo.schniedermeier@klinikum-westfalen.de
Reanimatologie
Reanimation erfolgreich – frühes innerklinisches Prozedere
H.-C. Mochmann und H.-R. Arntz
Abstract
Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 36, Nr. 4/2011, S. 206–212
Reanimation erfolgreich – frühes innerklinisches Prozedere
H.-C. Mochmann und H.-R. Arntz
Medizinische Klinik II, Kardiologie und Pulmologie, Charité, Campus Benjamin Franklin, Berlin
Nach erfolgreicher Reanimation mit Wiedereintritt einer spontanen Kreislauffunktion (ROSC, „return of spontaneous circulation“) sollte der Patient in ein Krankenhaus mit Herzkatheterlabor transportiert werden. Bereits in der prähospitalen Phase ist durch Messung der Sauerstoffsättigung und des endtidalen Kohlenstoffdioxids (etCO2) eine Hyperoxie und Hypokapnie zu vermeiden. Zur Klärung der Genese des Kreislaufstillstands ist ein 12-Ableitungs-EKG prähospital unerlässlich, eine Echokardiografie ist hilfreich zur Ursachenklärung. Bei Zeichen eines ST-Hebungsinfarkts sollte die unverzügliche Reperfusion des verschlossenen Herzkranzgefäßes erzielt werden. Zur Verbesserung des neurologischen Behandlungsergebnisses ist eine milde therapeutische Hypothermie über 24 – 32 Stunden unabhängig vom Initialrhythmus einzusetzen. Ein strukturierter Behandlungsplan in Anlehnung an die „early goal-directed“-Therapie der Sepsis kann das Behandlungsergebnis verbessern.Correspondence to:
Dr. med. H.-C. Mochmann
Medizinische Klinik II
Kardiologie und Pulmologie
Charité, Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30
D–12200 Berlin
Email: hans-christian.mochmann@charite.de
Originalarbeit
Notarzteinsätze bei älteren Patienten in Bayern
P. Sefrin und G. Berg
Abstract
Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 36, Nr. 4/2011, S. 213–224
Notarzteinsätze bei älteren Patienten in Bayern
P. Sefrin und G. Berg
Zentrum für Operative Medizin – Sektion für präklinische Notfallmedizin, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Universität Würzburg
Die Zahl der älteren Menschen nimmt kontinuierlich zu. Dies hat auch Auswirkungen auf das Kollektiv der Notfallpatienten, was sich in einer Auswertung von 200.221 Notarzteinsätzen in Bayern anhand des DIVI-Notarztprotokolls nachweisen lässt. 33,8% der Notfallpatienten im Rettungsdienst in einer retrospektiven Analyse aus den Jahren 1995 – 2000 sind älter als 65 Jahre. Die akuten Erkrankungen überwogen (74,1%), Verkehrsunfälle waren nur mit 2% beteiligt im Gegensatz zum Gesamtkollektiv (10,4%). Eine akute Lebensgefahr war bei 20% der Älteren nicht sicher auszuschließen. Allerdings lag bei mehr als der Hälfte eine Schädigung geringeren Ausmaßes vor (NACA I – III). Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems waren am häufigsten (54,7%), gefolgt von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (32,6%). Bei 4,1% wurde im Rahmen des Notarztdienstes eine Reanimation durchgeführt, welche in 21,2% primär erfolgreich war. Bei 56,2% der älteren Patienten war bei der Klinikübergabe eine Verbesserung des Zustands zu verzeichnen. Gerade bei Patienten mit schwerwiegenden Bewusstseinsstörungen (GCS 6 – 8) war bei fast jedem zweiten Patienten eine Verbesserung (48,7%) feststellbar. Es zeigt sich, dass das Notfallgeschehen der Älteren sich nicht auf der Basis des DIVI-Protokolls alleine konkretisieren lässt. In der Praxis spielen soziale Aspekte eine größere Rolle als bei jüngeren Patienten, weshalb vom Notarzt in diesem Bereich fundierte Kenntnisse erwartet werden müssen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. P. Sefrin
Zentrum für Operative Medizin
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie
Universität Würzburg
Oberdürrbacher Straße 6
D–97080 Würzburg
Email: sefrin@agbn.de