Jahrgang 33, No. 3/2008(3. Quartal 2008)
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Intensiv- und Notfallbehandlung
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Editorial
K. Werdan
Originalarbeit
Erfassung des postoperativen Patientenbefindens auf der Intensivüberwachungsstation mit dem Anästhesiologischen Nachbefragungsbogen für Patienten (ANP)
D. Wörmann, E. Muhl, K.-F. Klotz und M. Hüppe
Abstract
D. Wörmann1, E. Muhl2, K.-F. Klotz1 und M. Hüppe1
D. Wörmann1, E. Muhl2, K.-F. Klotz1 und M. Hüppe1
Fragestellung: Der Anästhesiologische Nachbefragungsbogen für Patienten (ANP) ist ein Selbstbeurteilungsverfahren zur Erfassung des postoperativen Patientenbefindens und der Patientenzufriedenheit. Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Prüfung der Anwendbarkeit des ANP für Patienten einer chirurgischen Intensivüberwachungsstation und die Beschreibung ihres postoperativen Befindens. Methodik: 391 volljährige Patienten, die postoperativ auf der chirurgischen Intensivüberwachungsstation behandelt wurden, füllten den ANP aus. Zusätzlich wurden Daten aus dem Narkoseprotokoll und der Intensivdokumentation erhoben. Ergebnisse: Die Teilnahmequote entsprach 59,8% der Vollerhebung. Häufigster Grund für eine Nichtteilnahme war ein zu schlechter Gesundheitszustand. Die meistgenannten postoperativen Symptome sind Mundtrockenheit/Durst (82,5%) und Schmerzen im Operationsgebiet (59,9%). Die Varianzaufklärung von Mundtrockenheit/Durstempfinden mit demografischen und klinischen Variablen beträgt 12%, die für Schmerzen im Operationsgebiet 9%. Frauen geben mehr Beschwerden an als Männer und sind mit der eigenen Genesung weniger zufrieden. Diskussion: Mundtrockenheit/Durstgefühl und Schmerzen im Operationsgebiet sind auch für Patienten der Intensivüberwachungsstation die häufigsten postoperativen Befindensmerkmale. Die Befunde zu Geschlechtsunterschieden im postoperativen Befinden entsprechen den Ergebnissen von Erhebungen in anderen Kliniken. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse belegen die Anwendbarkeit des ANP auf der chirurgischen Intensivstation. Das Verfahren kann zur Beschreibung der Ergebnisqualität verwendet werden.Correspondence to:
Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. M. Hüppe; Klinik für Anästhesiologie, Universität zu Lübeck, Ratzeburger Allee 160, D–23558 Lübeck
Email: hueppe@mail.uni-luebeck.de
Übersichtsarbeit
Akuter Atemnotanfall infolge paradoxer Stimmbandbewegung – eine wichtige, aber wenig bekannte Differenzialdiagnose des Asthma bronchiale
S.M. Said, T. Herling, H.C. Ehlers und R. Prondzinsky
Abstract
S.M. Said1, T. Herling1, H.C. Ehlers2 und R. Prondzinsky1
1Medizinische Klinik I, Kardiologie und Intensivmedizin,Carl-von-Basedow-Klinikum, Merseburg, 2Klinik für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin, Vivantes Klinikum Am Urban, Berlin
Die paradoxe Stimmbandbewegung (PVCM: paradoxical vocal cord motion disorder), auch als “vocal cord dysfunction” bekannt, ist eine wichtige Differenzialdiagnose des Asthma bronchiale. Die Kenntnis der PVCM ist unter den Ärzten immer noch unzureichend. Das hat zur Folge, dass die PVCM häufig als Asthma bronchiale fehldiagnostiziert wird und zu unnötigen, bisweilen exzessiven medikamentösen Therapien und gelegentlich zu aggressiven Eingriffen wie Intubation oder Tracheostomie führt. Die PVCM sollte immer bei asthmaähnlicher Symptomatik mit fehlender Ansprechbarkeit auf die konventionelle Asthmatherapie in die Differenzialdiagnose einbezogen werden. Diagnostischer Goldstandard ist zurzeit die Laryngoskopie. Die direkte Visualisierung der inspiratorischen Adduktion der Stimmbänder während des Anfalls gilt als gesicherte Diagnose. Sprach-, Atem- und Psychotherapie sind die Eckpfeiler der Behandlung.Correspondence to:
Dr. Dr. med. S.M. Said; Medizinische Klinik I, Carl-von-Basedow-Klinikum, Weiße Mauer 52, D–06217 Merseburg
Email: s.said@klinikum-merseburg.de
Überischtsarbeit
Ein Patient ist gestorben – das Gespräch mit den Hinterbliebenen
R.S. Hoke, , R. Tuchscherer, M. Winkler und K. Werdan
Abstract
R.S. Hoke1, 2, R. Tuchscherer3, M. Winkler1 und K. Werdan1
1Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Halle, 2Kriseninterventionsteam Leipzig e.V., 3Pädiatrische Onkologie/Hämatologie, Dr. von Haunersches Kinderspital, Ludwig-Maximilians-Universität München
Das Überbringen von Todesnachrichten an nahestehende Angehörige von im Krankenhaus verstorbenen Patienten ist eine der bitteren Pflichten des Arztes. Deutschsprachige Leitlinien oder offizielle Empfehlungen liegen nicht vor. Übersichtsarbeiten sind rar. Dieser Artikel diskutiert die Datenlage und macht praktische Vorschläge zu folgenden Aspekten: Vorbereitung und Setting des Gesprächs, telefonisches Überbringen der Nachricht, Kommunikationsstrategien, Reaktionen der Betroffenen, zweifelhafter Nutzen von Sedativa/Psychopharmaka für die akute Belastungsreaktion, Wahrnehmung, Bedürfnisse und Erfahrungen von Trauernden, Abschiednahme vom Verstorbenen, Bedeutung von Ritualen, Strukturierung des Folgezeitraums, Überleitung in Nachfolgeangebote.Correspondence to:
R. Hoke; Universitätsklinik und Poliklinik für
Innere Medizin III, Universitätsklinikum Halle (Saale), Ernst-Grube-Straße 40, D–06097 Halle (Saale)
Email: robert.hoke@medizin.uni-halle.de
Kasuistik
Tako-tsubo-Kardiomyopathie, eine gutartige Erkrankung?
S. Nuding, G. Söffker, K. Werdan, M. Buerke, M. Winkler und A. Schlitt
Abstract
S. Nuding, G. Söffker, K. Werdan, M. Buerke, M. Winkler und A. Schlitt
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Die Pathogenese der Tako-tsubo-Kardiomyopathie ist nicht bekannt. Bisher sind Todesfälle im Verlauf dieser Erkrankung eine Rarität. Der hier beschriebene Fall schildert die notwendigen diagnostischen Schritte und den letalen Ausgang einer Tako-tsubo-Kardiomyopathie. Eine primäre zerebrale Schädigung mit sekundärer kardialer Dysfunktion ist in dieser Konstellation der Ereignisse nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen.Correspondence to:
Dr. med. S. Nuding; Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Ernst-Grube-Straße 40, D–06120 Halle (Saale)
Email: sebastian.nuding@medizin.uni-halle.de
Update Thema
Intensiv- und Notfallmedizin von A bis Z – Update 2008
K. Werdan, R. Hoke, H. Ebelt, K. Heinroth, M. Winkler, M. Buerke und U. Müller-Werdan
Abstract
K. Werdan, R. Hoke, H. Ebelt, K. Heinroth, M. Winkler, M. Buerke und U. Müller-Werdan
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Halle (Saale), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Mit diesem Beitrag wollen wir auf einige neue Ergebnisse aktueller Publikationen der Intensiv- und Notfallmedizin hinweisen, welche in den letzten Monaten das intensivmedizinische Arbeiten beeinflusst haben. Natürlich kann dieses Update keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und ist sicherlich auch subjektiv geprägt. Dennoch, viele der angesprochenen Themen – Sepsis, ARDS, akutes Nierenversagen und Nierenersatzverfahren, Cooling, kardiogener Schock, nichtinvasive Beatmung – dürften ein breites Publikum interessieren, werden wir doch tagtäglich bei der Betreuung unserer Intensivpatienten damit konfrontiert. Eine ausführliche und systematische Zusammenfassung der wichtigsten intensivmedizinischen Publikationen der letzten 12 Monate findet sich bei Antonelli und Mitarbeitern [7, 8, 9]. Einige Aspekte sollen noch kurz angesprochen werden: Intensivmediziner sind oft “leidgeprüft”: Oft dauert es sehr lange, bis ein seit vielen Jahren praktiziertes empirisches Behandlungskonzept “endlich” als Leitlinie vorliegt oder mittels einer großen randomisierten Studie validiert wird. Für die nichtinvasive Beatmung wurde jetzt eine breit konsentierte S3-Leitlinie vorgelegt, welche dem Anwender sehr hilfreich sein kann. Nicht so glücklich können wir Intensiv- und Notfallmediziner im Bereich der Sepsis sein. Hier müssen wir aufgrund der Nichtbestätigung positiver Studien zur Gabe von aktiviertem Protein C, Hydrokortison und intensivierter Insulintherapie zur Wiederherstellung von Normoglykämie Leitlinienaussagen relativieren und abschwächen. Der Zeitpunkt ist günstig, eine Bestandsaufnahme zu machen. Neue, zündende und in die Klinik umsetzbare Therapieansätze fehlen allerdings derzeit auf dem Sepsis-Gebiet. Vielleicht müssen wir aber auch bei so komplexen intensivmedizinischen Krankheitsbildern wie Schock, Sepsis und MODS mehr auf die Verbesserung der zahlreichen Organdysfunktionen fokussieren, wenn wir etwas erreichen wollen; das “Cooling” nach Herz-Kreislauf-Stillstand ist ein schönes Beispiel der Verbesserung der Gehirnfunktion, ohne dass die Prognose quoad vitam verbessert wird. Organunterstützende Maßnahmen werden immer besser. Vielleicht lohnt es sich deshalb, auch den Fortschritt auf diesem Gebiet wieder einmal Revue passieren zu lassen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Werdan; Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Halle (Saale), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Ernst-Grube-Straße 40, D–06120 Halle (Saale)
Email: karl.werdan@medizin.uni-halle.de
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