Jahrgang 30, No. 4/2005(4. Quartal 2005)
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Intensiv- und Notfallbehandlung
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Übersichten
Zur rechtlichen Problematik von Patientenverfügungen
G. Duttge
Originalarbeit
Die autonome Dysfunktion von Patienten mit Multiorgan-dysfunktionssyndrom in Relation zur Ausprägung der Erkrankung und zum Alter
H. Schmidt, R. Hennen, A. Keller, M. Rauchhaus, R. Prondzinsky, M. Buerke, D. Hoyer und U. Müller-Werdan
Abstract
H. Schmidt1, R. Hennen1, A. Keller1, M. Rauchhaus1,2, R. Prondzinsky1, M. Buerke1, D. Hoyer3 und U. Müller-Werdan1
1Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2Klinik m.S. Kardiologie, Universitätsmedizin Berlin, Charité, Campus Virchow, 3Institut für Pathopyhsiologie, Friedrich-Schiller-Universität, Je
Die kardiale Chemoreflexsensitivität (CRS) ist ein Maß für die kardiorespiratorische Organinteraktion bei kritisch Kranken mit chronischer Herzinsuffizienz und nach Myokardinfarkt. Das Ziel der vorliegenden Studie war die Bestimmung der CRS als Maß der gestörten autonomen Funktion bei Patienten mit Multiorgandysfunktionssyndrom (MODS) und deren Abhängigkeit vom Schweregrad des MODS und Alter. Wir haben in einer prospektiven Kohortenstudie 40 konsekutive Patienten mit MODS innerhalb einer siebenmonatigen Periode in die Untersuchungen eingeschlossen. Ein MODS wurde durch einen APACHE-II-Score ³ 20 und eine Sepsis mittels Sepsis-Score nach Elebute und Stoner ³ 12 definiert und die kardiale CRS wurde durch die Regression der RR-Intervalle (ms) versus arteriellem Sauerstoffdruck (mmHg) bestimmt. In der vorliegenden Studie wurde eine neue Methode zur Bestimmung der kardiorespiratorischen Organinteraktion (CRS) bei gesunden Probanden etabliert und dann durch Messung der autonomen Dysfunktion die potentielle Abhängigkeit der CRS vom Schweregrad des MODS (ausgedrückt durch den APACHE-II-Score) (r2 = 0,34; p = 0,001) bestimmt. Als Einzelparameter des APACHE-II-Score korrelierten die minimale Herzfrequenz und das Standardbikarbonat am besten mit der CRS (r2 = 0,5; p < 0,001). Es zeigte sich keine lineare Abhängigkeit der CRS zum Alter (r2 = 0,001; p = 0,8). Die Bestimmung der kardialen CRS ermöglicht es, eine wichtige Komponente der autonomen Dysfunktion bei Patienten mit MODS zu quantifizieren. Für die verminderte Chemoreflexsensitivität ist der Schweregrad des MODS ein entscheidenderer Faktor als das Alter der Patienten. Die Quantifizierung der kardiorespiratorischen Interaktion durch Messung der CRS könnte später zur Identifikation einer Gruppe von MODS-Patienten mit schlechterer Prognose dienen.Correspondence to:
Dr. med. H. Schmidt
Universitätsklinik und Poliklinik
für Innere Medizin III
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Klinikum Kröllwitz
Ernst-Grube-Straße 40
D–06097 Halle/Saale
Email: hendrik.schmidt@medizin.uni-halle.de
Übersichten
Gefahren der Immunonutritionbei Sepsis
W.H. Hartl, P. Rittler und K.-W. Jauch
Abstract
W.H. Hartl, P. Rittler und K.-W. Jauch
Chirurgische Klinik und Poliklinik, Klinikum Großhadern, Ludwig-Maximilians- Universität, München
Die Immunonutrition umfaßt die enterale Zufuhr einer Kombination von Substraten (Arginin, Omega-3-Fettsäuren, Nukleotide, Glutamin und Antioxidantien), die alle immunmodulierend sein können. Eine derartige Ernährungstherapie soll hyperinflammatorische, autodestruktive Vorgänge bei kritisch kranken Patienten dämpfen. Nach aktueller Datenlagen läßt sich jedoch bei Intensivpatienten im allgemeinen weder ein klinischer Vorteil noch Nachteil zeigen. Bei Patienten mit schwerer Sepsis scheint die individuelle Dosis einzelner Substrate von Bedeutung zu sein. So bestehen Hinweise dafür, daß die gleichzeitige Verabreichung von Fischöl zusammen mit nur geringen Mengen an Arginin eher zu einer Prognoseverschlechterung führen könnte, während bei zeitgleicher Zufuhr von deutlich höheren Mengen an Arginin diese Effekte nicht mehr zu beobachten sind. Eine mögliche Erklärung für diese paradoxen Beobachtungen könnten Veränderungen im spezifischen Immunsystem sein, dessen Funktion durch Fischöl bzw. Arginin entgegengesetzt beeinflußt werden kann (Immunsuppression durch Fischöl, Immunstimulation durch Arginin). Bis zur Klärung der genauen Mechanismen ist von der Gabe von immunmodulierenden Nahrungsbestandteilen bei Patienten mit schwerer Sepsis abzuraten.Correspondence to:
PD Dr. med. W.H. Hartl
Chirurgische Klinik und Poliklinik
Klinikum Großhadern
Ludwig-Maximilians-Universität
Marchioninistraße 15
D–81377 München
Email: Wolfgang.Hartl@med.uni-muenchen.de
Übersichten
Gegenwärtiger Einsatz von Hirudin in der Notfall- und Intensivmedizin
T. Ziegler, C. Winkler und A. Schau
Abstract
T. Ziegler1, C. Winkler2 und A. Schau3
1Arztpraxis, Stadtilm, 2Thüringenklinik “G. Agricola”, Saalfeld, 3Sophien- und Hufeland-Klinikum, Weimar
Hintergrund: In der Prophylaxe und Therapie thromboembolischer Erkrankungen ist die Beeinflussung der Gerinnungsfaktoren II und X ein wichtiger pathogenetischer Ansatzpunkt. Das Spektrum der zur Verfügung stehenden Substanzen hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. In den klinischen Studien dominieren die niedermolekularen Heparine. Pathophysiologie: Ein direkter Thrombin-Inhibitor ist das Hirudin. Es wirkt sowohl auf freies, als auch auf fibringebundenes Thrombin und benötigt keine Kofaktoren, wie beispielsweise Antithrombin. Eine Wechselwirkung mit Thrombozyten (HIT-Gefahr) besteht nicht. Problematisch sind Blutungskomplikationen unter der Hirudintherapie sowie der hohe Preis des Medikamentes. Schlußfolgerungen: Hirudin ist eine sichere und hochwirksame Substanz, die zur Prophylaxe und Therapie der tiefen Beinvenenthrombose, beim akuten Koronarsyndrom sowie zur Antikoagulation bei Hämodialyse eingesetzt werden kann. In Fällen von Heparin-induzierter-Thrombopenie (HIT) stellt Hirudin eine wichtige Alternative dar.Correspondence to:
Dr. med. T. Ziegler
Arztpraxis Stadtilm
Weimarische Straße 50
D–99326 Stadtilm
Email: ziegler_tom@web.de
Kasuistik
Letaler Verlauf eines Streptokokken-assoziierten toxischen Schocksyndroms (STSS) bei einer 33-jährigen Patientin
M. Lange, R.R. Reinert und E. Holz
Abstract
M. Lange1, R.R. Reinert2 und E. Holz1
1Medizinische Klinik IV, St. Franziskus Hospital, Münster, 2Institut für Medizinische Mikrobiologie, Nationales Referenzzentrum für Streptokokken, Universitätsklinikum der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule, Aachen
Eine 33-jährige Patientin wurde im septischen Schock bei beidseitiger Pneumonie aufgenommen. Trotz maximaler intensivmedizinischer Therapie war der Krankheitsverlauf rasch progredient, und die Patientin verstarb 18 Stunden später. Post mortem wurde in den Blutkulturen und in der bronchoalveolären Lavage Streptococcus pyogenes nachgewiesen. Es handelt sich um einen fulminanten Verlauf eines Streptokokken-assoziierten toxischen Schocksyndroms (STSS) bei einer jungen Patientin ohne Vorerkrankungen. Als Eintrittspforte für die Streptokokken ist eine Tonsillitis anzusehen, die zwei Wochen vor der stationären Aufnahme diagnostiziert und fünf Tage antibiotisch behandelt worden war.Correspondence to:
Dr. med. E. Holz
Medizinische Klinik IV
St. Franziskus Hospital
Hohenzollernring 72
D–48145 Münster
Email: eduard.holz@sfh-muenster.de