Jahrgang 56, No. 2/2008(2. Quartal)
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Dermatologie in Beruf und Umwelt
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Editorial
Noxenbezogene Primärprävention beruflich bedingter Kontaktallergien – die Rolle der “MAK-Kommission” der DFG
A. Schnuch
Abstract
A. Schnuch
Angesichts der allseits bekannten Bedeutung beruflich bedingter Hauterkrankungen, insbesondere der Kontaktallergien (KA), sind nach wie vor wirksame Präventionskonzepte im Berufskrankheitengeschehen gefordert. Deren Ziel muss es sein, das Neuauftreten (Primärprävention) oder Wiederauftreten (Sekundärprävention) solcher Hautkrankheiten zu verhindern. Präventionskonzepte können im Hinblick auf ihre Wirksamkeit hierarchisch geordnet werden (Tab. 1). Bei dieser Betrachtungsweise wäre grundsätzlich die Primärprävention gegenüber Sekundär- und Tertiärprävention vorrangig. Während die individuelle Primärprävention durch technische oder organisatorische Maßnahmen bzw. persönliche Schutzausrüstung die Exposition gegenüber den betreffenden Noxen am Arbeitsplatz vermindern oder verhindern soll, richtet sich die generelle Primärprävention gegen die Noxe selbst. Im Falle der KA kann eine gegen die Noxe (das Allergen) gerichtete Maßnahme sowohl eine Sensibilisierung verhindern (Primärprävention), als auch vor der Entstehung eines allergischen Kontaktekzems schützen (Sekundärprävention). Da die individuelle Meidung allergener Stoffe oft schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, kommt der generellen, noxenbezogenen Primärprävention im Bereich der KA eine große, das “STOP-Prinzip” geradezu exemplarisch belegende, Bedeutung zu. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Primärprävention sind die Identifikation der Noxe, ihre berufsdermatologische Bewertung (Einzelfälle oder häufiges Problem? allergene Potenz der Noxe?), die Auswahl der Alternative im Falle einer Stoffsubstitution, auch unter weiteren toxikologischen Aspekten, und schließlich die Erfolgskontrolle [1]. Entsprechend dieser unterschiedlichen, sich aber notwendigerweise ergänzenden Anforderungen wirken verschiedene Institutionen dabei mit, u.a. Epidemiologische Überwachungssysteme [2], beratende Expertengremien (s. auch www.abd.dermis.net) [3], die “MAK-Kommission” der DFG [4] und schließlich der Gesetzgeber mit der Gefahrstoffverordnung und ihrer Umsetzung (TRGS und R-Sätze) [5, 6].
Die “Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe” der Deutschen Forschungsgemeinschaft leitet nicht nur den MAK-Wert eines Stoffes am Arbeitsplatz ab (MAK: Maximale Arbeitsplatz-Konzentration), sondern bewertet Stoffe auch hinsichtlich ihrer Kanzerogenität, des Beitrages zur systemischen Toxizität nach Hautresorption, der Gefährdung der Schwangerschaft, der Keimzellmutagenität und schließlich auch hinsichtlich der sensibilisierenden Wirkung [7]. Wird ein Stoff als Kontaktallergen eingestuft, dann erfolgt ein Eintrag in der MAK und BAT-Werte Liste mit “sh” (sensibilisierend Haut). Bei Atemwegsallergenen lautet der Eintrag “sa” (sensibilisierend Atemwege). Grundlage für diese Einstufungen sind die Empfehlungen der Arbeitsgruppe (AG) “Haut und Allergie” der MAK-Kommission [4]. Diese Empfehlungen sind als ein “Expertenurteil” zu verstehen, das sich auf Bewertungen des Stoffes durch die AG gründet, und zwar nach Sichtung und kritischer Würdigung aller verfügbaren Erkenntnisse zur sensibilisierenden Wirkung beim Menschen und beim Tier. Für den Prozess der Bewertung und Einstufung eines Stoffes hat die AG Kriterien erarbeitet und veröffentlicht, um diesen rational und konsistent, sowie verständlich und transparent für Außenstehende zu machen [8]. Wesentliches Merkmal dieses Algorithmus ist die Bewertung der Erkenntnisse, die unterschiedlichen Evidenzstufen zugeordnet wird [7]. Die Begründung für eine Einstufung und Kennzeichnung in der MAK- und BAT-Werte-Liste mit “sh” oder mit “sa” wird, zusammen mit den Begründungen zu anderen Endpunkten, in den toxikologisch-arbeitsmedizinischen Begründungen von MAK-Werten veröffentlicht [9].
Um die Arbeit der Kommission und der Arbeitsgruppe “Haut und Allergie” einem breiteren, arbeitsmedizinisch bzw. berufsdermatologisch tätigen Leserkreis vorzustellen, sollen nun ausgewählte Begründungstexte zur sensibilisierenden Wirkung von Arbeitsstoffen in redaktionell angepasster Form in dieser Zeitschrift nachgedruckt werden. Das wesentliche Ergebnis der Arbeit dieser AG ist die wissenschaftliche Begründung für die Identifizierung eines Stoffes als Allergen, einer entscheidenden Voraussetzung für eine noxenbezogene Prävention.
Originalarbeit
Hautkrebs durch UV-Licht – eine neue Berufskrankheit? Teil 2: Medizinischer und epidemiologischer Erkenntnisstand für die Aufnahme in die BK-Liste (Teil 2)
T.L. Diepgen und O. Blome
Abstract
T.L. Diepgen1 und O. Blome2
1Universitätsklinikum Heidelberg, Klinische Sozialmedizin, Berufs- und Umweltdermatologie, Heidelberg, 2Köln
Natürliche und künstliche ultraviolette Strahlung kann Hautkrebs verursachen und an vielen Arbeitsplätzen sind Beschäftigte einer erhöhten beruflichen Exposition gegenüber natürlichen und künstlichen UV-Strahlen ausgesetzt, so dass sich die Frage stellt, ob die Voraussetzungen für einen neue Listenerkrankung “UV-Lichtinduzierter Hautkrebs als Berufskrankheit” gegeben sind. Während im Teil 1 die rechtlichen Voraussetzungen für die Aufnahme einer Erkrankung in die BK-Liste (generelle Geeignetheit) im zeitlichen Wandel dargestellt und die Unterschiede zwischen der Anerkennung nach § 9 Absatz 2 SGB VII und der generellen Geeignetheit diskutiert wurden, werden in dem hier vorliegenden Teil 2 der medizinische und epidemiologische Sachverhalt aufgrund der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse dargestellt. Die kritische Bewertung der verfügbaren Studien führt zu dem Ergebnis, dass für Plattenepithelkarzinome, Aktinische Keratosen und Morbus Bowen, aber auch Basaliome, die berufliche Verursachung durch UV-Licht mit hinreichender Sicherheit für Outdoorworker wie Bauarbeiter, Dachdecker, Landwirte bzw. Landarbeiter, Müllwerker und andere nachgewiesen ist. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Voraussetzungen für die Aufnahme in die BK-Liste gegeben sind (sogenannte generelle Geeignetheit) und schlagen eine neue Berufserkrankung BK 5103 “Hautkrebs durch berufliche UV-Exposition” vor.Correspondence to:
Prof. Dr. T.L. Diepgen
Universitätsklinikum Heidelberg
Klinische Sozialmedizin, Berufs- und
Umweltdermatologie
Thibaut Straße 3
D-69115 Heidelberg
Email: thomas.diepgen@med.uni-heidelberg.de
Serie – “MAK”-Allergene
Allergene aus der “MAK- und BAT-Werte-Liste”: 1,6-Hexandioldiglycidylether
H. Lessmann für die Arbeitsgruppe “Haut und Allergie” der DFG-Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe
Abstract
H. Lessmann für die Arbeitsgruppe “Haut und Allergie” der DFG-Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe
IVDK-Zentrale, Universität Göttingen
In mehreren Untersuchungen wurden positive Epikutantest-Reaktionen auf den als Reaktivverdünner eingesetzten 1,6-Hexandioldiglycidylether (CAS 16096-31-4) bei Epoxidharz-exponierten Beschäftigten mit Verdacht auf eine Kontaktsensibilisierung ermittelt. Tierexperimentelle Untersuchungsergebnisse liegen nicht vor. Demgegenüber liegen bisher keine Hinweise auf eine atemwegssensibilisierende Wirkung der Substanz vor.Correspondence to:
Dr.-rer. nat. H. Lessmann
IVDK an der Universität Göttingen
von-Siebold-Straße 3
D-37075 Göttingen
Email: hlessma1@gwdg.de
Serie – “MAK”-Allergene
Allergene aus der “MAK- und BAT-Werte-Liste”: 1,4-Butandioldiglycidylether
H. Lessmann für die Arbeitsgruppe “Haut und Allergie” der DFG-Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe
Abstract
H. Lessmann für die Arbeitsgruppe “Haut und Allergie” der DFG-Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe
IVDK-Zentrale, Universität Göttingen
Sowohl in klinischen Untersuchungen (Epikutantestung von Epoxidharz-exponierten Beschäftigten mit Verdacht auf allergisches Kontaktekzem) als auch in experimentellen Untersuchungen an Meerschweinchen finden sich eindeutige Hinweise auf ein kontaktsensibilisierendes Potenzial des als Reaktivverdünner eingesetzten 1,4-Butandioldiglycidylether (CAS 2425-79-8). Aus diesem Grund wurde 1,4-Butandioldiglycidylether als “Sensibilisierend bei Hautkontakt” klassifziert. Demgegenüber liegen bisher keine Hinweise auf eine atemwegssensibilisierende Wirkung der Substanz vor.Correspondence to:
Dr.-rer. nat. H. Lessmann
IVDK an der Universität Göttingen
von-Siebold-Straße 3
D-37075 Göttingen
Email: hlessma1@gwdg.de
Serie – Allergie & BK 5101
MDE-Bewertung für Quecksilber(II)-amidchlorid
D. Becker, H. Dickel, J. Geier, S.M. John, H. Lessmann, V. Mahler, E. Rogosky, Chr. Skudlik, E. Wagner, E. Weisshaar, T.L. Diepgen für die Arbeitsgruppe “Bewertung der Allergene bei BK ” der Arbeitsgemeinschaft für Ber
Abstract
D. Becker1, H. Dickel2, J. Geier3, S.M. John4, H. Lessmann5, V. Mahler6, E. Rogosky7, Chr. Skudlik4, E. Wagner8, E. Weisshaar9, T.L. Diepgen9 für die Arbeitsgruppe “Bewertung der Allergene bei BK 5101” der Arbeitsgemeinschaft für Ber
1Universitäts-Hautklinik Mainz; 2Universitäts-Hautklinik Bochum; 3Informationsverbund Dermatologischer Kliniken Universität Göttingen; 4Fachgebiet Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie Universität Osnabrück, 5IVDK-Zentrale, Hautklinik G
Die nachfolgende evidenz-basierten Empfehlungen dienen zur Beurteilung der Auswirkung einer Allergie gegenüber Quecksilber(II)-amidchlorid im Hinblick auf die dadurch verschlossenen Arbeitsmöglichkeiten, wie diese für die Einschätzung der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) bei berufsbedingten Hauterkrankungen nach BK Nr. 5101 der Berufskrankheitenverordnung notwendig ist. Auch unter Berücksichtigung der Indikatorfunktion dieser Substanz für ein Sensibilisierung gegen Quecksilberverbindungen sind die Auswirkungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt als “geringgradig” einzustufen, da die gesamte Substanzgruppe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in krankheitsauslösender, nicht meidbarer Form nur geringgradig verbreitet ist.Correspondence to:
Prof. Dr. T.L. Diepgen
Abteilung Klinische Sozialmedizin,
Berufs- und Umweltdermatologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Thibautstraße 3
D–69115 Heidelberg
Email: thomas.diepgen@med.uni-heidelberg.de
Serie – Allergie & BK 5101
Begründung für die Beurteilung der Auswirkungen von Allergien gegenüber Wollwachsalkoholen und Cetylstearylalkohol im Rahmen der MdE-Bewertung
C. Skudlik, S.M. John, D. Becker, H. Dickel, J. Geier, H. Lessmann, V. Mahler, E. Rogosky, E. Wagner, E. Weisshaar, T.L. Diepgen für die Arbeitsgruppe “Bewertung der Allergene bei BK ” der Arbeitsgemeinschaft für Beruf
Abstract
C. Skudlik1, S.M. John1, D. Becker2, H. Dickel3, J. Geier4, H. Lessmann4, V. Mahler5, E. Rogosky6, E. Wagner7, E. Weisshaar8, T.L. Diepgen8 für die Arbeitsgruppe “Bewertung der Allergene bei BK 5101” der Arbeitsgemeinschaft für Beruf
1Fachgebiet Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie Universität Osnabrück, 2Universitäts-Hautklinik Mainz, 3Universitäts-Hautklinik Bochum, 4Informationsverbund Dermatologischer Kliniken Universität Göttingen, 5Universitäts-Hautklinik Er
Wollwachsalkohole und Cetylstearylalkohol kommen als Berufssubstanzen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur in sehr geringem Umfang vor. Gleichwohl sind berufliche Expositionsmöglichkeiten beschrieben, ferner ist ein mittelbar berufsbedingter Erwerb dieser Sensibilisierungen durch die Anwendung von Hautschutzmitteln oder im Rahmen der Therapie berufsbedingter Hauterkrankungen denkbar. Im Rahmen der gutachterlichen Bewertung berufsbedingter Typ-IV-Sensibilisierungen gegenüber diesen beiden Allergenen sind die Auswirkungen als geringgradig zu beurteilen.Correspondence to:
Prof. Dr. T.L. Diepgen
Abteilung Klinische Sozialmedizin,
Berufs- und Umweltdermatologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Thibautstraße 3
D–69115 Heidelberg
Email: thomas.diepgen@med.uni-heildelberg.de
Serie – Gutachten in der Berufsdermatologie
Berufsdermatose oder Artifizielle Dermatose?
A. Shab, M. Becker, T.L. Diepgen und E. Weisshaar
Abstract
A. Shab, M. Becker, T.L. Diepgen und E. Weisshaar
Serie – Gutachten in der Berufsdermatologie
Auftreten von multiplen Basalzellkarzinomen, Morbus Bowen und aktinischen Keratosen nach beruflich bedingter Arsenexposition
A. Römer, S. Putzke, A. Enk und T.L. Diepgen
Abstract
A. Römer, S. Putzke, A. Enk und T.L. Diepgen
Autorenreferate
8. Dermatologisches Alpenseminar: Allergologie, Berufs- und Umweltdermatologie