Jahrgang 53, No. 4/2005(4. Quartal)
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Dermatologie in Beruf und Umwelt
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| Preis für gesamte Ausgabe: 27.20$ |
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Editorial
Hautschutz – Hoffnungsdrama oder Trauerspiel?
P. Elsner, ABD-Vorsitzender, Jena
Abstract
P. Elsner, ABD-Vorsitzender, Jena
Liebe Leserinnen und Leser,
Dieses Heft der “Dermatologie in Beruf und Umwelt” ist schwerpunktmäßig dem Thema Hautschutz gewidmet. Man sollte meinen, es handle sich um ein wenig spektakuläres Thema. Wird nicht der Hautschutz seit Jahr und Tag für die Prävention beruflicher Dermatosen empfohlen und, wenn auch im Einzelfall nicht immer optimal, in der Praxis angewandt? Ist nicht die Hautschutzberatung wesentlicher Bestandteil des Hautarztverfahrens? Fordern die Berufsgenossenschaften in ihrem Rechtswerk neben der Verwendung von Schutzhandschuhen nicht optimalen Hautschutz?
Dennoch ist der Frieden um den Hautschutz trügerischer, als es scheint. Die exzellenten Beiträge in diesem Heft zum Thema lassen kritische Aspekte anklingen, aber diplomatisch milde, wie es sich für ein wissenschaftliches Journal gehört. So weist Dr. Wigger-Alberti in seinem Review darauf hin, daß die Wirksamkeit des Hautschutzes durchaus umstritten ist, ebenso wie die Methoden, die zum Wirksamkeitsnachweis eingesetzt werden sollten. Prof. Uter und Koautoren zeigen in ihrer schönen statistischen Analyse von IVDK-Daten, daß Verwender von Hautschutzpräparaten ein signifikant erhöhtes Risiko für Sensibilisierungen gegen Duftstoffe, aber auch bestimmte Konservierungsmittel haben. Wie wir ebenfalls in diesem Heft erfahren, werden Duftstoffe tatsächlich häufig in Hautschutzmitteln eingesetzt.
Was wir in diesem Heft nicht referieren, aber allen, die sich ernsthaft mit Hautschutz beschäftigen, bestens vertraut ist, sind die beunruhigenden Daten aus dem Institut für Arbeitsmedizin in Erlangen (Arbeitsgruppe von Prof. Drexler), die darauf hinweisen, daß Hautschutzmittel die perkutane Penetration bestimmter Schadstoffe bedenklich erhöhen können.
Der Hautschutz scheint also in der Krise bezüglich der Beurteilung von Wirksamkeit und Sicherheit. Überkommene Empfehlungen wanken.
Was ist zu tun? Aus der Sicht einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft ist das klar: Wir brauchen eine evidenzbasierte Herangehensweise an den Hautschutz, und zwar differenziert für jedes Präparat – denn wir können bei Externa nicht generalisieren – und typische Expositionssituationen. Für jedes von Berufsdermatologen empfohlene Präparat müssen einwandfreie Wirksamkeitsuntersuchungen und Sicherheitsbeurteilungen durchgeführt werden, und diese müssen der Fachwelt transparent zugänglich sein.
Für die Industrie bedeutet dies, die Hausaufgaben zu machen, die häufig allzu lange herausgeschoben wurden. Für uns bedeutet dies, kritischer zu sein und die für unsere berufsdermatologische Arbeit erforderlichen Informationen konsequent einzufordern. Ihre Fachgesellschaft, die ABD, tut dies.Correspondence to:
Prof. Dr. P. Elsner
Klinik für Dermatologie und dermatolologische Allergologie
Friedrich-Schiller-Universität
Erfurter Straße 35
D–07743 Jena
Email: elsner@derma.uni-jena.de
Übersicht
Möglichkeiten und Grenzen von Hautschutzmitteln
W. Wigger-Alberti
Abstract
W. Wigger-Alberti
proDERM, Schenefeld
Berufsdermatosen stellen aufgrund ihrer sozialmedizinischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung eine Herausforderung für Präventionsmedizinier und Dermatologen dar. Neben technischen und organisatorischen Maßnahmen sowie der Verwendung von Schutzhandschuhen und Schutzkleidung stellt der Einsatz von Hautschutzmitteln einen wesentlichen Bestandteil in der Prävention beruflich bedingter irritativer Kontaktekzeme dar. Dennoch wird der tatsächliche Nutzen von Hautschutzpräparaten am Arbeitsplatz weiterhin kontrovers diskutiert, was an der Vielzahl der publizierten Untersuchungsmethoden, der Widersprüchlichkeit der Ergebnisse und der nicht sorgfältigen Anwendung der Produkte durch die Anwender begründet sein mag. Neben der Verwendung als wirksam getesteter Produkte ist die Schulung zur korrekten Verwendung dieser unerläßlich. Die vorliegende Übersichtsarbeit stellt den aktuellen Stand des Wissens vor und verweist auf bestehende Leitlinien zum Thema Hautschutzmittel.Correspondence to:
Dr. med. W. Wigger-Alberti
proDERM
Kiebitzweg 2
D–22869 Schenefeld
Email: wwigger@proDERM.de
Originalarbeiten
Inhaltsstoffe von Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflege-präparaten. Eine allergologisch kommentierte Marktübersicht
M. Lange und J. Geier
Abstract
M. Lange1 und J. Geier2
1DR. LANGE HAUT + HYGIENE, Wiesbaden, 2Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK), Universität Göttingen
Zur Prävention von Berufsdermatosen werden Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegepräparate erfolgreich eingesetzt. Bei der Anwendung dieser Produkte kann jedoch eine Allergenexposition durch Grundlagenbestandteile, Konservierungsmittel oder Duftstoffe gegeben sein. Um einen Überblick über die aktuelle Situation zu erhalten, wurden die Inhaltsstoff-Deklarationen von 64 Hautschutz-, 99 Hautreinigungs- und 30 Hautpflegepräparaten von 9 großen Herstellern, die zusammen in Deutschland einen Marktanteil von ca. 60% abdecken, untersucht. Unter den Salbengrundlagen der Hautschutz- und Hautpflegepräparate dominiert der Cetylstearylalkohol. Da Sensibilisierungen gegen Cetylstearylalkohol relativ selten auftreten, ist dies aus allergologischer Sicht nicht zu beanstanden. Zur Konservierung werden am häufigsten Parabene (29%) und Phenoxyethanol (28%) eingesetzt. Auch Natriumbenzoat (19%) und Bronopol (15%) sind relativ weit verbreitet. Der vorherrschende Anteil der Mischung Parabene / Phenoxyethanol ist zu begrüßen, da diese Biozide nur sehr selten sensibilisieren. Dagegen stellt sich angesichts steigender Sensibilisierungsquoten in den letzten Jahren die Frage, ob die Verwendung von Bronopol zur Konservierung in diesem Bereich auf die Dauer günstig ist. 71% der Produkte (n = 137) sind parfümiert. Die Duftstoffe müssen hinsichtlich ihres sensibilisierenden Potentials differenziert betrachtet werden. Es ist zu wünschen, daß die häufig als Allergen in Erscheinungen tretenden Duftstoffe Eichenmoos absolue, Isoeugenol und Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde nicht in Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemitteln verwendet werden.Correspondence to:
Dr. med. J. Geier
IVDK
Universitäts-Hautklinik
Von-Siebold-Straße 3
D–37075 Göttingen
Email: jgeier@ivdk.org
Originalarbeiten
Inhaltsstoffe von Hautschutz- und -pflegemitteln aus allergologischer Sicht. Analyse von IVDK-Daten und Literaturübersicht
W. Uter, J. Geier, H. Lessmann und A. Schnuch
Abstract
W. Uter1, J. Geier2, H. Lessmann2 und A. Schnuch2
1Institut für Medizininformatik, Biometrie und Epidemiologie der Universität Erlangen-Nürnberg, 2Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK), Universität Göttingen
In den Abteilungen des IVDK-Netzwerks (www.ivdk.org) wurden von Januar 1995 bis Dezember 2004 insgesamt 91.297 Patienten epikutan getestet. Darunter wurden 670 Patienten mit aktuell bestehendem berufsbedingtem Handekzem als Fallgruppe identifiziert, bei denen (unter anderem) Hautschutz- und -pflegemittel (HSPM) als Ekzemauslöser angeschuldigt wurden. Das Spektrum von Kontaktallergien gegen potentielle Inhaltsstoffe von HSPM sowie das relative Risiko einer bestimmten Sensibilisierung, geschätzt durch eine adjustierte Poisson-Regressionsanalyse, im Vergleich zu 4 Vergleichsgruppen mit andersartigem Anamnese-Profil, wurde analysiert. Dabei fanden sich signifikante Risikoerhöhungen für Duftstoffe (Duftstoff-Mix, Perubalsam, Eichenmoos abs., Isoeugenol) und Konservierungsmittel (Methyldibromoglutaronitril, geringer auch bei Chlormethylisothiazolinon/Methylisothiazolinon) sowie Propolis. Bei Grundlagenbestandteilen wie Wollwachsalkoholen und besonders dem Derivat Amerchol L 101 war demgegenüber keine nennenswerte Risikosteigerung zu beobachten. Als Konsequenz sollte gerade bei der beruflichen Anwendung, nicht selten auf (subklinisch) vorgeschädigter Haut, besonders sorgfältig auf “Hypoallergenität” geachtet werden. Nach einer Literaturübersicht können in Einzelfällen Kontaktallergien gegen diverse andere Bestandteile auftreten, was nur durch (Aufschlüsselungs-) Testung der verwendeten Produkte diagnostiziert werden kann.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W. Uter
Institut für Medizininformatik, Biometrie und Epidemiologie
Waldstraße 6
D–91054 Erlangen
Email: wolfgang.uter@rzmail.uni-erlangen.de
Originalarbeiten
Handekzeme in der Zahnarztpraxis – Auswertung einer fragebogengestützten Analyse
L. Bogner und M. Worm
Abstract
L. Bogner und M. Worm
Allergie-Centrum-Charité, Bereich Berufsdermatologie und Umweltmedizin, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Charité Campus MitteUniversitätsmedizin Berlin
Mitarbeiter in Zahnarztpraxen sind aufgrund des Tätigkeitsprofils einer erhöhten Hautbelastung ausgesetzt. Ziel der Untersuchung war, die Häufigkeit und Auslöser von arbeitsplatzbezogenen Hautproblemen von Personal in zahnärztlichen Praxen mittels einer fragebogengestützten Analyse zu erfassen. Neben der allergologischen Eigenanamnese wurden Parameter wie Handschuhart und -tragezeit, Desinfektionsmittelgebrauch, Anwendung von Hautpflege- und Hautschutzmitteln ausgewertet. Der Fragebogen wurde an 1.222 randomisiert ausgewählte Zahnarztpraxen verschickt und von allen Beschäftigten einer Praxis ausgefüllt. Die Ergebnisse zeigen, daß 17,3% von n = 987 befragten Personen aus 244 Zahnarztpraxen (Rücklaufquote 19,7%) arbeitsplatzbezogene Hautprobleme angeben. Es fand sich kein statistischer Zusammenhang zwischen Personen mit arbeitsplatzbezogenen Hautproblemen und Alter, Geschlecht, Berufsjahren oder der wöchentlichen Arbeitszeit. Die detaillierte Befragung der Personen mit arbeitsplatzbedingten Hautproblemen (n = 150) zu möglichen Auslösern ergab, daß Handschuhe mit 73%, Desinfektionsmittel mit 42%, Hautpflegemittel mit 8% und die Hautschutzmittel mit 2,7% genannt wurden. Bei Hautproblemen im Zusammenhang mit Handschuhen wurden die Beschwerden häufiger in den ersten 20 Minuten als 1 bis 2 Tage später angegeben (4:1). Die Befragung nach bestehender Atopie ergab am häufigsten (46,5%) eine allergische Rhinitis. 26% der Befragten mit arbeitsplatzbezogenen Hautproblemen berichten über eine bestehende Latexallergie. Die Daten zeigen, daß arbeitsplatzbezogene Hautprobleme in Zahnarztpraxen häufig sind und vor allem Handschuhe und Desinfektionsmittelgebrauch von den Befragten als Auslöser angegeben werden. Auch die Latexallergie wird noch sehr häufig als Auslöser angegeben. Primär- aber auch sekundärpräventive Maßnahmen sind für den Bereich der Zahnarztpraxen erforderlich, um dem Entstehen von Handekzemen entgegenzuwirken.Correspondence to:
Prof. Dr. med. M. Worm
Allergie-Centrum-Charité
Bereich Berufsdermatologie und Umweltmedizin
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Charité Campus Mitte
Universitätsmedizin Berlin
Luisenstraße 2 – 5
D–10117 Berlin
Email: margitta.worm@charite.de
Serie – Gutachten in der Berufsdermatologie
Dyshidrotisches Ekzem der Hände und Füße bei anlagebedingter ato-pischer Diathese und Hyperhidrose
A. Schmidt
Zuschrift
Hautschutz in der Schweiz: Neuere pädagogische Hilfsmittel aus dem Internet
H. Rast und D. Perrenoud
Abstract
H. Rast und D. Perrenoud
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