Jahrgang 36, No. 3/2010(März)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Editorial
Lungenfunktionsprüfung heute
28. Workshop “Lunge – Umwelt – Arbeitsmedizin”
Respiratorische Reihenuntersuchungen an Schülern: Entscheidungsgrundlagen für die kommunale Gesundheitspolitik?
H. Moshammer
Abstract
Atemw.-Lungenkrkh., Jahrgang 36, Nr. 3/2010, S. 90–93
Respiratorische Reihenuntersuchungen an Schülern: Entscheidungsgrundlagen für die kommunale Gesundheitspolitik?
H. Moshammer
Institut für Umwelthygiene, Medizinische Universität Wien, Österreich
In mehreren Kampagnen der letzten Jahre untersuchten wir die respiratorische Gesundheit von Schulkindern. Diese wurde mittels Fragebogen, klinischer Untersuchung und Spirometrie erhoben. Letztere erwies sich als besonders sensitiv und erlaubte den Nachweis verschiedener Umwelteinflüsse. Sowohl die Schadstoffbelastung der Außenluft wie auch deren Verbesserung über die Zeit ließen sich an den Messparametern abbilden. Bei den Wohnbedingungen stachen das Leben in einem Raucherhaushalt und Mängel wie zum Beispiel Feuchte und Schimmelbildung hervor. Auch die Lage der Wohnung an verkehrsreichen Straßen wies einen Einfluss auf. An protektiven Faktoren für die Lungenfunktion konnten Stillen und sportliche Betätigung der Kinder belegt werden.Correspondence to:
Univ.-Doz. Dr. med. H. Moshammer
Institut für Umwelthygiene
Medizinische Universität Wien
Kinderspitalgasse 15
A–1095 Wien
Email: hanns.moshammer@meduniwien.ac.at
28. Workshop “Lunge – Umwelt – Arbeitsmedizin”
Tiere als Opfer von oder “Sentinels” für Luftverschmutzung
R. van den Hoven
Abstract
Atemw.-Lungenkrkh., Jahrgang 36, Nr. 3/2010, S. 94–101
Tiere als Opfer von oder “Sentinels” für Luftverschmutzung
R. van den Hoven
Klinische Abteilung für Interne Medizin der Perde, Veterinärmedizinische Universität, Österreich
Die Domestizierung des Hundes, der Katze und des Pferdes hat diese Tierarten in die gleiche Gesundheitslage gebracht wie ihre Meister. Deshalb könnte die Betrachtung der Erkrankungen von Tieren, die eng mit Menschen zusammen leben oder mit diesen dieselben Räume teilen, ein besseres Verständnis über die umweltbedingten Risikofaktoren für die humane Gesundheit aufzeigen. Es ist schon längst über das Vorkommen von Blasenkarzinomen, Mesotheliomen, Lymphomen und Lungen- und Nasenhöhlenkrebs bei Hund und Katze, deren Besitzer Tabak rauchten, berichtet worden. Ein anderer bekannter Faktor ist, dass viele Pferde, die in Ställen mit durch hohe Feinstaubpartikelkonzentrationen verschmutzter Luft untergebracht sind, an einer allergischen Bronchitis leiten. Die asthmatischen Symptome klingen aber ab, sobald sich die Luftqualität verbessert. Die zugrunde liegenden entzündlichen Prozesse jedoch verbleiben weiterhin auf einem subklinischen Niveau. Wegen dem rezidivierenden Charakter der Symptome ist die Erkrankung heute bekannt als Recurrent Airway Obstruction (RAO). Jene Pferde aber, die nicht erblich belastet mit RAO sind, können trotzdem entzündliche Luftwegserkrankungen (Inflammatory Airway Disease: IAD) entwickeln; ein Syndrom, das viele ähnliche Aspekte mit dem humanen Organic Dust Toxic Syndrome zeigt. In jenen Ländern, wo Pferde ganzjährig im Freien gehalten werden, ist die Inzidenz für RAO und IAD äußerst niedrig. Die Frage, ob die Domestikation den Pferden etwas Gutes gebracht hat, ist schwierig zu beantworten. Vom evolutionären Blickwinkel aus betrachtet war die Gattung der Equiden, als der Mensch kam, schon auf seinem Rückgang; der Mensch rettet jene spezielle Art, die ihm als Reit- oder Zugtier und für andere Zwecke, inklusive dem Verspeisen und auch dem Überwachen der humanen Gesundheit, dient.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. med. vet. R. van den Hoven
Klinische Abteilung für Interne Medizin Pferde
Veterinärmedizinische Universität Wien
Veterinärplatz 1
A–1210 Wien
Email: Rene.vandenHoven@vu-wien.ac.at
28. Workshop “Lunge – Umwelt – Arbeitsmedizin”
Isocyanat-Asthma
R. Merget
Abstract
Atemw.-Lungenkrkh., Jahrgang 36, Nr. 3/2010, S. 102–105
Isocyanat-Asthma
R. Merget
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IPA), Institut der Ruhr-Universität Bochum
Isocyanate gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen beruflichen Asthmas. Große Fortschritte gab es in den letzten Jahren im Ambient-Monitoring mit Erfassung der reaktiven NCO-Gruppen und im Biomonitoring mit Erfassung der entsprechenden Amine im Urin. Diese Fortschritte sollten sowohl in Prävention als auch Kompensation genutzt werden. Es gibt Hinweise dafür, dass nichtinvasive Verfahren wie die Messung von eNO und serielle Methacholintests die Sensitivität bronchialer Provokationstests verbessern können.Correspondence to:
Prof. Dr. med. R. Merget
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der
Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
D–44789 Bochum
Email: merget@ipa-dguv.de
28. Workshop “Lunge – Umwelt – Arbeitsmedizin”
Volkswirtschaftliche Effekte des Rauchens in Österreich und Einnahmen des Staates aus dem Zigarettenkonsum Minderjähriger
M. Pock, T. Czypionka und M. Neuberger
Abstract
Atemw.-Lungenkrkh., Jahrgang 36, Nr. 3/2010, S. 106–111
Volkswirtschaftliche Effekte des Rauchens in Österreich und Einnahmen des Staates aus dem Zigarettenkonsum Minderjähriger
M. Pock1, T. Czypionka1 und M. Neuberger2
1Institut für Höhere Studien, Wien, 2Medizinische Universität Wien, Österreich
Aus repräsentativen Erhebungen zum Tabakkonsum in Österreich, alters- und geschlechtsspezifischen attributablen Risiken für spezifische Todesursachen und Inanspruchnahme sozialer Leistungen in Abhängigkeit vom Raucherstatus werden Kosten des Rauchens geschätzt und den Aktiva gegenübergestellt (Einnahmen durch Tabaksteuer und Entfall von Alterspensionen durch vorzeitigen Tod von Rauchern). Insgesamt ergab sich ein volkswirtschaftlicher Verlust von 511,4 Millionen Euro pro Jahr. Aus repräsentativen Schülerumfragen errechnet sich für 2006 ein Tabaksteueraufkommen der 11- bis 17-Jährigen von 60,5 Millionen Euro, die der Staat behielt, ohne in Tabakprävention zu investieren. Aufklärungskampagnen zu Folgen des Passivrauchens, die Rauchertherapie und die Bekämpfung des Zigarettenschmuggels sollten aus der Tabaksteuer finanziert werden. Besonders der Tabakkonsum von Jugendlichen müsste in Österreich gesenkt werden, unter anderem indem die Tabaksteuer angehoben wird.Correspondence to:
Mag. Dr. M. Pock
Institut für Höhere Studien
Stumpergasse 56
A–1060 Wien
Email: pock@ihs.ac.at
28. Workshop “Lunge – Umwelt – Arbeitsmedizin”
Aktuelle Radiologie bei Pneumokoniosen
B. Machan
Abstract
Aktuelle Radiologie bei Pneumokoniosen
B. Machan
Abteilung für Berufskrankheiten und Arbeitsmedizin, Rehabilitationsklinik Tobelbad der AUVA, Tobelbad, Österreich
Durch den zunehmenden Stellenwert der digitalen Röntgentechnik ergeben sich neue Herausforderungen in der standardisierten Befundung von Lungenröntgenaufnahmen bei Pneumokoniosen nach der ILO-Klassifikation. Geplant ist die Implementierung von ILO-2000-D-Standardsätzen, die eine korrekte Klassifizierung von Bildern am Monitor (Softcopies) ermöglichen werden. Bis zur Verfügbarkeit dieses Filmsatzes wird als Kompromisslösung eine Monitorbefundung digitaler Filme im Vergleich zu den derzeit verfügbaren Standardfilmen “analog der ILO-Klassifikation” akzeptiert.Correspondence to:
Prim. Dr. med. Barbara Machan
Rehabilitationsklinik Tobelbad der AUVA
Dr. Georg-Neubauer-Straße 6
A–8144 Tobelbad
Email: Barbara.Machan@auva.at
Originalarbeit
Können klinische Krebsregister einen Beitrag zur Evaluation der Versorgungsqualität des Lungenkarzinoms leisten?
J. Merk, A. Jagota, B. Schicke, M. Klinkhammer-Schalke, A. Tillack und G. Schubert-Fritschle
Abstract
Atemw.-Lungenkrkh., Jahrgang 36, Nr. 3/2010, S. 114–119
Können klinische Krebsregister einen Beitrag zur Evaluation der Versorgungsqualität des Lungenkarzinoms leisten?
J. Merk, A. Jagota, B. Schicke, M. Klinkhammer-Schalke, A. Tillack und G. Schubert-Fritschle
Abteilung Thoraxchirurgie, Evangelische Lungenklinik Berlin
Die Erfassung epidemiologischer Daten bietet einen guten Überblick über Auftreten und Verlauf verschiedener Tumorentitäten. Nicht erfasst werden dabei therapieassoziierte Faktoren, die eine wichtige Voraussetzung zur Ermittlung der Versorgungsqualität darstellen. Können die klinischen Krebsregister mit ihren Daten diese Lücke schließen? In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (ADT) wurden pseudonymisierte Patientendaten aus insgesamt 28 klinischen Krebsregistern (11 Bundesländer) in eine einheitliche Datenbank integriert und ausgewertet. Aus mehr als 109.000 Krankheitsverläufen wurden die Datensätze von 95.875 Patienten (Diagnosezeitpunkt von 1998 – 2005) ausgewählt. Unter Berücksichtigung der veröffentlichten Anzahl an Neuerkrankungen, die eine Schätzung für die gesamte Bundesrepublik Deutschland darstellen, zeigt sich, dass unsere Untersuchung etwa 30% aller neu diagnostizierten Lungenkarzinome in Deutschland erfasst. Alters- und Geschlechtsverteilung wie auch die histologische Subtypen stimmen gut mit den Daten der epidemiologischen Register überein. Bei 22.414 Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) bestanden zum Diagnosezeitpunkt bereits Fernmetastasen (gesichertes UICC-Stadium IV). Beispielhaft können für dieses Tumorstadium Unterschiede im Überleben in Abhängigkeit von der Durchführung einer Therapie dargestellt werden. Hierbei werden auch regionale Schwankungen in der Anzahl der Patienten sichtbar, die einer dokumentierten, leitlinienkonformen Therapie im Stadium IV zugeführt werden. Die klinischen Krebsregister erfassen in der Literatur belegte prognostisch und therapeutisch relevante Parameter beim Lungenkarzinom. Wie exemplarisch am UICC-Tumorstadium IV des NSCLC gezeigt, ermöglicht die Auswertung dieser Datengrundlage einen guten Überblick der aktuellen Versorgungssituation des Lungenkarzinoms in Deutschland.Correspondence to:
Dr. med. J. Merk
Abteilung Thoraxchirurgie
Evangelische Lungenklinik Berlin
Lindenberger Weg 27
D–13125 Berlin
Email: johannes.merk@elk-berlin.de
Übersicht
Arbeits- und umweltbedingte Lungenerkrankungen: Was hat sich seit 1992 getan?
X. Baur
Abstract
Atemw.-Lungenkrkh., Jahrgang 36, Nr. 3/2010, S. 120–127
Arbeits- und umweltbedingte Lungenerkrankungen: Was hat sich seit 1992 getan?
X. Baur
Ordinariat für Arbeitsmedizin, Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin Hamburg
Im Rückblick auf die 16 Jahre seit der erst- und zugleich letztmaligen Behandlung dieses Themas in der traditionsreichen Reichenhaller Kolloquiumserie fällt der mittels sensitiver Instrumentarien gewonnene enorme Wissenszuwachs über Krankheitsursachen und zugrunde liegende Pathomechanismen auf. So haben uns molekularbiologische und epidemiologische Ansätze eine erheblich erweiterte und vertiefte Sicht der Auslöser und pathophysiologischen Vorgänge von arbeits- und umweltbedingten Lungenerkrankungen gebracht. 1992 kannten wir die molekulare Struktur von nur einer Handvoll inhalativ bedeutsamen Allergenen, heute sind es Hunderte (beispielsweise erhöhte sich die Anzahl der strukturell definierten Latexallergene von 1 auf 13). Ähnliches gilt für die inzwischen gut belegten Dosis-Wirkungs-Beziehungen inhalativer Schadstoffe sowie die generelle inflammatorische und kanzerogene Wirkung von alveolengängigen Stäuben. Auch die Umsetzung des erweiterten Wissensstandes in die Regelwerke des Umwelt- und Arbeitsschutzes ist vorangekommen, auch wenn zum Teil erhebliche Widerstände zu anhaltenden Verzögerungen führten und noch führen. Verwiesen wird auf die erweiterte und verfeinerte Festlegung von Richt- und Grenzwerten für zahlreiche Inhalationsnoxen in der allgemeinen Umwelt und am Arbeitsplatz sowie mehrere neue Berufskrankheiten des Atemtrakts. Die reduzierte Schadstoffbelastung in der allgemeinen Umwelt hat inzwischen erfreulicherweise einen Rückgang von Morbidität und Mortalität zur Folge. Aus gleichartigen Gründen nahmen die Berufskrankheitenanzeigen und -anerkennungen in den letzten 15 Jahren um ca. 40% ab (Ausnahme: asbestbedingte Erkrankungen wegen Latenzzeit). In diesem Zusammenhang sind auch die EU-weiten Regularien zum Nichtraucherschutz mit weitgehender Verbannung des Rauchens aus öffentlichen Bereichen zu erwähnen, die mit einer Senkung des kardiopulmonalen, vaskulären und respiratorischen Erkrankungsrisikos einhergehen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. X. Baur
Ordinariat für Arbeitsmedizin
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin Hamburg
Seewartenstraße 10
D–20459 Hamburg
Email: Xaver.Baur@bsg.hamburg.de
Serie Lungenfunktion
Die Blutgasanalyse – Bilanz zwischen pulmonaler Anforderung und Leistungsfähigkeit
Industrienachricht, Mitteilungen