Jahrgang 35, No. 10/2009(Oktober)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Schlaf und Atmung bei restriktiven Ventilationsstörungen
Editorial
K. Rasche
Schlaf und Atmung bei restriktiven Ventilationsstörungen
Atmung und Schlaf
T. Schäfer
Abstract
T. Schäfer
Medizinische Fakultät, Ruhr-Universität Bochum und Institut für Klinische Physiologie, Helios Klinik, Hagen-Ambrock
Atmung und Schlaf üben eine Vielzahl wechselseitiger Einflüsse aus. Mit dem Einschlafen fallen substanzielle Atmungsantriebe weg, die aus den sensorischen Afferenzen und den weitverzweigten serotonergen, nor- adrenergen und orexinergen Neurotransmittersystemen stammen, die das Aktivitätsniveau des Zentralnervensystems kontrollieren. Daraus resultiert eine schlafbedingte Abnahme der Ventilation mit geringfügigem Anstieg des Kohlendioxidpartialdrucks im Blut. Darüber hinaus verringern sich im Schlaf die chemischen Atmungsantriebe durch Hypoxie und Hyperkapnie, die Weckschwellen für beide Blutgasabweichungen steigen. Die Atemmechanik ändert sich mit dem Schlafen: Der Muskeltonus lässt nach. Betroffen hiervon sind auch die Atemmuskeln (mit Ausnahme des Zwerchfells) sowie die oberen Atemwege. Durch die liegende Körperposition sinkt die funktionelle Residualkapazität. Dies führt zu einem verringerten Kaudalzug der Trachea. Die Kollapsneigung der oberen Atemwege wird erhöht. In gleicher Weise wirkt sich eine Flüssigkeitsumverteilung von der unteren in die obere Körperhälfte aus. Trotz aller Herausforderungen kompensiert der Gesunde dank funktionierender Atmungsregulation im Schlaf diese schlafbedingten Veränderungen im Atmungssystem. Eine Beeinträchtigung der Kompensationsmechanismen etwa durch eine restriktive Ventilationsstörung führt jedoch bald zu Symptomen, die sich oft zuerst im Schlaf bemerkbar machen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T. Schäfer, MME
Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
D-44780 Bochum
Email: Thorsten.Schaefer@rub.de
Schlaf und Atmung bei restriktiven Ventilationsstörungen
Die Internationale Klassifikation von Schlafstörungen (ICSD-2) der American Academy of Sleep Medicine (AASM). Schwerpunkt: Schlafbezogene Atmungsstörungen
H.-W. Duchna
Abstract
H.-W. Duchna
Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH, Bochum
Die Neuauflage der ICSD durch die AASM ist eine pragmatische Anleitung zur Klassifizierung von Schlaf- und Aufwachstörungen. Die ICSD-2 teilt die derzeit bekannten Schlaf- und Aufwachstörungen in acht Kategorien ein, die SBAS werden in Kategorie II aufgeführt. Die ICSD-2 ist kompatibel zu den international gebräuchlichen Systemen der Klassifikation von Krankheiten (ICD-9, ICD-10). Grundlage aller differenzialdiagnostischer Erwägungen stellt neben der ausführlichen Anamnese die Polysomnographie dar, ggf. ergänzt durch weiterführende internistische, neurologische, pädiatrische, Hals-Nasen-Ohren-ärztliche, Mund-Kiefer-Gesichts-chirurgische sowie neuropsychiologische und neurophysiologische Untersuchungen. Für den Kliniker wertvoll sind insbesondere die in Tabellenform aufgeführten klaren Diagnosekriterien. Hierdurch wird eine präzise und einheitliche Definition der SBAS ermöglicht, so z.B. bei der Unterscheidung der primären zentralen Schlafapnoe von der zentralen Schlafapnoe mit Cheyne-Stokes-Atmungsmuster. Dennoch weist die AASM auf vorhandenen Wissenslücken und den entsprechenden Forschungsbedarf in weiten Bereichen der Schlafmedizin hin. Es wird ferner betont, dass verschiedene schlafbezogene Atmungsstörungen bei ein und demselben Patienten vorkommen können und entsprechend aufgeführt werden sollen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. H.-W. Duchna
Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp Platz 1
D-44789 Bochum
Email: hans-werner.duchna@rub.de
Schlaf und Atmung bei restriktiven Ventilationsstörungen
Schlaf und Atmung bei idiopathischer Lungenfibrose
K. Rasche und M. Orth
Abstract
K. Rasche1 und M. Orth2
1Lungenzentrum, Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Klinikverbund St. Antonius und St. Josef, Wuppertal, 2Medizinische Klinik III, Theresienkrankenhaus, Mannheim
Die Prognose von Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose (Idiopathic Pulmonary Fibrosis: IPF), die den häufigsten Typ der idiopathischen interstitiellen Pneumonien darstellt, ist ungünstig. Die Symptome von Luftnot und Husten sind in der Regel progredient, 50% der Patienten versterben innerhalb von 3 Jahren nach Diagnosestellung. Die Wirksamkeit der pharmakologischen Therapie im Hinblick auf das Überleben der Patienten ist ebenso enttäuschend. Die meisten der aktuell verfügbaren Studien beschäftigen sich überwiegend mit der Diagnostik und Therapie am Tag. Die klinische Bedeutung der Schlafqualität und schlafbezogener Atmungsstörungen bei IPF wird nur anhand einer geringen Zahl von Originalarbeiten untersucht, deren wesentliche Aussagen wie folgt zusammengefasst werden können: Schlafstörungen mit Schlaffragmentation kommen bei IPF sehr häufig vor. Die Ursachen hierfür sind unter anderem nächtliches Husten, nächtliche Sauerstoffentsättigungen sowie ein auch im Schlaf gesteigerter Atemantrieb. Die Schlafstörungen bei IPF haben einen erheblichen Einfluss auf die allgemeine Lebensqualität der Patienten. Die Sauerstoffentsättigungen im Schlaf können am ehesten durch den PaO2 im Wachzustand vorhergesagt werden. Es existieren für die IPF bisher keine evidenzbasierten Empfehlungen für die Indikationsstellung zur Sauerstofftherapie und nichtinvasiven Beatmung im Schlaf. Obstruktive Schlafapnoen kommen nicht häufiger als in der Allgemeinbevölkerung vor. Eine Ausnahme stellen IPF-Patienten mit erhöhtem Body-Mass-Index dar. Treten jedoch obstruktive Atemstillstände im Schlaf bei Vorliegen einer IPF auf, sind die hieraus resultierenden Sauerstoffentsättigungen deutlich stärker ausgeprägt als bei alleiniger Schlafapnoe. Die Therapie von Schlafstörungen und schlafbezogenen Atmungsstörungen bei IPF ist nur individuell durchzuführen. Bei Fehlen einer effektiven Therapiemöglichkeit der IPF erscheint jedoch die Optimierung der Schlaf- und Lebensqualität durch die Behandlung von Schlafstörungen als ein wichtiges Ziel. Es sind allerdings weitere Studien, die den Effekt spezieller Behandlungsmethoden im Schlaf untersuchen, erforderlich.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Rasche
Lungenzentrum
Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin
Klinikverbund St. Antonius und St. Josef GmbH
Vogelsangstraße 106
D–42109 Wuppertal
Email: kurt.rasche@antonius.de
Schlaf und Atmung bei restriktiven Ventilationsstörungen
Schlaf und Atmung bei thorakal-restriktiver Erkrankung
M. Wiebel
Abstract
M. Wiebel
Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin, Thoraxklinik Heidelberg
Thorakal-restriktive Erkrankungen wie das Posttuberkulosesyndrom und die Kyphoskoliose verursachen ventilatorisches Versagen, anfangs während des Nachtschlafs, im weiteren Verlauf auch im Wachzustand am Tage. Durch die intermittierende nichtinvasive Beatmung (NIV) wird das Atemversagen hoch effektiv behandelt. Mit nichtinvasiver Beatmung gelingt die Überbrückung des ventilatorisch ungünstigen Nachtschlafs sowie die Entlastung der Atemmuskulatur. Retrospektive Serien und prospektive Vergleiche zwischen NIV und Sauerstofflangzeittherapie (LTOT) belegen den Vorteil durch NIV. Die Respirator-Einstellung benötigt hohe Inspirationsdrücke mit dem Ziel der Normokapnie. Im Verlauf sollte ein erfahrenes Beatmungszentrum eingebunden werden, um Probleme wie technische Störungen und Komplikationen zu beheben.Correspondence to:
Dr. med. M. Wiebel
Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin
Thoraxklinik Heidelberg
Amalienstraße 5
D–69126 Heidelberg
Email: Matthias.Wiebel@thoraxklinik-heidelberg.de
Schlaf und Atmung bei restriktiven Ventilationsstörungen
Schlaf und Atmung bei neuromuskulären Erkrankungen
M. Orth, A. Kommer, K. Rasche und S. Kotterba
Abstract
M. Orth1, A. Kommer1, K. Rasche2 und S. Kotterba3
1Medizinische Klinik III, Theresienkrankenhaus und St. Hedwig-Klinik GmbH, Mannheim, 2Lungenzentrum, Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Klinikverbund St. Antonius und St. Josef GmbH, Wuppertal, 3Neurologische Klinik, Ammerland Klinik, Westerstede
Sowohl Schlaf als auch Atmung sind bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen (NMD) eingeschränkt. Für die Schlafarchitektur gilt eine erhebliche Einschränkung im Sinne wiederholter Weckreaktionen, sei es extern (z.B. durch Lagerung) oder aber durch die begleitenden Atmungsstörungen bedingt. Bei den Atmungsstörungen stehen bei NMD vor allem die REM-Schlaf-assoziierten Ereignisse im Vordergrund, die sich bis hin zu einer völligen Atempumpenerschöpfung am Tage ausweiten können. Prädiktor hierfür ist vor allem die Vitalkapazität. Therapie der Wahl ist die Einleitung einer nichtinvasiven Beatmungstherapie (NISB), die in den meisten Fällen zu einer Verbesserung der Blutgassituation führt, welche die im Rahmen der Grunderkrankung eingeschränkte Atempumpenfunktion jedoch nur marginal beeinflussen kann. Die Prognose der NMD hängt von der Grunderkrankung und ihrer Tendenz zur Progression ab. Durch die NISB kann in der Mehrzahl der Fälle die eingeschränkte Lebensqualität gebessert werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Maritta Orth
Medizinische Klinik III
Theresienkrankenhaus und St. Hedwig-Klinik GmbH
Bassermannstraße 1
D–68165 Mannheim
Email: Maritta.Orth@ruhr-uni-bochum.de
Schlaf und Atmung bei restriktiven Ventilationsstörungen
Schlaf und Atmung bei restriktiven Lungenerkrankungen – Diagnostik und Therapie
K.H. Rühle, K.J. Franke und G. Nilius
Abstract
K.H. Rühle, K.J. Franke und G. Nilius
Klinik für Pneumologie, HELIOS Klinik Ambrock, Hagen, Universität Witten-Herdecke
Bei schwergradigen restriktiven Lungenerkrankungen wie Lungenfibrose, Thoraxwanderkrankungen und neuromuskulären Erkrankungen werden pathologische Atmungsstörungen mit Verminderung des Atemzugvolumens und alveolärer Hypoventilation während des Schlafes beobachtet. Arousal-Reaktionen lösen vegetative Störungen wie unter anderem Blutdruckanstieg und Herzfrequenzerhöhung aus. Die Störungen der Atemtätigkeit verursachen erhebliche Änderungen der Schlafstruktur mit Konsequenzen für die Tagesbefindlichkeit, Lebensqualität und Lebenserwartung. Die Diagnose des Schweregrades und die Verschlechterung der Atmungsstörung kann mit geringem Aufwand am Tage mittels Lungenfunktionsuntersuchungen und frühzeitig durch eine Polysomnografie erfolgen. Nächtliche nichtinvasive Beatmung führt zu einer Verbesserung der nächtlichen Ventilation, des Gasaustausches und der Schlafarchitektur. In der vorliegenden Übersicht wird insbesondere auf die den Erkrankungen zugrunde liegenden Pathomechanismen sowie auf die neueren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten näher eingegangen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K.-H. Rühle
Klinik für Pneumologie
HELIOS Klinik Ambrock
Ambrockerweg 60
D–58091 Hagen
Email: Klinik-Ambrock.pneumo@t-online.de
Industrienachricht, Preisausschreibung