Jahrgang 35, No. 5/2009(Mai)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Übersicht
Entzündliche Erkrankungen der Nase und der Nasennebenhöhlen
L. Klimek, B. Stuck, O. Pfaar und K. Hörmann
Abstract
L. Klimek, B. Stuck, O. Pfaar und K. Hörmann
Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
Bei der Rhinosinusitis (RS) liegt eine entzündliche Veränderung der Nasenschleimhaut bzw. der Mukosa der Nasennebenhöhlen vor. Nach den aktuellen deutschen Leitlinien lassen sich drei Formen der RS unterscheiden: die akute RS, die akut-rezidivierende RS sowie die chronische RS. Zu den typischen Symptomen sind u.a. die nasale Obstruktion, die eitrige Rhinorrhoe, Cephalgien oder Riechstörungen zu zählen. Ursächlich für die Erkrankung ist in erster Linie eine anatomische Engstelle im Bereich des osteo-meatalen Komplex, welche aufgrund einer Drainage- und Ventilationsstörung einer viralen oder bakteriellen Infektionen Vorschub leistet. Zu den prädisponierenden und mit der RS assoziierten Erkrankungen gehören neben Pilzerkrankungen eine allergische Sensibilisierung, die Aspirin-Intoleranz (Morbus Samter), ein Asthma bronchiale sowie in selteneren Fällen die Mukoviszidose, Wegener Granulomatose und das Kartagener-Syndrom. Die RS ist primär eine klinische Diagnose und stützt sich auf das Vorliegen charakteristischer Untersuchungsbefunde im Bereich des Gesichtes, der Nase und der Nasennebenhöhlen. Zu weiteren diagnostischen Maßnahmen gehören neben der nasalen Endoskopie bildgebende Verfahren wie Sonographie, Röntgen oder Computertomographie. Darüber hinaus hat sich zur Vorbereitung von Nasennebenhöhleneingriffen in jüngster Zeit die digitale Volumentomographie (DVT) etabliert. Zu den häufigsten Differentialdiagnosen der RS zählen virale Infekte der oberen Atemwege, Kopfschmerzen anderer Genese sowie eine allergische bzw. idiopathische Rhinitis. In der überwiegenden Mehrzahl der akuten RS ist eine antiobiotische Therapie nicht indiziert, die Einnahme von Analgetika/Antiphlogistika wird lediglich bei bestehenden Schmerzen empfohlen. Bei der chronischen RS kann eine längerfristige antibiotische Therapie in Kombination mit Steroiden als Alternative zur chirurgischen Intervention erwogen werden. Bei akut rezidivierenden und chronischen RS wird eine Behandlung mit einem intranasalen Kortikoid (INS) vor allem bei Polypenbildung empfohlen. Ferner können antiallergische Medikamente wie Antihistaminika bei nachgewiesener allergischer Rhinitis zur Anwendung kommen. Als Operationsindikationen akuter entzündlicher RS sind orbitale, endokranielle oder septische Komplikationen zu nennen. Bei der rezivierenden und chronischen RS ist die operative Intervention dann indiziert, wenn durch die rein konservative Therapie keine (dauerhafte) Besserung der Beschwerden erreicht werden kann.Correspondence to:
Prof. Dr. med. L. Klimek; Zentrum für Rhinologie und Allergologie, An den Quellen 10, D-65183 Wiesbaden
Email: ludger.klimek@Allergiezentrum.org
Übersicht
Was passiert bei der allergischen Rhinitis in der Nasenschleimhaut? Viele gute Gründe für eine sorgfältige Therapie
L. Klimek und I. Böttcher
Abstract
L. Klimek und I. Böttcher
Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
Die allergische Rhinitis ist eine der häufigsten Erkrankungen der Menschheit. Wichtig ist, dass es sich hierbei um eine immunologische Erkrankung handelt, die mit weitreichenden Veränderungen in den Atemwegsschleimhäuten verbunden ist. Zu den Kardinalsymptomen der Rhinitis allergica zählen die nasale Obstruktion, die Rhinorrhoe sowie Juckreiz und Niesreiz. Die hierzu führenden Mechanismen sind sehr komplex und beinhalten die Aktivierung und Einwanderung von Entzündungszellen, Weitstellung von Gefäßen, Steigerung und Änderung der Drüsentätigkeit, Aktivierung von Nervenendigungen, Auslösung einer neurogenen Entzündung und morphologisch nachweisbare Umbauvorgänge der Schleimhaut. All dies macht deutlich, dass die allergische Rhinitis eine ernstzunehmende und frühzeitig und konsequent zu behandelnde Erkrankung darstellt, die bislang – wohl nicht zuletzt aufgrund ihrer großen Häufigkeit – allzu oft unberechtigterweise bagatellisiert wird.Correspondence to:
Prof. Dr. med. L. Klimek; Zentrum für Rhinologie und Allergologie, An den Quellen 10, D-65183 Wiesbaden
Email: Ludger.Klimek@HNO-Wiesbaden.de
Übersicht
Immunologische Grundlagen der allergenspezifischen Immuntherapie
K. Blaser
Abstract
K. Blaser
Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
Die Entwicklung von Effektor- (Teff) und regulatorischen (Treg) T- Zellen ist ein fundamentaler Prozess bei der Regulation einer allergenspezifischen Immunantwort und der Entstehung allergischer Erkrankungen. Während einerseits Th2- und Th17-Effektorzellen die allergische Immunantwort fördern, unterdrücken Treg-Zellen die Entstehung und Funktion der Teff und wirken anti-inflammatorisch. In der normalen Immunantwort gegen Allergene werden die Teff-Zellen spezifisch durch CD4+CD25+- und IL-10/ TGF-beta-sekretierende Tregs unterdrückt. Die Unterdrückung der allergenspezifischen Teff durch die Treg ist eine entscheidende Kontrolle sowohl der gesunden Immunantwort gegen Allergens, als auch der allergenspezifischen Immuntherapie (SIT). Die Anzahl der Treg und das Ausmass der Teff-Zellsuppression ist in allergischen Individuen deutlich vermindert. Die SIT ist nach wie vor die einzige kausale Therapie von allergischen Erkrankungen. Sie kann zu lang anhaltender spezifischer Toleranz gegen Allergene und damit zu einer normalen Immunantwort führen. Die Treg-Antwort ist charakterisiert durch eine geringe T-Zellproliferation und unterdrückte Th1- und Th2-Zytokinsekretion. Die durch die Treg während der SIT in hohem Mass produzierten suppressiven Zytokine IL-10 und TGF-beta unterdrücken einerseits die spezifische IgE-Antwort und fördern andererseits die IgG4- und IgA-Antikörperproduktion. Treg unterdrücken zudem direkt oder indirekt die Effektorzellen der allergischen Entzündung, wie Basophile, Eosinophile und die Mastzellaktivierung. Die Entwicklung von peripherer Toleranz gegen Allergene ist grundlegend für die Entstehung einer normalen Immunantwort und einer erfolgreichen SIT. Sie wird durch hohe Allergenmengen induziert und durch mehrfache Unterdrückungsmechanismen reguliert. Periphere Toleranz ist verbunden mit der Regulation von Antikörperisotypen und Effektorzellen in Richtung einer gesunden Immunantwort.Correspondence to:
Prof. Dr. phil. nat. K. Blaser; em. Dir. Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF), Davos, Zentrum für Allergologie und Rhinologie, An den Quellen 10, D-65183 Wiesbaden
Email: kurt.blaser@allergiezentrum.org
Übersicht
Die Cluster-Immuntherapie bei allergischer Rhinokonjunktivitis. Eine Übersicht über ein neues Therapiekonzept
O. Pfaar und L. Klimek
Abstract
O. Pfaar und L. Klimek
Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, der HNO-Universitätsklinik Mannheim, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
Bei Patienten mit allergischer Rhinokonjunktivitis ist neben Karenzmaßnahmen die Hyposensibilisierungstherapie oder spezifische Immuntherapie (SIT) die einzige kausale Behandlungsmöglichkeit. Die Wirksamkeit der Therapie ist umfangreich belegt und abhängig vom spezifischen Allergen, der Qualität und Gesamtdosis der verabreichten Allergenextrakte und dem Applikationsschema. Bei der konventionellen SIT wird ein Allergenextrakt repetitiv in ansteigenden Dosen subkutan injiziert (Dosissteigerungsphase), bis eine individuelle Maximaldosis erreicht ist (Beginn der Erhaltungsphase). Es existieren unterschiedliche Therapieschemata für die subkutane SIT. Bei der Cluster-Therapie werden während der Dosissteigerung 2 – 3 Injektionen je Behandlungstag in wöchentlichen Abständen verabreicht, wodurch das rasche Erreichen der Maximaldosis gewährleistet wird. Verschiedene Cluster-Protokolle sind in der Literatur beschrieben. Zusammenfassend zeigen die Daten der Cluster-Studien, dass Art und Anzahl der unerwünschten Reaktionen denen von konventionellen Schemata entsprechen. Unter Sicherheitsaspekten könnte daher die Cluster-SIT zu einer interessanten Alternative herkömmlicher Therapieschemata für die Dosissteigerungsphase werden. Neuere Studien der schnellen Cluster-Aufdosierung belegen zudem, dass eine klinische Wirksamkeit rascher eintritt als bei der konventionellen Therapie.Correspondence to:
Dr. med. O. Pfaar; Zentrum für Rhinologie und Allergologie der HNO-Universitätsklinik Mannheim, An den Quellen 10, D-65183 Wiesbaden
Email: oliver.pfaar@Allergiezentrum.org