Jahrgang 35, No. 4/2009(April)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Laudatio
Zum 75. Geburtstag von Dr. Ernst Krieger
G. Utz
Originalarbeit
Zur Beurteilung der Lungenfunktion im Alter: Brauchen wir neue Referenzwerte?
W. Marek, E. Marek, K. Mückenhoff, H.J. Smith, N. Kotschy-Lang und M. Kohlhäufl
Abstract
W. Marek1, E. Marek1, K. Mückenhoff2, H.J. Smith3, N. Kotschy-Lang4 und M. Kohlhäufl5
1Institut für Arbeitsphysiologie an der Augusta-Kranken-Anstalt, Bochum, 2Institut für Physiologie, Ruhr-Universität Bochum, 3Viasys Health Care, Höchberg, 4Berufsgenossenschaftliche Klinik für Berufskrankheiten Falkenstein, 5Klinik Schillerhöhe, Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie, Stuttgart-Gerlingen
Einleitung: Die Bevölkerungsstruktur in Europa und die antropometrischen Daten der Bewohner haben sich in den letzten drei Jahrzehnten deutlich verändert und werfen erneut die Frage nach der Verwendbarkeit der weit verbreiteten Sollwerte der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) auf, die sich auf die ventilatorische Lungenfunktion beziehen. Die EGKS-Sollwerte wurden Ende der 70er Jahre vornehmlich an Probanden im mittleren Lebensabschnitt gewonnen, für ältere Probanden muss daher eine Extrapolation über den Geltungsbereich der Sollwertfunktion hinaus durchgeführt werden, die insbesondere zu Unsicherheiten in der Beurteilung führt. Die EGKS Werte werden in Vergleich zu aktuellen Untersuchungen [1, 2, 3] als zu niedrig angesehen und sollten ersetzt werden. Methoden: Wir überprüften daher die Lungenfunktion (Spirometrie, Fluss-Volumen-Kurve und Bodyplethysmographie) an einem Kollektiv von 164 anamnestisch lungengesunden Probanden (70 Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren, 42 Männer 41 bis 65 Jahre und 52 Männer von 65 bis 90 Jahre). Die Lungenfunktionsparameter einer Gruppe von 305 älteren ehemaligen Uranbergarbeitern im Alter von 72,1 ± 4,7 Jahren, Median 72 Jahren, die an Silikose erkrankt waren, dienten als Vergleich. Ergebnisse: Der Trend in der Altersabhängigkeit der Einsekundenkapazität (FEV1) der Kontrollprobanden kann mit einer linearen Funktion (y = –0,046x + 6,12; r = 0,88) beschrieben werden. Die FEV1 lag bei den jüngeren Männern bei 108 ± 9,9% des Sollwertes, bei 105 ± 13,7% für die mittelalten und für die älteren Probanden bei 97,3 ± 12,4%. Die steilere Altersabhängigkeit wurde auch bei den übrigen untersuchten Parametern gefunden. Die dynamischen exspiratorischen Volumina, FVC, FEV1, FEV1/%FVC und die maximalen exspiratorischen Stromstärken waren in der Vergleichsgruppe der Bergarbeiter mit Silikose signifikant erniedrigt. Schlussfolgerungen: Die Messwerte der ventilatorischen Lungenfunktion von lungengesunden jüngeren Probanden liegen über den Sollwerten der EGKS, während die der älteren Probanden im Mittel leicht unter den extrapolierten Sollwerten der EGKS liegen. Der Altersgang verläuft demnach steiler als durch die EC-Referenzwerte beschrieben. Unsere Ergebnisse erlauben durchaus eine Extrapolation der Sollwerte über den angegebenen Bereich hinaus und können auch für diesen Altersbereich in die Begutachtung einfließen. Die alternativ diskutierten Sollwertgleichungen der SAPA LDIA-Studie, der NHANES- und zum Teil auch der LuftiBus-Studie liegen zwar höher, doch können sie den benötigten Umfang an Messgrößen oder den erforderlichen Altersbereich nicht abdecken. Eine multizentrische Studie zur Gewinnung aktueller Sollwerte wäre daher notwendig um eine objektive Beurteilung der Lungenfunktion auch für ältere Patienten zu finden.Correspondence to:
PD Dr. rer. nat. W. Marek; Institut für Arbeitsphysiologie, Augusta-Kranken-Anstalt, Bergstrasse 23, D-44791 Bochum
Email: Wolfgang.Marek@rub.de
Kasuistik
Kapilläre Hämangiome der Lunge – seltene Differentialdiagnose bei pulmonalen Rundherden
A.T. Morresi-Hauf, A. Schlesinger H. Winter und W. Wöckel
Abstract
A.T. Morresi-Hauf1, A. Schlesinger2 H. Winter3 und W. Wöckel4
1Institut für Pathologie, 2ehemals Klinik für Pneumologie, 3Klinik für Thoraxchirurgie, 4ehemals Institut für Pathologie, Asklepios Fachkliniken, München-Gauting
Einleitung: Ein 45-jähriger Patient wies zwei synchrone Lungenherde eines kapillären Hämangioms auf, einer sehr seltenen vaskulären Läsion der Lunge. Wir erörtern die nosologische Zuordnung und die Differentialdiagnose dieser Tumorform. Kasuistik: Bei dem Patienten fanden sich bei der Abklärung von Reizhusten computerthomographisch zwei kleine Rundherde im linken Lungenunterlappen. Ein metastatisches Geschehen wurde erörtert. Die pulmonalen Läsionen wurden operativ durch atypische Resektion entfernt. Es handelte sich um schwer tastbare, relativ scharf begrenzte braunrötliche Herde. Mikroskopisch fand sich jeweils eine umschriebene Proliferation weitlumiger Kapillaren ohne zytologische Atypien, zum Teil mit Verbreiterung der Alveolarsepten. Das mitentfernte Lungengewebe war mikroskopisch unauffällig. Es wurden kapilläre Hämangiome der Lunge diagnostiziert. Diskussion: Vaskuläre Tumoren bzw. tumorähnliche Läsionen der Lunge sind selten und kommen vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen vor, manchmal als Begleiterscheinung der Lungen beim Rendu-Osler-Syndrom. Obwohl in anderen Lokalisationen kapilläre Hämangiome die häufigsten benignen Gefäßtumoren sind, treten sie in der Lunge extrem selten auf. In der Literatur finden sich nur einzelne Berichte über kapilläre Hämangiome der Lunge, vor allem bei Kindern. Unser Fall ist der erste mit zwei synchronen Herden bei einem Erwachsenen. Differentialdiagnostisch ist die pulmonale kapilläre Hämangiomatose (PCH) zu erörtern. Sie ist eine sehr seltene Erkrankung mit diffuser Proliferation von Kapillaren im Lungeninterstitium und bronchovaskulär, die mit pulmonaler Hypertonie einhergeht. In unserem Fall wäre das Anfangsstadium der in der Literatur als “multiplen PCH-ähnlichen Herde” genannte Entität zu diskutieren. Schlussfolgerungen: Kapilläre Hämangiome der Lunge kommen solitär oder multipel vor und sind bei der Differentialdiagnose von Lungenkarzinomen und Metastasen zu berücksichtigen. Für die Diagnostik ist ein möglichst parenchymsparender Eingriff anzustreben.Correspondence to:
Dr. med. Alicia T. Morresi-Hauf; Institut für Pathologie, Asklepios Fachkliniken München-Gauting, Robert-Koch-Allee 2, D-82131 Gauting
Email: a.morresi-hauf@asklepios.com
Kasuistik
Hämoptysen als ungewöhnliche Komplikation nach Inhalation von Cannabinoiden
D. Walter, S.M. Schmidt, R. Bruns, S. Gläser, C. Schäper und R. Ewert
Abstract
D. Walter1, S.M. Schmidt2, R. Bruns2, S. Gläser1, C. Schäper1 und R. Ewert1
1Klinik für Innere Medizin B, 2Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald
Wir berichten über zwei junge Männer, die mit Hämoptysen nach sporadischer Inhalation von Cannabis einer stationären Behandlung bedurften. Psychische Auffälligkeiten bis hin zur Abhängigkeit und pneumologische Erkrankungen, wie eine chronische Bronchitis, sind bekannte Komplikationen nach Inhalation von Cannabis. Bei unseren Patienten zeigten sich röntgenologisch beidseits parenchymale Verdichtungen der Lunge und laborchemisch geringe Entzündungszeichen. Endoskopisch fand sich keine Blutungsquelle. In beiden Fällen unterstützt der histologische Befund das Vorliegen einer inhalativ induzierten, exogenen Alveolitis. Therapeutisch waren eine antibiotische Prophylaxe und eine orale Therapie mit Prednisolon erfolgreich. Beide Patienten berichteten über eine erst kurzzeitige und sporadische Nutzung der Droge, so dass mit steigender Anzahl jugendlicher Konsumenten auch zunehmend mit dieser akut auftretenden Komplikation zu rechnen ist.Correspondence to:
Dr. med. Dörthe Walther; Bereich Pneumologie/Infektiologie, Klinik für Innere Medizin B, Ernst-Moritz-Arndt Universität, Loefflerstrasse 23a, D-17489 Greifswald
Serie Lungenfunktion
Die Fluss-Volumen-Kurve – das zentrale Element der Spirometrie
D. Bösch
Mitteilung, Stipendien, Industrienachrichten