Jahrgang 33, No. 9/2007(September 2007)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Übersichten
Psyche, Hormone und Lunge
R.W. Hauck
Abstract
R.W. Hauck
LungenZentrum, Zentrum Innere Medizin, Kreiskrankenhaus Bad Reichenhall
Die Erfolgsbemessung in der Behandlung der COPD richtet sich üblicherweise auf die Besserung der primären, also pulmonalen Organdysfunktion. Allerdings schränkt nicht nur die Luftnot den COPD-Patienten ein, sondern es sind die im Laufe der Zeit hinzutretenden Komorbiditäten wie muskuläre Inkompetenz, skeletale Beschwerden, Osteoporose, Diabetes, KHK usw., die erheblich zur Reduktion von körperlicher Leistungsfähigkeit und Verringerung der Lebensqualität beitragen. Die Vielzahl der Beeinträchtigungen führt den Patienten nicht selten zu psychischer Instabilität, die sich insbesondere in depressiver Verstimmung und Angst abbildet. Mittels verschiedener Meßinstrumente ist es möglich, diese zu identifizieren. Allerdings geschieht dies derzeit noch sehr selten, und nur ca. 10 – 30% der COPD-Patienten werden einer entsprechenden Behandlung zugeführt. Auch hormonelle Dysbalance ist einerseits ursächlich, andererseits konsekutiv an dem komplexen Krankheitsgeschehen beteiligt. Zur Behandlung von Angst und Depression stehen medikamentöse und nicht medikamentöse Verfahren zur Verfügung. Aufgrund der noch sehr geringen Würdigung dieser Komorbiditäten gibt es bislang wenige Studien, die evaluierte Vorgehensweisen abbilden, insbesondere was die hormonelle Substitution anbelangt.Correspondence to:
Prof. Dr. med. R.W. Hauck
LungenZentrum
Zentrum Innere Medizin
Kreiskrankenhaus Bad Reichenhall
Riedelstraße 5
D-83435 Bad Reichenhall
Email: rw.hauck@bglmed.de
Übersichten
Was bringt die Zusatztherapie mit inhalativen Glukokortikosteroiden bei der schweren chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung?
P. Kardos
Abstract
P. Kardos
Gemeinschaftspraxis und Zentrum für Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin, Maingau-Krankenhaus, Frankfurt am Main
Inhalative Kortikosteroide (ICS) sind das Rückgrat der Asthmatherapie, ihre Rolle in der Behandlung von COPD ist weniger klar. Hoffnungen im Hinblick auf die Verlangsamung der Progression der COPD unter ICS konnten in 3 großen Studien nicht bestätigt werden. In der internationalen GOLD- und in der Deutschen Leitlinie wurden ICS bei schwerer COPD mit häufigen Exazerbationen empfohlen, obwohl hierfür die Evidenz schwach war. In der kürzlich publizierten deutschen VIVACE-Studie konnte erstmals eine signifikante und klinisch sehr relevante Reduktion der Exazerbationsfrequenz um 35% durch zusätzliches ICS bei Patienten mit schwerer COPD und häufigen Exazerbationen nachgewiesen werden. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass dieser Effekt über die bekannte, die Exazerbationsfrequenz reduzierende Wirkung von Salmeterol hinaus in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 994 Teilnehmern nachgewiesen wurde. Das Studiendesign mit einem Salmeterol- und einem Salmeterol + Fluticason-Arm entspricht der Behandlung in der klinischen Routine. Die günstigen Ergebnisse dieser Studie konnten in einer weiteren randomisierten, kontrollierten Studie (TORCH) mit den gleichen Substanzen bei mehr als 6.000 Patienten wiederholt werden. Darüber hinaus fand sich dort eine Reduktion der Gesamtmortalität über 3 Jahre von 17,5%, wenn man die Kombinationstherapie mit Plazebo vergleicht. Allerdings verfehlte diese Reduktion knapp die statistische Signifikanz. Beide Studien zeigten auch mäßiggradige, signifikante Besserungen bei der Lungenfunktion und in der Lebensqualität. Letztere hängt aber zum größten Teil nicht von der Pharmakotherapie, sondern von den Exazerbationen ab, welche auf die Lebensqualität einen stark negativen Einfluss haben. In beiden Studien wurden Pneumonien in den jeweiligen mit ICS behandelten Armen signifikant häufiger klinisch diagnostiziert, Röntgenaufnahmen wurden allerdings nicht durchgeführt. Hier sind weitere Studien erforderlich, auch wenn diese Pneumonien nicht zu vermehrten Todesfällen geführt haben.Correspondence to:
Dr. med. P. Kardos
Gemeinschaftspraxis und Zentrum für
Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin
Maingau-Krankenhaus
Scheffelstraße 2
D-60318 Frankfurt am Main
Email: Kardos@Lungenpraxis-Maingau.de
Übersichten
Der 6-Minuten-Gehtest: Indikation, Durchführung und Beurteilung
M. Schmidt und K. Kretzer
Abstract
M. Schmidt und K. Kretzer
1Schwerpunkt Pneumologie, 2Lungenfunktionslabor des Schwerpunkts Pneumologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Julius-Maximilians-Universität, Würzburg
Richtig eingesetzt und interpretiert, ist der 6-Minuten-Gehtest ein wertvolles diagnostisches Instrument nicht nur für Studien, sondern auch in der klinischen Praxis. Er ersetzt natürlich nicht die Ergospirometrie, mit der man eine Fülle physiologischer Informationen über Atmung, Kreislauf und Metabolismus getrennt aufschlüsseln kann. Der 6-Minuten-Gehtest ist ein globaler Belastungstest, der seine Stärken bei Verlaufsbeobachtung und Therapiekontrolle zeigt. Wenn man auf die Standardisierung achtet, erhält man bei geringem technischen und personellen Aufwand sehr zuverlässige und reproduzierbare Werte für die Gehstrecke. Zusatzinformationen zu Kreislauf und Gasaustausch sowie zur Symptomatik sind diagnostisch hilfreich.Correspondence to:
Prof. Dr. med. M. Schmidt
Schwerpunkt Pneumologie
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Klinikum der Julius-Maximilians-Universität
Josef-Schneider-Straße 2
D-97080 Würzburg
Email: Schmidt_M1@medizin.uni-wuerzburg.de
Übersichten
Diabetes mellitus und schlafbezogene Atmungsstörungen
T. Keller, C. Hader und K. Rasche
Abstract
T. Keller, C. Hader und K. Rasche
Schwerpunkt Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Zentrum für Innere Medizin, Kliniken St. Antonius, Wuppertal, Akademisches Lehrkrankenhaus der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf
Die Prävalenz des Diabetes mellitus wird auf Grund der demographischen Entwick- lung der Bevölkerung erheblich zunehmen und weiter an Bedeutung für unser Gesundheitssystem gewinnen. Neben den bekannten Folgeerkrankungen (Retinopathie, Nephropathie, Polyneuropathie) bestehen zahlreiche sogenannte cross-sektionale Beziehungen zu Schlafstörungen, besonders aber zu schlafbezogenen Atmungsstörungen wie dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom. Dies trifft sowohl für übergewichtige Menschen mit Diabetes als auch im Besonderen für Diabetiker mit einer autonomen kardialen Neuropathie zu. Eine Unterscheidung zwischen Koexistenz und Kausalität ist bis heute noch nicht im Detail möglich. Zur Verbesserung der Prognose dieser Patienten ist die Diagnose und Therapie schlafmedizinisch relevanter Erkrankungen insbesondere für das kardiovaskuläre Risikoprofil von großer Bedeutung.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Rasche
Schwerpunkt Pneumologie , Allergologie,
Schlaf- und Beatmungsmedizin
Zentrum für Innere Medizin
Kliniken St. Antonius
Vogelsangstraße 106
D-42109 Wuppertal
Email: kurt.rasche@antonus.de
Übersichten
Standards der mikrobiologischen Diagnostik von “aktiver” Tuberkulose in Deutschland
H. Hoffmann
Abstract
H. Hoffmann
Institut für Mikrobiologie und Laboratoriumsdiagnostik, Supranationales Referenzlabor der WHO für Tuberkulose, Asklepios Fachkliniken München-Gauting
Die sinkende Inzidenz der Tuberkulose (TB) in Deutschland erweckt den Eindruck, die Medizin hätte die Krankheit längst besiegt. Der Schein trügt. Weltweit tötet sie mehr Menschen als jede andere Infektion. Die Diagnose einer “aktiven” TB ist komplex. Sie ergibt sich aus der Zusammenschau anamnestischer, radiologischer, labormedizinischer, histologischer und mikrobiologischer Daten. Dabei ist die Mikrobiologie die einzige Disziplin, die durch den direkten Erregernachweis die Diagnose zweifelsfrei sichern kann. Um eine optimale Aussagekraft der mikrobiologischen TB-Diagnostik zu erreichen, müssen eine Reihe von Standards eingehalten werden. In der Präanalytik gilt es, das richtige und die ausreichende Menge von Untersuchungsgut zu gewinnen und den Versand so schonend wie möglich zu organisieren. Die Analytik sollte nur in optimal durchorganisierten Speziallabors mit entsprechender Sicherheitsstufe und mykobakteriologischer Erfahrung erfolgen. Für den direkten Erregernachweis stehen die Mikroskopie, die Kultur und Nukleinsäure-Amplifikationstechniken (NAT) wie z.B. die PCR zur Verfügung. Die Kultur ist der Goldstandard der TB-Diagnostik. Im Vergleich zu den anderen Verfahren besitzt sie die höchste Sensitivität und Spezifität. Jedes TB-Untersuchungsgut muss deshalb in Kultur genommen werden. Die Mikroskopie hilft insbesondere bei respiratorischen Sekreten, die Infektiosität des Patienten einzuschätzen. NATs helfen bei dringlichen Fällen, die Verdachtsdiagnose einer TB schnell zu sichern und zwischen nicht-tuberkulösen Mykobakterien und TB-Erregern zu differenzieren. Mit immunologischen oder serologischen Tests kann eine “aktive” TB weder diagnostiziert noch ausgeschlossen werden. Die Tests können aber wertvolle Zusatzinformationen für die Differenzialdiagnostik liefern. Die vorliegende Übersichtsarbeit soll dem Kliniker helfen, in der Präanalytik durch entsprechende Maßnahmen eine optimale Diagnostik zu bahnen, die richtigen diagnostischen Verfahren anzufordern und aus den Ergebnissen geeignete Schlüsse für das weitere Management der Patienten zu ziehen. Die wiedergegebenen Empfehlungen basieren vornehmlich auf den in den Normen des DIN und der MIQ5 festgehaltenen, derzeit gültigen Standards der Tuberkulosediagnostik.Correspondence to:
Dr. med. H. Hoffmann
IML, Supranationales Referenzlabor
der WHO für Tuberkulose
Asklepios-Fachkliniken München-Gauting
Robert-Koch-Allee 2
D-82131 Gauting
Email: harald.hoffmann@asklepios.com
Übersichten
Klinische, radiologische und histo- pathologische Kriterien zur differential- diagnostischen Abgrenzung der exogen- allergischen Alveolitis von der nicht- spezifischen interstitiellen Pneumonie
P. Markart, A. Breithecker, R.M. Bohle, W. Seeger und A. Günther
Abstract
P. Markart, A. Breithecker, R.M. Bohle, W. Seeger und A. Günther
Zentrum für Lungenkrankheiten, Universität Gießen
Zusammenfassend stellt die nichtspezifische interstitielle Pneumonie (NSIP) eine wichtige Differentialdiagnose der exogen-allergischen Alveolitis (EAA) dar. Während die akuten Formen der EAA, trotz häufig ähnlicher BAL und bildgebender Befunde, mit Hilfe serologischer Verfahren und aufgrund der in der Regel offensichtlichen zeitlichen Beziehung der klinischen Symptomatik zum Antigenkontakt, meist recht eindeutig von einer NSIP abgegrenzt werden können, ist dies unverhältnismäßig schwieriger für chronische Verlaufsformen. Hier ist in Einzelfällen selbst unter Durchführung einer offenen Lungenbiopsie eine Abgrenzung nicht möglich. Dennoch sollte angesichts der langfristigen Konsequenzen (Allergenkarenz) eine offene Lungenbiopsie im Zweifelsfall und bei ansonsten gutem klinischen Allgemeinzustand angestrebt werden.Correspondence to:
Dr. med. A. Günther
Zentrum für Lungenkrankheiten
Universität Gießen
Klinikstraße 36
D-35392 Gießen
Email: andreas.guenther@uglc.de
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