Jahrgang 32, No. 6/2006(Juni 2006)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Editor's Note
Sekundenluft und Sekundenschlaf. Was verbindet die beiden?
K.H. Rühle
Abstract
K.H. Rühle
Die Vermittlung von Wissen über die Ursache von Krankheiten wird in der heutigen Zeit immer wichtiger. Der informierte Patient handelt in der Regel vernünftiger und problemorientierter. Im täglichen Gespräch mit den Patienten zeigt sich immer wieder, dass prägnante Formulierungen beim Patienten sehr gut ankommen und das Gespräch sehr zeitökonomisch geführt werden kann. Durch die Verwendung der oben genannten Begriffe werden häufig Assoziationen geweckt, die sich auf Zeitungsartikel oder Fernsehberichte beziehen. Es ist deshalb sehr begrüßenswert, wenn ein verständlicher Begriff gesucht wird, der dem Patienten z. B. seine Einschränkung anhand eines kompakten Begriffes übersetzt. Eine Umfrage unter Pneumologen hat ergeben, dass der Begriff “Sekundenluft” von etwa 50 Prozent der Befragten als geeignet angesehen wird, die Sekundenkapazität anschaulich zu verdeutlichen. Nicht ganz 50 Prozent aller Pneumologen sind allerdings noch skeptisch, ob sie diesen Begriff auch in der alltäglichen Routine einsetzen werden.
Die Effekte eines unterbrochenen Schlafes auf die Tagesbefindlichkeit durch gehäuft auftretende Atemstillstillstände sind mindestens genauso schwierig zu vermitteln. Wird der Begriff Sekundenschlaf verwendet, kann zu einem hohen Prozentsatz dem Patienten die Gefährdung für sich und andere transparent gemacht werden. Insbesondere, wenn eine Obstruktion der unteren und oberen Atemwege kombiniert auftritt, ist die Störung besonders gravierend. Wenn in Zukunft der Pneumologe eine verminderte Sekundenluft findet, sollte automatisch die Assoziation mit Sekundenschlaf geweckt werden. Mindestens 15 Prozent aller Patienten mit einem Overlap-Syndrom werden es dem befragenden Arzt danken, in wenigen Sekunden eine wichtige Differenzialdiagnose mit für sie relevanten Konsequenzen gestellt zu haben.
K.H. Rühle, HagenCorrespondence to:
Prof. Dr. med. K.-H. Rühle
Klinik Ambrock, Ambrocker Weg 60
D-58091 Hagen
Email: klinik-ambrock.pneumo@t-online.de
Originalarbeiten
Multidimensionale Effektivität eines ambulanten COPD-Patientenschulungsprogramms:Ergebnisse einer Pilotstudie
D. Bösch, L. Sievers und S. Andreas
Abstract
D. Bösch1, L. Sievers1 und S. Andreas2
1Medizinische Klink I, Klinikum Bremerhaven, Reinkenheide,2Fachklinik für Lungenerkrankungen, Immenhausen
Die COPD ist eine Erkrankung mit weltweit hoher Prävalenz und zunehmender medizinischer und sozialmedizinischer Beachtung. Die moderne COPD-Therapie fordert eine Schulung und Förderung der Eigenverantwortlichkeit der Patienten. Schulungsprogramme sollen Patienten zur besseren Bewältigung des Krankheitsverlaufs und zu informierten Patientenentscheidungen befähigen. In dieser Untersuchung wurden 15 Patienten mit leichter bis schwerer COPD vor und ein Jahr nach Teilnahme an dem ambulanten, strukturierten und zielgruppenspezifischen Patientenschulungsprogramm ATEM evaluiert. Neben einer erfolgreichen Wissensvermittlung konnte ein verbesserter Umgang mit der Erkrankung und den verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten im Sinne eines Selbstmanagements gezeigt werden. Trotz progredienter Lungenfunktionsverschlechterung ließ sich eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit, erklärt durch eine Lebensstilmodifikation, nachweisen. Die zurückgelegte Ergometerstrecke verbesserte sich signifikant um 15%. Ferner konnte die günstige Beeinflussung von wichtigen Morbiditätsmarkern gezeigt werden. Die Hospitalisationsrate verminderte sich signifikant um 73%. ATEM ist ein ambulantes COPD-Patientenschulungsprogramm mit multidimensionaler Wirksamkeit. Die Anforderungen an ein strukturiertes und zielgruppenspezifisches Schulungsprogramm als Element einer modernen COPD-Therapie, scheinen durch ATEM erfülltCorrespondence to:
Dr. med. D. Bösch
Medizinische Klinik I
Klinikum Bremerhaven
Postbrookstraße 103
D-27574 Bremerhaven
Email: boesch@atem-online.de
Originalarbeiten
Glutathion und Angiotensin-converting-enzyme im Plasma asymptomatischer Rauchermittleren Alters
R. Siekmeier, G. Oremek, S. Bergmann und H. Kronenberger
Abstract
R. Siekmeier1, G. Oremek2, S. Bergmann3 und H. Kronenberger4
1Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bonn, 2Zentrallabor, Zentrum für Innere Medizin, Johann-Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main, 3Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin,Klinikum Carl-Gustav-Carus der T
Inhalativer Tabakkonsum geht mit einer hohen Belastung durch reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und einer großen Zahl toxischer Substanzen (z. B. Kohlenmonoxid, CO) einher, die aufgrund ihrer Stabilität in der Lage sind, das vaskuläre System zu erreichen und dort eine Schädigung des Endothels hervorzurufen. In der vorliegenden Studie erfolgte eine Untersuchung des oxidativen Status und der endotheltoxischen Wirkung des Tabakkonsumes bei n = 20 asymptomatischen starken Rauchern (R) mittleren Alters im Vergleich zu n = 20 Nichtrauchern (NR). Bestimmt wurden die arteriellen Blutgase (insbesondere der Sauerstoffpartialdruck (pO2)), die Hämoglobinderivate (insbesondere Carboxyhämoglobin (COHb)), Gesamtglutathion sowie oxidiertes und reduziertes Glutathion ((GSH + 2GSSG), 2GSSG und (GSH)) sowie die Plasmaaktivität von Angiotensin-converting-enzyme (ACE). Raucher wiesen eine höhere Konzentration von COHb auf als Nichtraucher (R vs. NR; 6,04 ± 0,57 vs. 1,58 ± 0,08; MW ± SEM), während die Werte des pO2 bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern vermindert waren (R vs. NR; 82,6 ± 1,94 mmHg vs. 86,4 + 1,77 mmHg, p = 0,093). Gleichzeitig zeigten Raucher tendenziell höhere Werte des ACE als Nichtraucher (R vs. NR; 42,3 ± 3,7 U/l vs. 34,4 ± 4,3 U/l; p = 0,093), wobei insbesondere weibliche Raucher erhöhte Werte aufwiesen (weibl. R vs. NR: 48,8 ± 4,0 U/l vs. 31,3 ± 7,5 U/l; p = 0,017; männl. R vs. NR: 36,5 ± 5,4 U/l vs. 37,9 ± 2,9 U/l, p = 0,958). GSH+2GSSG sowie GSH waren bei Rauchern und Nichtrauchern praktisch gleich (R vs. NR; GSH+2 GSSG: 3,27 ± 0,39 µmol/l vs. 3,57 ± 0,31 µmol/l, p = 0,411; GSH: 3,10 ± 0,31 µmol/l vs. 3,25 ± 0,29 µmol/l, p = 0,800). Raucher wiesen eine tendenziell geringere absolute bzw. relative (bezogen auf GSH+2GSSG) Konzentration von 2GSSG auf als Nichtraucher (R vs. NR; 0,18 ± 0,12 µmol/l vs. 0,32 ± 0,12 µmol/l, p = 0,105 bzw. 5,6 ± 1,8 % vs. 8,8 ± 2,9 %, p = 0,098). In der Rauchergruppe fanden sich keine Korrelationen zwischen der Plasmaaktivität des ACE bzw. den Glutathionkonzentrationen und den die Intensität des Tabakkonsums beschreibenden Parametern (COHb und Packyears) bzw. dem pO2. Die erhaltenen Ergebnisse zeigen – wahrscheinlich als Folge der Untersuchung ausschließlich asymptomatischer Personen – nur geringe Unterschiede zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Der bei Rauchern beobachtete Anstieg der Plasmaaktivität von ACE weist auf eine bei diesen vorliegende Endothelschädigung hin. Gleichzeitig findet sich bei Rauchern – wahrscheinlich aufgrund einer Adaptation an die erhöhte Belastung durch ROS – ein etwas geringerer Anteil von 2GSSG. Dieser protektive Mechanismus reicht jedoch offensichtlich nicht zur Verhinderung einer Endothelschädigung aus. Darüber hinaus können jedoch auch zahlreiche weitere, in dieser Studie nicht erfasste Faktoren zu einer Endotheldysfunktion bei Rauchern führen, die durch die hier gemessenen Parameter nicht ausreichend erfasst wird.Correspondence to:
PD Dr. med. habil. R. Siekmeier
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
D-53175 Bonn
Email: r.siekmeier@bfarm.de
Übersichtsarbeit
Die Lungensequestration
H. Gubbawy†, S. Schaupp, A. Chemaissani und N. Scheffold
Abstract
H. Gubbawy†1, S. Schaupp2, A. Chemaissani3 und N. Scheffold4
1Arzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, 2Fachklinik Aukrug,3Lungenklinik Köln-Merheim, 4SLK-Klinikum Heilbronn
Bei der Lungensequestration handelt es sich um eine kongenitale Malformation, die charakterisiert ist durch funktionsloses Lungengewebe ohne Verbindung zum Tracheobronchialsystem, versorgt durch eine oder mehrere aberrante Arterien. 2 Typen lassen sich durch morphologische Merkmale voneinander unterscheiden: intralobäre (ca. 75%) und extralobäre (ca. 25%). Meistens liegen die Lungensequestrationen links supradiaphragmal paravertebral. Klinisch treten häufig rezidivierende Entzündungen und Blutungen auf, wodurch die Operationsindikation gegeben ist.Correspondence to:
Brigitte Gubbawy
Klosterstraße 87
D-24536 Neumünster
Email: brigitte.gubbawy@t-online.de
cc:
Schmidt_M1@medizin.uni-wuerzburg.de