Jahrgang 31, No. 5/2005(Mai 2005)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Erweiterte Abstracts
Genomics und Proteomics. Können wir von diesen Techniken etwas für die Infektiologie erwarten?
J. Lohmeyer
Erweiterte Abstracts
COPD und Osteoporose: Radiologische Diagnostik –was ist sinnvoll?
C. Günther
Erweiterte Abstracts
Therapeutisches Vorgehen bei Patienten mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen und Osteoporose: Wen, wann, womit und wie lange behandeln?
S. Scharla
Editor's Note
Editor's Note:Fettes Kind
Klaus Waßermann
Abstract
Klaus Waßermann
I
Ich habe selten das Gefühl, daß die Gesundheitspolitik in ihren Zielvorgaben einer sachlich begründeten Priorität folgt. Der Zufall regiert. Die Spontaneität und der Populismus. Und die, wie sagt man: Sparsamkeit?
Man muß sich das so vorstellen: In der Frühe am Stehausschank des Reichstags beim Durchblättern von Gala, Stern, Bildzeitung und Super-Illu mustert Ulla Schmidt angewidert die wulstigen Schenkel, die Röllchen, gewaltigen Wämse und multiplen Kinnfalten achtjähriger Aliens, zitiert aufgebracht ihren Lauterbach herbei und legt ihm charmant, aber ultimativ nahe: das da, „mein lieber Professor”, diese Monstrositäten sollten verschwinden. Güldenstern ist zunächst im Zweifel, ob eine Pressezensur ausreicht oder eine Ernährungskampagne auf der Tagesordnung steht. Diplomatisch entscheidet er sich für Letzteres. Bald wissen es alle im Amt, daß BMI wirklich nicht die Abkürzung für Bundes-Magerkeits-Initiative ist, obwohl treppauf-treppab zwischen den Gehaltsklassen A1 bis A17 bereits unzählige Witze dieser Art kursieren.
Kaum an die Öffentlichkeit gedrungen, geht das Gestänker darüber los, wer die Kosten trägt [1]. Das wird üblicherweise eine Weile hin und her gewälzt, leidenschaftlich erwogen, mit bedenklicher Sorgenfalte kalkuliert, nachdem auch der Finanzminister zugeschaltet wurde sowie Experten jeder Couleur. Mehrere Talk-Shows greifen das Thema auf. Am Ende nehmen sich Burger-McDonald, Kinder-Milchschnitte und Ferrero-Küssli der Sache an. Es existiert schließlich ein Lehrstuhl für Unternehmensethik! Der Teufel wird mit dem Beelzebub ausgetrieben.
Ähnliches geschah – wenn ich mich recht erinnere – mit der Anti-Raucher-Kampagne von Marlboro. Es gibt da ein Plakat, auf dem zwei Cowboys vom Zuschauer weg in die untergehende Sonne Montanas reiten. Der eine vertraut sich dem andern an, es ist die Stimmung danach (Abendsonne überall, und am Bach die Nachtigall...): „Hey Bob, I’ve got cancer“. Oder war das eine Satire?
II
In der Märzausgabe der Zeitschrift Pneumologie findet sich eine hervorragende und lesenswerte Übersicht zum aktuellen Stand des Bronchialkarzinom-Screenings [2]. Von den Autoren (D. Nowak, U. Ochmann, R.M. Huber und S. Diederich) war einer, nämlich Herr Diederich, maßgebend an der einzigen CT-Studie beteiligt, die in Deutschland aufgelegt und nach einem Jahr abgeschlossen wurde. Ansonsten finden CT-Studien woanders in Europa, in Japan oder in den USA statt, häufig – das ist wahr – von den beteiligten Patienten selbst finanziert. Insofern trifft die Vorbemerkung von Herrn Merget, alles sei „ohne deutsche Mitwirkung“ vor sich gegangen, nicht ganz zu. Aber die Münsteraner Studie ist eine Ausnahme. Die Regel ist, daß Screening-Studien zum BC, über deren gesundheitspolitische Bedeutung sicher kein Wort mehr verloren werden muß, von der öffentlichen Förderung – z.B. durch das Gesundheitsministerium oder die Krankenkassen – ausgeschlossen sind und im übrigen ignoriert werden. Ein vernünftiges Präventionsprojekt ist nicht in Sicht, nicht einmal eine Vorstudie.
Dazu trägt ganz gewiß auch die seit Jahren rituell wiederholte vornehme Detachiertheit bei, diese zurückhaltende, mutlose, fast schon abschätzige Zuschauer-Mentalität, mit der solchen Plänen von ärztlicher Seite begegnet wird. So fassen die Autoren ihr Urteil wie folgt zusammen: „So erfreulich es ist, einen hohen Anteil von asymptomatischen Stadium-I-Tumoren zu diagnostizieren, so problematisch ist das Lungenkarzinom-Screening bei großem Einsatz. Die Ergebnisse der begonnenen kontrollierten Studien werden erst etwa zum Ende dieses Jahrzehnts zeigen, ob ein Lungenkarzinom-Screening unter Einsatz der neuen Techniken wissenschaftlich zu befürworten ist“ [2]. Schaun wir mal.
Dabei ist es durchaus einleuchtend, daß mit Hilfe rechtzeitiger Diagnostik früher (IA bis IIIA) auf Kosten fortgeschrittener Tumorstadien (IIIB, IV) die immer noch düstere Gesamtprognose (13% Heilungswahrscheinlichkeit) verbessert werden müßte. Ein interessanter theoretischer Einwand gegen den Nutzen des Screenings wird – neben anderen – von den Autoren aufgegriffen: Die Früherkennung führt zu Vorverlagerung des Diagnosezeitpunktes, ohne jedoch für den Probanden von Nutzen zu sein. Das heißt, er lebt etwas länger, wird aber dennoch nicht geheilt. Diese „lead time bias“ ist quantifizierbar. Sie entspricht der trivialen Erfahrung, daß z.B. für operable IA-Tumoren (in deren Entdeckung das Hauptziel des low-dose CT-Screenings besteht) zwar eine mittlere 5-Jahres-Überlebensrate von 67% gilt [3], daß aber die korrespondierenden 33% der Patienten am Rezidiv oder an Komplikationen einer dann erfolgenden Chemo-/Strahlentherapie versterben. Mit anderen Worten: sie sind unnötigerweise operiert worden. Das daraus resultierende „tiefgreifende ethische Dilemma“ [2], von dem die Autoren in Bezug auf zum Teil invasive Screening-Maßnahmen bei möglichen falschpositiven Befunden sprechen, existiert seit Beginn der modernen Tumorbehandlung und wird billigend in Kauf genommen. Mit dieser „bias“ leben wir also schon Jahrzehnte.
Und sie treibt wahrscheinlich seit Jahrzehnten – eben durch die nachträglich erfolgenden Chemotherapien – die Kosten in die Höhe. Das entscheidende Rechenexempel bestünde dann nur darin zu beweisen, daß die Rezidivtherapien für die aufgrund der Früherkennung vermehrt anfallenden primär operablen Tumoren billiger sind als die Chemo- und Strahlentherapien für die Gesamtheit der dann selteneren Stadien IIIB und IV. Aber lassen wir das. Barbara Khanavkar hat schon vor Jahren bei der Lektüre kostenorientierter Arbeiten zum Screening den Eindruck gewonnen, daß die „gesundheitsökonomischen Daten so manipuliert werden, daß in jedem Fall das vom Untersucher gewünschte Ergebnis auch herauskommt“ [4].
Glücklicherweise „wird bereits vielerorts auch außerhalb von Studien in größerem Umfang ... gescreent“, obwohl „übergeordnete Fachgesellschaften derzeit noch kein systematisches Screening des Lungenkarzinoms in großem Maßstab empfehlen, sondern auf Studien verweisen“ [2].
„Oliver Brüstle, das ist der pausbäckige, schwäbische Stamzellenforscher in Bonn, hat gerade in einem Welt-Interview ein »verkrampftes Verhältnis« Deutschlands zum Fortschritt diagnostiziert. Anstatt Technologien als nationalen Vorsprung zu sehen, »ergehen wir uns erst einmal in endlosen Diskussionen über alle nur erdenklichen Nachteile«“ [5].
III
Statt dessen gibt es öffentlich geförderte organisatorische Innovationen als Auffanginstrumente für BC-Patienten. Diese Konstrukte nennen sich Masterplan oder Integrierte Versorgung. Und sie werden durch unterbleibende Doppeluntersuchungen, Verkürzung der Wartezeiten beim Staging, raschere Therapieentscheidungen etc. gewiß Kosten und Zeit sparen. Aber sonst?
Auf einem Krankenkassen-Flyer spazieren unter dem Titel »Die integrierte Versorgung bei Lungenkrebs« in gedämpften Farben und lebhaftem Gespräch zwei ältere Herrschaften am Strand entlang. Sie, leger gekleidet mit flatterndem Hemd über dem T-Shirt, hat eine Hand freundschaftlich auf seine Schulter gelegt, ihre Rechte in der Hosentasche. Er wendet sich ihr aufmerksam zu, die Ärmel halb aufgekrempelt, die Brust frei und eine rote Schirmmütze auf seinen ergrauten Haaren. Hinter ihnen Wassergekräusel und gezähmte Gischt. Die beiden sind im SAAB-Coupé angereist, gehören zur aktiven »Generation plus« [6] und kommen eben von der, wie es in den Kuranwendungen einer Nordseeklinik heißt, Inhalation in der Brandungszone. Symbolisch und optimistisch schaut das aus. Soll es auch, denn im Innern des Faltblatts trifft man noch auf ein – allerdings nur vierblättriges – Kleeblatt und einen zuversichtlich lächelnden Arzt. Alles atmet den Geist des Containment, der gebändigten Gefahr. Vielleicht sind das die neuen, gnädigen Metaphern, die Susan Sontag präferierte: sie drücken aus, daß durch Organisation, Informationsaustausch, lockere Interdisziplinarität alles besser wird. Bruder Krebs! Die neue Metaphysik des Wohlseins.
Daß die optimierte Verwaltung des Elends dieses vermindert, mit anderen Worten das Überleben verlängert, has yet to be proved. Man wird dem Patienten beizeiten sagen können, ob ein Rezidiv vorliegt oder nicht, ob der Tumor sich verkleinert oder vergrößert hat. Aber man wird ihm üblicherweise kaum zuverlässig versichern können, daß eine frühzeitige Rezidivtherapie das Überleben verbessert; auch dafür fehlt die Evidenzbasis. Wozu dann also „tumor control“? Wenn die Dinge so bleiben wie sie derzeit sind: Heilungsrate von unverändert 13% seit 30 Jahren trotz der Fortschritte in der chirurgischen Technik, der Anästhesie, der Strahlen- und Chemotherapie, vermeiden wir böse Überraschungen, indem wir von vornherein alles mitteilen, was wir wissen, sodaß dem Patienten jede Outcome-Variante gegenwärtig ist: Er rechnet mit dem Schlimmsten. Vielleicht erzeugt dieses forcierte Mündigwerden ja die fröhliche Abgeklärtheit auf den Ikonen der Faltblätter.
Die zu bewältigende Aufgabe läßt sich nicht mit ein paar billigen Finanzierungstricks und medienwirksamem Zweckoptimismus lösen, indem man hier 1% vom Gesamtbudget einspart, das dort – um Kostenneutralität zu wahren – wiederum für eine Modernisierung der Organisation ausgegeben wird. Das ist Irreführung der Patienten. Es bedarf ganz eindeutig einer mutigen und gezielten Investition mit klaren gesundheitspolitischen Perspektiven.
Die zu bewältigende Aufgabe läßt sich an folgendem Rechenbeispiel skizzieren:
Auf der Basis der stadienspezifischen 5-Jahres-ÜLR von Mountain [3, 7] (Tabelle 7: Clinical Stage IIIB und IV und Tabelle 8: pStage IA bis IIIA) sowie der bekannten Heilungsrate von 13% und einem angenommenen onkologisch-chirurgischem Gesamtkollektiv von 10.000 Patienten mit Bronchialcarcinom entfallen auf die operablen Stadien (IA bis IIIA) mit einer gewichteten 5-Jahres-ÜLR von 49% 2.241 Patienten, das sind 22,4% der Gesamtgruppe. Die nichtoperablen Stadien IIIB und IV mit einer gewichteten 5-Jahres-ÜLR von 2,6% umfassen dagegen 7.759 Patienten, also 77,6% des Gesamtkollektivs.
Will man unter sonst gleichen Bedingungen (identische stadienspezifische ÜLR, gleiche Gruppengröße, gleiche Qualität der chirurgischen und onkologischen Versorgung) eine Verdoppelung der Heilungsrate – also 26% – für das Gesamtkollektiv erreichen, ist eine 2,4-fache Steigerung der Patientenzahlen in operablen Stadien (IA bis IIIA) auf Kosten der avancierten Stadien IIIB und IV erforderlich. Die Stadien IA bis IIIA würden dann 5.043 Patienten umfassen, das wären mehr als 50% des Gesamtkollektivs.
Klaus Waßermann
Literatur und Anmerkungen
[1]
Süddeutsche Zeitung 15.4.05.: Präventionsgesetz verabschiedet. Rot-Grün fördert Gesundheitsvorsorge. 250 Millionen Euro sollen bereitgestellt werden. Großteil müssen Sozialkassen zahlen.
[2]
Nowak D., U. Ochmann, R.M. Huber, S. Diederich: Screening des Lungenkarzinoms – aktueller Stand. Pneumologie 59, 178-191 (2005).
[3]
Mountain C.F.: Special Report. Revisions in the International System for Staging Lung Cancer. Chest 111, 1710-1717 (1997).
[4]
Khanavkar B.: Lebensgewinn durch Verlustwirtschaft? Algebra des Lungenkrebs-Screenings. Kommentar. Atemw-Lungenkrkh. 29, 615-617 (2003).
[5]
Schwennicke C.: Hilfe! Süddeutsche Zeitung 16./17. April 2005: Wochenende, Seite I.
[6]
Fit und mobil: Speziell für die aktive Generation plus gibt es ein neues Programm vom ADAC (Bildunterschrift). ADAC motorwelt 5, 6 (2005).
[7]
Siehe unter 3. Der Aufbau des von Mountain ausgewerteten Kollektivs wird dort ausführlich belegt. Da der Fokus auf den stadienspezifischen ÜLRs liegt – von denen uns hier außer IIIB und IV nur die chirurgisch-pathologisch verfizierten Stadien interessieren – ,das Gesamtkollektiv in absoluten Zahlen aber aus unterschiedlichen Kliniken willkürlich zusammengesetzt wurde, sind die errechenbare Gesamtheilungsquote (23%) und die anteilmäßige Stadienverteilung (z.B. 11% für IA ) nicht repräsentativ. Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Waßermann
Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin
Klinik III für Innere Medizin, Universität Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9
D-50931 Köln
Email: klaus.wassermann@uni-koeln.de
Pro und Contra
Mukopharmaka haben einen Stellenwert in der COPD-Therapie – Pro
A. Gillissen und U.R. Juergens
Abstract
A. Gillissen1 und U.R. Juergens2
1Robert-Koch-Klinik, Klinikum "St. Georg", Leipzig, 2Abteilung Pneumologie, Medizinische Universitätspoliklinik, Bonn
Die unspezifische Abwehrreaktion der Atemwege auf verschiedenste Noxen bei COPD und Asthma sind die Hypersekretion und Dyskrinie. Ursächlich liegt eine gesteigerte neuronale und zellulär-entzündliche Reaktion zugrunde, die in der klinischen Praxis im akuten Stadium nicht primär mit inhalierbaren Glukokortikoiden behandelt werden kann und im chronischen Stadium nur partiell auf diese Substanzgruppe anspricht. Nicht abhustbarer Bronchialschleim als wichtiges Kriterium chronifizierender Atemwegserkrankungen ist mit einer Steigerung bronchopulmonaler Infektionen assoziiert und daher Charakteristikum von Erkrankungen mit erhöhter Inzidenz von Exazerbationen, insbesondere bei chronisch-obstruktiver Bronchitis (COPD) oder der Mukoviszidose (zystischen Fibrose). Daher sind für die betroffenen Patienten die Elimination des in den Bronchien verweilenden Mukus und Förderung der mukoziliären Clearance von großer klinischer und prognostischer Bedeutung. In dieser Übersicht wird in Form einer Pro-Debatte eine kritische Stellungnahme zu den aktuellen Vorteilen der Mukolytika in der Therapie der COPD abgegeben. Es werden insbesondere für die Substanzen N-Acetylcystein, Ambroxol, Cineol und für Myrtol plazebokontrollierte, randomisierte und doppeltverblindete Studien vorgestellt sowie Metaanalysen zitiert, in denen die klinische Effizienz dieser Substanzen nachgewiesen wurden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. A. Gillissen
Robert-Koch-Klinik
Klinikum “St. Georg”
Nikolai-Rumjanzew-Straße 100
D-04207 Leipzig
Email: adrian.gillissen@sanktgeorg.de
Pro und Contra
Mukopharmaka haben einen Stellenwert in der COPD-Therapie – contra
J. Virchow
Abstract
J. Virchow
Abteilung für Pneumologie, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, Medizinische Fakultät, Universität Rostock
Mukopharmaka werden sehr häufig verschrieben, in fast 50% der Fälle bei Erkrankungen aus dem Formenkreis der chronischen Bronchitis und der COPD. Der Nachweis einer klinisch relevanten Wirkung steht allerdings aus. Es gibt keine überzeugenden Untersuchungen, die eine dauerhafte, klinisch relevante Wirkung von Mukopharmaka in der Behandlung der COPD belegen. Neben einigen klar negativen Untersuchungen wie der AMETHIST-Studie (negativ) gibt es partiell positive Ergebnisse z.B. den BRONCUS-Trial, die aber auch die Widersprüchlichkeit der Ergebnisse nicht bessern. Allein wegen der Erkenntnis, daß die Ergebnisse insgesamt inkonsistent und zum Teil hochgradig widersprüchlich sind, muß man annehmen, daß Mukopharmaka in der Therapie der COPD derzeit für den einzelnen Patienten keine relevante Wirkung haben. Der Wirkmechanismus dieser Substanzen ist bis heute unklar. Die klinische Relevanz bleibt fraglich, was auch durch Metaanalysen nicht gelöst werden kann. Auch wenn klinische Effekte nicht ausgeschlossen sind, müssen sie sehr klein sein. Die Patientenpopulation mit größtem Benefit ist bis heute ungewiß (reagieren Patienten mit COPD unterschiedlicher Schweregrade unterschiedlich?). Der klinische Stellenwert der Mukopharmaka bleibt bis heute unklar, so daß Mukopharmaka gegenwärtig bei der Therapie der COPD außerhalb klinischer Studien nicht eingesetzt werden sollten.Correspondence to:
Prof. Dr. med. J.C. Virchow
Abteilung für Pneumologie
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Medizinische Fakultät
Universität Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 6
D-18055 Rostock
Email: j.c.virchow@med.uni.rostock.de
Pro und Contra
Bei chronisch-hyperkapnischer COPD sollte eine nicht-invasive Heimbeatmung initiiert werden – pro
J. Steier und H. Teschler
Abstract
J. Steier und H. Teschler
Abteilung Pneumologie, Universitätsklinik, Ruhrlandklinik, Essen
Die Langzeitanwendung der nicht-invasiven Beatmung mit positivem Druck (non-invasive positive pressure ventilation (NIPPV)) bei Patienten mit chronisch-hyperkapnischer COPD (chronic obstructive pulmonary disease) wird kontrovers diskutiert. Klinische Studien ergeben Hinweise darauf, daß die NIPPV die Kraft der Atem(hilfs)muskulatur und den maximalen inspiratorischen Druck steigert und den Gasaustausch verbessert sowie eine Verschlechterung der Hyperkapnie verhindert. Die NIPPV führt des weiteren zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Einige Studien fanden bei COPD-Patienten mit ausgeprägter Hyperkapnie eine Verlängerung der Gesamtschlafdauer. Obwohl andere Studien für die NIPPV keine positiven Effekte nachweisen konnten, empfiehlt eine Expertengruppe als Konsens aus der existierenden Literatur eine Langzeitanwendung bei Patienten mit stabiler COPD, falls folgende Kriterien erfüllt sind: symptomatische, aber stabile und optimal behandelte COPD mit einem PaCO2-Wert ³ 55 mmHg tagsüber, wenn eine obstruktive Schlafapnoe ausgeschlossen ist. Bei Patienten mit einem PaCO2-Wert von 50 – 54 mmHg wird die NIPPV bei Aggravation einer Hypoventilation im Schlaf (Entsättigung < 89% für ³ 5 Minuten der Schlafzeit trotz Sauerstofflangzeittherapie) unabhängig vom aktuellen PaCO2-Wert empfohlen. Ein Behandlungsversuch scheint ebenso bei allen motivierten Patienten mit schwerer stabiler COPD gerechtfertigt, da in dieser Situation nur wenige andere Optionen existieren und es wenig wahrscheinlich ist, daß diese Patienten die Beatmung auch dann fortsetzen, wenn keine positiven Effekte erzielt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. H. Teschler
Abteilung Pneumologie
Universitätsklinik
Ruhrlandklinik
Tüschener Weg 40
D-45239 Essen
Email: Helmut.Teschler@Ruhrlandklinik.de
Pro und Contra
Bei chronisch hyperkapnischer COPD sollte eine nicht-invasive Heimbeatmung initiiert werden – contra
B. Schönhofer
Abstract
B. Schönhofer
Abteilung für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin, Klinikum Hannover – Oststadt
Aktuell fehlen wissenschaftlich belegte Fakten zur Effektivität der nicht-invasiven Beatmung (NIV) als Dauertherapie bei Patienten mit stabiler schwergradiger COPD und daher kann zur Zeit keine generelle Therapieempfehlung ausgesprochen werden. Aufgrund der aktuellen Erkenntnisse besteht vor allem bei COPD-Patienten vom Pink- Puffer-Typ mit dominierender Gasaustauschstörung, geringer Hyperkapnie am Tage (d.h. < 50 – 55 mmHg), fehlender Hypoventilation im Schlaf, geringer Neigung zur Infektexazerbation und seltenen Hospitationen keine Indikation zur Heimbeatmung. Im Falle eines Therapieversuches mit Heimbeatmung muß eine effektive Ventilation mit entsprechend hohen Beatmungsdrucken gewählt werden. Nach der initialen Adaptationsphase sollte sich eine Erprobungsphase vor definitiver Geräteverordnung anschließen, um den Therapieeffekt und die -Compliance besser beurteilen zu können. Letztlich bleiben die Ergebnisse multizentrischer, randomisierter und kontrollierter Studien abzuwarten, um die NIV-Respondergruppe genauer beschreiben zu können.Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Schönhofer
Abteilung für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin
Klinikum Hannover –Oststadtkrankenhaus
Podbielskistraße 380
D-30659 Hannover
Email: Bernd.Schoenhofer@t-online.de
Pro und Contra
Die idiopathische Lungenfibrose (IPF sensu strictu) sollte überhaupt nicht mehr behandelt werden – pro
C. Vogelmeier
Abstract
C. Vogelmeier
Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie, Philipps-Universität, Marburg
Die idiopathische Lungenfibrose ist eine Erkrankung mit sehr schlechter Prognose. Die bisher zur Verfügung stehenden konservativen Therapieverfahren sind wenig effektiv und mit Nebenwirkungen belastet. Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß die eingesetzten Medikamente nicht die für die Pathogenese wesentlichen Zellen attackieren können. Daher ist die Erarbeitung grundlegend neuer Therapiekonzepte zu fordern.Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Vogelmeier
Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie
Philipps-Universität
D-35033 Marburg
Email: Claus.Vogelmeier@med.uni-marburg.de
Pro und Contra
Die idiopathische Lungenfibrose(IPF sensu strictu) sollte überhauptnicht mehr behandelt werden – contra
J. Behr
Abstract
J. Behr
Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum Großhadern, Ludwig-Maximilians-Universität, München
Die idiopathische Lungenfibrose vom Typ der usual interstitial pneumonia (UIP) ist die häufigste Variante der idiopathischen interstitiellen Pneumonien und zeichnet sich durch eine ausgesprochen ungünstige Prognose aus. Ältere Studien zur Behandlung mit Prednison oder Prednison plus einem Zytostatikum (Azathioprin oder Cyclophosphamid) berichten zwar positive Effekte in bis zu 30% der Patienten, ausreichend dimensionierte, prospektiv-randomisierte, plazebokontrollierte Studien liegen jedoch nicht vor. Für den neuen antifibrotischen Therapieansatz mit Interferon-g-1b wurde 2004 eine randomisierte, plazebokontrollierte Studie an 330 Patienten publiziert, die aber keinen signifikanten Effekt auf die primären oder sekundären Endpunkte nachweisen konnte. Vorläufige Ergebnisse einer Multicenterstudie mit N-Acetylcystein versus Plazebo zusätzlich zu einer Basistherapie mit Kortikosteroiden plus Azathioprin konnten erstmals eine signifikante Verlangsamung des Abfalls der Vital- und Diffusionskapazität im Verlauf eines Jahres dokumentieren, so daß dieses Regime zumindest eine gewisse Stabilisierung der Patienten verspricht. Wenngleich die Therapiemöglichkeiten noch unzureichend sind, besteht daher kein Grund für “therapeutischen Nihilismus”.Correspondence to:
Prof. Dr. med. J. Behr
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Klinikum Großhadern
Ludwig-Maximilians-Universität
Marchioninistraße 15
D-81377 München
Email: Juergen.Behr@med.uni-muenchen.de