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Jahrgang 31, No. 2/2005(Februar 2005)
Abstract
Aus der hohen Schule der Vernunft wissen wir, daß die Dinge der Welt sich nur nach schwer durchschaubaren Gesetzen bewegen. Keine Chance, das Schicksal einfach zu personifizieren. Erdumdrehungen werden nicht wie Umsturzpläne in konspirativen Hinterstuben ausgeheckt.
In den Niederungen des Common Sense ahnt man indessen, daß es "im wirklichen Leben" manchmal doch zugeht wie in einer Kriminalgroteske. Geschichte geschieht, wenn zwei die Köpfe um einer Missetat willen zusammenstecken und tuscheln.
Jerry Fletcher [1] war ein begnadeter Verschwörungstheoretiker. Kein Autounfall, der nicht in Wahrheit ein verbrecherischer Anschlag auf das Leben eines unbequemen Mitwissers gewesen wäre, keine Verkehrsampel ohne Überwachungskamera, kein unschmiedbarer Komplott, nicht ein fehlgeschlagenes Bestechungsmanöver.
Big Tobacco
Big Tobacco hat in Bezug auf die gesundheitlichen Risiken des Passivrauchens und wohl auch im Hinblick auf das Abhängigkeitspotential des Industrietabaks die öffentliche Meinung und die Scientific Community seit Jahren nach Gutdünken manipuliert. Was bislang nur vermutet werden konnte und gelegentlich als verschwörungstheoretische idée fixe von „antitobacco activists“ [2] belächelt wird, läßt sich heute anhand von Aktennotizen, vertraulichen Gesprächsprotokollen, internen Mitteilungen, nichtöffentlichen Absprachen und „confidential documents“ im Einzelnen rekonstruieren.
Im Rahmen des "Master Settlement Agreement" von 1998 war der Staat Minnesota mit der Tabakindustrie übereingekommen, daß alle Firmen mit Ausnahme von British American Tobacco und der Liggett-Gruppe ihren gesamten internen Schriftverkehr und die Forschungsberichte industrienaher Institute auf allgemein zugänglichen Websites veröffentlichen [3].
Aus diesem ehemals inoffiziellen Fundus stellten Pascal A. Diethelm, Jean-Charles Rielle und Martin McKee jetzt einen Bericht zusammen, der zeigt, wie Philip Morris (PM) gezielt bedeutsame wissenschaftliche Daten unterdrückt und zugleich die engen Bindungen zu Wissenschaftlern und Forschungsinstituten, die industriefreundliche Publikationen lancieren, erfolgreich verschleiert hat [4]. Es ist eine Geschichte voll krimineller Energie und einfallsreicher Hinterlist. Dramatis Personae sind ein Manager aus der Führungsetage von Philip Morris, ein Doktor Helmut Wakeham und ein Professor Ragnar Rylander, schwedischer Tabakexperte mit einschlägigen Kontakten.
Blenden und Ablenken
Bereits in den 1970er Jahren war der Tabakindustrie klar, daß sie, anstatt die gesundheitlichen Risiken des Rauchens einfach weiter zu leugnen, eigene wissenschaftliche Projekte zur akuten und chronischen Wirkung des Tabakrauchs ins Leben rufen mußte, um nicht fortwährend von Veröffentlichungen überrascht zu werden, die aus unabhängigen Labors stammten und die nach Ansicht der Manager die negativen Seiten des Rauchens überbetonten.
Gedacht war an eine Art "Counterinsurgency"-Strategie: Rekrutierung (d.h. Aufkauf) von Forschungskapazitäten, deren Arbeiten im wohlverstandenen Eigeninteresse und gegen die Kritiker verwendet – also entweder veröffentlicht oder verheimlicht – werden konnten.
Normalerweise sind Autoren mit bekannten Kontakten zur Industrie gerade auf dem hochsensiblen Tabaksektor rasch und nachhaltig kompromittiert. Deshalb setzte Dr. Wakeham eine Finanzierungs- und Kooperationsstruktur durch, die die wahren Geldgeber unkenntlich machte. Zunächst wurden alle Forschungsaktivitäten aus den USA nach Europa verlagert. Dann betraute man ein Institut mit den erforderlichen wissenschaftlichen Aufgaben, das zwar (seit 1972) 100%-iges Eigentum von Philip Morris war, dessen Aufkauf aber über eine Schweizer Tochtergesellschaft (FTR = Fabriques de tabac réunies, Neuchâtel, Schweiz) arrangiert wurde, die ihrerseits wiederum zu 100% Philip Morris gehörte. Bei der privaten Forschungseinrichtung handelte es sich um das Kölner Institut für Industrielle und Biologische Forschung GmbH (INBIFO).
Prof. Ragnar Rylander, ein schwedischer Tabakfachmann von der Universität Gothenburg, der bereits für PM und eine andere Firma gearbeitet hatte, koordinierte den Informationsaustausch zwischen INBIFO und PM [5]. Offiziell trat er als wissenschaftlicher Berater von FTR in Erscheinung. Seine eigentliche Aufgabe bestand in der Überwachung der bei INBIFO durchgeführten Forschungsprojekte, die ausschließlich von PM autorisiert wurden und über deren Publikation oder Nicht-Publikation auch wiederum allein PM verfügte. Rylander wurde durch einen PM-Kontaktmann über diese Entscheidungen lediglich informiert. Er war bezahlter Befehlsempfänger, der nichts ohne ausführliche Konsultationen mit der Industrie unternahm [6]. PM hatte nachweislich großes Interesse daran, seine Beziehung zu Rylander und INBIFO geheimzuhalten. Kaum einer der Manager der PM-Führungsebene wußte etwas über INBIFO. Der briefliche und telefonische Kontakt lief über Neuchâtel, von wo aus das gesamte Material nach Köln weitergeleitet wurde.
1990 veröffentlichte Rylander eine Studie zum Lungenkrebsrisiko von grünem Tee [7]. Dr. Wakeman hatte der industrienahen Forschung zur Aufgabe gemacht, nach anderen möglichen Ursachen für "smoking related diseases" zu suchen, um die Tabakindustrie "aus der Schußlinie" zu nehmen.
Verheimlichen
Von 1981 bis 1989 führte INBIFO eine große Anzahl von Tierexperimenten zum Nebenstromrauch durch. Mehr als 800 interne wissenschaftliche Berichte wurden angefertigt. Bis 1994 scheint es jedoch keinerlei entsprechende Veröffentlichung gegeben zu haben, obwohl kaum ein Zweifel daran besteht, daß angesehene wissenschaftliche Journale großes Interesse an den Daten gehabt hätten.
Es war von Anfang an klar, dass der Seitenstromrauch hochtoxisch war. Zitate aus einem INBIFO-Bericht, den Rylander 1982 an PM in Richmond, Virginia schickte: "Alle Ratten wiesen nach eintägiger Rauchexposition Zeichen der Erschöpfung auf. Im Gegensatz zu den Ratten der Hauptstromgruppe, die sich schon am nächsten Morgen erholt hatten, behielten die Seitenstrom-Ratten ihr zottiges Fell weiterhin, und einige von ihnen zeigten sogar respiratorische Symptome wie pfeifende und rasselnde Atemgeräusche".
"Extrapoliert man von vorangehenden Hauptstrom-Inhalations-Studien, so ergibt sich, daß die Partikel-Konzentration in jenen Studien um den Faktor 3 hätte erhöht werden müssen, um ähnlich starke Reaktionen hervorzurufen, wie man sie in den Seitenstromexperimenten beobachten konnte." "Zusätzlich zu den unter Hauptstromrauch gesehenen Veränderungen verursachte der Seitenstromrauch wesentlich schwerere atrophische und nekrotische Läsionen des Riechepithels und häufig auch Plattenepithelmetaplasien im Bereich des Flimmerepithels der Nasenhöhle."
Ein anderer Bericht faßt die Befunde folgendermaßen zusammen: "Die statistische Auswertung von Körper- und Organgewichten zeigt, daß die Seitenstrom-exponierten Tiere mit vergleichbarer Tagesdosis an Rauchpartikeln tendenziell stärker reagieren als die Hauptstrom-exponierte Gruppe. Gleichzeitig reagiert die Gruppe mit der hohen Seitenstromexposition fast ebenso stark wie die Gruppe mit der hohen Hauptstromexposition, obwohl die Partikelkonzentration im Seitenstrom ungefähr um den Faktor 4 geringer war als im Hauptstrom" [4].
Ragnar Rylanders Tätigkeit wurde 2003 von einem Schweizer Gericht als "beispielloser wissenschaftlicher Betrug" verurteilt. Die Universität Genf stellte fest, Rylander habe sich „des wissenschaftlichen Fehlverhaltens schuldig gemacht, indem er das wahre Ausmaß seiner Verbindungen zur Tabakindustrie verheimlicht und seine Tätigkeit als Forscher und Experte mit den strategischen Zielen seiner Geldgeber abgestimmt“ habe. Darüberhinaus wurde er vor kurzem aus einem Gutachterkomitee des Europarats ausgeschlossen, weil er seine Kontakte zur Industrie verschwiegen hatte [6].
Schluß
Diethelm und Mitarbeiter halten es aufgrund der ausgewerteten Dokumente für erwiesen, daß Philip Morris im Unterschied zu seinen offiziellen Stellungnahmen bereits 1982 darüber informiert war, daß der Seitenstromrauch wesentlich toxischer ist als der Hauptstromrauch. Ein Schlüsselbefund, der bei rechtzeitiger Veröffentlichung die Debatte über die Risiken des Passivrauchens nachdrücklich beeinflußt hätte. Aber es gibt keinen Hinweis darauf, daß diese Untersuchungen jemals publiziert wurden. Noch im April 2002 bestritt PM vor einem amerikanischen Gericht die krankmachende Wirkung des Passivrauchens.
Bei der Sichtung aller Studien zum Thema Rauchen und Gesundheit sollte man sich immer, so betonen die Autoren, über die selektive Publikationspraxis industrienaher Wissenschaftler, mit anderen Worten: über das Ausmaß unveröffentlichter gleichwohl relevanter Daten, im Klaren sein.
**
Kaum ist die Heilige Nacht abgefeiert, stolzieren sie wieder unter lauter Schinderassabum und Tätärätä über den Marktplatz. Die Dame mit der lilafarbenen Federboa und den klackernden Stilettos neben dem Herrn, der sein zweizipfliges Silber-und-Gold-Mützchen nach Unteroffiziersart fesch in die Stirn geschoben hat. Gemeinsam blasen sie den Dampf aus den Glühweintassen, gebärden sich wie toll und gehen mir mit ihrer energischen Lachlust unheimlich auf die Nerven. Die Jecken sind das. Das sind die Jecken. Es ist Karneval, Fasching, Karamellenzeit. Selbst das Brötchenholen wird zur Qual: mein Konditor hat Rouge aufgelegt und animiert jeden Kunden zum Mitsingen.
Aber auch das geht endlich vorbei.
Nur die Schultern hochziehn und Stille bewahren.
Ist schon vorbei.
Klaus Waßermann
Literatur und Anmerkungen
[1]
Fletcher’s Visions: © Warner Bros. 1997. DVD 1998.
[2]
Rylander R.: Correspondence. Links with the tobacco industry. www.thelancet.com
Vol. 365, January 15, 2005.
[3]
http://www.tobaccodocuments.org
http://legacy.library.ucsf.edu
http://www.pmdocs.com
[4]
Diethelm P.A., J.-C. Rielle, M. McKee: The whole truth and nothing but the truth? The research that Philip Morris did not want you to see. Published Online November 11, 2004.
http://image.thelancet. com/extras/03art730web.pdf
[5]
Aufgrund eines "Consulting agreement" mit PM im Jahre 1972 erhielt Rylander zwischen 1972 und 1997 Jahreshonorare in Höhe von 2.500 bis 85.000 US Dollar, außerdem zwischen 1985 und 1997 Forschungsgelder in Höhe von 40.000 bis 80.000 US Dollar pro Jahr. Honoriert wurden monatliche Visiten bei INBIFO und etliche andere Aktivitäten für PM.
[6]
Diethelm P.A., J.-C. Rielle, M. McKee: Correspondence. Links with the tobacco industry. www.thelancet.com Vol. 365, January 15, 2005.
[7]
Tewes F.J., L.C. Koo, T.J. Meisgen, R. Rylander: Lung cancer risk and mutagenicity of tea. Environ. Research 52, 23-33 (1990).Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Waßermann
Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin
Klinik III für Innere Medizin, Universität Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9
D-50931 Köln
Email: klaus.wassermann@uni-koeln.de
Klaus Waßermann
Aus der hohen Schule der Vernunft wissen wir, daß die Dinge der Welt sich nur nach schwer durchschaubaren Gesetzen bewegen. Keine Chance, das Schicksal einfach zu personifizieren. Erdumdrehungen werden nicht wie Umsturzpläne in konspirativen Hinterstuben ausgeheckt.
In den Niederungen des Common Sense ahnt man indessen, daß es "im wirklichen Leben" manchmal doch zugeht wie in einer Kriminalgroteske. Geschichte geschieht, wenn zwei die Köpfe um einer Missetat willen zusammenstecken und tuscheln.
Jerry Fletcher [1] war ein begnadeter Verschwörungstheoretiker. Kein Autounfall, der nicht in Wahrheit ein verbrecherischer Anschlag auf das Leben eines unbequemen Mitwissers gewesen wäre, keine Verkehrsampel ohne Überwachungskamera, kein unschmiedbarer Komplott, nicht ein fehlgeschlagenes Bestechungsmanöver.
Big Tobacco
Big Tobacco hat in Bezug auf die gesundheitlichen Risiken des Passivrauchens und wohl auch im Hinblick auf das Abhängigkeitspotential des Industrietabaks die öffentliche Meinung und die Scientific Community seit Jahren nach Gutdünken manipuliert. Was bislang nur vermutet werden konnte und gelegentlich als verschwörungstheoretische idée fixe von „antitobacco activists“ [2] belächelt wird, läßt sich heute anhand von Aktennotizen, vertraulichen Gesprächsprotokollen, internen Mitteilungen, nichtöffentlichen Absprachen und „confidential documents“ im Einzelnen rekonstruieren.
Im Rahmen des "Master Settlement Agreement" von 1998 war der Staat Minnesota mit der Tabakindustrie übereingekommen, daß alle Firmen mit Ausnahme von British American Tobacco und der Liggett-Gruppe ihren gesamten internen Schriftverkehr und die Forschungsberichte industrienaher Institute auf allgemein zugänglichen Websites veröffentlichen [3].
Aus diesem ehemals inoffiziellen Fundus stellten Pascal A. Diethelm, Jean-Charles Rielle und Martin McKee jetzt einen Bericht zusammen, der zeigt, wie Philip Morris (PM) gezielt bedeutsame wissenschaftliche Daten unterdrückt und zugleich die engen Bindungen zu Wissenschaftlern und Forschungsinstituten, die industriefreundliche Publikationen lancieren, erfolgreich verschleiert hat [4]. Es ist eine Geschichte voll krimineller Energie und einfallsreicher Hinterlist. Dramatis Personae sind ein Manager aus der Führungsetage von Philip Morris, ein Doktor Helmut Wakeham und ein Professor Ragnar Rylander, schwedischer Tabakexperte mit einschlägigen Kontakten.
Blenden und Ablenken
Bereits in den 1970er Jahren war der Tabakindustrie klar, daß sie, anstatt die gesundheitlichen Risiken des Rauchens einfach weiter zu leugnen, eigene wissenschaftliche Projekte zur akuten und chronischen Wirkung des Tabakrauchs ins Leben rufen mußte, um nicht fortwährend von Veröffentlichungen überrascht zu werden, die aus unabhängigen Labors stammten und die nach Ansicht der Manager die negativen Seiten des Rauchens überbetonten.
Gedacht war an eine Art "Counterinsurgency"-Strategie: Rekrutierung (d.h. Aufkauf) von Forschungskapazitäten, deren Arbeiten im wohlverstandenen Eigeninteresse und gegen die Kritiker verwendet – also entweder veröffentlicht oder verheimlicht – werden konnten.
Normalerweise sind Autoren mit bekannten Kontakten zur Industrie gerade auf dem hochsensiblen Tabaksektor rasch und nachhaltig kompromittiert. Deshalb setzte Dr. Wakeham eine Finanzierungs- und Kooperationsstruktur durch, die die wahren Geldgeber unkenntlich machte. Zunächst wurden alle Forschungsaktivitäten aus den USA nach Europa verlagert. Dann betraute man ein Institut mit den erforderlichen wissenschaftlichen Aufgaben, das zwar (seit 1972) 100%-iges Eigentum von Philip Morris war, dessen Aufkauf aber über eine Schweizer Tochtergesellschaft (FTR = Fabriques de tabac réunies, Neuchâtel, Schweiz) arrangiert wurde, die ihrerseits wiederum zu 100% Philip Morris gehörte. Bei der privaten Forschungseinrichtung handelte es sich um das Kölner Institut für Industrielle und Biologische Forschung GmbH (INBIFO).
Prof. Ragnar Rylander, ein schwedischer Tabakfachmann von der Universität Gothenburg, der bereits für PM und eine andere Firma gearbeitet hatte, koordinierte den Informationsaustausch zwischen INBIFO und PM [5]. Offiziell trat er als wissenschaftlicher Berater von FTR in Erscheinung. Seine eigentliche Aufgabe bestand in der Überwachung der bei INBIFO durchgeführten Forschungsprojekte, die ausschließlich von PM autorisiert wurden und über deren Publikation oder Nicht-Publikation auch wiederum allein PM verfügte. Rylander wurde durch einen PM-Kontaktmann über diese Entscheidungen lediglich informiert. Er war bezahlter Befehlsempfänger, der nichts ohne ausführliche Konsultationen mit der Industrie unternahm [6]. PM hatte nachweislich großes Interesse daran, seine Beziehung zu Rylander und INBIFO geheimzuhalten. Kaum einer der Manager der PM-Führungsebene wußte etwas über INBIFO. Der briefliche und telefonische Kontakt lief über Neuchâtel, von wo aus das gesamte Material nach Köln weitergeleitet wurde.
1990 veröffentlichte Rylander eine Studie zum Lungenkrebsrisiko von grünem Tee [7]. Dr. Wakeman hatte der industrienahen Forschung zur Aufgabe gemacht, nach anderen möglichen Ursachen für "smoking related diseases" zu suchen, um die Tabakindustrie "aus der Schußlinie" zu nehmen.
Verheimlichen
Von 1981 bis 1989 führte INBIFO eine große Anzahl von Tierexperimenten zum Nebenstromrauch durch. Mehr als 800 interne wissenschaftliche Berichte wurden angefertigt. Bis 1994 scheint es jedoch keinerlei entsprechende Veröffentlichung gegeben zu haben, obwohl kaum ein Zweifel daran besteht, daß angesehene wissenschaftliche Journale großes Interesse an den Daten gehabt hätten.
Es war von Anfang an klar, dass der Seitenstromrauch hochtoxisch war. Zitate aus einem INBIFO-Bericht, den Rylander 1982 an PM in Richmond, Virginia schickte: "Alle Ratten wiesen nach eintägiger Rauchexposition Zeichen der Erschöpfung auf. Im Gegensatz zu den Ratten der Hauptstromgruppe, die sich schon am nächsten Morgen erholt hatten, behielten die Seitenstrom-Ratten ihr zottiges Fell weiterhin, und einige von ihnen zeigten sogar respiratorische Symptome wie pfeifende und rasselnde Atemgeräusche".
"Extrapoliert man von vorangehenden Hauptstrom-Inhalations-Studien, so ergibt sich, daß die Partikel-Konzentration in jenen Studien um den Faktor 3 hätte erhöht werden müssen, um ähnlich starke Reaktionen hervorzurufen, wie man sie in den Seitenstromexperimenten beobachten konnte." "Zusätzlich zu den unter Hauptstromrauch gesehenen Veränderungen verursachte der Seitenstromrauch wesentlich schwerere atrophische und nekrotische Läsionen des Riechepithels und häufig auch Plattenepithelmetaplasien im Bereich des Flimmerepithels der Nasenhöhle."
Ein anderer Bericht faßt die Befunde folgendermaßen zusammen: "Die statistische Auswertung von Körper- und Organgewichten zeigt, daß die Seitenstrom-exponierten Tiere mit vergleichbarer Tagesdosis an Rauchpartikeln tendenziell stärker reagieren als die Hauptstrom-exponierte Gruppe. Gleichzeitig reagiert die Gruppe mit der hohen Seitenstromexposition fast ebenso stark wie die Gruppe mit der hohen Hauptstromexposition, obwohl die Partikelkonzentration im Seitenstrom ungefähr um den Faktor 4 geringer war als im Hauptstrom" [4].
Ragnar Rylanders Tätigkeit wurde 2003 von einem Schweizer Gericht als "beispielloser wissenschaftlicher Betrug" verurteilt. Die Universität Genf stellte fest, Rylander habe sich „des wissenschaftlichen Fehlverhaltens schuldig gemacht, indem er das wahre Ausmaß seiner Verbindungen zur Tabakindustrie verheimlicht und seine Tätigkeit als Forscher und Experte mit den strategischen Zielen seiner Geldgeber abgestimmt“ habe. Darüberhinaus wurde er vor kurzem aus einem Gutachterkomitee des Europarats ausgeschlossen, weil er seine Kontakte zur Industrie verschwiegen hatte [6].
Schluß
Diethelm und Mitarbeiter halten es aufgrund der ausgewerteten Dokumente für erwiesen, daß Philip Morris im Unterschied zu seinen offiziellen Stellungnahmen bereits 1982 darüber informiert war, daß der Seitenstromrauch wesentlich toxischer ist als der Hauptstromrauch. Ein Schlüsselbefund, der bei rechtzeitiger Veröffentlichung die Debatte über die Risiken des Passivrauchens nachdrücklich beeinflußt hätte. Aber es gibt keinen Hinweis darauf, daß diese Untersuchungen jemals publiziert wurden. Noch im April 2002 bestritt PM vor einem amerikanischen Gericht die krankmachende Wirkung des Passivrauchens.
Bei der Sichtung aller Studien zum Thema Rauchen und Gesundheit sollte man sich immer, so betonen die Autoren, über die selektive Publikationspraxis industrienaher Wissenschaftler, mit anderen Worten: über das Ausmaß unveröffentlichter gleichwohl relevanter Daten, im Klaren sein.
**
Kaum ist die Heilige Nacht abgefeiert, stolzieren sie wieder unter lauter Schinderassabum und Tätärätä über den Marktplatz. Die Dame mit der lilafarbenen Federboa und den klackernden Stilettos neben dem Herrn, der sein zweizipfliges Silber-und-Gold-Mützchen nach Unteroffiziersart fesch in die Stirn geschoben hat. Gemeinsam blasen sie den Dampf aus den Glühweintassen, gebärden sich wie toll und gehen mir mit ihrer energischen Lachlust unheimlich auf die Nerven. Die Jecken sind das. Das sind die Jecken. Es ist Karneval, Fasching, Karamellenzeit. Selbst das Brötchenholen wird zur Qual: mein Konditor hat Rouge aufgelegt und animiert jeden Kunden zum Mitsingen.
Aber auch das geht endlich vorbei.
Nur die Schultern hochziehn und Stille bewahren.
Ist schon vorbei.
Klaus Waßermann
Literatur und Anmerkungen
[1]
Fletcher’s Visions: © Warner Bros. 1997. DVD 1998.
[2]
Rylander R.: Correspondence. Links with the tobacco industry. www.thelancet.com
Vol. 365, January 15, 2005.
[3]
http://www.tobaccodocuments.org
http://legacy.library.ucsf.edu
http://www.pmdocs.com
[4]
Diethelm P.A., J.-C. Rielle, M. McKee: The whole truth and nothing but the truth? The research that Philip Morris did not want you to see. Published Online November 11, 2004.
http://image.thelancet. com/extras/03art730web.pdf
[5]
Aufgrund eines "Consulting agreement" mit PM im Jahre 1972 erhielt Rylander zwischen 1972 und 1997 Jahreshonorare in Höhe von 2.500 bis 85.000 US Dollar, außerdem zwischen 1985 und 1997 Forschungsgelder in Höhe von 40.000 bis 80.000 US Dollar pro Jahr. Honoriert wurden monatliche Visiten bei INBIFO und etliche andere Aktivitäten für PM.
[6]
Diethelm P.A., J.-C. Rielle, M. McKee: Correspondence. Links with the tobacco industry. www.thelancet.com Vol. 365, January 15, 2005.
[7]
Tewes F.J., L.C. Koo, T.J. Meisgen, R. Rylander: Lung cancer risk and mutagenicity of tea. Environ. Research 52, 23-33 (1990).Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Waßermann
Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin
Klinik III für Innere Medizin, Universität Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9
D-50931 Köln
Email: klaus.wassermann@uni-koeln.de
Themenschwerpunkt: Lungentransplantation
Editorial: Lungentransplantation – eine ernst zu nehmende Therapieoption
T.O.F. Wagner, Frankfurt am Main
62
12$
Abstract
Die Lungentransplantation ist längst dem experimentellen Stadium entwachsen. Man kann heute mit gutem Gewissen die Therapie einem Patienten empfehlen, wenn die anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Leistungsfähigkeit der Lunge für den Patienten nicht mehr mit einer akzeptablen Lebensqualität vereinbar ist. Die hier zusammen getragenen Arbeiten zeigen das ganz deutlich, machen aber auch klar, dass die Alternativen bekannt sein und – wenn möglich – genutzt werden müssen, und dass die Ergebnisse der Lungentransplantation sehr genau differenziert werden müssen in Bezug auf Risikofaktoren und die zugrunde liegende Indikation.
Seit den ersten erfolgreichen Lungentransplantationen in den 80er Jahren werden seit Mitte der 90er Jahre entweder beidseitige Transplantationen (bilateral lung transplantation, BLTx) vorgenommen, wobei die Lungenflügel zwar in einer Operation, aber nacheinander transplantiert werden, oder es wird nur ein Lungenflügel transplantiert (single lung transplantation, SLTx). In der internationalen Statistik der ISHLT (International Society for Heart and Lung Transplantation) sind seit 1985 nach diesen Verfahren ca. 18000 Transplantationen durchgeführt worden. Bei der BLTx machen die Indikationen Mukoviszidose (CF), COPD, Emphysem, Lungenfibrose (ILD) und pulmonale Hypertension die Mehrzahl der Patienten aus. Bei der SLTx sind es COPD und Emphysem sowie die Lungenfibrose, welche die Hauptindikationsgebiete darstellen.
Die Zahl der transplantierten CF-Patienten (von Mallinckrodt et al.) ist relativ hoch im Verhältnis zur Gesamtzahl der Erkrankten mit dieser seltenen Erkrankung, denn es gibt absolut gesehen viel mehr Kranke mit chronischer Bronchitis (COPD) oder Emphysem. Da bei den meist jungen Mukoviszidose-Patienten aber in der Regel viel weniger Begleitprobleme bestehen, finden sich wenige Hinderungsgründe (Kontraindikationen) für eine Transplantation. Das niedrigere Durchschnittsalter der Transplantationskandidaten mit CF mag auch dazu beitragen, dass in dieser Gruppe die Ergebnisse besonders günstig ausfallen. In der internationalen Statistik leben nach fünf Jahren noch mehr als die Hälfte der Transplantierten, während bei anderen Lungentransplantationen die Zahlen unter 50 Prozent liegen.
Bei der COPD und dem Emphysem sind zwar die Ergebnisse des Überlebens im Vergleich zum Überleben nicht transplantierter ähnlich kranker Patienten (auf der Warteliste, also gleich krank) nicht so überzeugend, die Lebensqualität der Überlebenden ist aber exzellent. Auch können, wie in der Arbeit von Frau H. Wilkens sehr schön zusammengefasst, inzwischen die Nützlichkeit bzw. Vergeblichkeit einer Lungenvolumenreduktion besser vorhergesagt werden.
Auch bei den anderen Indikationen (M. Dierich et al.) muss das Ergebnis immer im Vergleich zu anderen Therapieoptionen gesehen werden. Es hat sich mit der medikamentösen Langzeittherapie der pulmonalen Hypertonie erheblich das konservative Spektrum erweitert, so dass die Patienten mit dieser Indikation zumindest deutlich später gelistet werden können. Gleichzeitig haben sich die therapeutischen Möglichkeiten bei der Lungenfibrose nicht wesentlich verbessert. Die Ergebnisse der Transplantation wegen idiopathischer Lungenfibrose (IPF) sind nicht schlechter als im Gesamtkollektiv der aus Hannover stammenden Daten. Aber selbst für seltene Lungenerkrankungen wie die Lymphangioleiomyomatose oder die Langerhanszell-Histiozytose können inzwischen respektable Zahlen berichtet werden.
Neben Überleben und Transplantatfunktion rücken die erzielbare Lebensqualität (C. Kugler et al.) und die dazu erforderliche professionelle Unterstützung (G. Ullrich et al.) immer mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit, weshalb die beiden Originalarbeiten hier eine wichtige Ergänzung der Betrachtung des komplexen Themas liefern.
Die durchaus eindrucksvoll guten Ergebnisse erfordern einen hohen Aufwand an Betreuungsintensität, denn Komplikationshäufigkeit und -bedrohlichkeit stellen auch ein erfahrenes Team immer wieder vor neue Herausforderungen. In der Übersicht zu den Aspekten der Evaluation wird insbesondere der Aspekt der Komplikationen und der routinemäßigen Betreuung betrachtet (von Mallinckrodt et al.).
In den herausragenden Transplantationszentren, das sind meist auch solche, wo mehr Transplantationen durchgeführt werden, sind die Zahlen besonders günstig. Ein durchschnittliches Ergebnis wird bei einer Zentrumsgröße erreicht, in dem etwa 20 Transplantationen pro Jahr vorgenommen werden. Werden deutlich mehr Transplantation durchgeführt, sinkt das Risiko, bei weniger Transplantationen steigt das Risiko eines vorzeitigen Scheiterns der Hoffnung auf eine erfolgreiche Transplantation (1-Jahres-Mortalität, Zahlen aus dem internationalen Register der International Society for Heart and Lung Transplantation; J. Heart Lung Transplant. 2004; 23: 804-815).
Im Jahr 2003 wurden in Deutschland 212 Lungentransplantationen erfasst (Deutsche Stiftung Organtransplantation, DSO), das entspricht einer geringen Zunahme im Vergleich zum Vorjahr (plus 7 Prozent).
Leider ist die Spenderbereitschaft in Deutschland sehr gering, auch wenn die Zahlen in 2003 etwas besser waren als in 2002. Für die Lungentransplantation besonders erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle Spenderlungen geeignet sind, so dass der allgemeine Spenderorganmangel hier noch schmerzlicher wirksam wird. Größere Transplantationszentren (zehn oder mehr Transplantationen im Jahr 2003) sind aktiv in Frankfurt, Essen, Berlin, München und Hannover. Hannover nimmt eine Sonderstellung ein, da hier die meisten Lungentransplantationen durchgeführt wurden und werden (seit 1988).
Die Lungentransplantation ist eine hilfreiche Erweiterung unserer Therapiemöglichkeiten für Patienten mit einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Lungenleistung. Es ist wichtig, dass der Erkrankte weiß, welche Möglichkeiten und Grenzen mit der Transplantation verbunden sind. Patienten müssen wissen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Auseinandersetzung mit dem Thema gekommen ist. Dazu sollten Ärzte wissen, was auf den Transplantierten zukommt. Zu diesem Zweck wird in den Beiträgen ein Stück Hilfe geleistet.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T.O.F. Wagner
Schwerpunkt Pneumologie/Allergologie
Medizinische Klinik I
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D-60596 Frankfurt am Main
Email: t.wagner@em.uni-frankfurt.de
T.O.F. Wagner, Frankfurt am Main
Die Lungentransplantation ist längst dem experimentellen Stadium entwachsen. Man kann heute mit gutem Gewissen die Therapie einem Patienten empfehlen, wenn die anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Leistungsfähigkeit der Lunge für den Patienten nicht mehr mit einer akzeptablen Lebensqualität vereinbar ist. Die hier zusammen getragenen Arbeiten zeigen das ganz deutlich, machen aber auch klar, dass die Alternativen bekannt sein und – wenn möglich – genutzt werden müssen, und dass die Ergebnisse der Lungentransplantation sehr genau differenziert werden müssen in Bezug auf Risikofaktoren und die zugrunde liegende Indikation.
Seit den ersten erfolgreichen Lungentransplantationen in den 80er Jahren werden seit Mitte der 90er Jahre entweder beidseitige Transplantationen (bilateral lung transplantation, BLTx) vorgenommen, wobei die Lungenflügel zwar in einer Operation, aber nacheinander transplantiert werden, oder es wird nur ein Lungenflügel transplantiert (single lung transplantation, SLTx). In der internationalen Statistik der ISHLT (International Society for Heart and Lung Transplantation) sind seit 1985 nach diesen Verfahren ca. 18000 Transplantationen durchgeführt worden. Bei der BLTx machen die Indikationen Mukoviszidose (CF), COPD, Emphysem, Lungenfibrose (ILD) und pulmonale Hypertension die Mehrzahl der Patienten aus. Bei der SLTx sind es COPD und Emphysem sowie die Lungenfibrose, welche die Hauptindikationsgebiete darstellen.
Die Zahl der transplantierten CF-Patienten (von Mallinckrodt et al.) ist relativ hoch im Verhältnis zur Gesamtzahl der Erkrankten mit dieser seltenen Erkrankung, denn es gibt absolut gesehen viel mehr Kranke mit chronischer Bronchitis (COPD) oder Emphysem. Da bei den meist jungen Mukoviszidose-Patienten aber in der Regel viel weniger Begleitprobleme bestehen, finden sich wenige Hinderungsgründe (Kontraindikationen) für eine Transplantation. Das niedrigere Durchschnittsalter der Transplantationskandidaten mit CF mag auch dazu beitragen, dass in dieser Gruppe die Ergebnisse besonders günstig ausfallen. In der internationalen Statistik leben nach fünf Jahren noch mehr als die Hälfte der Transplantierten, während bei anderen Lungentransplantationen die Zahlen unter 50 Prozent liegen.
Bei der COPD und dem Emphysem sind zwar die Ergebnisse des Überlebens im Vergleich zum Überleben nicht transplantierter ähnlich kranker Patienten (auf der Warteliste, also gleich krank) nicht so überzeugend, die Lebensqualität der Überlebenden ist aber exzellent. Auch können, wie in der Arbeit von Frau H. Wilkens sehr schön zusammengefasst, inzwischen die Nützlichkeit bzw. Vergeblichkeit einer Lungenvolumenreduktion besser vorhergesagt werden.
Auch bei den anderen Indikationen (M. Dierich et al.) muss das Ergebnis immer im Vergleich zu anderen Therapieoptionen gesehen werden. Es hat sich mit der medikamentösen Langzeittherapie der pulmonalen Hypertonie erheblich das konservative Spektrum erweitert, so dass die Patienten mit dieser Indikation zumindest deutlich später gelistet werden können. Gleichzeitig haben sich die therapeutischen Möglichkeiten bei der Lungenfibrose nicht wesentlich verbessert. Die Ergebnisse der Transplantation wegen idiopathischer Lungenfibrose (IPF) sind nicht schlechter als im Gesamtkollektiv der aus Hannover stammenden Daten. Aber selbst für seltene Lungenerkrankungen wie die Lymphangioleiomyomatose oder die Langerhanszell-Histiozytose können inzwischen respektable Zahlen berichtet werden.
Neben Überleben und Transplantatfunktion rücken die erzielbare Lebensqualität (C. Kugler et al.) und die dazu erforderliche professionelle Unterstützung (G. Ullrich et al.) immer mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit, weshalb die beiden Originalarbeiten hier eine wichtige Ergänzung der Betrachtung des komplexen Themas liefern.
Die durchaus eindrucksvoll guten Ergebnisse erfordern einen hohen Aufwand an Betreuungsintensität, denn Komplikationshäufigkeit und -bedrohlichkeit stellen auch ein erfahrenes Team immer wieder vor neue Herausforderungen. In der Übersicht zu den Aspekten der Evaluation wird insbesondere der Aspekt der Komplikationen und der routinemäßigen Betreuung betrachtet (von Mallinckrodt et al.).
In den herausragenden Transplantationszentren, das sind meist auch solche, wo mehr Transplantationen durchgeführt werden, sind die Zahlen besonders günstig. Ein durchschnittliches Ergebnis wird bei einer Zentrumsgröße erreicht, in dem etwa 20 Transplantationen pro Jahr vorgenommen werden. Werden deutlich mehr Transplantation durchgeführt, sinkt das Risiko, bei weniger Transplantationen steigt das Risiko eines vorzeitigen Scheiterns der Hoffnung auf eine erfolgreiche Transplantation (1-Jahres-Mortalität, Zahlen aus dem internationalen Register der International Society for Heart and Lung Transplantation; J. Heart Lung Transplant. 2004; 23: 804-815).
Im Jahr 2003 wurden in Deutschland 212 Lungentransplantationen erfasst (Deutsche Stiftung Organtransplantation, DSO), das entspricht einer geringen Zunahme im Vergleich zum Vorjahr (plus 7 Prozent).
Leider ist die Spenderbereitschaft in Deutschland sehr gering, auch wenn die Zahlen in 2003 etwas besser waren als in 2002. Für die Lungentransplantation besonders erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle Spenderlungen geeignet sind, so dass der allgemeine Spenderorganmangel hier noch schmerzlicher wirksam wird. Größere Transplantationszentren (zehn oder mehr Transplantationen im Jahr 2003) sind aktiv in Frankfurt, Essen, Berlin, München und Hannover. Hannover nimmt eine Sonderstellung ein, da hier die meisten Lungentransplantationen durchgeführt wurden und werden (seit 1988).
Die Lungentransplantation ist eine hilfreiche Erweiterung unserer Therapiemöglichkeiten für Patienten mit einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Lungenleistung. Es ist wichtig, dass der Erkrankte weiß, welche Möglichkeiten und Grenzen mit der Transplantation verbunden sind. Patienten müssen wissen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Auseinandersetzung mit dem Thema gekommen ist. Dazu sollten Ärzte wissen, was auf den Transplantierten zukommt. Zu diesem Zweck wird in den Beiträgen ein Stück Hilfe geleistet.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T.O.F. Wagner
Schwerpunkt Pneumologie/Allergologie
Medizinische Klinik I
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D-60596 Frankfurt am Main
Email: t.wagner@em.uni-frankfurt.de
Themenschwerpunkt: Lungentransplantation
Lungentransplantation bei Mukoviszidose
C. von Mallinckrodt, C. Smaczny, T.O. Hirche, L. Wagner, H. Kirsch und T.O.F. Wagner
64
32$
Abstract
Mukoviszidose stellt eine der wichtigsten und günstigsten Indikationen für eine Lungentransplantation dar. Die bilaterale Lungentransplantation muß als ernstzunehmende Option für Patienten mit Lungenversagen nach Ausschöpfung der konservativen Therapieverfahren angesehen werden. Aufgrund des meist jüngeren Alters der Patienten sind absolute Kontraindikationen selten. Unsicherheit besteht noch bezüglich der Bedeutung multiresistenter Pseudomonaskeime oder anderer Problemkeime einschließlich Burkholderiaspezies. Das durchschnittliche Überleben in der internationalen Sammelstatistik nach Lungentransplantation bei CF-Patienten beträgt 90% nach einem Jahr und 60% nach fünf Jahren und liegt damit über den durchschnittlichen Ergebnissen bei anderen Indikationen. Größere Transplantationszentren erreichen noch bessere Ergebnisse. In der Nachsorge spielen Reinfektionen mit den vorbestehenden Keimen eine untergeordnete Rolle, das Hauptproblem stellt bei Mukoviszidose wie bei allen anderen Lungentransplantationen das Bronchiolitis-obliterans-Syndrom dar.Correspondence to:
Dr. med. Ch. von Mallinckrodt
Schwerpunkt Pneumologie/Allergologie
Medizinische Klinik I
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D-60596 Frankfurt am Main
Email: mallinckrodt@em.uni-frankfurt.de
C. von Mallinckrodt1, C. Smaczny1, T.O. Hirche1, L. Wagner1, H. Kirsch2 und T.O.F. Wagner1
1Schwerpunkt Pneumologie/Allergologie, Medizinische Klinik I, und 2Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main Mukoviszidose stellt eine der wichtigsten und günstigsten Indikationen für eine Lungentransplantation dar. Die bilaterale Lungentransplantation muß als ernstzunehmende Option für Patienten mit Lungenversagen nach Ausschöpfung der konservativen Therapieverfahren angesehen werden. Aufgrund des meist jüngeren Alters der Patienten sind absolute Kontraindikationen selten. Unsicherheit besteht noch bezüglich der Bedeutung multiresistenter Pseudomonaskeime oder anderer Problemkeime einschließlich Burkholderiaspezies. Das durchschnittliche Überleben in der internationalen Sammelstatistik nach Lungentransplantation bei CF-Patienten beträgt 90% nach einem Jahr und 60% nach fünf Jahren und liegt damit über den durchschnittlichen Ergebnissen bei anderen Indikationen. Größere Transplantationszentren erreichen noch bessere Ergebnisse. In der Nachsorge spielen Reinfektionen mit den vorbestehenden Keimen eine untergeordnete Rolle, das Hauptproblem stellt bei Mukoviszidose wie bei allen anderen Lungentransplantationen das Bronchiolitis-obliterans-Syndrom dar.Correspondence to:
Dr. med. Ch. von Mallinckrodt
Schwerpunkt Pneumologie/Allergologie
Medizinische Klinik I
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D-60596 Frankfurt am Main
Email: mallinckrodt@em.uni-frankfurt.de
Themenschwerpunkt: Lungentransplantation
Therapieoptionen bei fortgeschrittener COPD: Volumenreduktion und Lungentransplantation
H. Wilkens
71
44$
Abstract
Die COPD ist eine der wesentlichen Mortalitäts- und Morbiditätsursachen weltweit; trotz Therapie ist eine zunehmende Prävalenz zu erwarten. Bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien läßt sich die Erkrankung konservativ nur unbefriedigend beeinflussen, bei ausgeprägter Symptomatik können auch eine Lungenvolumenreduktion, Bullektomie oder Lungentransplantation zur Behandlung der Luftnot indiziert sein. Voraussetzung für die Durchführung jedes chirurgischen Eingriffs zur Behandlung des Emphysems ist dabei eine pulmonale Rehabilitation. Bei ausgewählten Patienten mit ausgeprägter Lungenüberblähung kann eine Lungenvolumenreduktionsoperation zur Verbesserung von Lungenfunktion, Belastbarkeit und Lebensqualität führen. Die bisherigen Daten zeigen, daß Patienten mit überwiegendem Oberlappenbefall und schlechter Belastbarkeit von dem Eingriff profitieren, während Patienten mit basal betontem Emphysem und noch relativ guter Belastbarkeit nur einen marginalen funktionellen Vorteil bei vermehrter Mortalität haben. Patienten mit einer FEV1 < 20% und entweder einer Diffusionskapazität von weniger als 20% des Solls oder homogenem Emphysem in der Computertomographie des Thorax haben ein hohes 30-Tages-Mortalitätsrisiko und sind keine Kandidaten für eine chirurgische LVR. Neben der klassischen chirurgischen LVR werden aktuell sehr vielversprechende Methoden zur bronchoskopischen LVR erprobt. Eine Lungenvolumenreduktionsoperation kann vor einer Lungentransplantation erfolgen, allerdings ist dieses Verfahren fast nie als “bridging” zur Transplantation geeignet. An die Möglichkeit einer Lungentransplantation bei Patienten mit COPD sollte gedacht werden, wenn nach Ausschöpfung aller Therapiemöglichkeiten eine voraussichtliche Lebenserwartung von weniger als zwei bis drei Jahren sowie eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität bestehen. Patienten mit homogenem, diffusem Lungenemphysem, niedrigem FEV1 (< 20 – 25% pred.), Hyperkapnie (PaCO2 7,3 kPa) sowie einer sekundären pulmonalen Hypertonie trotz Ausschöpfung der konservativen Therapieoptionen können Kandidaten für eine Lungentransplantation sein. Entscheidend für die Indikation ist dabei der klinische Verlauf mit kontinuierlicher Lungenfunktionsverschlechterung bzw. lebensbedrohlichen Exazerbationen. Dabei ist zu bedenken, daß eine Transplantation nach wie vor eine palliative Therapie mit eingeschränkter Langzeitprognose ist. Bei strikter Einhaltung der Auswahlkriterien kommt eine chirurgische Intervention insgesamt nur für relativ wenige, sorgfältig evaluierte Patienten mit COPD in Frage.Correspondence to:
PD Dr. med. Heinrike Wilkens
Abteilung Innere V
Universitätskliniken des Saarlandes
D-66421 Homburg/Saar
Email: heinrike.wilkens@uniklinik-saarland.de
H. Wilkens
Abteilung Innere V, Universitätskliniken des Saarlandes, Homburg/Saar Die COPD ist eine der wesentlichen Mortalitäts- und Morbiditätsursachen weltweit; trotz Therapie ist eine zunehmende Prävalenz zu erwarten. Bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien läßt sich die Erkrankung konservativ nur unbefriedigend beeinflussen, bei ausgeprägter Symptomatik können auch eine Lungenvolumenreduktion, Bullektomie oder Lungentransplantation zur Behandlung der Luftnot indiziert sein. Voraussetzung für die Durchführung jedes chirurgischen Eingriffs zur Behandlung des Emphysems ist dabei eine pulmonale Rehabilitation. Bei ausgewählten Patienten mit ausgeprägter Lungenüberblähung kann eine Lungenvolumenreduktionsoperation zur Verbesserung von Lungenfunktion, Belastbarkeit und Lebensqualität führen. Die bisherigen Daten zeigen, daß Patienten mit überwiegendem Oberlappenbefall und schlechter Belastbarkeit von dem Eingriff profitieren, während Patienten mit basal betontem Emphysem und noch relativ guter Belastbarkeit nur einen marginalen funktionellen Vorteil bei vermehrter Mortalität haben. Patienten mit einer FEV1 < 20% und entweder einer Diffusionskapazität von weniger als 20% des Solls oder homogenem Emphysem in der Computertomographie des Thorax haben ein hohes 30-Tages-Mortalitätsrisiko und sind keine Kandidaten für eine chirurgische LVR. Neben der klassischen chirurgischen LVR werden aktuell sehr vielversprechende Methoden zur bronchoskopischen LVR erprobt. Eine Lungenvolumenreduktionsoperation kann vor einer Lungentransplantation erfolgen, allerdings ist dieses Verfahren fast nie als “bridging” zur Transplantation geeignet. An die Möglichkeit einer Lungentransplantation bei Patienten mit COPD sollte gedacht werden, wenn nach Ausschöpfung aller Therapiemöglichkeiten eine voraussichtliche Lebenserwartung von weniger als zwei bis drei Jahren sowie eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität bestehen. Patienten mit homogenem, diffusem Lungenemphysem, niedrigem FEV1 (< 20 – 25% pred.), Hyperkapnie (PaCO2 7,3 kPa) sowie einer sekundären pulmonalen Hypertonie trotz Ausschöpfung der konservativen Therapieoptionen können Kandidaten für eine Lungentransplantation sein. Entscheidend für die Indikation ist dabei der klinische Verlauf mit kontinuierlicher Lungenfunktionsverschlechterung bzw. lebensbedrohlichen Exazerbationen. Dabei ist zu bedenken, daß eine Transplantation nach wie vor eine palliative Therapie mit eingeschränkter Langzeitprognose ist. Bei strikter Einhaltung der Auswahlkriterien kommt eine chirurgische Intervention insgesamt nur für relativ wenige, sorgfältig evaluierte Patienten mit COPD in Frage.Correspondence to:
PD Dr. med. Heinrike Wilkens
Abteilung Innere V
Universitätskliniken des Saarlandes
D-66421 Homburg/Saar
Email: heinrike.wilkens@uniklinik-saarland.de
Themenschwerpunkt: Lungentransplantation
Lungentransplantation bei idiopathischer Lungenfibrose und seltenen Lungenerkrankungen
M. Dierich, J. Gottlieb, C. Faulenbach, M.M. Hoeper und T. Welte
81
36$
Abstract
Die Lungentransplantation stellt in weit fortgeschrittenen, irreversiblen Stadien chronisch fibrosierender Lungenerkrankungen wie der idiopathischen Lungenfibrose (IPF), der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH), der Lymphangioleiomyomatose (LAM) und der pulmonalen Langerhanszell-Histiozytose (PLZH) eine therapeutische Option dar, wenn die konservativ-medikamentöse Therapie ausgeschöpft ist und keine Kontraindikation besteht. Neben der Lungenfibrose sollen exemplarisch die PAH, die LAM und die PLZH als seltene Indikationen für die Lungentransplantation in dieser Arbeit dargestellt werden. Bei der LAM und der PLZH müssen extrapulmonale Manifestationen vor Aufnahme auf die Transplantationswarteliste sorgfältig evaluiert werden, da diese voranschreiten und den Erfolg der Transplantation gefährden können. Bei Vorliegen einer PLZH müssen koinzidente hämatologische Neoplasien im Vorfeld ausgeschlossen werden. Im Fall einer LAM oder PLZH werden überwiegend, im Fall einer PAH immer doppelseitige Lungentransplantationen oder Herz-Lungentransplantationen durchgeführt. Typische postoperative Komplikationen stellen bei der LAM Chylo-, Pneumothorax sowie Blutungen aus Angiomyolipomen dar. LAM und PLZH neigen zu Rezidiven im Transplantat. Die Überlebensrate nach Transplantation in dem Patientengut der Medizinischen Hochschule Hannover unterscheidet sich für die IPF, die LAM und die PLZH nicht von der anderer zu einer Lungentransplantation führenden Erkrankungen; die PAH steht betreffend der Überlebenszeit hinter den anderen genannten Indikationen zurück. Gerade bei den seltenen Lungenerkrankungen sind eine frühzeitige Kontaktaufnahme und Begleitung durch ein Transplantationszentrum wichtig, um das individuelle “Fenster” zur Aufnahme auf die Warteliste zur Transplantation zu bestimmen.Correspondence to:
Dr. med. M. Dierich
Abteilung Pneumologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
D-30625 Hannover
Email: martin_dierich@yahoo.de
M. Dierich, J. Gottlieb, C. Faulenbach, M.M. Hoeper und T. Welte
Abteilung Pneumologie, Medizinische Hochschule Hannover Die Lungentransplantation stellt in weit fortgeschrittenen, irreversiblen Stadien chronisch fibrosierender Lungenerkrankungen wie der idiopathischen Lungenfibrose (IPF), der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH), der Lymphangioleiomyomatose (LAM) und der pulmonalen Langerhanszell-Histiozytose (PLZH) eine therapeutische Option dar, wenn die konservativ-medikamentöse Therapie ausgeschöpft ist und keine Kontraindikation besteht. Neben der Lungenfibrose sollen exemplarisch die PAH, die LAM und die PLZH als seltene Indikationen für die Lungentransplantation in dieser Arbeit dargestellt werden. Bei der LAM und der PLZH müssen extrapulmonale Manifestationen vor Aufnahme auf die Transplantationswarteliste sorgfältig evaluiert werden, da diese voranschreiten und den Erfolg der Transplantation gefährden können. Bei Vorliegen einer PLZH müssen koinzidente hämatologische Neoplasien im Vorfeld ausgeschlossen werden. Im Fall einer LAM oder PLZH werden überwiegend, im Fall einer PAH immer doppelseitige Lungentransplantationen oder Herz-Lungentransplantationen durchgeführt. Typische postoperative Komplikationen stellen bei der LAM Chylo-, Pneumothorax sowie Blutungen aus Angiomyolipomen dar. LAM und PLZH neigen zu Rezidiven im Transplantat. Die Überlebensrate nach Transplantation in dem Patientengut der Medizinischen Hochschule Hannover unterscheidet sich für die IPF, die LAM und die PLZH nicht von der anderer zu einer Lungentransplantation führenden Erkrankungen; die PAH steht betreffend der Überlebenszeit hinter den anderen genannten Indikationen zurück. Gerade bei den seltenen Lungenerkrankungen sind eine frühzeitige Kontaktaufnahme und Begleitung durch ein Transplantationszentrum wichtig, um das individuelle “Fenster” zur Aufnahme auf die Warteliste zur Transplantation zu bestimmen.Correspondence to:
Dr. med. M. Dierich
Abteilung Pneumologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
D-30625 Hannover
Email: martin_dierich@yahoo.de
Themenschwerpunkt: Lungentransplantation
Entwicklung von Lebensqualität ein Jahr nach Lungentransplantation
C. Kugler, J. Gottlieb, U. Tegtbur, T. Welte, J. Niedermeyer, A. Haverich und M. Strüber
89
36$
Abstract
Die Fokussierung auf das Thema Lebensqualität nach Lungentransplantation (LTx) kann als Hinweis darauf gewertet werden, daß es nicht mehr nur um die Funktion des Organs nach erfolgreich durchgeführtem chirurgischen Eingriff geht, sondern vielmehr um die langzeitige Lebensperspektive mit Qualität für den einzelnen. In einer prospektiven Untersuchung wurde die Lebensqualität bei 61 Patienten nach LTx zu 4 Meßzeitpunkten gemessen und ein signifikanter Anstieg aller Dimensionen (SF-36, PLC), explizit der Schmerzscores nachgewiesen. Die Patienten weisen in der Selbsteinschätzung die meisten signifikanten Verbesserungen der Lebensqualität zwischen 2 und 6 Monaten nach Transplantation aus, während danach eine Stagnation eintritt. Ergänzend wurden in halbstrukturierten Interviews zentrale, die gesundheitsbezogene Lebensqualität beeinflussende Überzeugungen und Emotionen der Patienten zu den einzelnen Meßzeitpunkten identifiziert.Correspondence to:
C. Kugler, MSN
Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Stadtfelddamm 65
D-30625 Hannover
Email: kugler@thg.mh-hannover.de
C. Kugler1, J. Gottlieb2, U. Tegtbur3, T. Welte2, J. Niedermeyer2, A. Haverich1 und M. Strüber1
1Abteilung für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, 2Abteilung für Pneumologie, 3Sportmedizinisches Zentrum, Medizinische Hochschule Hannover Die Fokussierung auf das Thema Lebensqualität nach Lungentransplantation (LTx) kann als Hinweis darauf gewertet werden, daß es nicht mehr nur um die Funktion des Organs nach erfolgreich durchgeführtem chirurgischen Eingriff geht, sondern vielmehr um die langzeitige Lebensperspektive mit Qualität für den einzelnen. In einer prospektiven Untersuchung wurde die Lebensqualität bei 61 Patienten nach LTx zu 4 Meßzeitpunkten gemessen und ein signifikanter Anstieg aller Dimensionen (SF-36, PLC), explizit der Schmerzscores nachgewiesen. Die Patienten weisen in der Selbsteinschätzung die meisten signifikanten Verbesserungen der Lebensqualität zwischen 2 und 6 Monaten nach Transplantation aus, während danach eine Stagnation eintritt. Ergänzend wurden in halbstrukturierten Interviews zentrale, die gesundheitsbezogene Lebensqualität beeinflussende Überzeugungen und Emotionen der Patienten zu den einzelnen Meßzeitpunkten identifiziert.Correspondence to:
C. Kugler, MSN
Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Stadtfelddamm 65
D-30625 Hannover
Email: kugler@thg.mh-hannover.de
Themenschwerpunkt: Lungentransplantation
Professionelle Unterstützung lungentransplantierter Erwachsener und ihrer Angehörigen*
G. Ullrich, H. Jänsch, M. Strüber und J. Niedermeyer
97
48$
Abstract
Zur Verbesserung der Unterstützung von lungentransplantierten Patienten und ihren Begleitpersonen führten wir eine querschnittliche Befragung zur wahrgenommenen professionellen Unterstützung sowie unbefriedigten Hilfebedürfnissen durch. Die Stichprobe umfaßte 30 erwachsene Mukoviszidosepatienten (n = 22 Begleitpersonen) sowie 20 altersangepaßte Lungentransplantierte (n = 17 Begleitpersonen) mit anderen Grunderkrankungen. Die Transplantation lag zum Befragungszeitpunkt durchschnittlich 5 Jahre zurück. Die Datenerhebung erfolgte mittels für diese Befragung konstruierten Fragebögen. Ergebnisse: Die Mehrzahl der Patienten beider Gruppen war mit der erhaltenen Unterstützung (Pflegepersonal, Ärzte) zufrieden, hier insbesondere während der akuten Phase. Demgegenüber äußerten sich die Begleitpersonen über alle Zeitabschnitte negativer. Dies betraf nicht nur die empfundene direkte Unterstützung, sondern auch die Einbeziehung und Information des Angehörigen. Hinsichtlich der psychosozialen Betreuung erwarteten sowohl Patienten als auch Angehörige Hilfsangebote mindestens während der akuten Phase, und man hielt dementsprechend Hilfsangebote am Zentrum für sinnvoller als wohnortnahe. Schlußfolgerungen: Verbesserungen in der Versorgung sind vor allem im psychosozialen Bereich erforderlich und hinsichtlich der begleitenden Angehörigen, die nicht nur für den Transplantierten und indirekt für die Klinik hilfreich sind, sondern selbst der Hilfe bedürfen.
*Erste Ergebnisse der Studie wurden auf der 26. Europäischen Cystic Fibrosis Conference in Belfast, 4. – 7. Juni 2003, präsentiert.Correspondence to:
Dr. med. G. Ullrich
Abteilung Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie
Zentrum Kinderheilkunde
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
D-30625 Hannover
Email: Ullrich.Gerald@MH-Hannover.de
G. Ullrich1, H. Jänsch2, M. Strüber3 und J. Niedermeyer2
1Abteilung Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie, Zentrum Kinderheilkunde, 2Abteilung Pneumologie, Zentrum Innere Medizin, 3Abteilung Thorax, Herz- und Gefäßchirurgie, Zentrum Chirurgie, Medizinische Hochschule Hannover Zur Verbesserung der Unterstützung von lungentransplantierten Patienten und ihren Begleitpersonen führten wir eine querschnittliche Befragung zur wahrgenommenen professionellen Unterstützung sowie unbefriedigten Hilfebedürfnissen durch. Die Stichprobe umfaßte 30 erwachsene Mukoviszidosepatienten (n = 22 Begleitpersonen) sowie 20 altersangepaßte Lungentransplantierte (n = 17 Begleitpersonen) mit anderen Grunderkrankungen. Die Transplantation lag zum Befragungszeitpunkt durchschnittlich 5 Jahre zurück. Die Datenerhebung erfolgte mittels für diese Befragung konstruierten Fragebögen. Ergebnisse: Die Mehrzahl der Patienten beider Gruppen war mit der erhaltenen Unterstützung (Pflegepersonal, Ärzte) zufrieden, hier insbesondere während der akuten Phase. Demgegenüber äußerten sich die Begleitpersonen über alle Zeitabschnitte negativer. Dies betraf nicht nur die empfundene direkte Unterstützung, sondern auch die Einbeziehung und Information des Angehörigen. Hinsichtlich der psychosozialen Betreuung erwarteten sowohl Patienten als auch Angehörige Hilfsangebote mindestens während der akuten Phase, und man hielt dementsprechend Hilfsangebote am Zentrum für sinnvoller als wohnortnahe. Schlußfolgerungen: Verbesserungen in der Versorgung sind vor allem im psychosozialen Bereich erforderlich und hinsichtlich der begleitenden Angehörigen, die nicht nur für den Transplantierten und indirekt für die Klinik hilfreich sind, sondern selbst der Hilfe bedürfen.
*Erste Ergebnisse der Studie wurden auf der 26. Europäischen Cystic Fibrosis Conference in Belfast, 4. – 7. Juni 2003, präsentiert.Correspondence to:
Dr. med. G. Ullrich
Abteilung Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie
Zentrum Kinderheilkunde
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
D-30625 Hannover
Email: Ullrich.Gerald@MH-Hannover.de
Themenschwerpunkt: Lungentransplantation
Lungentransplantation: Evaluation, prä- und postoperatives Management, Langzeitbetreuung und Probleme
C. von Mallinckrodt, S. Krüger, H.-G. Fieguth und T.O.F. Wagner
108
44$
Abstract
Die Lungentransplantation erfordert aufgrund des komplexen Eingriffs und der notwendigen hochdosierten Immunsuppression eine engmaschige postoperative Nachsorge. Diese Nachsorge umfaßt das Management der Immunsuppression und der zahlreichen notwendigen Medikamente, der bakteriellen, viralen und mykologischen Infektexazerbationen, der Organabstoßung und der möglichen Tumorerkrankung. Abhängig vom in den Evaluationsuntersuchungen ermittelten persönlichen Risikoprofil des Patienten treten besondere Probleme auf. Die Erfahrung hat gezeigt, daß in der Frühphase (ein Monat) und in der Intermediärphase (ein bis sechs Monate) mit anderen Komplikationen zu rechnen ist als in der Spätphase (nach sechs Monaten) nach der Organtransplantation.Correspondence to:
Dr. med. Ch. von Mallinckrodt
Schwerpunkt Pneumologie/Allergologie
Medizinische Klinik I
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D-60596 Frankfurt am Main
Email: mallinckrodt@em.uni-frankfurt.de
C. von Mallinckrodt1, S. Krüger1, H.-G. Fieguth1 und T.O.F. Wagner2
1Schwerpunkt Pneumologie/Allergologie, Medizinische Klinik I und 2Schwerpunkt Thoraxchirurgie und thorakale Transplantation, Klinik Herz-, Thorax- und thorakale Gefäßchirurgie, Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main Die Lungentransplantation erfordert aufgrund des komplexen Eingriffs und der notwendigen hochdosierten Immunsuppression eine engmaschige postoperative Nachsorge. Diese Nachsorge umfaßt das Management der Immunsuppression und der zahlreichen notwendigen Medikamente, der bakteriellen, viralen und mykologischen Infektexazerbationen, der Organabstoßung und der möglichen Tumorerkrankung. Abhängig vom in den Evaluationsuntersuchungen ermittelten persönlichen Risikoprofil des Patienten treten besondere Probleme auf. Die Erfahrung hat gezeigt, daß in der Frühphase (ein Monat) und in der Intermediärphase (ein bis sechs Monate) mit anderen Komplikationen zu rechnen ist als in der Spätphase (nach sechs Monaten) nach der Organtransplantation.Correspondence to:
Dr. med. Ch. von Mallinckrodt
Schwerpunkt Pneumologie/Allergologie
Medizinische Klinik I
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D-60596 Frankfurt am Main
Email: mallinckrodt@em.uni-frankfurt.de




