Jahrgang 31, No. 12/2005(Dezember 2005)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Editorial: 23. WorkshopLunge – Umwelt –Arbeitsmedizin
Franz Muhar, Wien, Kurt Aigner, Linz
Abstract
Franz Muhar, Wien, Kurt Aigner, Linz
Der 23. Workshop Lunge-Umwelt-Arbeitsmedizin wurde wieder in bereits mehrfach geforderter Tradition und in bewährter Weise gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin am 5. – 6. März 2004 im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz abgehalten.
Als Hauptthema wurde diesmal “Bioaerosole” gewählt. Diese finden oft in der Berufsumwelt nicht genügende Beachtung. Bei Kühlschmierstoffnebel und -dämpfen gab es z.B. seitens der AUVA ein eigenes Programm zur Erarbeitung relevanter MAK-Werte. Die Wertigkeit und korrekte Interpretation verschiedener Expositionsparameter sind ebenso wesentlich. Pathologische Befunde und ihre expositionsrelevante Interpretation bringen eine klinisch orientierte Pathologie mit gedankenvernetzter Darstellung in praktische Nutzanwendung. Aus dem landwirtschaftlichen Bereich werden beispielhaft entsprechende Befunde dargestellt und aus arbeitsmedizinischer Sicht wird auf das Janusgesicht landwirtschaftlicher Emissionen hingewiesen.
Verschieden wirksame Bronchodilatatoren erlauben aufgrund unterschiedlicher Pharmakomechanismen eine intelligente und individuell angepaßte Therapie.
Dem Arbeitsmediziner Prof. Rüdiger auffallend gibt es eine zu geringe und abnehmende Meldung von Berufskrankheiten. Dem gegenüber stehen zunehmend arbeitsassoziierte Krankheiten. Die Problemlösungen erscheinen nicht zufriedenstellend. Eine sekundäre Prävention ist nicht ausreichend gegeben.
Die Vielfalt der freien Vorträge spiegelt die vielen schönen und interessanten Facetten des Workshop-Themas Lunge-Umwelt-Arbeitsmedizin wider, bei dem ein breiter Informationsbedarf gegeben ist.
Auch die lebhaften Diskussionen des Arbeitsforums bei Fragestellungen aus der Praxis an AUVA und Arbeitsinspektorat unterstreichen die Notwendigkeit dieser Veranstaltung.
Für seine Verdienste in Programmvorbereitung und -gestaltung sowie für sein überaus aktives jahrelanges Engagement bei unserem Workshop wurde Herrn o. Univ.-Prof. Dr. Hugo Rüdiger die Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie verliehen. Wir gratulieren herzlichst – ad multos annos!
Den Ehrwürdigen Schwestern der Elisabethinen sei für die neuerliche und stets großzügige Unterstützung dieser Veranstaltung sehr herzlich gedankt. Ebenso gilt unser Dank den Mitarbeitern des Krankenhauses der Elisabethinen, insbesondere jenen der pneumologischen Abteilung, die wieder einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen dieser Veranstaltung geleistet haben. Großer Dank gebührt auch den Ausstellern und Inserenten aus Industrie und Wirtschaft für die finanzielle Unterstützung.
Wir hoffen, Ihnen mit dieser, in zwei aufeinander folgenden Ausgaben von “Atemwegs- und Lungenkrankheiten” veröffentlichten Zusammenfassung der Referate des 23. Workshops wieder eine Quelle der Nachlese und Information sowie Anregungen und Hilfen für die tägliche Arbeit gegeben zu haben. Wir bitten Sie, den Termin des nächsten Workshops vorzumerken und würden uns über eine aktive Teilnahme sehr freuen.Correspondence to:
Dr. med. K. Aigner
Abteilung für Pneumologie
A.ö. Krankenhaus der Elisabethinen
Fadingerstraße 1
A-4010 Linz
Email: kurt.aigner@elisabethinen.or.at
Das Kühlschmierstoffprojekt der AUVA
R. Piringer
Abstract
R. Piringer
AUVA Hauptstelle für Unfall- und Berufskrankheiten, Wien
Die AUVA hat ein 2-jähriges Projekt zur Untersuchung von Kühlschmierstoffnebeln finanziert. Durch das Projekt soll die Frage geklärt werden, ob Kühlschmierstoffnebel an Arbeitsplätzen eine besondere Gefahr für die Arbeitnehmer darstellen. Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Österreich je einen MAK-Wert für Kühlschmierstoffnebel und -aerosole, während es in Deutschland nur einen MAK-Wert für die Summe aus Nebeln und Aerosolen gibt. Die Versuchsergebnisse unterstützen die These, daß die Nebel den gefährlicheren Anteil an der Kühlschmierstoffexposition bilden.Correspondence to:
Dipl.-Ing. R. Piringer
AUVA-Hauptstelle für Unfall-und Berufskrankheiten
Adalbert-Stifter-Straße 65
A-1200 Wien
Email: Robert.Piringer@auva.at
Auswirkungen von Kühlschmierstoffdämpfen auf die Lungenfunktion speziell exponierter Arbeitnehmer
K. Hochgatterer, A. Markom und H. Moshammer
Abstract
K. Hochgatterer, A. Markom und H. Moshammer
Arbeitsmedizinisches Zentrum Perg
In insgesamt 2 metallverarbeitenden Betrieben wurden insgesamt 81 Arbeiter (Alter 18-60 Jahre), die gegenüber Kühlschmierstoffdämpfen exponiert sind, sowie gleich viele Kontrollpersonen, die nach Raucherstatus, Geschlecht, Alter (± 2 Jahre), Größe (± 5 cm) und Gewicht (± 5 kg) gematcht waren, einer ausführlichen arbeitsmedizinischen Untersuchung einschließlich zweimaliger Lungenfunktionsprüfung unterzogen. Die Ergebnisse der Lungenfunktion waren stark vom Raucherstatus beeinflusst, so dass hier nur die Daten der Nichtraucher dargestellt werden, wobei Exponierte und Nichtexponierte im gepaarten t-Test verglichen wurden: Mit Ausnahme des Peak flows (PEF) waren alle Parameter der Lungenfunktion bei den Exponierten schlechter, wobei der Unterschied insbesondere bei den endexpiratorischen Volumenströmen (MEF50 und MEF25) in beiden Versuchsdurchgängen signifikant war. Der bessere PEF bei den Exponierten wird als “Healthy Worker”-Effekt interpretiert.Correspondence to:
Dr. med. K. Hochgatterer
Arbeitsmedizinisches Zentrum Perg
Bahnhofstraße 5
A-4320 Perg
Email: office@amz-perg.at
Klinische und diagnostische Wertigkeiten verschiedener Expositionsparameter an kühlschmierstoffbelasteten Arbeitsplätzen
E. Hallier, T. Schulz, G. Förster, R. Nöring und A. Heutelbeck
Abstract
E. Hallier1, T. Schulz1, G. Förster2, R. Nöring2 und A. Heutelbeck1
1Institut für Arbeits- und Sozialmedizin, Georg-August-Universität, Göttingen, 2Gesundheitsschutz Volkswagen, Werk Kassel, Baunatal
In Arbeitsbereichen mit einer Kühlschmierstoffbelastung berichten Beschäftigte mit vorbekannter Atemwegsproblematik häufig trotz Einhaltung der Grenzwerte über Beschwerden. Bei 23 männlichen Beschäftigten im Getriebebau eines Automobilherstellers wurden vor und nach einer Arbeitsschicht bodyplethysmographische Messungen durchgeführt und über mehrere Wochen Peakflow-Werte ermittelt, ebenso die klinische und berufliche Anamnese, die Arbeitsplatzhygiene einschließlich Luftmessungen und eine mikrobiologische Identifizierung der Schimmelpilze am jeweiligen Arbeitsplatz. Die Ergebnisse zeigten eine Abhängigkeit der Atemwegssymptomatik von der Exposition am Arbeitsplatz, jedoch keine Korrelation mit den Luftmessungen. Das Auftreten von Beschwerden auch weit unterhalb der Grenzwerte ist häufig auf eine bronchiale Hyperreagibilität und auf Mängel in der Handhabung der Dosieraerosole zurückzuführen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit rehabilitativer Maßnahmen in den Betrieben.Correspondence to:
Prof. Dr. med. E. Hallier
Institut für Arbeits- und Sozialmedizin
Georg-August-Universität
Waldweg 37
D-37073 Göttingen
Email: ehallie@gwdg.de
Gas- und Partikelphase am Beispiel der Schweißerlunge
K.-M. Müller und I. Schmitz
Abstract
K.-M. Müller und I. Schmitz
Institut für Pathologie, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil, Universitätsklinik, Ruhr-Universität Bochum
Feinste Schwebeteilchen sind wesentliche Bestandteile von Luftbeimengungen und spielen eine wichtige Rolle in der “Luftchemie” und bei Strahlungsprozessen. Während die Belastung gegenüber größeren Schadstoffpartikeln durch Schutzmaßnahmen erheblich abgenommen hat, bildet die Exposition gegenüber feinen und ultrafeinen Stäuben weiter ein Problem. Bei der Beurteilung der Partikelgröße ist vor allem der aerodynamische Durchmesser entscheidend. Der genaue Schädigungsmechanismus kleiner lungengängiger Partikel ist nur unvollständig geklärt. Oberflächenstruktur, Löslichkeit und chemische Zusammensetzung sind wichtige Faktoren, die die Wirkungsweise bestimmen. Gas- und Partikelphase der feinen Teilchen und insbesondere der Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch bestimmen Verlauf und Ausmaß der Gesundheitsschäden, kumulativen Faktoren muß Rechnung getragen werden. Die formale Pathogenese der durch partikuläre, luftgetragene Stäube hervorgerufenen Lungenveränderungen läßt sich in: Staubaufnahme und Staubinkorporation, Reaktion des Organismus mit begleitender entzündlich fibrogener Wirkung und pathologischen Veränderungen bis zur Entwicklung von Karzinomen untergliedern. Das Reaktionsmuster der Lungen auf die Fremdstoffe unterliegt einem relativ einförmigen, wiederkehrenden Reaktionsmuster. In vorgeschalteten Schutzsystemen können jedoch in der Regel bis zu 95% der eingeatmeten Partikel wieder ausgeatmet werden, so können isometrische Partikel, die größer als 5 mm sind, bereits im oberen Respirationstrakt abgefangen werden. Bei hohen Schadstoffbelastungen können partikuläre Substanzen aus den Lungen über das Blut- und/oder Lymphgefäßsystem zu den Lymphknoten, zur Pleura und in Leber und Knochenmark gelangen. Art, Form und Mechanismen der Fremdkörperinkorporation werden an Beispielen der sogenannten Schweißerlunge exemplarisch aufgezeigt und kommentiert. Die Ergebnisse stützen sich auf licht- und elektronenmikroskopische Befunde mit Einsatz der energiedispersiven Röntgenmikroanalyse.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K.M. Müller
Institut für Pathologie
Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil
Ruhr-Universität Bochum
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
D-44789 Bochum
Email: patho-bhl@rub.de
Entwicklung der gesundheitlichen Belastung in der Landwirtschaft am Beispiel Oberösterreichs
J. Eckmayr
Abstract
J. Eckmayr
Lungenabteilung, Klinikum Kreuzschwestern Wels GmbH, Wels
Die Landwirtschaft in Oberösterreich ist dem gleichen Strukturwandel wie in der EU unterworfen. Die Zahl der Beschäftigten und der Betriebe nimmt deutlich ab, die Produktionsmethoden werden intensiver und belastender im Sinne einer industriellen, intensiven Tierhaltung und Pflanzenproduktion. Es findet sich eine Reihe von gesundheitlichen Risiken wie Exposition gegenüber inhalativen Noxen (Partikeleffekte, organische Einwirkungen, toxische Stoffe, chemisch irritativ wirkende Stoffe). Daten zeigen oft eine Überschreitung von empfohlenen Grenzwerten. Auch besteht eines erhöhtes Unfallrisiko sowie Gefahren durch Exposition gegenüber Pestiziden, Desinfektionsmitteln oder auch gegenüber pathogenen Keimen. Ferner kann eine Gesundheitsbelastung durch Lärm oder schwere körperliche Arbeit auftreten. Daraus resultieren unter anderem eine erhöhte Zahl an Arbeitsunfällen – auch mit tödlichem Ausgang, eine vermehrte Zahl an chronischer Bronchitis und teilweise auch ein vermehrtes Vorkommen von obstruktiven Atemwegskrankeiten und Asthma. Für Atemwegskrankheiten stellt insbesondere die intensive Schweine- und Kleintierhaltung, Getreide-, Ölpflanzen und Blumenproduktion ein erhöhtes Risiko dar. Flächendeckende Präventionsmaßnahmen sind in der Landwirtschaft besonders schwierig umsetzbar. Ursache sind vor allem die sehr vielfältigen Noxen und Arbeitsbereiche, der enorme Kostendruck und die kleinbetriebliche Struktur mit persönlichem Unternehmertum. Insgesamt stellen die in der Land- und Forstwirtschaft tätigen Personen nach wie vor eine der größten Berufsgruppen dar (ca. 200.000 Beschäftigte in Österreich, ca. 45.000 in Oberösterreich). Es finden sich in der Landwirtschaft nennenswerte berufsbedingte Gesundheitsrisiken, wobei Präventivmaßnahmen aus verschiedenen Gründen schwierig umzusetzen sind. Ihre konsequente Implementierung ist nichtsdestotrotz sehr wichtig und lohnend.Correspondence to:
Dr. med. J. Eckmayr
Lungenabteilung
Klinikum Kreuzschwestern Wels GmbH
Grieskirchner Straße 42
A-4600 Wels
Email: eckmayr.josef@aon.at
Entwicklung der gesundheitlichen Belastung in der Landwirtschaft am Beispiel Oberösterreichs
J. Eckmayr
Abstract
J. Eckmayr
Lungenabteilung, Klinikum Kreuzschwestern Wels GmbH, Wels
Die Landwirtschaft in Oberösterreich ist dem gleichen Strukturwandel wie in der EU unterworfen. Die Zahl der Beschäftigten und der Betriebe nimmt deutlich ab, die Produktionsmethoden werden intensiver und belastender im Sinne einer industriellen, intensiven Tierhaltung und Pflanzenproduktion. Es findet sich eine Reihe von gesundheitlichen Risiken wie Exposition gegenüber inhalativen Noxen (Partikeleffekte, organische Einwirkungen, toxische Stoffe, chemisch irritativ wirkende Stoffe). Daten zeigen oft eine Überschreitung von empfohlenen Grenzwerten. Auch besteht eines erhöhtes Unfallrisiko sowie Gefahren durch Exposition gegenüber Pestiziden, Desinfektionsmitteln oder auch gegenüber pathogenen Keimen. Ferner kann eine Gesundheitsbelastung durch Lärm oder schwere körperliche Arbeit auftreten. Daraus resultieren unter anderem eine erhöhte Zahl an Arbeitsunfällen – auch mit tödlichem Ausgang, eine vermehrte Zahl an chronischer Bronchitis und teilweise auch ein vermehrtes Vorkommen von obstruktiven Atemwegskrankeiten und Asthma. Für Atemwegskrankheiten stellt insbesondere die intensive Schweine- und Kleintierhaltung, Getreide-, Ölpflanzen und Blumenproduktion ein erhöhtes Risiko dar. Flächendeckende Präventionsmaßnahmen sind in der Landwirtschaft besonders schwierig umsetzbar. Ursache sind vor allem die sehr vielfältigen Noxen und Arbeitsbereiche, der enorme Kostendruck und die kleinbetriebliche Struktur mit persönlichem Unternehmertum. Insgesamt stellen die in der Land- und Forstwirtschaft tätigen Personen nach wie vor eine der größten Berufsgruppen dar (ca. 200.000 Beschäftigte in Österreich, ca. 45.000 in Oberösterreich). Es finden sich in der Landwirtschaft nennenswerte berufsbedingte Gesundheitsrisiken, wobei Präventivmaßnahmen aus verschiedenen Gründen schwierig umzusetzen sind. Ihre konsequente Implementierung ist nichtsdestotrotz sehr wichtig und lohnend.Correspondence to:
Dr. med. J. Eckmayr
Lungenabteilung
Klinikum Kreuzschwestern Wels GmbH
Grieskirchner Straße 42
A-4600 Wels
Email: eckmayr.josef@aon.at