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Jahrgang 31, No. 4/2005(April 2005)
Abstract
R. Hank
Abstract
Abstract
Abstract
Asbest
Der Januaraufmacher dieser Zeitschrift war der französischen – und deutschen! – Asbestaffäre gewidmet. Wir erhielten dazu einen Kommentar von Dennis Nowak [1], der mich freundlicherweise noch auf den Anti-Asbest-Appell von Herrn Merget in der Februarausgabe von Pneumologie [2] aufmerksam machte:
– 1. "Die ex-post-Bewertung des Bohlig-Zitats ist nicht ganz fair. Das tatsächlich Unabänderliche liegt nicht in jahrzehntelangem, zu sorglosem Umgang mit Asbest, sondern im geogenen Ursprung des Minerals. Denken Sie an die umweltbedingten [zur Klarstellung: nicht berufsbedingten, KW] Mesotheliome in bestimmten türkischen Gegenden, denken Sie an das vermehrte Asbestvorkommen im Harz, im Zillertal und im Sauerland. Hier gibt es eine Analogie zur kürzlich aufgeflammten Diskussion über Lungenkrebstote durch geogene Radonbelastung auch in Deutschland.
– 2. Die Ersatzstoffproblematik ist ex ante immer sehr viel schwieriger zu beantworten als ex post. Beispiel: Wenn wir heute in der MAK-Kommission einen vergleichsweise schwach sensibilisierenden Arbeitsstoff als sensibilisierend kennzeichnen, laufen wir Gefahr, dass ein weniger gut untersuchter Arbeitsstoff mit unbekanntem (womöglich höherem) Sensibilisierungspotential in größerem Umfang eingesetzt wird. Freilich ist "Kanzerogenität" eine andere Qualität als "Sensibilisierung" – aber die in die Zukunft blickende Bewertung der Ersatzstoffproblematik bleibt die gleiche.
– 3. Die einbalsamierten Richtlinien in den Tiefen der Berufskrankheitenverordnung – das ist keine faire Bewertung der jetzt bei den Unfallversicherungsträgern Tätigen. Aggressive Prävention bei heute Expositions-Gefährdeten (Abbruch- und Sanierarbeiten), aktive Prävention bei ehemals Exponierten (Raucherentwöhnung), Früherkennung bei ehemals Exponierten (Screening-Programme für das Bronchialkarzinom, die an die Grenzen des gegenwärtig verfügbaren Wissens stoßen), auch dies ist die Realität.
– 4. Die am Ende Ihres Artikels gestellte Frage ist gottlob nicht aktuell. Die national schärferen Standards dürfen zugunsten schwächerer Regelungen nicht gelockert werden.
– 5. Das gegenwärtig aus meiner Sicht Schlimmste sprechen Sie nicht an: Der Asbestverbrauch nimmt weltweit weiter zu! Die tödliche Gewißheit, die wir seit Jahrzehnten haben, wird weltweit weiter ignoriert. Und dies gilt nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in entwickelten Industrieländern wie Kanada, wo der Asbestabbau weiterhin boomt. Dies halte ich für eine wirkliche Katastrophe."
Eine kurze Erwiderung sei erlaubt:
Ad 1. Gibt es dazu Zahlen? Also, welcher Anteil an Pleuramesotheliomen ist nicht beruflich (Förderung, Verarbeitung) oder durch Inhalation von Fasern aus industriell hergestellten Asbestprodukten bedingt. Was die türkischen Verhältnisse angeht, so scheinen mir die entsprechenden Andeutungen in der Arbeit von K.-M. Müller sehr aufschlußreich [3].
Ad 2. Natürlich ist es ein Leichtes, das Ersatzstoffproblem im Nachhinein sozusagen "ex cathedra" zu "erledigen". Diese Art von Besserwisserei liegt mir fern. Wenn ich mich recht erinnere, haben aber Bohlig und/oder Drechsel-Schlund und Mitarbeiter in ihren Artikeln ausdrücklich darauf hingewiesen, daß zwischen 1970 und 1980 (ich vermute: geprüfte) Ersatzstoffe eingesetzt wurden. Ich habe das so verstanden, als seien die Untersuchungen zum Sensibilisierungspotential und zur Kanzerogenität dieser Stoffe bereits abgeschlossen gewesen. Sonst hätte man sie – bei den ohnehin bestehenden Vorbehalten (siehe Bohlig) – gewiß nicht verwendet. Daher meine Frage: Warum nicht in größerem Umfang?
Ad 3. Klar, das war unfair und sarkastisch. Mich hat nur gestört, daß im Unterschied zu Frankreich, wo die Familien auf die Straße gehen und juristische Konsequenzen für vergangene Fehler bei den verursachenden Firmen einklagen, hier in Deutschland alles so ruhig und gesittet zugeht. Als wäre das Schnee von gestern, was es ja nicht ist! Im Übrigen ist mir nicht bekannt, ob hier die Firmen für den verursachten Gesundheitsschaden aufkommen müssen; oder funktioniert alles nach dem bekannten Schema: Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert?
Zur BC-Früherkennung möchte ich mich nicht äußern. Viele gute Projekte sind an Geldmangel und politischem Desinteresse gescheitert, nicht an mangelnder wissenschaftlicher und intellektueller Durchdringung des Problems.
Ad 4. „Dürfen“ – ist das nur ein Appell oder ein juristisch mit Sanktionen belegtes Verbot?
Ad 5. Auch in den USA ist Asbest noch nicht verboten. Es wird zwar dort nicht mehr abgebaut, es werden aber jährlich etwa 13 000 Tonnen importiert [4]. Kanada exportiert ausschließlich in Drittweltländer, unter anderem nach Brasilien. Brasilien seinerseits produzierte im Jahre 2003 200 000 Tonnen Asbest und exportierte rund 70 000 Tonnen vorwiegend nach Japan, Indien, Thailand, Nigeria, Angola, Mexico, Uruguay und Argentinien [5].
Einen weiteren Kommentar erhielten wir von Herrn Dr. Heinrich Michl Menzel vom Landesgesundheitsamt Hessen in Wiesbaden [6]. Dr. Menzel schrieb: „Sie beklagen die 20-jährige Verzögerung des Asbestverbots. Nun, wir haben dieses vor über 20 Jahren gefordert (Anlage) [7] und waren damit nach unserem Wissen in Deutschland (vielleicht sogar in Europa) die erste Behörde, die das tat. Wie Sie sich vielleicht denken können, war das damals nicht ganz ungefährlich, weil ich mich beim Abfassen des Manuskripts noch in der Probezeit befand, nachdem ich meine Unfähigkeit zum Wegsehen in einer anderen Behörde unter Beweis gestellt hatte.“ Und dort offenbar hinauskomplimentiert wurde.
Chinoiserien
Als die Welt schon aufgeteilt war und keine Lebensräume mehr zu vergeben, kam der Chinese Feng-Shui [8] auf den Gedanken: "Wohnraum ist Lebensraum." Das war so zu verstehen, daß die ganze Welt, und das galt vorwiegend für ihre angenehmen Seiten, bloß in miniaturisierter Form zwischen den eigenen vier Wänden wieder aufgebaut werden mußte, um in den Bewohnern positive, friedliche Gefühle zu wecken. Feng-Shui war Innenarchitekt. Als erstes machte er sich daran, die Abwasserrinnen, die durch die Straßen von Bei-Jing liefen und ihren dampfenden Inhalt in den großen Fluß ergossen, mitten durch die Wellblech- und Lehmhütten der Vorstädte zu leiten. Ideologisch wurde er hierbei von dem großen Philosophen Lao-Tse unterstützt, der verkündete: "Zeige mir Dein Wasser, und ich sage Dir, wer Du bist". Das klang, nach echter Philosophenart, äußerst zweideutig, und die Bewohner waren zunächst auch etwas irritiert. Aber nach und nach gewöhnten sie sich an das Plätschern zu ihren Füßen und fanden es am Ende sogar beruhigend. Thalassotherapie, nannte Feng-Shui das. Das war Griechisch, aber Feng-Shui war seiner Zeit voraus.
Mittlerweile hatten die Pekinger so viel Spaß an der Wohnraumbefeuchtung, daß sie aus eigenen Stücken ausgehöhlte Steine in ihr Bächlein legten, aus denen dann das Wasser in einer Fontäne fast bis zur Decke schoß. Die Kinder bauten Dämme, wie Kinder das so tun. Die Erwachsenen umgaben die Rinnsale mit Nachbildungen der chinesischen Mauer etc., und jedes Jahr veranstaltete der Bürgermeister einen Wettbewerb „Die selige Hütte mit dem reizvollsten Wasserspiel“. Der Gewinner wurde ehrfürchtig in die verbotene Stadt geführt.
Dann brach die Cholera aus, man verendete zu Tausenden, das Stadtreinigungsamt machte die klammen Behausungen dem Erdboden gleich. Der Rest verbrannte in einem großen Feuer. Feng-Shui wurde aus der Stadt gejagt, quer über den „Platz des himmlischen Friedens“ hinweg, wo er eben noch einer Dampfwalze ausweichen konnte. Er versteckte sich beleidigt in einem Kloster in Tibet. Lao-Tse ließ verlauten, er habe es anders gemeint gehabt und konnte bleiben. Jetzt durfte Me-Ti, der große Dialektiker, dessen Warnungen man lange Zeit überhört hatte, endlich zu Wort kommen: "Über die Kopfarbeiter. Die Kopfarbeiter sehen darauf, daß ihr Kopf sie ernährt. Ihr Kopf ernährt sie in unserer Zeit besser, wenn er für viele Schädliches ausheckt. Darum sagte Me-Ti von ihnen: Ihr Fleiß macht mir Kummer" [9].
Heutzutage haben wir den Zimmerspringbrunnen zur Wohnraumbefeuchtung. In diversen Farben wie z.B. "White Oman, Strawberry, Tobago Rock, Grey Onyx, Golden Fossil, Red Seaweed, Bronco Brasil, Grey Elegance" und sogar mit diversen Sonder-Gratifikationen: einer funktioniert nebenbei noch als Lichtorgel "Lunartec Dancing Fountain. Das Wasser steigt bis zu 20 cm hoch (!) in die Luft. Gleichzeitig blinken die vier dunkelblauen Lampen am Boden des Brunnens in einer vorprogrammierten Lichtshow. Der Clou: Im wählbaren Sound-Modus reagiert der Brunnen auf Stimmen und Musik, und die Fontänen erheben sich im Rhythmus der Klänge" [10]. Wir haben ihn als Buch [11] und als Film. Er ist eine kleine Berühmtheit. Der „Zimmer-Spring-Brunnen“ ist ein Drei-Wort-Gebilde wie das mehr und mehr in Vergessenheit geratende buntgestrickte "Klosett-Rollen-Hütchen", das früher immer gern in der Mitte der sogenannten Hutablage thronte oder neuerdings der „Maschen-Draht-Zaun“. Vermutlich sind alle Dreiwortgebilde Geschmacklosigkeiten.
Aber zum ersten Mal gelingt es hoffentlich, eine Geschmacklosigkeit mit medizinischen Argumenten aus der Welt zu schaffen. Herr Sennekamp und seine Koautoren bemühen sich darum. Im September des vergangenen Jahres beschrieben sie den Fall einer Zimmerspringbrunnen-Alveolitis bei einer 22-jährigen Frau mit wiederholter Exposition gegen das verkeimte Wasser eines solchen Gerätes. "Es wurden spezifische IgG-Antikörper im Serum der Patientin gegen das Zimmerspringbrunnenwasser und gegen die darin kulturell angezüchteten Keime Bacillus subtilis, Mucor racemosus und Mucor mucedo nachgewiesen" [12]. Die Verdachtsdiagnose konnte im Reexpositionsversuch dramatisch bestätigt werden. In der vorliegenden Ausgabe von Atemwegs- und Lungenkrankheiten stellen Herr Sennekamp und Mitarbeiter die Serumdiagnostik (präzipitierende Antikörper und IgG-ELISAs gegen Bakterien und Thermoactinomyceten des Brunnenwassers) von 22 Patienten mit klinisch gesicherter Zimmerspringbrunnen-Alveolitis vor [13]. Die Autoren weisen abschließend darauf hin, daß „allein unserer Arbeitsgruppe jetzt 35 Fälle von Zimmerspringbrunnen-Alveolitis bekannt sind!“ Es mag ja trotzdem noch Afficionados geben, aber wer würde ein Verbot dieser Scheußlichkeit bedauern?
Allotria
Das Alter ist – wie genugsam bekannt – aus ungezählten Gründen eine Strafe. Auch deshalb, weil es vom Neuen und Jungen so respektlos und gleichgültig beiseite geschoben wird. Niemand legt noch Wert auf einen Kommentar der früher so begierig Gehörten und Gelesenen. Keiner will den 70-jährigen Misanthropen im Radio. Allenfalls noch die rundliche, rotbäckige rheinische Frohnatur, den ehemaligen Minister, der jetzt, wie ich höre, als Farce durch die talk-shows tingelt. Natürlich sind die anderen Altersgenossen auch darüber verstimmt. Aber anstatt klug zu schweigen, oder meinetwegen ihr graduelles Verstummen humorvoll zu inszenieren, verfassen sie ein über das andere Mal dümmliche, ressentimentgeladene, beleidigte oder arrogante Stellungnahmen, die nichts weiter besagen, als daß sie wahnsinnig sauer sind auf diese wimmelnde, lebendige, zukunftssüchtige, ja ja, sicher auch überkandidelte, aber immer unverstandene Gegenwart.
Arnulf Baring, 73 Jahre, Professor Emeritus für Zeitgeschichte, provoziert sie noch einmal, seine "jungen Landsleute" [14]. Nicht ohne Herablassung belehrt er diese Grünschnäbel, die in ihrem Wiedergutmachungseifer doch tatsächlich der Meinung sind, "das deutsche Reich (sei) 1945 an Hitlers Verbrechen gescheitert". Weit gefehlt, "zwar hat der Führer uns durch seine Massenmorde dauerhaft diskreditiert", zwar hat ihm der Lektor "unser Führer" zu schreiben eben noch verbieten können, aber die "Massenmorde", die er begangen und auf uns, die arglosen Spießgesellen (die SS, die SA, die Wehrmacht, die IG-Farben [15], die behaglich zuschauende Bevölkerung) abgewälzt hat, haben der Kreditwürdigkeit der deutschen Industrie nun aber glücklicherweise doch nicht so "dauerhaften" Schaden zugefügt, wie Baring es ja auch gar nicht meinen kann, sondern nur sagt, um so beiläufig den Phänomenen "Auschwitz" und "Verbrechen der Wehrmacht" jene vollkommen unangebrachte moralische Prominenz zu bestreiten, die sie bei seinen "jungen Landsleuten" leider immer noch haben. Und überhaupt „Massenmorde“, achwas: Hitler, "der Führer", "wäre auch dann gescheitert, wenn er keinem Juden, Polen, Russen ein Haar gekrümmt hätte." Ein Haar gekrümmt! Nur deshalb also die ganze Aufregung! Figaro, Figaro!
Aber so ist das eben, wenn einen niemand mehr wahrnimmt, muß man sich Gehör verschaffen. Um jeden Preis. Und sei es um den der abgrundtiefen Lächerlichkeit. Man kann nicht einmal mehr mit Améry erleichtert aufatmen: „Auch die Henker krepieren, erfreulicherweise und dem Gesetz des biologischen Absterbens entsprechend“ [16]. Was an Interpreten nachwächst, ist ebenso schauerlich.
Der alte Benn war etwas gelassener, aber nicht minder giftig. Er kam mit dieser („unserer“) Kuschelrepublik nicht sonderlich gut zurecht. Sie nannte sich – das war ihm offenbar schon wieder entfallen – nicht länger „Deutsches Reich“ und hatte auf die markig-aggressive Staatssymbolik von vor 45 verzichtet. Mit 70 Jahren, es war 1956, also kurz vor seinem Tod, schimpfte er [17]:
"Und nun die neue Nationalhymne!
Der Text ganz ansprechend, vielleicht
etwas marklos,
der nächste Schritt wäre dann
ein Kaninchenfell als Reichsflagge.
Persönlich unfruchtbar,
aber es wird schon werden."
Es ging auch ohne ihn.
Klaus Waßermann
Literatur und Anmerkungen
[1]
Prof. Dr. med. D.N. Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Umweltmedizin der LMU München (dennis.nowak@uni-muenchen. de).
[2]
Merget R.: Brennpunkt. Asbest – die unauslöschliche Geschichte? Pneumologie 59, 99-100 (2005).
[3]
Müller K.-M.: Pleuramesotheliom – Pathologie und Pathogenese. Pneumologie 58, 670-679 (2004).
[4]
http://www.asbestopfer.ch/0189fc929708e6a01/
[5]
Fernanda Giannasi, Paulo Gilvane Lopes Pena, Ministerium für Arbeit und Beschäftigung, Brasilien. Asbestos European Conference 2003. Internet.
[6]
h.menzel@lga-rpda.hessen.de
[7]
"Jahresbericht 1982 der Gewerbeaufsicht des Landes Hessen: Asbest ist zu ersetzen". Eine Kopie ist beim Autor anzufordern.
[8]
Too L.: Das große Buch des Feng-Shui. München 1997.
[9]
Bertolt Brecht: Me-ti / Buch der Wendungen.
[10]
http://www.pearl.de/p/PE4806-Lunartec-Dancing- Fountain.html
[11]
Jens Sparschuh: Der Zimmerspringbrunnen.
[12]
Koschel D., J. Sennekamp, C. Schurz, D. Müller-Wening: Zimmerspringbrunnen-Alveolitis. Pneumologie 58, 666-669 (2004).
[13]
Sennekamp J., D. Koschel, A. aufm Kampe, M. Herrmanns, M. Huber, H. Meyer zu Schwabedissen, M. Neuhauss, M. Rolke, B. Seese, B. Sulzbach, D. Müller-Wening: Serum-Diagnostik der Zimmerspringbrunnen-Alveolitis. Atemw.-Lungenkrkh. 31, 182-187 (2005).
[14]
Baring A.: Unser Fundament bleiben die USA. Über den Dilettantismus rot-grüner Außenpolitik. Merkur 59, 187-194 (2005).
[15]
Lindner S.H.: Hoechst. Ein I.G. Farben Werk im Dritten Reich. C.H. Beck, München 2005.
[16]
Améry J.: Jenseits von Schuld und Sühne. Vorwort zur Neuausgabe 1977. Klett-Cotta, Stuttgart 1977, 10.
[17]
Benn G.: Kleiner Kulturspiegel. Gesammelte Werke III. Gedichte. Klett-Cotta, Stuttgart 1978, 476- 477.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Waßermann
Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin
Klinik III für Innere Medizin, Universität Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9
D-50931 Köln
Email: klaus.wassermann@uni-koeln.de
Klaus Waßermann
Asbest
Der Januaraufmacher dieser Zeitschrift war der französischen – und deutschen! – Asbestaffäre gewidmet. Wir erhielten dazu einen Kommentar von Dennis Nowak [1], der mich freundlicherweise noch auf den Anti-Asbest-Appell von Herrn Merget in der Februarausgabe von Pneumologie [2] aufmerksam machte:
– 1. "Die ex-post-Bewertung des Bohlig-Zitats ist nicht ganz fair. Das tatsächlich Unabänderliche liegt nicht in jahrzehntelangem, zu sorglosem Umgang mit Asbest, sondern im geogenen Ursprung des Minerals. Denken Sie an die umweltbedingten [zur Klarstellung: nicht berufsbedingten, KW] Mesotheliome in bestimmten türkischen Gegenden, denken Sie an das vermehrte Asbestvorkommen im Harz, im Zillertal und im Sauerland. Hier gibt es eine Analogie zur kürzlich aufgeflammten Diskussion über Lungenkrebstote durch geogene Radonbelastung auch in Deutschland.
– 2. Die Ersatzstoffproblematik ist ex ante immer sehr viel schwieriger zu beantworten als ex post. Beispiel: Wenn wir heute in der MAK-Kommission einen vergleichsweise schwach sensibilisierenden Arbeitsstoff als sensibilisierend kennzeichnen, laufen wir Gefahr, dass ein weniger gut untersuchter Arbeitsstoff mit unbekanntem (womöglich höherem) Sensibilisierungspotential in größerem Umfang eingesetzt wird. Freilich ist "Kanzerogenität" eine andere Qualität als "Sensibilisierung" – aber die in die Zukunft blickende Bewertung der Ersatzstoffproblematik bleibt die gleiche.
– 3. Die einbalsamierten Richtlinien in den Tiefen der Berufskrankheitenverordnung – das ist keine faire Bewertung der jetzt bei den Unfallversicherungsträgern Tätigen. Aggressive Prävention bei heute Expositions-Gefährdeten (Abbruch- und Sanierarbeiten), aktive Prävention bei ehemals Exponierten (Raucherentwöhnung), Früherkennung bei ehemals Exponierten (Screening-Programme für das Bronchialkarzinom, die an die Grenzen des gegenwärtig verfügbaren Wissens stoßen), auch dies ist die Realität.
– 4. Die am Ende Ihres Artikels gestellte Frage ist gottlob nicht aktuell. Die national schärferen Standards dürfen zugunsten schwächerer Regelungen nicht gelockert werden.
– 5. Das gegenwärtig aus meiner Sicht Schlimmste sprechen Sie nicht an: Der Asbestverbrauch nimmt weltweit weiter zu! Die tödliche Gewißheit, die wir seit Jahrzehnten haben, wird weltweit weiter ignoriert. Und dies gilt nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in entwickelten Industrieländern wie Kanada, wo der Asbestabbau weiterhin boomt. Dies halte ich für eine wirkliche Katastrophe."
Eine kurze Erwiderung sei erlaubt:
Ad 1. Gibt es dazu Zahlen? Also, welcher Anteil an Pleuramesotheliomen ist nicht beruflich (Förderung, Verarbeitung) oder durch Inhalation von Fasern aus industriell hergestellten Asbestprodukten bedingt. Was die türkischen Verhältnisse angeht, so scheinen mir die entsprechenden Andeutungen in der Arbeit von K.-M. Müller sehr aufschlußreich [3].
Ad 2. Natürlich ist es ein Leichtes, das Ersatzstoffproblem im Nachhinein sozusagen "ex cathedra" zu "erledigen". Diese Art von Besserwisserei liegt mir fern. Wenn ich mich recht erinnere, haben aber Bohlig und/oder Drechsel-Schlund und Mitarbeiter in ihren Artikeln ausdrücklich darauf hingewiesen, daß zwischen 1970 und 1980 (ich vermute: geprüfte) Ersatzstoffe eingesetzt wurden. Ich habe das so verstanden, als seien die Untersuchungen zum Sensibilisierungspotential und zur Kanzerogenität dieser Stoffe bereits abgeschlossen gewesen. Sonst hätte man sie – bei den ohnehin bestehenden Vorbehalten (siehe Bohlig) – gewiß nicht verwendet. Daher meine Frage: Warum nicht in größerem Umfang?
Ad 3. Klar, das war unfair und sarkastisch. Mich hat nur gestört, daß im Unterschied zu Frankreich, wo die Familien auf die Straße gehen und juristische Konsequenzen für vergangene Fehler bei den verursachenden Firmen einklagen, hier in Deutschland alles so ruhig und gesittet zugeht. Als wäre das Schnee von gestern, was es ja nicht ist! Im Übrigen ist mir nicht bekannt, ob hier die Firmen für den verursachten Gesundheitsschaden aufkommen müssen; oder funktioniert alles nach dem bekannten Schema: Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert?
Zur BC-Früherkennung möchte ich mich nicht äußern. Viele gute Projekte sind an Geldmangel und politischem Desinteresse gescheitert, nicht an mangelnder wissenschaftlicher und intellektueller Durchdringung des Problems.
Ad 4. „Dürfen“ – ist das nur ein Appell oder ein juristisch mit Sanktionen belegtes Verbot?
Ad 5. Auch in den USA ist Asbest noch nicht verboten. Es wird zwar dort nicht mehr abgebaut, es werden aber jährlich etwa 13 000 Tonnen importiert [4]. Kanada exportiert ausschließlich in Drittweltländer, unter anderem nach Brasilien. Brasilien seinerseits produzierte im Jahre 2003 200 000 Tonnen Asbest und exportierte rund 70 000 Tonnen vorwiegend nach Japan, Indien, Thailand, Nigeria, Angola, Mexico, Uruguay und Argentinien [5].
Einen weiteren Kommentar erhielten wir von Herrn Dr. Heinrich Michl Menzel vom Landesgesundheitsamt Hessen in Wiesbaden [6]. Dr. Menzel schrieb: „Sie beklagen die 20-jährige Verzögerung des Asbestverbots. Nun, wir haben dieses vor über 20 Jahren gefordert (Anlage) [7] und waren damit nach unserem Wissen in Deutschland (vielleicht sogar in Europa) die erste Behörde, die das tat. Wie Sie sich vielleicht denken können, war das damals nicht ganz ungefährlich, weil ich mich beim Abfassen des Manuskripts noch in der Probezeit befand, nachdem ich meine Unfähigkeit zum Wegsehen in einer anderen Behörde unter Beweis gestellt hatte.“ Und dort offenbar hinauskomplimentiert wurde.
Chinoiserien
Als die Welt schon aufgeteilt war und keine Lebensräume mehr zu vergeben, kam der Chinese Feng-Shui [8] auf den Gedanken: "Wohnraum ist Lebensraum." Das war so zu verstehen, daß die ganze Welt, und das galt vorwiegend für ihre angenehmen Seiten, bloß in miniaturisierter Form zwischen den eigenen vier Wänden wieder aufgebaut werden mußte, um in den Bewohnern positive, friedliche Gefühle zu wecken. Feng-Shui war Innenarchitekt. Als erstes machte er sich daran, die Abwasserrinnen, die durch die Straßen von Bei-Jing liefen und ihren dampfenden Inhalt in den großen Fluß ergossen, mitten durch die Wellblech- und Lehmhütten der Vorstädte zu leiten. Ideologisch wurde er hierbei von dem großen Philosophen Lao-Tse unterstützt, der verkündete: "Zeige mir Dein Wasser, und ich sage Dir, wer Du bist". Das klang, nach echter Philosophenart, äußerst zweideutig, und die Bewohner waren zunächst auch etwas irritiert. Aber nach und nach gewöhnten sie sich an das Plätschern zu ihren Füßen und fanden es am Ende sogar beruhigend. Thalassotherapie, nannte Feng-Shui das. Das war Griechisch, aber Feng-Shui war seiner Zeit voraus.
Mittlerweile hatten die Pekinger so viel Spaß an der Wohnraumbefeuchtung, daß sie aus eigenen Stücken ausgehöhlte Steine in ihr Bächlein legten, aus denen dann das Wasser in einer Fontäne fast bis zur Decke schoß. Die Kinder bauten Dämme, wie Kinder das so tun. Die Erwachsenen umgaben die Rinnsale mit Nachbildungen der chinesischen Mauer etc., und jedes Jahr veranstaltete der Bürgermeister einen Wettbewerb „Die selige Hütte mit dem reizvollsten Wasserspiel“. Der Gewinner wurde ehrfürchtig in die verbotene Stadt geführt.
Dann brach die Cholera aus, man verendete zu Tausenden, das Stadtreinigungsamt machte die klammen Behausungen dem Erdboden gleich. Der Rest verbrannte in einem großen Feuer. Feng-Shui wurde aus der Stadt gejagt, quer über den „Platz des himmlischen Friedens“ hinweg, wo er eben noch einer Dampfwalze ausweichen konnte. Er versteckte sich beleidigt in einem Kloster in Tibet. Lao-Tse ließ verlauten, er habe es anders gemeint gehabt und konnte bleiben. Jetzt durfte Me-Ti, der große Dialektiker, dessen Warnungen man lange Zeit überhört hatte, endlich zu Wort kommen: "Über die Kopfarbeiter. Die Kopfarbeiter sehen darauf, daß ihr Kopf sie ernährt. Ihr Kopf ernährt sie in unserer Zeit besser, wenn er für viele Schädliches ausheckt. Darum sagte Me-Ti von ihnen: Ihr Fleiß macht mir Kummer" [9].
Heutzutage haben wir den Zimmerspringbrunnen zur Wohnraumbefeuchtung. In diversen Farben wie z.B. "White Oman, Strawberry, Tobago Rock, Grey Onyx, Golden Fossil, Red Seaweed, Bronco Brasil, Grey Elegance" und sogar mit diversen Sonder-Gratifikationen: einer funktioniert nebenbei noch als Lichtorgel "Lunartec Dancing Fountain. Das Wasser steigt bis zu 20 cm hoch (!) in die Luft. Gleichzeitig blinken die vier dunkelblauen Lampen am Boden des Brunnens in einer vorprogrammierten Lichtshow. Der Clou: Im wählbaren Sound-Modus reagiert der Brunnen auf Stimmen und Musik, und die Fontänen erheben sich im Rhythmus der Klänge" [10]. Wir haben ihn als Buch [11] und als Film. Er ist eine kleine Berühmtheit. Der „Zimmer-Spring-Brunnen“ ist ein Drei-Wort-Gebilde wie das mehr und mehr in Vergessenheit geratende buntgestrickte "Klosett-Rollen-Hütchen", das früher immer gern in der Mitte der sogenannten Hutablage thronte oder neuerdings der „Maschen-Draht-Zaun“. Vermutlich sind alle Dreiwortgebilde Geschmacklosigkeiten.
Aber zum ersten Mal gelingt es hoffentlich, eine Geschmacklosigkeit mit medizinischen Argumenten aus der Welt zu schaffen. Herr Sennekamp und seine Koautoren bemühen sich darum. Im September des vergangenen Jahres beschrieben sie den Fall einer Zimmerspringbrunnen-Alveolitis bei einer 22-jährigen Frau mit wiederholter Exposition gegen das verkeimte Wasser eines solchen Gerätes. "Es wurden spezifische IgG-Antikörper im Serum der Patientin gegen das Zimmerspringbrunnenwasser und gegen die darin kulturell angezüchteten Keime Bacillus subtilis, Mucor racemosus und Mucor mucedo nachgewiesen" [12]. Die Verdachtsdiagnose konnte im Reexpositionsversuch dramatisch bestätigt werden. In der vorliegenden Ausgabe von Atemwegs- und Lungenkrankheiten stellen Herr Sennekamp und Mitarbeiter die Serumdiagnostik (präzipitierende Antikörper und IgG-ELISAs gegen Bakterien und Thermoactinomyceten des Brunnenwassers) von 22 Patienten mit klinisch gesicherter Zimmerspringbrunnen-Alveolitis vor [13]. Die Autoren weisen abschließend darauf hin, daß „allein unserer Arbeitsgruppe jetzt 35 Fälle von Zimmerspringbrunnen-Alveolitis bekannt sind!“ Es mag ja trotzdem noch Afficionados geben, aber wer würde ein Verbot dieser Scheußlichkeit bedauern?
Allotria
Das Alter ist – wie genugsam bekannt – aus ungezählten Gründen eine Strafe. Auch deshalb, weil es vom Neuen und Jungen so respektlos und gleichgültig beiseite geschoben wird. Niemand legt noch Wert auf einen Kommentar der früher so begierig Gehörten und Gelesenen. Keiner will den 70-jährigen Misanthropen im Radio. Allenfalls noch die rundliche, rotbäckige rheinische Frohnatur, den ehemaligen Minister, der jetzt, wie ich höre, als Farce durch die talk-shows tingelt. Natürlich sind die anderen Altersgenossen auch darüber verstimmt. Aber anstatt klug zu schweigen, oder meinetwegen ihr graduelles Verstummen humorvoll zu inszenieren, verfassen sie ein über das andere Mal dümmliche, ressentimentgeladene, beleidigte oder arrogante Stellungnahmen, die nichts weiter besagen, als daß sie wahnsinnig sauer sind auf diese wimmelnde, lebendige, zukunftssüchtige, ja ja, sicher auch überkandidelte, aber immer unverstandene Gegenwart.
Arnulf Baring, 73 Jahre, Professor Emeritus für Zeitgeschichte, provoziert sie noch einmal, seine "jungen Landsleute" [14]. Nicht ohne Herablassung belehrt er diese Grünschnäbel, die in ihrem Wiedergutmachungseifer doch tatsächlich der Meinung sind, "das deutsche Reich (sei) 1945 an Hitlers Verbrechen gescheitert". Weit gefehlt, "zwar hat der Führer uns durch seine Massenmorde dauerhaft diskreditiert", zwar hat ihm der Lektor "unser Führer" zu schreiben eben noch verbieten können, aber die "Massenmorde", die er begangen und auf uns, die arglosen Spießgesellen (die SS, die SA, die Wehrmacht, die IG-Farben [15], die behaglich zuschauende Bevölkerung) abgewälzt hat, haben der Kreditwürdigkeit der deutschen Industrie nun aber glücklicherweise doch nicht so "dauerhaften" Schaden zugefügt, wie Baring es ja auch gar nicht meinen kann, sondern nur sagt, um so beiläufig den Phänomenen "Auschwitz" und "Verbrechen der Wehrmacht" jene vollkommen unangebrachte moralische Prominenz zu bestreiten, die sie bei seinen "jungen Landsleuten" leider immer noch haben. Und überhaupt „Massenmorde“, achwas: Hitler, "der Führer", "wäre auch dann gescheitert, wenn er keinem Juden, Polen, Russen ein Haar gekrümmt hätte." Ein Haar gekrümmt! Nur deshalb also die ganze Aufregung! Figaro, Figaro!
Aber so ist das eben, wenn einen niemand mehr wahrnimmt, muß man sich Gehör verschaffen. Um jeden Preis. Und sei es um den der abgrundtiefen Lächerlichkeit. Man kann nicht einmal mehr mit Améry erleichtert aufatmen: „Auch die Henker krepieren, erfreulicherweise und dem Gesetz des biologischen Absterbens entsprechend“ [16]. Was an Interpreten nachwächst, ist ebenso schauerlich.
Der alte Benn war etwas gelassener, aber nicht minder giftig. Er kam mit dieser („unserer“) Kuschelrepublik nicht sonderlich gut zurecht. Sie nannte sich – das war ihm offenbar schon wieder entfallen – nicht länger „Deutsches Reich“ und hatte auf die markig-aggressive Staatssymbolik von vor 45 verzichtet. Mit 70 Jahren, es war 1956, also kurz vor seinem Tod, schimpfte er [17]:
"Und nun die neue Nationalhymne!
Der Text ganz ansprechend, vielleicht
etwas marklos,
der nächste Schritt wäre dann
ein Kaninchenfell als Reichsflagge.
Persönlich unfruchtbar,
aber es wird schon werden."
Es ging auch ohne ihn.
Klaus Waßermann
Literatur und Anmerkungen
[1]
Prof. Dr. med. D.N. Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Umweltmedizin der LMU München (dennis.nowak@uni-muenchen. de).
[2]
Merget R.: Brennpunkt. Asbest – die unauslöschliche Geschichte? Pneumologie 59, 99-100 (2005).
[3]
Müller K.-M.: Pleuramesotheliom – Pathologie und Pathogenese. Pneumologie 58, 670-679 (2004).
[4]
http://www.asbestopfer.ch/0189fc929708e6a01/
[5]
Fernanda Giannasi, Paulo Gilvane Lopes Pena, Ministerium für Arbeit und Beschäftigung, Brasilien. Asbestos European Conference 2003. Internet.
[6]
h.menzel@lga-rpda.hessen.de
[7]
"Jahresbericht 1982 der Gewerbeaufsicht des Landes Hessen: Asbest ist zu ersetzen". Eine Kopie ist beim Autor anzufordern.
[8]
Too L.: Das große Buch des Feng-Shui. München 1997.
[9]
Bertolt Brecht: Me-ti / Buch der Wendungen.
[10]
http://www.pearl.de/p/PE4806-Lunartec-Dancing- Fountain.html
[11]
Jens Sparschuh: Der Zimmerspringbrunnen.
[12]
Koschel D., J. Sennekamp, C. Schurz, D. Müller-Wening: Zimmerspringbrunnen-Alveolitis. Pneumologie 58, 666-669 (2004).
[13]
Sennekamp J., D. Koschel, A. aufm Kampe, M. Herrmanns, M. Huber, H. Meyer zu Schwabedissen, M. Neuhauss, M. Rolke, B. Seese, B. Sulzbach, D. Müller-Wening: Serum-Diagnostik der Zimmerspringbrunnen-Alveolitis. Atemw.-Lungenkrkh. 31, 182-187 (2005).
[14]
Baring A.: Unser Fundament bleiben die USA. Über den Dilettantismus rot-grüner Außenpolitik. Merkur 59, 187-194 (2005).
[15]
Lindner S.H.: Hoechst. Ein I.G. Farben Werk im Dritten Reich. C.H. Beck, München 2005.
[16]
Améry J.: Jenseits von Schuld und Sühne. Vorwort zur Neuausgabe 1977. Klett-Cotta, Stuttgart 1977, 10.
[17]
Benn G.: Kleiner Kulturspiegel. Gesammelte Werke III. Gedichte. Klett-Cotta, Stuttgart 1978, 476- 477.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Waßermann
Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin
Klinik III für Innere Medizin, Universität Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9
D-50931 Köln
Email: klaus.wassermann@uni-koeln.de
Originalarbeit
Serum-Diagnostik der Zimmerspringbrunnen-Alveolitis
J. Sennekamp, D. Koschel, A. aufm Kampe, M. Hermanns, M. Huber, H. Meyer zu Schwabedissen, M. Neuhauss, M. Rolke, B. Seese, B. Sulzbach und D. Müller-Wening
182
28$
Abstract
Für die serologische Diagnostik der Zimmerspringbrunnen-Alveolitis eignet sich am besten der Nachweis von IgG-Antikörpern gegen das Wasser des patienteneigenen Zimmerspringbrunnens. Bei 11 Patienten von 22 waren präzipitierende Antikörper im Ouchterlonytest nachweisbar. Bei 10 Patienten wurde aber der sensitivere ELISA benötigt. Bei den Antikörpern gegen bekannte Keime waren die IgG-Antikörper gegen Aureobasidium pullulans, Cephalosporium acremonium und Pseudomonas aeruginosa die Spitzenreiter, so daß diese Keime in erster Linie als Antigene in Betracht kommen. Mit jetzt 22 gut dokumentierten und 13 weiteren uns bekannten Fällen von Zimmerspringbrunnen-Alveolitis innerhalb der letzten zwei Jahre stellt der heute übliche Gebrauch von Zimmerspringbrunnen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko in Deutschland dar.Correspondence to:
Prof. Dr. med. J. Sennekamp
Weberstraße 118
D-53113 Bonn
Email: Sennekamp@t-online.de
J. Sennekamp1, D. Koschel2, A. aufm Kampe1, M. Hermanns3, M. Huber4, H. Meyer zu Schwabedissen5, M. Neuhauss6, M. Rolke7, B. Seese8, B. Sulzbach9 und D. Müller-Wening2
1Labor Prof. Sennekamp, Bonn, 2Zusamklinik, Zusmarshausen, 3Praxis Dr. Hermanns und Römer, Krefeld, 4Medizinische Klinik für Atemwegserkrankungen, Wangen, 5Medizinische Klinik IV, Städtisches Klinikum, Braunschweig, 6Innere Medizin IV, Klinikum Chemnit Für die serologische Diagnostik der Zimmerspringbrunnen-Alveolitis eignet sich am besten der Nachweis von IgG-Antikörpern gegen das Wasser des patienteneigenen Zimmerspringbrunnens. Bei 11 Patienten von 22 waren präzipitierende Antikörper im Ouchterlonytest nachweisbar. Bei 10 Patienten wurde aber der sensitivere ELISA benötigt. Bei den Antikörpern gegen bekannte Keime waren die IgG-Antikörper gegen Aureobasidium pullulans, Cephalosporium acremonium und Pseudomonas aeruginosa die Spitzenreiter, so daß diese Keime in erster Linie als Antigene in Betracht kommen. Mit jetzt 22 gut dokumentierten und 13 weiteren uns bekannten Fällen von Zimmerspringbrunnen-Alveolitis innerhalb der letzten zwei Jahre stellt der heute übliche Gebrauch von Zimmerspringbrunnen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko in Deutschland dar.Correspondence to:
Prof. Dr. med. J. Sennekamp
Weberstraße 118
D-53113 Bonn
Email: Sennekamp@t-online.de
Übersicht
Natürliche und adaptive Immunität des Respirationstraktes – Bedeutung mikrobieller Faktoren für Infektabwehr und Sensibilisierung Teil III*
W. König, H. Lauf, U. Arnold, I. Tammer, B. Ghebremedhin, A. Clarici, F.L. Thies, A. Drynda, A. Schmalcz, T. Kwok, R. Arnold, S. Backert, H. Werchau und B. König
188
68$
Abstract
Die Sensibilisierung des Respirationstraktes sowie das Ausmaß der entzündlichen Reaktion hängt nicht nur von der Qualität des Allergens, sondern von den umgebenden Faktoren der Umwelt (exogene Noxen, Rauchen, mikrobielle und virale Belastung u. a.) ab. Im wesentlichen setzen sich die Epithelzellen mit dem Infektionserreger im Rahmen einer Barrierefunktion auseinander. Diese Barrierefunktion ist jedoch nicht passiver Art. Epithelzellen sind in der Lage, Defensine und Chemotaxine zu bilden. Defensine können Mikroorganismen abtöten und gleichzeitig proinflammatorische Mediatoren freisetzen. Unter dem Einfluss von proinflammatorischen Zytokinen (z. B. IL-8) kommt es zur Infiltration von Granulozyten, die ihrerseits in der Lage sind, über Defensine oder andere Mechanismen der mikrobiellen Erkennung diese abzutöten. Allergene mit Proteaseaktivität können über Protease aktivierende Rezeptoren (PAR) Epithelzellen wie auch Granulozyten aktivieren und damit die Mediatorensekretion einleiten. Das Immunglobulin-A bildet im Rahmen der Abwehr eine erste Barriere, da es die Adhäsion von Mikroorganismen an Epithelzellen verhindert, gleichzeitig allerdings im Rahmen der Phagozytose auch zu einer Freisetzung entzündlicher Mediatoren mit u. U. nachteiliger Auswirkung führt. Die bei diesen Prozessen zu beobachtende Abwehr ist gekennzeichnet durch Erkennungsmechanismen über Toll-Like-, wie auch Nicht-Toll-Like-Rezeptoren oder über pathogentitätserkennende Rezeptoren unterschiedlicher Struktur. Durch dieses ausgeklügelte Interaktionssystem ist die Infektabwehr in der Lage, zwischen den Mikroorganismen (grampositive, gramnegative Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilzen) zu unterscheiden und damit die Kaskade der natürlichen Immunität zielgerichtet einzusetzen. Während die IgE-Synthese aufgrund der definierten Switching-Faktoren (IL-4, IL-13) sehr gut bearbeitet ist, besteht nach wie vor Klärungsbedarf für den Ablauf der IgA-Synthese – und hier insbesondere für die Switch-Signale bei der IgA-Synthese. Unumstritten ist der Einfluss mikrobieller wie auch viraler Faktoren für die Auslösung der Allergisierung, aber auch der chronisch-obstruktiven Bronchialerkrankungen. Durch moderne molekularbiologische Verfahren läßt sich der Anteil der viralen Infektionen bei der Auslösung allergisch-entzündlicher wie auch chronisch-obstruktiver Erkrankungen erfassen. Kürzlich erhaltene Befunde legen nahe, daß Atemwegstrakt aktive Antibiotika neben ihren bakteriziden Auswirkungen über immunmodulatorische Aktivitäten verfügen, die im Rahmen der Ausbalancierung entzündlicher Prozesse für die Zukunft zu beachten sind. Das komplexe Szenario der natürlichen und adaptiven Abwehrleistung lässt sich an den Krankheitsbildern der Lunge wie auch des Bronchialtraktes in exzellenter Weise analysieren. Die spezialisierten und ausgerichteten Aufgaben des Bronchialepithels, der dendritischen Zellen, der Chemotaxine, Chemotaxinrezeptoren und der pro- und antiinflammatorischen Zytokine bestimmen den Ablauf der natürlichen und adaptiven Infektabwehr.
*Teil I in Heft 11/2004,Teil II in Heft 12/2004.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W. König
Institut für Medizinische Mikrobiologie
Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität
Leipziger Straße 44
D-39120 Magdeburg
Email: wolfgang.koenig@medizin.uni-magdeburg.de
W. König, H. Lauf, U. Arnold, I. Tammer, B. Ghebremedhin, A. Clarici, F.L. Thies, A. Drynda, A. Schmalcz, T. Kwok, R. Arnold, S. Backert, H. Werchau und B. König
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg Die Sensibilisierung des Respirationstraktes sowie das Ausmaß der entzündlichen Reaktion hängt nicht nur von der Qualität des Allergens, sondern von den umgebenden Faktoren der Umwelt (exogene Noxen, Rauchen, mikrobielle und virale Belastung u. a.) ab. Im wesentlichen setzen sich die Epithelzellen mit dem Infektionserreger im Rahmen einer Barrierefunktion auseinander. Diese Barrierefunktion ist jedoch nicht passiver Art. Epithelzellen sind in der Lage, Defensine und Chemotaxine zu bilden. Defensine können Mikroorganismen abtöten und gleichzeitig proinflammatorische Mediatoren freisetzen. Unter dem Einfluss von proinflammatorischen Zytokinen (z. B. IL-8) kommt es zur Infiltration von Granulozyten, die ihrerseits in der Lage sind, über Defensine oder andere Mechanismen der mikrobiellen Erkennung diese abzutöten. Allergene mit Proteaseaktivität können über Protease aktivierende Rezeptoren (PAR) Epithelzellen wie auch Granulozyten aktivieren und damit die Mediatorensekretion einleiten. Das Immunglobulin-A bildet im Rahmen der Abwehr eine erste Barriere, da es die Adhäsion von Mikroorganismen an Epithelzellen verhindert, gleichzeitig allerdings im Rahmen der Phagozytose auch zu einer Freisetzung entzündlicher Mediatoren mit u. U. nachteiliger Auswirkung führt. Die bei diesen Prozessen zu beobachtende Abwehr ist gekennzeichnet durch Erkennungsmechanismen über Toll-Like-, wie auch Nicht-Toll-Like-Rezeptoren oder über pathogentitätserkennende Rezeptoren unterschiedlicher Struktur. Durch dieses ausgeklügelte Interaktionssystem ist die Infektabwehr in der Lage, zwischen den Mikroorganismen (grampositive, gramnegative Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilzen) zu unterscheiden und damit die Kaskade der natürlichen Immunität zielgerichtet einzusetzen. Während die IgE-Synthese aufgrund der definierten Switching-Faktoren (IL-4, IL-13) sehr gut bearbeitet ist, besteht nach wie vor Klärungsbedarf für den Ablauf der IgA-Synthese – und hier insbesondere für die Switch-Signale bei der IgA-Synthese. Unumstritten ist der Einfluss mikrobieller wie auch viraler Faktoren für die Auslösung der Allergisierung, aber auch der chronisch-obstruktiven Bronchialerkrankungen. Durch moderne molekularbiologische Verfahren läßt sich der Anteil der viralen Infektionen bei der Auslösung allergisch-entzündlicher wie auch chronisch-obstruktiver Erkrankungen erfassen. Kürzlich erhaltene Befunde legen nahe, daß Atemwegstrakt aktive Antibiotika neben ihren bakteriziden Auswirkungen über immunmodulatorische Aktivitäten verfügen, die im Rahmen der Ausbalancierung entzündlicher Prozesse für die Zukunft zu beachten sind. Das komplexe Szenario der natürlichen und adaptiven Abwehrleistung lässt sich an den Krankheitsbildern der Lunge wie auch des Bronchialtraktes in exzellenter Weise analysieren. Die spezialisierten und ausgerichteten Aufgaben des Bronchialepithels, der dendritischen Zellen, der Chemotaxine, Chemotaxinrezeptoren und der pro- und antiinflammatorischen Zytokine bestimmen den Ablauf der natürlichen und adaptiven Infektabwehr.
*Teil I in Heft 11/2004,Teil II in Heft 12/2004.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W. König
Institut für Medizinische Mikrobiologie
Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität
Leipziger Straße 44
D-39120 Magdeburg
Email: wolfgang.koenig@medizin.uni-magdeburg.de
204
36$
Abstract
Historische Entwicklung der klinischen Ganzkörperplethysmographie
Heute ist der Ganzkörperplethysmograph (GKP) zur Diagnose und Differentialdiagnose obstruktiver, restriktiver sowie gemischter Ventilationsstörungen, ergänzt durch die CO- Einatemzugsdiffusionskapazitätsbestimmung (TLCO = CO-Transferfaktor) mit der gleichzeitigen Möglichkeit, die ventilierten Lungenvolumina mittels Helium zu messen, das zentrale in praxi unverzichtbare Atemfunktionsmeßgerät geworden. Dabei wurde die Möglichkeit, die statischen und dynamischen Lungenvolumina integral mit zugehörigen Atemstromstärken sowie Atemmuskelkraft (PImax)- und Atemantriebsgrößen (P0,1) zu bestimmen, lange vernachlässigt.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. med. H. Matthys
“Lungs at Home”
Hochrüttestraße 17
D-79117 Freiburg im Breisgau
Email: wolfgang.koenig@medizin.uni-magdeburg.de
H. Matthys
"Lungs at Home", Freiburg im Breisgau Historische Entwicklung der klinischen Ganzkörperplethysmographie
Heute ist der Ganzkörperplethysmograph (GKP) zur Diagnose und Differentialdiagnose obstruktiver, restriktiver sowie gemischter Ventilationsstörungen, ergänzt durch die CO- Einatemzugsdiffusionskapazitätsbestimmung (TLCO = CO-Transferfaktor) mit der gleichzeitigen Möglichkeit, die ventilierten Lungenvolumina mittels Helium zu messen, das zentrale in praxi unverzichtbare Atemfunktionsmeßgerät geworden. Dabei wurde die Möglichkeit, die statischen und dynamischen Lungenvolumina integral mit zugehörigen Atemstromstärken sowie Atemmuskelkraft (PImax)- und Atemantriebsgrößen (P0,1) zu bestimmen, lange vernachlässigt.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. med. H. Matthys
“Lungs at Home”
Hochrüttestraße 17
D-79117 Freiburg im Breisgau
Email: wolfgang.koenig@medizin.uni-magdeburg.de
204
36$
Abstract
Historische Entwicklung der klinischen Ganzkörperplethysmographie
Heute ist der Ganzkörperplethysmograph (GKP) zur Diagnose und Differentialdiagnose obstruktiver, restriktiver sowie gemischter Ventilationsstörungen, ergänzt durch die CO- Einatemzugsdiffusionskapazitätsbestimmung (TLCO = CO-Transferfaktor) mit der gleichzeitigen Möglichkeit, die ventilierten Lungenvolumina mittels Helium zu messen, das zentrale in praxi unverzichtbare Atemfunktionsmeßgerät geworden. Dabei wurde die Möglichkeit, die statischen und dynamischen Lungenvolumina integral mit zugehörigen Atemstromstärken sowie Atemmuskelkraft (PImax)- und Atemantriebsgrößen (P0,1) zu bestimmen, lange vernachlässigt.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. med. H. Matthys
“Lungs at Home”
Hochrüttestraße 17
D-79117 Freiburg im Breisgau
Email: wolfgang.koenig@medizin.uni-magdeburg.de
H. Matthys
"Lungs at Home", Freiburg im Breisgau Historische Entwicklung der klinischen Ganzkörperplethysmographie
Heute ist der Ganzkörperplethysmograph (GKP) zur Diagnose und Differentialdiagnose obstruktiver, restriktiver sowie gemischter Ventilationsstörungen, ergänzt durch die CO- Einatemzugsdiffusionskapazitätsbestimmung (TLCO = CO-Transferfaktor) mit der gleichzeitigen Möglichkeit, die ventilierten Lungenvolumina mittels Helium zu messen, das zentrale in praxi unverzichtbare Atemfunktionsmeßgerät geworden. Dabei wurde die Möglichkeit, die statischen und dynamischen Lungenvolumina integral mit zugehörigen Atemstromstärken sowie Atemmuskelkraft (PImax)- und Atemantriebsgrößen (P0,1) zu bestimmen, lange vernachlässigt.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. med. H. Matthys
“Lungs at Home”
Hochrüttestraße 17
D-79117 Freiburg im Breisgau
Email: wolfgang.koenig@medizin.uni-magdeburg.de




