Jahrgang 30, No. 8/2004(August 2004)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Bildanalyse in der Untersuchung der Lungenpathologie
S. Wilson
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Hochgradige EGFR-Expression in neuroendokrinen Zellhyperplasien der Lunge
C. Kuhnen und K.-M. Müller
Abstract
C. Kuhnen und K.-M. Müller
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Pro-gastrin-releasing peptide (ProGRP) – ein Tumormarker für das kleinzellige Bronchialkarzinom
G.M. Oremek, A. Oertl, H. Sauer-Eppel und R. Siekmeier
Abstract
G.M. Oremek, A. Oertl, H. Sauer-Eppel und R. Siekmeier
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Therapieinduzierte Tumorregression in primären Lungentumoren und ihren Lymphknotenmetastasen
N. Albrecht, M. Thomas, A. Linder et al.
Abstract
N. Albrecht, M. Thomas, A. Linder et al.
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Wertigkeit von Telomerase bei der Diagnostik pleuraler Neoplasien
M. Krismann, P. Thattamparambil und K.-M. Müller
Abstract
M. Krismann, P. Thattamparambil und K.-M. Müller
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Lungenfunktion, Diffusion, Kohlenmonoxidhämoglobin und Blutgase bei Patienten mit Asbestose
H. Schweisfurth, M. Prediger, H. Marquaß und J. Günther
Abstract
H. Schweisfurth, M. Prediger, H. Marquaß und J. Günther
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Querschnittsuntersuchung bei ehemals asbestexponierten Arbeitnehmern 2002/12 – 2003/6 in Oberösterreich (nachgehende US)
W. Purkarthofer, E. Hürbe, I. Schiller-Frühwirth und R. Jäger
Abstract
W. Purkarthofer, E. Hürbe, I. Schiller-Frühwirth und R. Jäger
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Diagnostische Validität und Sicherheit eines 4-Stufen-1-Tagesexpositionstests mit Diisocyanaten
R. Merget, E. Heinze,M. Korn et al.
Abstract
R. Merget, E. Heinze,M. Korn et al.
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Der Weg zur Standardallergiediagnostik der Typ-I-Allergie
V. van Kampen, F. Haamann, R. Merget et al. für die
Abstract
V. van Kampen, F. Haamann, R. Merget et al. für die
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Entwicklung eines Sandwich-Immunoassays zur Quantifizierung von Phytase aus Aspergillus niger
E. Zahradnik, M. Raulf-Heimsoth, Th. Brüning et al.
Abstract
E. Zahradnik, M. Raulf-Heimsoth, Th. Brüning et al.
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Einsatz von nicht-invasiven Methoden bei der Untersuchung von Beschäftigten der Abfallsammlung und -abfuhr
M. Raulf-Heimsoth, D. Olten, P.O. Degens et al.
Abstract
M. Raulf-Heimsoth, D. Olten, P.O. Degens et al.
V. Liebers, M. Raulf-Heimsoth und Th. Brüning
Berufliche Endotoxinexposition und mögliche Gesundheitseffekte – Literaturauswertung
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Abstract
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Fallbeschreibung einer allergischen Reaktion gegen Holzstaub und Latex – liegt die Ursache in einer kreuzreaktiven Endochitinase?
S. Kespohl, C. Fleischer, G. Gastaminza et al.
Abstract
S. Kespohl, C. Fleischer, G. Gastaminza et al.
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Bronchodilatatorische Wirkung von Ipratropiumbromid-Pulveraerosol bei starken Rauchern mit früher chronisch obstruktiver Lungenerkrankung
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Ein neues Lungen-Ischämie-Reperfusionsmodell zur Evaluation des Einflusses von Anti-ACE-Antikörperkonjugaten auf die präischämische Konditionierung
K. Nowak, B. Kherad, M. Schäfer et al.
Abstract
K. Nowak, B. Kherad, M. Schäfer et al.
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Expressionsmuster des integralen Membranproteins Stomatin im bronchopulmonalen System unter normalen und pathologischen Bedingungen
B. Fricke, G.W. Stewart, K. Treharne et al.
Abstract
B. Fricke, G.W. Stewart, K. Treharne et al.
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Einfluß von Tiotropium und Kaempferol auf die nasale Potentialdifferenz bei gesunden Probanden und bei CF-Patienten
D. Schüler, K. Weber, Ch. Barth et al.
Abstract
D. Schüler, K. Weber, Ch. Barth et al.
Bildgebende Verfahren in der Pneumologie
Zur Emphysemdiagnostik mittels Kapnovolumetrie bei zystischer Fibrose
Ch. Hoeser, Ch. Geidel, P. Bittner et al.
Abstract
Ch. Hoeser, Ch. Geidel, P. Bittner et al.
Editor's Note
Patriot Act, Ferienlektüre
K. Waßermann
Abstract
K. Waßermann
Das New England Journal of Medicine, unser aller vielgelesenes 20-Impact-Punkte Flaggschiff, verfällt zuweilen in einen ungewohnt pastoralen Ton. Mit der Autorität eines der führenden internationalen Medizin-Journale werden Fragen von grundsätzlichem, allgemeinmenschlichem Interesse abgehandelt. Schnoddrig ausgedrückt: Human-Touch-Geschichten von öffentlicher Moral und Medizin. Es sind überwiegend sorgsam recherchierte und engagiert vorgetragene Appelle an unsere politische und soziale Verantwortung. An Anlässen fehlt es nicht:
Im April konnte man über die desolate medizinische Versorgung im von Staatsstreichen und politischer Gewalt geschüttelten Haiti nachlesen: die höchste Kindersterblichkeit und die höchste AIDS-Rate in the Americas, 25% der Kinder leiden an chronischer Unterernährung, 40% der Bevölkerung ohne Zugang zur medizinischen Basisversorgung [1]. Das erste Juliheft beschäftigt sich mit den medizinischen, vor allem psychischen Auswirkungen der Folter. Es findet sich dort eine detaillierte Liste gebräuchlicher Foltermethoden. Nebenbei ist damit potentiellen Tätern die Definitionsmacht aus der Hand genommen [2]. Das Thema Folter wird im letzten Juliheft erneut aufgegriffen. Es geht um die Komplizenschaft von Militärmedizinern bei den Mißhandlungen an Gefangenen in Irak, Afghanistan und Guantanamo Bay [3]. Die Fälschung von Todesurkunden, die Nichtweitergabe von Verdachtsmomenten bei der körperlichen Untersuchung und die Weitergabe von medizinischen Unterlagen an Verhörpersonal bedeuten Mitschuld. Im gleichen Heft wird an die Euthanasie- und Rassenhygienepolitik der Nationalsozialisten erinnert [4]. Die Autorin sieht besonders eingedenk unserer gesammelten Kenntnisse des menschlichen Genoms ausreichend Gründe, um vor der rücksichtslosen Durchsetzung utopischer Perfektionierungsvisionen zu warnen.
Aber der Aufmacher vom 1. Juli ist – wahrscheinlich zur Verwunderung aller nichtamerikanischen Leser – ein überaus patriotischer Text. Dr. Pamela Grim, Ärztin und Angehörige der US-Marines, berichtet unter einem etwas opaken Titel [5] in zunächst nicht klar erkennbarer Absicht über ihre Erfahrungen mit neuaufgenommenen Rekruten. Die Kids werden in einem Trainingscamp der Marines in South Carolina innerhalb von 70 Tagen zu Elitesoldaten ausgebildet. Dr. Grim betreut sie medizinisch und macht sich ihre Gedanken. Obwohl sie nicht ausdrücklich darauf verweist, sind ihre Bemerkungen vermutlich ein sehr persönlicher Kommentar zu einer im gleichen Heft veröffentlichten Originalarbeit über die psychischen Kosten des Krieges:
Ungefähr 1800 amerikanische Soldaten, die Hälfte davon Marines, wurden kurz nach ihrer Rückkehr aus dem Irak von Psychiatern des Walter Reed Army Hospital, Silver Spring, auf das Vorkommen von behandlungsbedürftigen Depressionen (major depression), generalisierten Angstzuständen (generalized anxiety) und posttraumatischem Stress-Syndrom (PTSD: schwere Schlafstörungen u.ä.) untersucht [6].
Ca. 95% erlebten Kämpfe mit dem Einsatz leichter und schwerer Waffen; sahen Tote oder die Überreste von Leichen; hatten Freunde, die schwer verwundet oder getötet wurden.
50 – 75% der Befragten sahen getötete oder schwer verwundete Landsleute; hatten Kontakt mit kranken oder verletzten Frauen und Kindern, denen sie nicht helfen konnten; waren verantwortlich für den Tod eines gegnerischen Soldaten.
15 – 35% wurden selbst angeschossen und verwundet; waren verantwortlich für den Tod einer unbeteiligten Zivilperson; nahmen an Minenräumungen teil; waren in Nahkämpfe verwickelt; erlebten, wie ein Kamerad neben ihnen erschossen wurde; retteten einer Zivilperson oder einem anderen Soldaten das Leben.
15 – 17% der so Befragten erfüllten die Screeningkriterien für die Diagnose der erwähnten behandlungsbedürftigen psychischen Störungen, insbesondere des PTSD. Ein begleitender Kommentar verweist darauf, daß die Rate der psychisch Traumatisierten mit der Zeitdauer nach Rückkehr aus dem Kampfgebiet bis auf 30% zunehmen könnte [7].
Für Dr. Grim ist die militärische Karriere kein bloßer Job, sondern Erwähltsein und Berufung. Auch der Krieg ist kein Unglück, keine entfesselte Gewaltorgie, kein politisches Desaster, keine zivilisatorische Katastrophe undsoweiterundsofort, sondern ein Bildungserlebnis. Ein, sagen wir es getrost, Abenteuer im Fleische und Geist, das uns im Geist überleben läßt, was wir im Fleische wohl kaum überleben sollen [8]. Was aber kann der “Lehrmeister Krieg” [9] zur persönlichen Reife beitragen? Was lehrt er die Rekruten?
Haltung: Vor ihrer Einstellungsuntersuchung am ersten Tag fläzen die Neuen, so beobachtet sie angewidert, sich auf der Krankentrage wie auf einer durchgesessenen Couch. An Tag 70 sitzen sie dort stramm, kerzengerade, die Arme gestreckt und auf den Knien abgestützt. Wenn sie angesprochen werden, antworten sie laut mit Yes, Ma’am oder No Ma’am. Wie ist solche Metamorphose möglich? It works.
Selbstverständlich ist nicht die gutsitzende Uniform gemeint. Haltung ist vielmehr Ausdruck von Respektabilität und Würde, aber natürlich auch Zeichen von Selbstdisziplin, Unerschrockenheit, Sangfroid und Mut. Den mühsamen – etlichen Panikattacken während des Trainings abgerungenen – Erwerb dieser Eigenschaften verdanken die Kids dem Drill-Instructor (DI). In den einschlägigen Hollywood-Produktionen besetzt er die Rolle des psychopathischen Menschenschinders. Hier erweist er sich als heimlicher Erzieher und Wohltäter. In Wahrheit ist er wohl das eine wie das andere: ein unheimlicher Freund.
Demut: In der Nacht kommt ein Ehepaar in die Ambulanz. Die Frau klagt über akute Atemnot. Die beiden haben eben erfahren, dass ihr einziger Sohn im Irak getötet worden ist. Die Ärztin ruft den Pfarrer. Sie spricht mit der verzweifelten Mutter und gibt ihr ein paar Tabletten Valium. What else could I do? Eben. Das nennt man Schicksal. Wehmütig und etwas hilflos erinnert Dr. Grim daran, daß Krieg Kampf ist. Und Kampf bedeute nun mal Verletzung oder Tod. Auf der Internetseite der US-Marines werden täglich die Casualties aktualisiert: Verletzte und Tote mit Namen, Rang, letztem Stationierungsort. Eine Art virtueller Friedhof.
Zuverlässigkeit, Loyalität, Treue: Semper Fi! so lautet der Titel, ein Wahlspruch im Emblem der Marines, offensichtlich ein Bekenntnis, was sonst. Immer Treu! Immer, heißt bedingungslos. Und Treue signalisiert unter den obwaltenden Umständen zwangsläufig Opferbereitschaft. Ich habe diesen Begriff seit meiner Oberstufenlektüre des Prinzen von Homburg nie mehr ohne Spott verwenden können, und man ist schon versucht, die Amerikaner für die letzten wahren Preußen zu halten. Aber diese doch ausgesprochen naive, unbedingte Verpflichtung – wem gegenüber? dem Korpsgeist, der guten amerikanischen Tradition, dem Präsidenten, seinem hegemonialen Machtanspruch, welchem anderen Ziel oder welcher Idee gegenüber noch? – diese Verschworenheit irritiert mich. Mitleid ist nicht das richtige Wort für mein Gefühl, auch nicht Ärger. Die Rekruten sind weder idealistische Spinner noch kopflose Desperados. Sie sind zielstrebig, gut ausgebildet, hoch gerüstet, schlagkräftig, und sie haben gelernt zu töten. Dennoch, sie tragen ein Risiko, das unsereins nie bereit wäre zu übernehmen, nicht zuletzt, wie man gesehen hat, das der langanhaltenden schweren geistigen und seelischen Zerüttung [6]. Wie wäre es mit: verwundertem, widerstrebendem Respekt?
Alles in allem halte ich Pamela Grims Eloge auf die soldatischen Tugenden für blauäugig und weltfremd. Auch der Hinweis auf Clausewitz, den aufgeklärten Theoretiker der Landkriegsführung des 19. Jahrhunderts [10], wirkt arg bemüht und überholt angesichts des ubiquitären Vernichtungspotentials westlicher Armeen. Dr. Grim ist gewiß keine Zynikerin, sie ist Patriotin. Ein Schuft, wer Schlechtes dabei denkt.
Vielleicht war Iwo Jima ja tatsächlich ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Marines, mag sein. Aber Japan hat erst nach der Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki kapituliert. Was macht nun diese idyllische Bildungspädagogik mit Hiroshima, My Lai, Abu Ghraib, Guantanamo Bay, etc.? Ist die Erinnerung daran bloß moralisches Tamtam [9]?
Hans Ulrich Gumbrecht, bekennender Amerikaner deutscher Herkunft, kann uns den US-typischen Umgang mit den Schattenseiten seiner Geschichte und Gegenwart möglicherweise erklären: “Selbst wenn es (in regelmäßigen Abständen des Gedenkens) unvermeidlich wird, auf diese Begebenheiten zurückzublicken, aktivieren amerikanische Medien und Gechichtslehrer kaum je die Argumente historischer Erklärung (was sie möglicherweise ehrt). Der dominierende Modus vivendi ist ein diskretes (nie zur Gänze versteinertes) Schweigen, das solche Ereignisse wohl ungeschehen machen – oder vielleicht auch nur virtualisieren – soll. Es ist, wenn Sie mich fragen, eine bemerkenswerte Schwäche von uns Amerikanern, daß wir das Irreversible nicht denken wollen – und schon gar nicht auf uns nehmen können. Man könnte auch sagen, daß dieser Gesellschaft die Fähigkeit abgeht, Tragisches anzuerkennen und Tragischem einen Raum zu geben” [11].
Klaus Waßermann
Literatur und Anmerkungen
[1]
Farmer P.: Political violence and public health in Haiti. New Engl. J. Med. 350, 1483-1486 (2004).
[2]
Mollica R.F.: Surviving torture. New Engl. J. Med. 351, 5-7 (2004).
[3]
Lifton R.J.: Doctors and torture. New Engl. J. Med. 351, 415-416 (2004).
[4]
Bachrach S.: In the name of public health – Nazi racial hygiene. New Engl. J. Med. 351, 417-420 (2004).
[5]
Grim P.: Semper Fi. New Engl. J. Med. 351, 3-5 (2004).
[6]
Hoge C.W., C.A. Castro, S.C. Messer, D. McGurk, D.I. Cotting, R.L. Koffman: Combat duty in Iraq and Afghanistan, mental health problems, and barriers to care. New Engl. J. Med. 351, 13-22 (2004).
[7]
Friedman M.J.: Acknowledging the psychiatric cost of war. New Engl. J. Med. 351, 75-77 (2004).[8]
Mann T.: Der Zauberberg.
[9]
Seibt G.: Lehrmeister Krieg. Remember Belgium! Merkur 58 (Heft 8): 704-709 (2004). Seibt referiert unter diesem Titel jüngste Veröffentlichungen zu den mentalitätsgeschichtlichen und kulturellen Voraussetzungen der deutschen Kriegsverbrechen in Belgien während des ersten Weltkrieges. Die wieder aktuelle Frage sei, wie es zu Kriegsgreueln auch bei zivilisierten Nationen kommen könne. Die historische Analyse zeige – wohlverstanden im Sinne einer Rationalisierung und Humanisierung des Kriegsgeschehens (Haager Landkriegsordnung 1909) – “wo die Armeen zivilisierter Staaten bis heute ansetzen müssen, um ähnlichem vorzubeugen”.
[10]
Bemerkenswerterweise gilt Clausewitz in dem ihm gewidmeten Artikel der Encyclopaedia Britannica als Befürworter des totalen Krieges: “he advocated the concept of total war, in which all the enemy’s territory, property, and citizens are attacked”. War er Hitlers Lehrmeister?
[11]
Gumbrecht H.U.: Proud to be American. Merkur 54, 769-784 (2000). Correspondence to:
PD Dr. med. K. Waßermann
Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin
Klinik III für Innere Medizin, Universität Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9
D-50931 Köln
Email: klaus.wassermann@uni-koeln.de
Editor's Note
Wolfgang T. Ulmer zum 80. Geburtstag
H. Thiel
Abstract
H. Thiel
Geburtstage geben Anlaß zur Erinnerung!
Wie Jahresringe eines Baumes umschließen sie den Kern unserer Persönlichkeit, sie markieren wie “Landmarken” unsere Lebensläufe, reflektieren individuelle Entwicklungen, Höhen und Tiefen unseres Daseins. – Sie sind besondere Tage.
Ein 80. Geburtstag ist wie ein Solitär in einer kostbaren Perlenkette.
Am 7. September 2004 vollendet Herr Prof. emer. Dr. Dr. h.c. Wolfgang T. Ulmer – ehemaliger Direktor der Medizinischen Universitätsklinik “Bergmannsheil” an der Ruhruniversität Bochum, Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, Ehrenpräsident und Mitbegründer der Gesellschaft für Lungen- und Atmungsforschung, Mitglied und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Mitherausgeber und langjähriges Mitglied der Schriftleitung der Zeitschrift “Atemwegs- und Lungenkrankheiten”, der Zeitschrift “Pneumologie” und Ehrendoktor der Universität Lublin / Polen – sein 80. Lebensjahr.
Geboren am 7. September 1924 in Dinkelsbühl als Sohn des evangelischen Theologen und späteren Ordinarius für praktische Theologie – F. Ulmer –, absolvierte er nach humanistisch geprägter Gymnasialzeit sein Medizinstudium in Heidelberg und Erlangen. Seine weitere klinische und wissenschaftliche Ausbildung erfolgte bei seinem stets verehrtem Mentor und väterlichem Freund Prof. K. Matthes in Erlangen und Heidelberg.
Schon früh führten ihn Studienreisen nach Holland, Schweden, in die Schweiz und in die USA, wo er die „wissenschaftlich begründete Pneumologie“ kennenlernte, die im damaligen Deutschland, bedingt durch die Wirren des 2. Weltkrieges, darnieder lag. Diese Erfahrungen, verbunden mit einem enormen Wissensdrang, bildeten den Grundstein seiner späteren wissenschaftlichen Laufbahn und deren Forschungsergebnisse, die in erheblichem Maße zur Entwicklung der deutschen Pneumologie beitrugen. Die deutsche Pneumologie verdankt dem wissenschaftlichen Lebenswerk Wolfgang Ulmers sehr viel; ein Grund für seine zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen.
Sein weiterer Berufsweg führte ihn nach Bochum, wo er bereits mit 34 Jahren – 1958 – die Leitung des Silikoseforschungsinstitutes der Bergbau-Berufsgenossenschaft übernahm, in einer Zeit, in der der Bergbau – Kohle und Stahl – Grundvoraussetzung und Motor für den raschen Wiederaufbau, den wirtschaftlichen und industriellen Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland waren. Die gesundheitlichen und sozialmedizinischen Probleme der Bergleute prägten sein frühes Engagement für Arbeitsmedizin, einer Aufgabe, der er sich bis heute noch verpflichtet fühlt.
So entstanden noch vor dem Zusammenbruch des Ostblocks unter seinem persönlichem Einsatz und seiner Federführung bis zum heutigen Tag, eine Deutsch-Polnische und eine Deutsch-Russische Kooperation, deren Ziele Prävention und sozialmedizinische Betreuung von Bergarbeitern sind. In Anerkennung dieser Verdienste erhielt er 1988 die Ehrendoktor- würde der Universität Lublin/Polen.
Nach Habilitation in Heidelberg – 1958 – und Ernennung zum apl. Prof. für Innere Medizin – 1964 – an der Universität Münster war er von 1978 bis zu seiner Emeritierung 1989 Direktor der Medizinischen Klinik „Bergmannsheil“ Bochum und Ordinarius für Innere Medizin an der Ruhr-Universität Bochum.
Höhepunkte seiner Laufbahn waren u.a. die Ausrichtung und Co-Präsidentschaft der 6. Internationalen Pneumokoniose-Konferenz der ILO-Genf 1983 in Bochum; 1988/89 Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, 1988 Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, sowie Mitbegründung und langjährige Präsidentschaft der Gesellschaft für Lungen- und Atmungsforschung mit Sitz in Bochum, deren 40-jähriges Bestehen in diesen Tagen gefeiert wird.
Zahlreiche Monographien, Buchbeiträge und annähernd 700 Publikationen stammen aus seiner Feder und spiegeln seine enorme Schaffenskraft wider; hervorzuheben sind an dieser Stelle das Standwerk “Die Lungenfunktion” bereits in der 7. Auflage, seine Herausgeberschaft des Handbuches der Inneren Medizin Band IV – Pneumokoniosen 1976; Bronchitis –Asthma – Emphysem 1979 im Springer-Verlag.
Neben der Tätigkeit in seinen Arbeitsgebieten und Schwerpunkten wie Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Epidemiologie und Physiologie der Lungenfunktion einschließlich ihrer Standardisierung und Qualitätssicherung, war er nicht nur im “Nebenberuf” Hochschullehrer, sondern setzte sich intensiv für Forschung und Lehre bei Gründung und Fortentwicklung des “Bochumer Modells” ein, ein Erfolgsmodell, wie wir alle wissen.
Die Aufzählung seiner beruflichen Aktivitäten und Leistungen wäre unvollständig , würde man die Rolle Wolfgang Ulmers als Arzt und Mensch vergessen. Sein hohes Berufsethos und den Anspruch als Arzt, dem er sich stets verpflichtet fühlte, haben zahlreiche Generationen von Assistenz- und Oberärzten kennen- und schätzengelernt, wobei sich der Verfasser nicht ausnimmt. Seine Gedanken zu diesem, seinem eigentlichen Beruf hat er in einer bemerkenswerten Eröffnungsrede als Präsident des Internistenkongresses in Wiesbaden 1988 überzeugend dargelegt. Die Rede “Der Arzt und sein Patient” wirkt über den Tag hinaus.
Nun wünschen wir – ehemalige Mitarbeiter, Schüler, Freunde und Weggenossen, Verlag und Schriftleitung – unserem Freund und Mentor Wolfgang T. Ulmer alles Gute, Gesundheit, Wohlergehen und Glück für viele weitere Jahre. – Wir hoffen, daß Wolfgang T. Ulmer uns und seiner Familie, insbesondere seiner Ehefrau Eva, mit der über 50 Jahre treu verbunden ist, seinen drei Kindern – Albrecht, Ursula und Dietrich – sowie seinen neun Enkeln, in Harmonie noch viele Jahre erhalten bleibt.