Jahrgang 29, No. 11/2003(November 2003)
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Atemwegs- und Lungenkrankheiten
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Editorial
Feste Kombinationen sind Mittel der ersten Wahl bei allen Schweregraden des persistierenden Asthmas – Pro
R.W. Hauck
Editorial
Feste Kombinationen sind Mittel der ersten Wahl bei allen Schweregraden des persistierenden Asthmas – Contra
J.C. Virchow
Pharmakologisches Forum
Kongreßbericht: Neue Anwendungsgebiete für Dornase alfa
G. Steinkamp
Editorial
Editorial: Heimatkunde Reichenhall, Bayern
K. Waßermann
Abstract
K. Waßermann
Herr Nolte kam, wie wir aus den Nachrufen wissen, aus Westfalen. Es verschlug ihn nach Bayern, wo er dann blieb. Als sozusagen doppelt entwurzelter Preuße (Westfalen gehörte von 1741 bis 1806 zu Preußen, später nicht mehr). Aber ich kann mir vorstellen, dass er für den Verlust entschädigt wurde. Das Auffälligste dort sind die Berge und die erstaunliche Weitsicht von oben bei klarem Wetter. Was haben wir (ich bin auch Westfale: Münsterland, Dortmund-Ems-Kanal, lupinenübersähte Böschung, Treidelpfade; ein stiekumer, scheuer, verlegen nuschelnder Menschenschlag) dem schon entgegenzusetzen außer den mittlerweile angegrünten Maulwurfshügeln an der Emscher (Ruhrgebiet)?
Der Teutoburger Wald hat mit 152 Metern über N.N. seine gewaltigste Erhebung in den Dörenter Klippen. Dort gibt es eine Sommerrodelbahn; und neuerdings bei Bottrop auch eine Art Ski-Schuppen. Und das Wiehengebirge: Höchster Punkt sagen wir mal 233 Meter: die gen Osten (?) weisende Fingerspitze des Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der Porta Westfalica. Stand man da oben, schaute man nordwärts in das elend flache Niedersachsen. Der Dunstschleier am Horizont war irgendwie ein Surrogat für das Meer dahinter, Anlaß für Fernweh und schwärmerische Kinderphantasien. Aber wir trauten uns natürlich nicht, einfach abzuhauen. Das war zu gefährlich: Es herrschte die Muckefuck-Ära, frühe, engstirnige Nachkriegszeit, Zeit der drakonischen Prügelstrafen.
Und dann Bayern: Alles ist – mindestens – zehnmal höher und weiter. Ich weiß, ich weiß, ich sollte loyal bleiben, aber hat nicht der preußische König einmal sogar Bayreuth und Ansbach gekauft (1791)? Er ist es schnell wieder losgeworden. Aber ihm gehörte, wenn auch nur kurz, eine andere Welt.
In Reichenhall bin ich in diesem Jahr das erste Mal zum Predigtstuhl hochgefahren, 2000 Meter in zehn Minuten. Der Kabinenboden war aus Holz und rappelte gehörig. Ich hielt mich an der Stange fest, die mit dem soliden Eisendach verbunden war. Denn ich mißtraute dem Holzboden. Wenn er einbräche und ich durch den offenen Schlund geschleudert und auf diesen bedrohlich spitzigen Felskegeln da weit unter mir aufgespießt würde! Wenn das schlingernde Drahtseil risse undsoweiter. Nichts ist passiert. Ich wurde “droben” abgeliefert und genoß den Blick: die ganze Welt mir zu Füßen!
Klaus Waßermann
Editorial
Gibt es Standards in der Diagnostik interstitieller Lungenerkrankungen?
D. Kirsten
Abstract
D. Kirsten
Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie, Krankenhaus Großhansdorf
Unter dem Begriff “interstitielle Lungenerkrankungen” wird eine Vielzahl ätiologisch unterschiedlicher Entitäten zusammengefasst. Wichtige diagnostische Maßnahmen sind neben einer sorgfältigen Anamnese radiologische Untersuchungen wie Thorax-Übersicht und HR-Computertomographie, bestimmte Laborparameter (Vaskulitiden!) sowie gezielte bronchologische Untersuchungen zur zytologischen und histologischen Diagnostik, gegebenenfalls auch Durchführung einer offenen Lungenbiopsie. Bei der Auswahl und Rangfolge der Methoden spielen Alter, Begleiterkrankungen und therapeutische Konsequenzen die entscheidende Rolle.
Editorial
Interstitielle Lungenerkrankung bei Vaskulitiden und Kollagenosen
A. Schnabel und W.L. Gross
Abstract
A. Schnabel1 und W.L. Gross2
1Klinik für Internistische Rheumatologie und Klinische Immunologie, Sana Rheumazentrum Baden-Württemberg, Bad Wildbach, 2Poliklinik für Rheumatologie, Medizinische Universität Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Rheumaklinik Bad Bram
Bei den systemischen Vaskulitiden mit Lungenparenchymbeteiligung handelt es sich ganz überwiegend um Kleingefäßvaskulitiden. Das klinische Bild der granulomatösen und vaskulitischen Manifestationen der Wegenerschen Granulomatose (WG), der häufigsten Erkrankung in dieser Gruppe, ist gut charakterisiert, und das pathophysiologische Verständnis hat sich wesentlich erweitert. Das Verständnis der Lungenmanifestationen bei der mikroskopischen Polyangiitis entwickelt sich erst, insbesondere die fibrosierende Alveolitits bei dieser Erkrankung ist hinsichtlich der Pathogenese und des Therapiebedarfs noch klärungsbedürftig. In jüngerer Zeit wird das Syndrom der diffusen alveolären Hämorrhagie bei pulmonaler Kapillaritis stärker wahrgenommen – eine oft lebensbedrohliche Vaskulitismanifestation, die bei verschiedenen Kleingefäßvaskulitiden vorkommt und unverzüglicher Therapie bedarf. Die fibrosierende Alveolitis bei der systemischen Sklerose und anderen Kollagenosen verläuft im Mittel weniger aggressiv als die idiopathische fibrosierende Alveolitis. Ursächlich für die geringere Progressionsrate ist offenbar die Heterogenität des Verlaufs. Neben kontinuierlich progredienten Verläufen werden in substantieller Zahl selbstlimitierende Verläufe beobachtet, die in einen stationären Zustand mit funktionsanalytisch oder radiologisch nachweisbaren Residuen einmünden. Intensive Immunsuppression mit Cyclophosphamid-Dauertherapie oder -Stoßtherapie kann die Progression unterbrechen, vorausgesetzt, die Therapie beginnt in dem von Entzündung dominierten Frühstadium der Lungenerkrankung.
Editorial
Refluxassoziierte Atemwegserkrankungen aus gastroenterologischer Sicht
D. Jaspersen, G.H. Micklefield und R. Weber
Abstract
D. Jaspersen1, G.H. Micklefield2 und R. Weber3
1Medizinische Klinik II, Klinikum Fulda,2Medizinische Klinik I, Evangelisches Krankenhaus, Unna,3Fachpraxis, Stuttgart
Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) gehört zu den häufigsten internistischen Krankheitsbildern und kann neben der rein ösophagealen Manifestation auch zu extraösophagealen Beschwerden führen (Tab. 1). Eine Vielzahl von respiratorischen Störungen wird mit einem gastroösophagealen Reflux in Zusammenhang gebracht. Zwischen Asthma und chronischem Husten besteht eine Assoziation mit der GERD, Patienten mit Laryngitis, Otitis media und chronischer Sinusitis zeichnen sich durch eine erhöhte Refluxprävalenz aus. Primär gilt das Augenmerk bei Refluxpatienten den typischen ösophagealen Symptomen, an eine mögliche Atemwegsbeteiligung wird dagegen weniger gedacht. Die rechtzeitige Diagnostik extraösophagealer Manifestationen kann dadurch erschwert werden, daß das Leitsymptom Sodbrennen nur schwach ausgeprägt oder gar nicht vorhanden ist. Therapie der Wahl sind Protonenpumpeninhibitoren (PPI).
Pharmakologisches Forum
Antiinflammatorische Wirkung von 1,8-Cineol (Eucalyptol) bei Asthma bronchiale: Eine plazebokontrollierte Doppelblindstudie
U.R. Juergens, U. Dethlefsen, G. Steinkamp, A. Gillissen, R. Repges und H. Vetter
Abstract
U.R. Juergens1, U. Dethlefsen2, G. Steinkamp3, A. Gillissen4, R. Repges5 und H. Vetter1
1Abteilung Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin, Medizinische Universitäts-Poliklinik, Bonn, 2MKL Institut für klinische Forschung, Aachen, 3Klinische Forschung, Lübeck, 4Robert-Koch-Klinik, Leipzig,5Institut für Biometrie und Statistik, RWTH, Aac
Die Hypersekretion in den Atemwegen wird durch eine erhöhte Freisetzung von Entzündungsmediatoren vermittelt und kann durch Hemmung der Mediatorproduktion gebessert werden. Wir haben kürzlich berichtet, daß 1,8-Cineol (Eucalyptol), bekannt als das hauptsächliche Monoterpen des Eukalyptusöls, den Arachidonsäuremetabolismus und die Zytokinproduktion in humanen Monozyten supprimiert. Daher war es das Ziel dieser Studie, die antiinflammatorische Wirksamkeit von 1,8-Cineol als Maß für seine prednisolonäquivalente Wirkung bei Patienten mit schwerem Asthma zu bestimmen. 32 Patienten mit steroidabhängigem Asthma bronchiale wurden in eine plazebokontrollierte Doppelblindstudie eingeschlossen. Nach Bestimmung der effektiven oralen Steroiddosis während einer 2-monatigen Run-in-Phase wurden die Probanden randomisiert und erhielten über 12 Wochen entweder 1,8-Cineol 200 mg 3-mal täglich oder Plazebo in dünndarmlöslichen Kapseln. Orale Glukokortikosteroide wurden stufenweise um 2,5 mg alle 3 Wochen reduziert. Der primäre Endpunkt dieser Untersuchung war die orale glukokortikosteroidsparende Wirkung von 1,8-Cineol bei schwerem Asthma. Es wurden Reduktionen der täglichen Prednisolondosis von 36% in der Verumgruppe (Bereich 2,5 – 10 mg; Mittel: 3,75 mg) vs. einer Abnahme von nur 7% (2,5 – 5 mg; 0,91 mg) in der Plazebo-Gruppe (p = 0,006) toleriert. Zwölf von 16 Patienten mit Cineol und 4 der 16 Plazebo-Patienten tolerierten eine Reduktion oraler Steroide (p = 0,012). Die Langzeittherapie mit 1,8-Cineol in dünndarmlöslichen Kapseln zeigte einen signifikanten steroidsparenden Effekt bei steroidpflichtigem Asthma. Dieses ist der erste Nachweis einer antiinflammatorischen Wirkung des Monoterpens 1,8-Cineol bei Asthma und eine neue Rationale für seine Anwendung als Mukolytikum bei Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege.