Jahrgang 32, No. 11/2009(November)
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Allergologie
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Immuntherapie im Wandel – eine Standortbestimmung
Editorial
D. Stiller
Immuntherapie im Wandel – eine Standortbestimmung
Immuntherapie – immunologische Grundlagen
L. Jäger
Abstract
L. Jäger
Jena
Ursprünglich wurde die SIT unter der Vorstellung entwickelt, dass Allergene toxische Effekte enthalten und durch Immunisierung ein Schutz erzielt werden kann. Mit dem Nachweis, dass nicht toxische Effekte, sondern IgE-Antikörper eine entscheidende Komponente der allergischen Reaktion sind, orientierte sich die weitere Entwicklung der SIT auf die Hemmung dieser Antikörperproduktion. Tatsächlich kann ein solcher Effekt nachgewiesen werden – allerdings erst nach Monaten bis Jahren. Auch andere – möglicherweise blockierende – Antikörper steigen erst lange nach dem klinischen Effekt der SIT an. In den letzten Jahren hat sich das Interesse deshalb auf Effekte konzentriert, die von T-Zellen ausgehen. Neben den für die Allergie bedeutsamen Th2-Zellen sind dies vor allem Treg, die unter bestimmten Bedingungen zu einem Th2->Th1-Shift führen, darüber hinaus aber auch andere Effektormechanismen der allergischen Reaktion hemmen. Voraussetzung hierfür sind relativ hohe Allergendosen, die allerdings durch Nebenwirkungen limitiert werden. Da für die Aktivierung von T-Zellen und IgE-besetzten Effektorzellen unterschiedliche Epitope verantwortlich sein können, eröffnet sich ein Weg zu Allergenmodifikationen mit Elimination der IgE-bindenden Epitope auf chemischem oder gentechnischem Weg. Eine andere Möglichkeit ist die Kombination mit Adjuvantien, die die erwünschte Aktivierung von Treg bzw. den Th2->Th1-Shift fördern. Schließlich können alternative Applikationswege die Nebenwirkungen verringern (SLIT). In zunehmendem Maße werden so die immunologischen Grundlagen der SIT deutlicher. Dennoch harren zahlreiche grundsätzliche Fragen ihrer Beantwortung, unter anderem nach präziseren Informationen über die Aktivierungsmechanismen der T-Zellen, die therapeutisch nutzbar sind; nach Informationen über individuelle Faktoren, die für die Optimierung der SIT auch unter Produktionsbedingungen bedeutsam sein können (individuelle Allergenmuster); nach Faktoren der Langzeiteffekte der SIT (Lebensdauer der Treg, Allergenpersistenz); nach immunologischen Faktoren, die den natürlichen Verlauf allergischer Erkrankungen beeinflussen.Correspondence to:
Prof. em. Dr. L. Jäger
Rosa-Luxemburg-Straße 34
D–07743 Jena
Email: Lothar.Jaeger@med.uni-jena.de
Immuntherapie im Wandel – eine Standortbestimmung
Bedeutung von Adjuvanzien für die spezifische Immuntherapie
U. Rabe
Abstract
U. Rabe
Abteilung für Allergologie und Asthma, Johanniter-Krankenhaus im Fläming Treuenbrietzen GmbH
Adjuvanzien wurden erstmalig 1938 in Therapielösungen zur spezifischen Immuntherapie eingesetzt. Diese sollen eine schnellere Einleitungsbehandlung, die Gabe höherer Allergendosen, verbesserte Wirksamkeit, seltenere systemische Nebenwirkungen und eine bessere Anwenderfreundlichkeit ermöglichen. Diesen Anforderungen versucht man durch physikalische Kopplung des Allergens an Aluminiumhydroxid, Tyrosin oder Kalziumphosphat bzw. durch chemische Modifikation gerecht zu werden. Es werden neue Adjuvanzien bzw. Forschungsansätze diskutiert, die nicht primär auf die Modulation des adaptiven Immunsystems, sondern auf eine Beeinflussung des angeborenen Immunsystems fokussieren.Correspondence to:
Dr. med. Uta Rabe
Abteilung Allergologie und Asthma
Johanniterkrankenhaus im Fläming
Treuenbrietzen GmbH
Johanniterstraße 1
D-14929 Treuenbrietzen
Email: rabe@johanniter-treuenbrietzen.de
Immuntherapie im Wandel – eine Standortbestimmung
Die Cluster-Immuntherapie bei allergischer Rhinokonjunktivitis. Übersicht über ein innovatives Therapiekonzept
O. Pfaar, , K. Hörmann und L. Klimek,
Abstract
O. Pfaar1, 2, K. Hörmann1 und L. Klimek1, 2
1HNO-Universitätsklinik Mannheim, 2Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
Die Effektivität der SIT ist neben der richtigen Indikationsstellung abhängig vom spezifischen Allergen, der Qualität und der Gesamtdosis der verabreichten Allergenextrakte und dem Applikationsschema. Bei der klassischen SCIT wird ein Allergenextrakt in einer initialen Phase der Dosissteigerung (in wöchentlichen Abständen, sog. “Induktionstherapie”) repetitiv in ansteigenden Dosen subkutan appliziert, woran sich die Phase der individuellen Erhaltungsdosierung (in monatlichen Abständen) anschließt. Für die Induktionsphase existieren hierbei unterschiedliche Therapie-Schemata mit einer Dauer von mehreren Wochen bis Monaten, was die Einleitungsbehandlung demnach sehr aufwendig macht und eine hohe Patienten-Compliance erfordert. Bei der Cluster-Therapie dagegen werden 2 – 3 Injektionen je Behandlungstag (mit einem Intervall von mindestens 30 Minuten zwischen den Einzelinjektionen) in wöchentlichen Abständen verabreicht mit dem Ziel, die Phase der Erhaltungstherapie schneller zu erreichen, ohne allerdings durch dieses akzelerierte Verfahren eine erhöhte Rate an unerwünschten Reaktionen in Kauf nehmen zu müssen. Die Cluster-Therapie kam in verschiedenen klinischen Studien sowohl mit (Semi-)Depot-Allergenen als auch mit chemisch-modifizierten Allergenen (sog. Allergoiden) zur Anwendung. Dieser Artikel gibt einen Überblick über das Auftreten von unerwünschten Reaktionen (lokal und systemisch) unter den verschiedenen Cluster-Protokollen. Zusammenfassend zeigen die Studienergebnisse, dass Art und Anzahl der unerwünschten Reaktionen der Cluster-Verfahren denen der konventionellen Schemata entsprechen. Darüber hinaus konnten neuere Studien zudem belegen, dass klinische und immunologische Effekte der SIT durch diese akzelerierten Verfahren früher einsetzen. Somit könnten Cluster-SCIT-Protokolle zukünftig eine interessante Therapieoption bei der Dosissteigerungsphase im Rahmen der SIT spielen.Correspondence to:
Dr. med. O. Pfaar
Zentrum für Rhinologie und Allergologie
der HNO-Universitätsklinik Mannheim
An den Quellen 10
D–65183 Wiesbaden
Email: oliver.pfaar@hno-wiesbaden.de
Immuntherapie im Wandel – eine Standortbestimmung
Immuntherapie im Kindesalter
P.A. Eng
Abstract
P.A. Eng
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie, Kinderspital Aarau und Luzern
Neben der allergen-spezifischen Wirkung hat die Immuntherapie auch einen allergen-unspezifischen immunmodulierenden Effekt. Damit besteht das Potential, den Verlauf der Allergie günstig zu beeinflussen, weshalb die spezifische Immuntherapie (SIT) so früh wie möglich begonnen werden sollte. Leider gibt es aber kaum Daten über die SIT bei Kindern unter 5 Jahren. Gefragt sind in dieser Altersgruppe neue Studien zur Erfassung der primär und sekundär präventiven Eigenschaften. Aber auch die therapeutische Wirkung der SIT für neue Indikationen wie atopische Dermatitis und Nahrungsmittelallergien muss für kleine Kinder genauer erforscht werden vor Umsetzung in die tägliche Praxis. Die sublinguale Immuntherapie (SLIT) ist aufgrund der einfachen Applikation und des guten Sicherheitsprofils kinderfreundlich. Bisherige pädiatrische SLIT-Studien zeigten aber keine einheitlichen Resultate. Neuere Arbeiten bestätigen jetzt die Wirksamkeit der SLIT auch bei Kindern mit saisonalen Allergien, wenn sehr hohe Dosen von Gräserpollen-Allergenen verabreicht werden. Wichtig sind nun weitere pädiatrische SLIT-Studien mit anderen hoch dosierten saisonalen und perennialen Allergenen sowie Studien bei Kindern mit Asthma. Aber auch der Langzeiteffekt und die präventiven Eigenschaften der SLIT müssen besser erforscht werden.Correspondence to:
Dr. med. P.A. Eng
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Kinderklinik Aarau
Tellstraße
CH-5001 Aarau
Email: peter.eng@ksa.ch
Immuntherapie im Wandel – eine Standortbestimmung
Nebenwirkungen der subkutanen spezifischen Immuntherapie. Ergebnisse einer Praxisanalyse von 1993 – 2007
D. Stiller
Abstract
D. Stiller
Eisenhüttenstadt
Die wichtigste Therapieform der IgE-vermittelten Erkrankungen ist die subkutane spezifische Immuntherapie. Sie ist bei allen verwendeten Allergenen sowohl mit lokalen als auch systemischen Nebenwirkungen belastet. Die Einteilung der meist harmlosen Lokalreaktionen erfolgt nach ihrer Größe. Die systemischen Reaktionen werden nach ihrer Schwere von leichten Allgemeinreaktionen wie z.B. Urtikaria und Flush über schwere Reaktionen (Bronchospasmus, Präschock, Schock) bis hin zum vitalen Organversagen klassifiziert. Während leichte Allgemeinreaktionen über alle Behandlungsgruppen verteilt waren, kamen ausgeprägte systemische Reaktionen vor allen bei Bienengift- und HSM-Allergikern, bedrohliche Reaktionen fast ausschließlich bei Bienegiftallergikern vor. Wegen des erhöhten Risikos von Patienten mit anamnestischem Bezug zu einem Asthma bronchiale ist die Durchführung eines unspezifischen Bronchoprovokationstestes zur Bestimmung der bronchialen Reaktivität und Erhöhung der Sicherheit in der Therapie sinnvoll. Als Ursache für das Auftreten von Nebenwirkungen bei bestimmungsgemäßer Indikation werden häufig unzureichende anamnestische Erhebungen vor jeder Injektion angegeben. Weitere klinische Studien müssen entscheiden, ob durch die sublinguale Behandlung bei gleicher Wirksamkeit die Sicherheit der spezifischen Immuntherapie verbessert und damit das Risiko von schweren Nebenwirkungen vermindert werden kann.Correspondence to:
PD Dr. med. habil. D. Stiller
Neue Gartenstraße 22
D-15890 Eisenhüttenstadt
Email: stiller@herbsttagung-vab.de
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