Jahrgang 31, No. 2/2008(Februar 2008)
|
Allergologie
Die Online-Versionen der Zeitschriften werden jeweils vor Erscheinen der Print-Ausgabe aktualisiert. Alle Inhalte dieser Website stehen Abonnenten der Zeitschrift nach einmaliger Registrierung ohne Mehrkosten zur Verfügung. Um die Artikel im PDF-Format betrachten zu können, benötigen Sie die Adobe Reader® Software.
|
| Preis für gesamte Ausgabe: 24.80$ |
 |
Originalarbeit
Wirksamkeit und Verträglichkeit moderner Antihistaminika in der Therapie allergischer Erkrankungen nachfolgend auf eine Anwendung generischer Antihistaminika
L. Klimek, M. Spielhaupter, I. Hansen, W. Wehrmann und C. Bachert
Abstract
L. Klimek1,2, M. Spielhaupter1,2, I. Hansen1,2, W. Wehrmann3 und C. Bachert4
1Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 2HNO-Universitätsklinik, Mannheim, 3Dermatologische Praxis, Münster, 4HNO-Universitätsklinik, Ghent, Belgien
In einer prospektiven Praxisstudie dokumentierten Allergologen und allergologisch tätige Fachärzte die Therapieverläufe von 1.243 Patienten, die aufgrund allergischer Erkrankungen mit oralen Antihistaminika behandelt wurden. Ziel der Untersuchung war eine Erfassung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von verschreibungspflichtigen Antihistaminika der 3. Generation bei Patienten, die durch eine Behandlung mit rezeptfreien und als Generikum verfügbaren Antihistaminika der 2. Generation nicht ausreichend versorgt waren. Die Patienten waren im Durchschnitt 38,4 Jahre alt, der Frauenanteil lag bei 56%. Bei 30% der Patienten wurde die Diagnose einer intermittierenden Rhinoconjunctivitis allergica, bei 57% einer persistierenden Rhinoconjunctivitis allergica gestellt. Bei 15% der Patienten wurden (gegebenenfalls zusätzlich) andere allergische Erkrankungen der Atemwege diagnostiziert und eine chronische Urtikaria lag bei 16% der Patienten vor. Von der Umstellung auf ein Antihistaminikum der 3. Generation profitierten mit 64% bei Vorliegen einer intermittierenden und 53% bei Vorliegen einer persistierenden Rhinoconjunctivitis vor allem diejenigen Patienten, bei denen eine starke bis sehr starke nasale Obstruktion vorlag. Von den Patienten mit chronischer Urtikaria erzielten vor allem diejenigen Patienten eine Verbesserung der Symptomatik nach Umstellung auf ein Antihistaminikum der 3. Generation, die unter starkem bis sehr starkem Juckreiz litten. Die Verträglichkeit des Antihistaminikums wurde als gut oder sehr gut bewertet von 84% der Generika-Anwender und von 96% der Patienten, die ein Präparat der 3. Generation erhielten. Die Prävalenz unerwünschter Ereignisse betrug 5,4% unter den Generika und 1,7% unter Antihistaminika der 3. Generation. Diese Praxisstudie belegt, dass Patienten mit allergischen Erkrankungen von der Umstellung von einem generischen auf ein modernes Antihistaminikum der 3. Generation profitieren können – sowohl hinsichtlich einer besseren Wirksamkeit und Verträglichkeit als auch einer besseren Patientenaufklärung durch den verschreibenden Arzt.Correspondence to:
Prof. Dr. med. L. Klimek
Zentrum für Rhinologie und Allergologie
An den Quellen 10
D-65183 Wiesbaden
Email: Ludger.Klimek@HNO-Wiesbaden.de
Übersicht
Die Rolle der Gewebe-Mikroumgebung bei der Kontaktallergie
S.F. Martin und F. Edele
Abstract
S.F. Martin und F. Edele
Forschergruppe Allergologie, Hautklinik, Universitätsklinikum Freiburg
Die allergische Kontaktdermatitis ist eine T-zellvermittelte entzündliche Hauterkrankung. Um die T-Zellantwort zu aktivieren, muss das angeborene Immunsystem eine Entzündung erzeugen, die Hautzellen aktiviert und allergenbeladene dendritische Zellen (DC) zur Wanderung in die regionalen Lymphknoten veranlasst. Dort erhalten T-Zellen von den DC die Information über den Ort ihrer Herkunft und den Ort des Antigeneintritts und werden dazu induziert, hautspezifische Homingrezeptoren zu exprimieren. Effektor-T-Zellen können dadurch nach Allergenkontakt in die Haut rekrutiert werden, um Kontaktallergie zu verursachen. In unseren aktuellen Studien im Mausmodell zeigt sich, dass die Gewebe-Mikroumgebung entscheidend sowohl an der Entzündungsreaktion als auch an der Vermittlung der Ortsinformation durch DC beteiligt ist. So fanden wir heraus, dass für die DC-Aktivierung durch Kontaktallergene Toll-like-Rezeptoren und das IL-12/IL-12R-System wichtig sind. Unsere Ergebnisse deuten auf eine Rolle für endogene TLR-Liganden hin, die bei der Kontaktallergie entstehen. Zudem liefern Zellen der peripheren Gewebe-Mikroumgebung Informationen in Form löslicher Faktoren und durch Zell-Zell-Kontakt, die sowohl die aus der Haut als auch die aus der Lamina propria des Dünndarms auswandernden DC dazu befähigen, Ortsinformation an T-Zellen weiterzugeben und in den drainierenden Lymphknoten gewebespezifische Homingrezeptoren auf den T-Zellen zu induzieren. Unsere Ergebnisse zeigen eine entscheidende Rolle des Gewebekontexts und der Kommunikation gewebespezifischer Zelltypen für die Generierung von Immunantworten. Diese Befunde verdeutlichen die Notwendigkeit, bei der Analyse von Immunantworten immer die einzigartige Gewebe-Mikroumgebung zu berücksichtigen.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
D-79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Übersicht
Umweltmedizinischer Untersuchungsgang
G.A. Wiesmüller, W. Weißbach, C. Bank, W. Dott, C. Schröder, J.M. Baron, H.F. Merk, H.J. Kunert, D. Wälte und K. Podoll
Abstract
G.A. Wiesmüller1,2, W. Weißbach1, C. Bank1, W. Dott1, C. Schröder3, J.M. Baron3, H.F. Merk3, H.J. Kunert4, D. Wälte5 und K. Podoll5
1Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Universitätsklinikum Aachen, RWTH Aachen, 2Umweltprobenbank des Bundes, Teilbank Humanproben und Datenbank, Universitätsklinikum Münster, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster, 3Hautklinik, Universität
Ausgangssituation: Publizierte klinisch-umweltmedizinische Erfahrungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren und Gesundheitsstörungen im niedergelassenen Bereich bei 36 – 45% und in Umweltmedizinischen Ambulanzen und Beratungsstellen kollektivabhängig (gemeinsame Kinder- und Erwachsenenkollektive, reine Erwachsenen- und reine Kinderkollektive) bei 0 – 34%. Konsequenzen: In der umweltmedizinischen Patientenbetreuung wurde ein Schwerpunkt auf Anamnese, körperliche Untersuchung, somatische und psychische Differentialdiagnostik gelegt; die speziellen umweltmedizinischen Untersuchungsverfahren (Human-Biomonitoring, Ortsbegehung, Umweltmonitoring) erfolgten nach strenger Indikationsstellung. Diagnose-Algorithmus: Basierend auf Informationen eines Umweltmedizinfragebogens, einer umfassenden Anamnese und körperlichen Untersuchung wird entschieden, ob ein begründeter gesundheitsrelevanter Expositionsverdacht vorliegt. Liegt dieser vor, werden Human-Biomonitoring, Ortsbegehung und/oder Umweltmonitoring durchgeführt. Zusätzlich erfolgt obligatorisch eine allergologische und psychiatrische Abklärung sowie beschwerdebildabhängig eine Differentialdiagnostik in anderen klinischen Fachdisziplinen. Liegt kein begründeter gesundheitsrelevanter Expositionsverdacht vor, erfolgt nur eine Differentialdiagnostik. Die im diagnostischen Ablauf erhobenen Ergebnisse werden in einer Fallkonferenz in Haupt- und Nebendiagnosen eingeteilt. Umweltmedizinischer Untersuchungsgang: Grundlage ist der vorgestellte Diagnose-Algorithmus mit den Basiselementen umfassende Anamnese, körperliche Untersuchung, somatische und psychische Differentialdiagnostik. Die speziellen umweltmedizinischen Untersuchungsverfahren unterliegen strenger Indikationsstellung. Bei bisher 269 mit dem Diagnose-Algorithmus untersuchten Patienten wurden am häufigsten psychiatrische und internistische Hauptdiagnosen ermittelt. Von den speziellen umweltmedizinischen Untersuchungsverfahren (Human-Biomonitoring: 130 Patienten, Ortsbegehung und Umweltmonitoring: 11 Patienten, nur Ortsbegehung: 2 Patienten, nur Umweltmonitoring: 1 Patient) waren Human-Biomonitoring, Ortsbegehung mit Umweltmonitoring und alleinige Ortsbegehung in je einem Fall zur umweltmedizinischen Diagnosefindung wegweisend. Schlussfolgerung: Bei Patienten mit umweltbezogenen Gesundheitsstörungen ist eine sorgfältige und gründliche Differentialdiagnostik erforderlich. Hierbei sollen nicht nur Umweltfaktoren, sondern auch somatische und/oder psychische Faktoren als mögliche Ursache der gesundheitlichen Störungen berücksichtigt werden. Ein inter- und transdisziplinärer Ansatz ist erforderlich.Correspondence to:
Prof. Dr. med. G.A. Wiesmüller
Umweltprobenbank des Bundes
Teilbank Humanproben und Datenbank
Universitätsklinikum Münster
Westfälische Wilhelms-Universität
Domagkstraße 11
D-48149 Münster
Email: GA.Wiesmueller@uni-muenster.de
Leitlinien
Notfälle in der Allergologie: Akuttherapie der Anaphylaxie
J. Ring und K. Brockow für die AG Anaphylaxie (D. Duda, T. Eschenhagen, T. Fuchs, I. Huttegger, A. Kapp, L. Klimek, U. Müller, B. Niggemann, O. Pfaar, B. Przybilla, W. Rebien, E. Rietschel, F. Rueff, S. Schnadt, M. Tryba, M. Worm, H. Sitter, G. Schultze
Abstract
J. Ring und K. Brockow für die AG Anaphylaxie (D. Duda, T. Eschenhagen, T. Fuchs, I. Huttegger, A. Kapp, L. Klimek, U. Müller, B. Niggemann, O. Pfaar, B. Przybilla, W. Rebien, E. Rietschel, F. Rueff, S. Schnadt, M. Tryba, M. Worm, H. Sitter, G. Schultze
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein und Zentrum Allergie und Umwelt GSF/TUM, Technische Universität München
Anaphylaktische Reaktionen gehören zu den schwersten und häufig dramatischen Ereignissen in der Allergologie. Zur Akutbehandlung der Anaphylaxie sind nationale und internationale Leitlinien unabdingbar. Auf Vorstandsbeschluss der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) wurde im Jahr 2003 eine Arbeitsgruppe “Anaphylaxie” gebildet, die den Auftrag erhielt, eine Leitlinie zu erstellen, die inzwischen veröffentlicht worden ist. Die Therapiemaßnahmen anaphylaktischer Reaktionen richten sich nach der Anamnese (z.B. auslösendes Agens und zeitlicher Verlauf) und dem klinischen Befund (Erscheinungsbild und Schweregrad). Ein Algorithmus zur Behandlung der Anaphylaxie in Abhängigkeit vom Schweregrad wurde erstellt (Abb. 1) [1]. Die sofortige Beendigung der Zufuhr des mutmaßlichen Auslösers ist die erste Maßnahme. Zu den Basistherapiemaßnahmen bei Anaphylaxie zählen geeignete Lagerung (flach, Trendelenburg) und das Anlegen eines venösen Zuganges. Ein Programm zur “Anaphylaxie-Schulung” für Betroffene und Angehörige wird von der Deutschen Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU) erarbeitet. Bei manifesten kardiovaskulären oder pulmonalen Reaktionen empfiehlt sich die Applikation von Sauerstoff. In der spezifischen medikamentösen Therapie haben sich Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin), Volumengabe (Elektrolytlösungen, Plasmaersatzmittel), Antihistaminika und Glukokortikoide bewährt. In der Behandlung der Anaphylaxie im Kindesalter sind die besonderen Dosierungen zu berücksichtigen. Bei Atem- oder Kreislaufstillstand muss die sofortige und sachgemäße Reanimation entsprechend den interdisziplinären Empfehlungen der Bundesärztekammer eingeleitet werden. Jeder Patient, der eine Anaphylaxie erlitten hat, muss über die wesentlichen Verhaltensmaßregeln aufgeklärt werden, die zu Prophylaxe und Behandlung von anaphylaktischen Reaktionen geeignet sind. Zur Selbstmedikation erhält der Patient ein “Notfallset”. Unter Berücksichtigung der Kontraindikationen beinhaltet ein “Notfallset” zur Selbstmedikation Adrenalin als Autoinjektor (siehe oben), bei zu erwartenden respiratorischen Symptomen zusätzlich ein Adrenalinpräparat zum Inhalieren, ferner ein Glukokortikosteroid und ein H1-Antihistaminikum.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Dr. phil. J. Ring
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
und Allergologie am Biederstein
Technische Universität München
Biedersteiner Straße 29
D-80802 München