Jahrgang 31, No. 12/2008(Dezember 2008)
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Allergologie
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Originalarbeit
Antikörpermangel: CVID und IgG-Subklassendefekt – eine Analyse an 116 Patienten mit Immunglobulindefizienz
F. Studer, W.J. Pichler und A. Helbling
Abstract
F. Studer, W.J. Pichler und A. Helbling
Allergologisch-Immunologische Poliklinik, Universitätsklinik für Rheumatologie und klinische Immunologie/Allergologie, Universitätsspital, Inselspital Bern, Schweiz
Hintergrund: Das variable Immundefektsyndrom, kurz CVID genannt, gilt als zweithäufigster humoraler Immundefekt mit Verminderung von wenigstens zwei Immunglobulinklassen. Im Gegensatz dazu sind beim IgG-Subklassendefekt einzelne IgG-Untergruppen vermindert. In dieser Arbeit untersuchten wir, ob anhand klinischer Merkmale auf einen CVID oder einen IgG-Subklassendefekt geschlossen werden kann, und ob das Ausmaß der IgG-Immunglobulinverminderung einen Hinweis auf die Klinik geben kann. Methodik: In dieser retrospektiven Studie werden die Befunde von 116 Patienten analysiert, die im Laufe von 10 Jahren (1995 – 2004) wegen Verdachts auf einen Immundefekt abgeklärt wurden. Ergebnisse: 23 (14,6%) Patienten wurden der Gruppe eines wahrscheinlichen und 11 (7,0%) eines möglichen CVID zugeordnet. 82 (51,9%) Patienten hatten einen IgG-Subklassendefekt. Die häufigsten klinischen Manifestationen waren bei 91 der 116 Patienten (78,5%) rezidivierende oder prolongierte obere Atemwegsinfekte. 73 (62,9%) von ihnen litten an einer chronischen Rhinosinusitis. Prolongierte Bronchitiden wurden von 49 (42,2%) und Pneumonien von 45 (38,8%) angegeben. Granulomatöse Erkrankungen wurden bei 4 (3,5%) und Neoplasien bei 3 Patienten (2,6%) diagnostiziert. Patienten mit wahrscheinlichem CVID hatten signifikant häufiger (p = 0,03) obere Atemwegsinfekte als solche mit möglichem CVID oder IgG-Subklassendefekten. Hingegen wurde bei Patienten mit einem IgG-Subklassendefekt häufiger eine Inhalationssallergie diagnostiziert als bei Patienten mit CVID. Zusammenfassung: Bei ausgeprägtem IgG-Mangel waren persistierende oder rezidivierende Infekte, respektive deren Komplikationen wie Bronchiektasen, die führenden klinischen Merkmale. Hingegen war die Klinik bei leichten oder moderaten IgG-Verminderungen nicht wegweisend. Ferner lässt sich ein CVID von einem IgG-Subklassendefekt nicht klinisch, sondern nur laboranalytisch unterscheiden. Bei Verdacht auf einen Immunglobulinmangel sollten auch die IgG-Subklassen bestimmt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. A. Helbling; Allergologisch-Immunologische Poliklinik, Universitätsklinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie/Allergologie, Universitätsspital
Inselspital, CH-3010 Bern
Email: arthur.helbling@insel.ch
Übersicht
Spezifische Immuntherapie (SCIT) mit rekombinanten Allergenen: eine neue Therapieoption bei allergischer Rhinitis
P. Schendzielorz und L. Klimek
Abstract
P. Schendzielorz und L. Klimek
Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
Zur Zeit stehen zur SCIT (subkutane spezifische Immuntherapie) bei allergischer Rhinitis native Extrakte und Allergoide (chemisch modifizierte Extrakte) zur Verfügung. Diese weisen jedoch hinsichtlich mehrerer Aspekte (unter anderen Allergengewinnung, Standardisierung, Extraktvergleich ..) Nachteile auf. Durch die Herstellung neuartiger Substanzen für die SCIT verspricht man sich, nicht nur die nachteiligen Eigenschaften der verfügbaren Extrakte zu beseitigen, sondern zudem die Wirksamkeit zu steigern und die Nebenwirkungen zu senken. Dieser Artikel beantwortet Fragen wie: Welche molekularen Mechanismen laufen bei der SCIT ab? Was sind die Vorteile der rekombinanten Allergene? Wie werden sie hergestellt? Welche Möglichkeiten der Modifizierung von rekombinanten Allergenen bestehen? Zudem wird von den ersten klinischen Erfahrungen mit rekombinanten Allergenen, hypoallergenen rekombinanten Allergenen, Peptidtherapie und SCIT mit neuen Adjuvantien berichtet. Die Ergebnisse der ersten klinischen Studien waren in vielerlei Hinsicht erfolgreich. Schlussfolgernd kann davon ausgegangen werden, dass die SCIT mit rekombinanten Allergenen eine mögliche Variante zur herkömmlichen SCIT darstellt. Allerdings werden weitere klinische Studien folgen müssen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. L. Klimek; Zentrum für Rhinologie und Allergologie, An den Quellen 10, D-65183 Wiesbaden
Email: Ludger.Klimek@t-online.de
Leitlinie
Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf eine pseudoallergische Reaktion durch Nahrungsmittelinhaltsstoffe
I. Reese, T. Zuberbier, B. Bunselmeyer, S. Erdmann, M. Henzgen, T. Fuchs, L. Jäger, J. Kleine-Tebbe, U. Lepp, B. Niggemann, M. Raithel, J. Saloga, S. Vieths und T. Werfel
Abstract
I. Reese1, T. Zuberbier2, B. Bunselmeyer3, S. Erdmann4, M. Henzgen5, T. Fuchs6, L. Jäger7, J. Kleine-Tebbe8, U. Lepp9, B. Niggemann10, M. Raithel11, J. Saloga12, S. Vieths13 und T. Werfel14
1Ernährungsberatung und -therapie, München, 2Allergie-Centrum-Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 3Klinisches Zentrum für innovative Dermatologie, Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Münster, 4Praxis für Dermatologie, Bergisch-Gladbach, 5Abteilung Pneumologie, ISpezifische Immuntherapie (SCIT) mit rekombinanten Allergenenmmunologie und Allergologie, Klinik für Innere Medizin I, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, 6Abteilung Dermatologie und Venerologie, Universitätsmedizin Göttingen, 7Jena, 8Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Berlin, 9Herz-Lungen-Praxis, Stade, 10Pädiatrische Allergologie und Pneumologie, Hedwig-von-Rittberg-Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Kliniken Berlin-Westend, Berlin, 11Medizinische Klinik 1, Universität Erlangen-Nürnberg, 12Hautklinik, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, 13Paul-Ehrlich-Institut, Langen, 14Hautklinik Linden, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover
Die chronische Urtikaria, das rezidivierende Angioödem und das nicht allergische Asthma werden mit pseudoallergischen Reaktionen auf Nahrungsmittelinhaltsstoffe in Verbindung gebracht. Für die atopische Dermatitis und Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (GIT) ist dieser Zusammenhang umstritten. Pseudoallergische Reaktionen werden durch Zusatzstoffe, aber auch durch natürliche Nahrungsmittelinhaltsstoffe ausgelöst. Ein veränderter Histaminmetabolismus ist möglicherweise mit dem Krankheitsbild der Pseudoallergie assoziiert. Eine akute Urtikaria bzw. eine kurze Episode von Angioödemen stellen keine Indikation für ein aufwendiges diagnostisches Vorgehen dar. Nach ergebnisloser Basisdiagnostik bei chronischer Urtikaria kann die Durchführung einer pseudoallergenarmen Diät erwogen werden. Haut- und Bluttests stellen bei pseudoallergischen Pathomechanismen keine objektiven diagnostischen Parameter dar. Unter pseudoallergenarmer Diät sollte eine Dokumentation des Schweregrades erfolgen. Eine orale Provokation mit Zusatzstoffen führt nur in Einzelfällen zu reproduzierbaren Symptomen. Deshalb wird nach positivem Verlauf der pseudoallergenarmen Diät eine pseudoallergenreiche “Supermahlzeit” exponiert. Nach positiver Reaktion auf die “Supermahlzeit” erfolgt die Provokation mit Zusatzstoffen in der Regel als Sammelexposition. Bei vorbekanntem Asthma bronchiale oder bei anaphylaktoiden Reaktionen ist allerdings eine Testung der Einzelsubstanzen mit “einschleichender” Dosierung erforderlich. Der Verdacht auf eine Histaminunverträglichkeit kann über eine Exposition mit Histamindihydrochlorid erhärtet werden. Für Expositionen bei Symptomen im Bereich der Atemwege sollten inhalative Provokationen erwogen werden. Die Objektivierung der Symptome ist gerade bei Erkrankungen im Bereich des GIT erforderlich und sollte möglichst über eine DBPCFC erfolgen.Correspondence to:
Dr. Imke Reese; Ernährungsberatung und -therapie, Schwerpunkt Allergologie, Ansprengerstraße 19, D-80803 München
Email: info@ernaehrung-allergologie.de
Kasuistik
Ungewöhnlich starkes allergisches Kontaktekzem auf Inhaltsstoffe einer schwarzen Lederbörse
M. Niebuhr, A. Kapp und T. Werfel
Abstract
M. Niebuhr, A. Kapp und T. Werfel
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Medizinische Hochschule Hannover
Wir berichten über einen 51-jährigen Patienten, der sich wegen seit einigen Tagen vor Vorstellung aufgetretener Hautveränderungen an wechselnden Lokalisationen in unserer Ambulanz vorstellte. Wir sahen gluteal und im Oberschenkelbereich, später auch im Brustbereich ein unscharf begrenztes Erythem, teils nässend, infiltriert und krustig belegt mit kleinen Streuherden. Im Verlauf berichtete der Patient, dass die Hautveränderungen kurz nach Beginn des Tragens einer neuen schwarzen Lederbörse und eines dazu passenden Schlüsseletuis erstmals aufgetreten seien. In der von uns durchgeführten Epikutantestung ergab sich der Nachweis einer starken epikutanen Sensibilisierung gegenüber Nickel sowie ebenfalls starke Reaktionen auf das mitgebrachte Leder und ein Metalletikett als Bestandteile des Portemonnaies. Der daraufhin von uns durchgeführte Dimethylglyoximtest erbrachte einen Nickelnachweis im Metalletikett der Geldbörse sowie an den metallhaltigen Haken im Inneren des Schlüsseletuis, jedoch keinen Nickelnachweis im Leder, auf das der Patient ebenfalls heftig in der Epikutantestung reagiert hatte. Zusätzlich zu einer ausgeprägten Kontaktallergie gegenüber Nickel, die trotz dazwischenliegender Kleidung an den Kontaktstellen zur Haut ungewöhnlich stark war, vermuten wir eine zusätzliche Kontaktallergie gegenüber weiteren Inhaltsstoffen des Leders wie z.B. Farb- oder Gerbstoffen, die in den kommerziell erhältlichen und von der DKG empfohlenen Testreihen nicht enthalten sind.Correspondence to:
Dr. med. Margarete Niebuhr; Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Medizinische Hochschule Hannover, Ricklinger Straße 5, D-30449 Hannover
Email: niebuhr.margarete@mh-hannover.de
Industrienachricht