Jahrgang 30, No. 6/2007(Juni 2007)
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Allergologie
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Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Editorial
J. Saloga
Abstract
J. Saloga
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
nach Erreichen seines 65. Geburtstags im letzten Jahr und kommissarischer Fortführung der Leitung der Universitäts-Hautklinik Mainz, hat Herr Prof. Dr. med. Ph. D. Jürgen Knop am 1. Juni 2007 sein Amt an Herrn Prof. Dr. med. Stephan Grabbe übergeben. Aus diesem Anlass hat es die Zeitschrift Allergologie den “Schülern” von Herrn Professor Knop ermöglicht, dieses Sonderheft mit Beiträgen zur immunologisch-allergologischen Forschung, wie sie Herr Professor Knop in Mainz aufgebaut hat, herauszubringen.
Eine Laudatio zum 65. Geburtstag von Herrn Professor Knop mit Aufzeichnung seines wissenschaftlichen Werdegangs wurde in dieser Zeitschrift bereits im Oktober-Heft 2006 (29/10) publiziert. An dieser Stelle sei noch einmal die große Aufbauarbeit von Herrn Professor Knop bezüglich der immunologisch-allergologischen Forschung an der Universitäts-Hautklinik Mainz seit Übernahme der Leitung dieser Klinik im Jahre 1988 hervorgehoben. Besonders zu erwähnen sind hier die Einrichtung der klinischen Forschergruppe “Allergie“ (Leiterin: Frau Prof. Dr. rer. nat. Angelika B. Reske-Kunz) 1993 und 1999 des Sonderforschungsbereichs 548 “Allergie und Autoimmunität”, dessen Sprecher Herr Professor Knop seit Einrichtung bis zum Jahre 2006 war (jetziger Sprecher: Prof. Dr. med. Peter Galle). Weiterhin wurde im Jahre 2005, gefördert durch das Land Rheinland-Pfalz, das “Immunology Cluster of Excellence” an der Universität Mainz eingerichtet, woran Herr Professor Knop ebenfalls maßgeblichen Anteil hatte.
Herr Professor Knop hat über 200 wissenschaftliche Publikationen von hoher Qualität veröffentlicht. In einer Auswertung des “Web of Science“ des Thomson-Institute for Scientific Information befindet er sich in der letzten Auswertung für das Fach Dermatologie, welche die Jahre 2000 bis 2003 berücksichtigt, auf Platz 2 im deutschsprachigen Raum und auf Platz 9 für den Bereich Immunologie in einer Auswertung der Jahre 2000 bis 2002. Unter seiner Ägide wurden von der klinischen Forschergruppe “Allergie” und später vom SFB 548 “Allergie und Autoimmunität” alle 3 Jahre internationale Symposien unter dem Titel “Frontiers in Allergy bzw. Allergy and Autoimmunity” abgehalten. Weiterhin wird in Mainz alljährlich die Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) als “Mainzer Allergie-Workshop” veranstaltet.
Die besondere wissenschaftliche Ausstrahlung von Herrn Professor Knop verdeutlicht sich auch in der hohen Zahl von experimentellen Doktorarbeiten und Habilitationen (allein 12 während seiner Leitung der Univ.-Hautklinik Mainz). Etliche dieser Personen möchten in diesem Sonderheft mit Beiträgen die große wissenschaftliche Leistung von Herrn Professor Knop im Bereich der allergologischen und immunologischen Forschung würdigen, sich für die immerwährende Unterstützung und den Ansporn zum wissenschaftlichen Arbeiten bedanken – vermittelt durch sein persönliches Vorbild, zahlreiche inhaltliche Anregungen und die Schaffung hervorragender Arbeitsbedingungen durch eine umfangreiche Ausstattung, aber auch durch einen besonderen Geist, der ermutigt, Freiräume schafft und Kreativität ermöglicht.
In diesem Sinne darf ich Namen aller Beteiligten Herrn Professor Knop ganz herzlich danken und ihm für den Ruhestand alles Gute wünschen, wobei sich schon jetzt abzeichnet, dass er sich nicht zur Ruhe setzen wird, sondern weiterhin wissenschaftliche Aufgaben übernehmen wird.
Prof. Dr. med. Joachim Saloga,
Ltd. Oberarzt der Univ.-Hautklinik Mainz,
Leiter des Funktionsbereichs Allergologie,
wissenschaftlicher Projektleiter und
Mitglied des SFB 548Correspondence to:
Prof. Dr. med. J. Saloga
Universitäts-Hautklinik Mainz
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz
Email: saloga@hautklinik.klinik.uni-mainz.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Die Kontrolle von Immunantworten durch regulatorische T-Zellen
H. Jonuleit und E. Schmitt
Abstract
H. Jonuleit1 und E. Schmitt2
1Universitäts-Hautklinik und 2Institut für Immunologie, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Natürliche CD4+CD25+FoxP3+ regulatorische T-Zellen und verschiedene Populationen induzierter Suppressor-T-Zellen sind Schlüsselspieler eines immunologischen Toleranznetzwerks, das die Entstehung überschießender Immunantworten verhindert. Durch die Suppression von autoaggressiven T-Zellen verhindern regulatorische T-Zellen die Entstehung von Autoimmunantworten, beeinflussen die T-Zellreaktivität gegenüber Allergenen, können allerdings auch effiziente Immunantworten gegen Tumorzellen verhindern. Aufgrund dieser zentralen Rolle in der Regulation von Immunantworten sind die eindeutige Charakterisierung regulatorischer T-Zellen und die detaillierte Analyse ihrer Funktion derzeit ein zentraler Schwerpunkt immunologischer Forschung. Ziel dieser Untersuchungen ist ein weitgehendes Verständnis der komplexen Interaktionen zwischen Effektorzellen und regulatorischen T-Zellen, um innovative immuntherapeutische Strategien durch Manipulation regulatorischer T-Zellen zur erfolgreichen Behandlung von Patienten zu entwickeln.Correspondence to:
PD Dr. rer. nat. H. Jonuleit
Universitäts-Hautklinik Mainz
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz
Email: jonuleit@hautklinik.klinik.uni-mainz.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Die Immunpathogenese des allergischen Kontaktekzems
A. Enk
Abstract
A. Enk
Universitäts-Hautklinik Heidelberg
Das allergische Kontaktekzem zählt zu den Immunreaktionen vom verzögerten Typ. In den letzten Jahren sind zahlreiche Details über die Immunpathogenese der Erkrankung bekannt geworden, die zum vertiefenden Verständnis der zugrundeliegenden Immunreaktionen geführt haben. Dieser Artikel fasst den derzeitigen Kenntnisstand zusammen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. A. Enk
Universitäts-Hautklinik Heidelberg
Voßstraße 2
D-69115 Heidelberg
Email: alexander.enk@med.uni-heidelberg.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Immunologische Toleranz und ihre Bedeutung bei der allergischen Kontaktdermatitis
K. Steinbrink
Abstract
K. Steinbrink
Universitäts-Hautklinik Mainz
Immunologische Toleranzvorgänge befähigen den Organismus zwischen Selbst und Nicht-Selbst zu unterscheiden und sind deshalb für eine intaktes Immunsystem notwendig. Exogene Faktoren, wie Kontaktallergene, beeinträchtigen periphere Toleranzmechanismen und fördern damit die Entwicklung von allergischen Erkrankungen. Im Gegensatz dazu werden nach oraler oder i.v.-Applikation von Allergenen oder Anwendung nach UV-Bestrahlung haptenspezifische Toleranzreaktionen induziert. Außerdem konnte mit Hilfe des murinen Models der Niedrig-Zonen-Toleranz gegenüber Kontaktallergenen gezeigt werden, dass die physiologische Aufnahme von niedrigen Mengen eines Allergens über die Haut zu einer spezifischen Toleranzreaktion führt. Obwohl Hinweise existieren, dass diese Form der Toleranz gegenüber Allergenen auch im Menschen auftritt, müssen hinreichende Beweise noch erbracht werden.Correspondence to:
PD Dr. med. Kerstin Steinbrink
Universitäts-Hautklinik Mainz
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz
Email: steinbrink@hautklinik.klinik.uni-mainz.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Ursachen und Prävention des berufsbedingten Kontaktekzems
D. Becker
Abstract
D. Becker
Universitäts-Hautklinik Mainz
Die Schädigung der epidermalen Barriere ist ein zentraler Prozess in der Entwicklung eines irritativen Kontaktekzems und wird oft erst auf dem Boden einer anlagebedingten atopischen Disposition möglich. Kontaktallergene hingegen lösen Ekzeme als Folge einer erworbenen Sensibilisierung des Immunsystems aus. Industrielle Bereiche mit hohem Risiko einer beruflichen Sensibilisierung sind die Bau- und Metallindustrie sowie die Verarbeitung von Kunstharzen. Anhaltend hohe Sensibilisierungsraten zeigen das Friseurhandwerk und die Zahntechnik. Gummiinhaltsstoffe und Duftstoffe sind Allergene mit übergreifender Bedeutung in vielen Berufsfeldern. Große Fortschritte wurden auf dem Gebiet der sekundären und tertiären Prävention von Berufskrankheiten der Haut erzielt. Hier wurden Konzepte und Standard entwickelt und umgesetzt, die zeigen, in welchem Ausmaß die Qualitätssicherung Einzug in die klinische Dermatologie gehalten hat. Die Grundlagenforschung zum Kontaktekzem wird in Zukunft über das Erklären der molekularen Abläufe hinaus auch einen entscheidenden Beitrag für die Entwicklung und Etablierung neuer Therapiekonzepte leisten. Hierzu gehören vor allem Interventionsstrategien für die Formen des atopischen Ekzems und die Übertragung der im Tiermodell erarbeiteten Methoden zur Toleranzinduktion gegen Kontaktallergene auf den Menschen.Correspondence to:
PD Dr. med. D. Becker
Universitäts-Hautklinik Mainz
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz
Email: becker@hautklinik.klinik.uni-mainz.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Mastzelle: Bedeutung für die Praxis
K. Weller und M. Maurer
Abstract
K. Weller und M. Maurer
Allergie-Centrum-Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Mastzellen tragen als Effektorzellen Typ-I-allergischer Reaktionen zur Induktion und Unterhaltung der Beschwerden zahlreicher allergischer Erkrankungen bei. Auch an der Induktion und Modulation entzündlicher Prozesse im Rahmen autoimmunologischer Erkrankungen sind Mastzellen beteiligt. Deshalb stellt sich aus teleologischer Sicht die Frage: Welche nutzbringenden oder krankheitsverhindernden Funktionen kommen mastzellvermittelten Entzündungsreaktionen zu? In den letzten Jahren konnten Mastzellen in einer ganzen Reihe interessanter Experimente im Maussystem als kritische Effektorzellen sowohl in der bakteriellen und parasitären Abwehr als auch in der Abwendung weiterer exogener und endogener Schädigungen identifiziert werden. Hierbei sind es unter anderem die bei allergischen Reaktionen so lästigen und gefährlichen proinflammatorischen Effekte, die der Mastzelle helfen, exogene Bedrohungen zu kontrollieren. Zwar ist noch unklar, ob sich diese Beobachtungen uneingeschränkt auf den Menschen übertragen lassen. Wir müssen uns jedoch darauf einstellen, dass unsere aus allergologischer Sicht verständliche Suche nach potenten Mastzellstabilisatoren und -inhibitoren zum Einsatz therapeutischer Strategien führen könnte, die neben durchschlagenden antiallergischen Effekten auch erhebliche Defekte der Infektabwehr und anderer Schutzmechanismen zur Folge haben.Correspondence to:
Prof. Dr. med. M. Maurer
Allergie-Centrum-Charité
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D-10117 Berlin
Email: marcus.maurer@charite.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Praktische Tipps für die Betreuung von Patienten mit Urtikaria
M. Maurer und P. Staubach
Abstract
M. Maurer1 und P. Staubach2
1Allergie-Centrum-Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 2Urtikaria-Spezial-Sprechstunde, Universitäts-Hautklinik Mainz
Die Urtikaria (auch Nesselsucht), eine der häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen, ist aufgrund ihrer charakteristischen Hautsymptome wie Quaddeln und Angioödeme leicht zu diagnostizieren. Schwieriger ist es festzustellen, welche der 12 bekannten Urtikariaerkrankungen im Einzelfall vorliegt. Die größte diagnostische Herausforderung stellt die Identifikation der zugrundeliegenden Ursache bei Patienten mit chronischer Urtikaria dar. Bei dieser Form der Urtikaria ist nach erfolgreicher Diagnostik bei vielen Patienten eine kausale und kurative Therapie möglich. Dagegen zielt die Behandlung der meisten anderen Urtikariaformen auf das erfolgreiche Vermeiden und Unterdrücken von Symptomen durch das Meiden von Auslösern und durch symptomatische Therapeutika ab.Correspondence to:
Prof. Dr. med. M. Maurer
Allergie-Centrum-Charité
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D-10117 Berlin
Email: marcus.maurer@charite.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Steuern Zytokine aus dendritischen Zellen das Atopierisiko?
E. von Stebut
Abstract
E. von Stebut
Universitäts-Hautklinik Mainz
Verschiedene entzündliche Dermatosen (z.B. Psoriasis vulgaris und Neurodermitis) zeigen eine deutlich erbliche Komponente, wobei hier eine Reihe an immunologischen Faktoren betroffen sind. Beide Erkrankungen sind T-Zell-vermittelte Entzündungsreaktionen gegen entweder Autoantigene oder Allergene. Während die Psoriasis als Th1-vermittelte Immunantwort verstanden wird, finden sich in frischen Läsionen einer Neurodermitis vornehmlich Th2-Zellen. Vermutlich sind die antigenpräsentierenden Zellen (unter anderen dendritischen Zellen), die diese Sensibilisierungen auslösen, mitverantwortlich für die genetisch bedingte Disposition, die eine oder andere Erkrankung (Th1 oder Th2) zu entwickeln. Zytokine, die von DC während der Antigenpräsentation freigesetzt werden, wie z.B. das IL-1a, sind für die Steuerung der resultierenden Immunantworten gegen Infektions- und allergische Erkrankungen verantwortlich.Correspondence to:
PD Dr. med. E. von Stebut
Universitäts-Hautklinik Mainz
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz
Email: vonstebu@mail.uni-mainz.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Immunregulation bei allergischen Krankheiten vom Soforttyp und deren Therapie
I. Bellinghausen und J. Saloga
Abstract
I. Bellinghausen und J. Saloga
Universitäts-Hautklinik Mainz
IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen wie der allergischen Rhinitis, dem Asthma bronchiale und z.T. auch dem atopischen Ekzem liegen unkontrollierte Immunreaktionen gegen harmlose Allergene zugrunde, welche wesentlich von Th2-Zellen vermittelt werden. Nach neuesten Erkenntnissen entstehen Allergien durch ein Ungleichgewicht zwischen Th2-Zellen und regulatorischen T-Zellen (Treg), die für den Schutz vor Allergien notwendig sind. Der vorliegende Artikel beschreibt weiterhin die Bedeutung von Treg bei der spezifischen Immuntherapie.Correspondence to:
Dr. rer. nat. I. Bellinghausen
Universitäts-Hautklinik Mainz
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz
Email: bellinghausen@hautklinik.klinik.uni-mainz.de
Aktuelle allergologische und immunologische Forschung
Potential der DNA-Vakzinierung zur Prävention und Therapie von allergischen Krankheiten
S. Sudowe, M. Bros, R. Ross* und A.B. Reske-Kunz
Abstract
S. Sudowe, M. Bros, R. Ross* und A.B. Reske-Kunz
Klinische Forschergruppe Allergie, Universitäts-Hautklinik Mainz
Präklinische Untersuchungen in Tiermodellen der Typ-1-Allergie unterstützen die Annahme, dass der Transfer von Allergen-Genen mittels DNA-Vakzinierung eine erfolgversprechende Alternative zur Immuntherapie mit Allergenextrakten oder rekombinanten Allergen darstellt. Wir erläutern die grundlegenden Mechanismen der DNA-Immunisierung und berichten über Weiterentwicklungen dieser Vakzinierungsstrategie in Bezug auf eine Steigerung ihrer Effizienz und die Optimierung der Sicherheit.
*Gegenwärtige Adresse: Immunologie FB08,Universität Giessen.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. A.B. Reske-Kunz
Klinische Forschergruppe Allergie
Universitäts-Hautklinik Mainz
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz
Email: A.Reske-Kunz@uni-mainz.de