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Jahrgang 28, No. 5/2005(Mai 2005)
Editor's Note
IgG/IgG4-Bestimmungengegen Nahrungsmittel – Patientenabzocken durchsinnlose Allergietests
B. Wüthrich
161
20$
Abstract
Kaum haben der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) in einer Pressemeldung vom 29. November 2004 vor unseriösem Test auf IgG gewarnt [1] und prompt erhalte ich per E-mail eine Information von emed-buy („Der Marktplatz für medizinische Geräte und Medizintechnik. Tipps von Praxis zu Praxis – immer kurz und bündig!“) (www.emed-buy.de, Färberstr. 20, 90402 Nürnberg), welche mich über die Pathophysiologie und Klinik der Nahrungsmittelallergie informiert (sic!). Es ist in diesem E-mail zu lesen: „Neben klassischen Nahrungsmittelallergien durch IgE-Antikörper, Pseudoallergien oder Zuckerintoleranz (Milch-/ Fruchtzucker) kommt vor allem IgG4-vermittelten (antiallergen) Unverträglichkeiten eine wachsende Bedeutung zu. Hierbei handelt es sich nicht um Allergien im klassischen Sinne. Sehr viel häufiger äußern sich Unverträglichkeitsreaktionen durch IgG4 in Form unspezifischer Symptome, die in der Regel erst Stunden oder Tage nach dem Verzehr der verantwortlichen Nahrungsmittel auftreten. Zu den mit Nahrungsmitteltunverträglichkeiten assoziierten Beschwerdebildern gehören Magen- Darm-Beschwerden, wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfallneigung, Verstopfung, Hautsymptome wie Ekzeme, Hautrötungen, Juckreiz, Neurodermitis, Atemwegsbeschwerden, wie Asthma bronchiale, Nebenhöhlenentzündung sowie chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit, Depressionen, Schlafstörungen, Gelenk- oder Gliederschmerzen und Übergewicht“. Nach der Beschreibung der Nahrungsmittelallergien durch IgE-Antikörper erfahre ich über Unverträglichkeiten durch IgG4-Antikörper. „Antikörper der Klasse IgG lassen sich in 4 Subklassen aufteilen: IgG1 = antibakteriell, antiviral; IgG2 = antibakteriell; IgG3 = antiviral und IgG4 = antiallergen. Die hohe IgG4-Antikörperkonzentrationen im Blut gehen meist mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut einher. Nur 5 % aller IgG-Antikörper gehören im Durchschnitt der Subklasse IgG4 an. Es entstehen gegen Nahrungsmittel gerichtete Antikörper, die mit den Nahrungsmittel-Allergenen Komplexe bilden. Können die anfallenden Komplexe durch Immunzellen des Körpers nicht mehr abgebaut werden, kommt es zu einer Ablagerung in den Organen und damit zu multiplen chronischen Beschwerdebildern“. Deshalb sei es wichtig – fährt das Newsletter fort –, mit einem Test Unverträglichkeiten frühzeitig zu erkennen. „Mit dem Wissen um Ihre spezifischen Unverträglichkeiten lassen sich viele Beschwerdebilder vermeiden oder wieder beseitigen, falls Sie Ihre Ernährung erfolgreich umstellen können“. Angeboten wird dieser Test von www.biopoint.biz, Bahnhofstr. 17, 86150 Augsburg. Die Botschaft, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu Übergewicht führen können, hatte bereits ein Arzt in meiner Wohngemeinde übernommen, denn in seiner Homepage www.swissestetix.ch empfiehlt er folgendes: „Bei den von uns durchgeführten Nahrungsmitteltests werden mittels Blutentnahme Lebensmittel gesucht, die vom Immunsystem schlecht toleriert werden. Als Folge dieser Unverträglichkeiten bilden sich Immunkomplexe, die zu Übergewicht führen können. Hat man einmal die individuell schädlichen Nahrungsmittel entdeckt, ist es möglich, durch eine einfache Umstellung das Wohlbefinden zu steigern und Übergewicht zu reduzieren“.
Nicht nur die Deutschen Allergologenverbände [1], sondern auch die Arbeitsgruppe der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie sowie der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie [2] und die Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (SGAI) [3, 4] haben eine fundierte ablehnende Stellungnahme bezüglich der von mehreren Firmen („Yorktest / Foodscan“ [siehe www.yorktest.com], Food Allergy Profile von Great Smokies Diagnostic Laboratory, GSDL [www.gsdl.com], GANZIMMUN Allergoscreen [www.orthoanalytic.ch] u.a.) bzw. von mehreren Laboratorien angebotenen IgG- oder IgG4-Nahrungsmittel-Bestimmungen abgegeben. Auch unlängst hatte ich davor gewarnt, sich auf die Ergebnisse dieser kostenpflichtigen Tests auf IgG oder IgG4 zu verlassen [5, 6, 7, 8, 9, 10].
Die angebotenen IgG/IgG4-Bestimmungen auf eine breite Palette von bis zu 100 Nahrungsmittelallergenen als diagnostischer Suchtest einer Nahrungsmittelallergie ist strikte abzulehnen, da nahrungsspezifische IgG-Antikörper physiologisch auch bei Gesunden oder bei einer ganzen Reihe von entzündlichen Darmerkrankungen als Epiphänomen angetroffen werden [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16]. So sind IgG-Antikörper gegen mindestens ein Kuhmilch-Protein bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern sehr häufig (60 – 80%), bei größeren Kindern und Erwachsenen etwas seltener (10 – 40%). Innerhalb der ersten 4 – 6 Lebensmonate sind die nachgewiesenen Antikörper häufig diaplazentar von der Mutter übertragen. Am häufigsten sind Antikörper gegen Kasein, gefolgt von Antikörpern gegen b-Laktoglobulin. In Untersuchungen mit oralen Provokationstesten an Patienten mit Nahrungsmittelüberempfindlichkeit vermochte eine IgG-RAST-Bestimmung nicht die provokationspositiven von den provokationsnegativen Probanden zu unterscheiden [17, 18]. In einer Follow-up-Studie bei Kindern mit Nahrungsmittelallergie war ein hohes nahrungsmittelspezifisches IgG/IgE- Verhältnis mit einer Toleranzentwicklung assoziiert, was auf eine mögliche schützende Funktion der IgG-Antikörper hinweist [19]. Der Nachweis nahrungsmittelspezifischer Antikörper ist in erster Linie Ausdruck der Auseinandersetzung des Immunsystems mit diesen Antigenen, sagt aber nichts über deren pathogene Rolle aus [11, 12, 13, 14, 15]. Ebenfalls wird die diagnostische Bedeutung von nahrungsspezifischen IgG-Subklassen, wie IgG4, oder von IgA, als gering eingestuft [11, 15]. In einer Studie wurden in Seren von 400 Atopikern und 48 gesunden Kontrollpersonen mittels eines kommerziellen Chemolumineszenz-Tests spezifische IgG- und IgE- Antikörper gegenüber 53 Nahrungsmitteln untersucht [20]. Die Serumspiegel von allergenspezifischen IgG waren bei Atopikern und Kontrollpersonen ähnlich. Atopiker mit stark erhöhtem Gesamt-IgE zeigten jedoch erhöhte Serumspiegel an allergenspezifischen IgG-Antikörpern gegenüber einzelnen Allergenen, jedoch ohne klinische Relevanz.
Die kürzlich mitgeteilten Diäterfolge nach Elimination von im IgG-RAST positiven Nahrungsmitteln bei Patienten mit sogenannten “verzögerten” Nahrungsmittelallergien (Asthma, Menièr’sche Krankheit, Migräne, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gehörverminderung, Husten, Nasensymptome) wurden nicht mittels DBPCFC überprüft und entbehren jeglicher Wissenschaftlichkeit [21]. Auch zwei Publikationen aus der Oktober-Ausgabe der Zetschrift Gut, in welcher gezeigt wurde, dass eine Eliminationsdiät auf Grund der IgG-Bestimmung die Symptome des Reizdarmes effektiver als Medikamente zu lindern vermag [22, 23], wurde prompt wegen Mangels einer echten Kontrollgruppe und Fehlen von Provokationstesten auf die IgG-positiven Nahrungsmitteln in einer Flut von Stellungnahmen (Electronic Letters) heftig kritisiert [24, 25].
Die Great Smokies Allergy Laboratories bieten simultane IgE- und IgG-Bestimmungen gegen mehr als 100 Nahrungsmittel an (sogennante Food Allergy Profiles). Die Ergebnisse werden kolorimetrisch in verschiedenen Stärkeklassen ausgedrückt und gleichzeitig computermäßig die Vorschriften einer sogenannten Eliminations- und Rotationsdiät. Nahrungsmittel, gegen welche ein hoher IgG-Antikörpertiter gefunden wurde, müssen für mindestens 6 Monate eliminiert werden; andere mit mittleren oder schwachen Antikörpertitern entsprechend für eine kürzere Periode. Gleichzeitig soll eine Rotationsdiät verabfolgt werden, die in der Abwechslung der Nahrungsmittel nach einem bestimmten Rotationsschema erfolgt. Grund dafür sei, dass der Körper einen Zeitraum von etwa 4 – 6 Tagen benötige, um ein Lebensmittel völlig auszuscheiden. Durch die Einhaltung des vorgeschriebenen Zyklus soll es zur Stoffwechselaktivierung und damit zur Entgiftung kommen. Allergene würden dabei ihre Wirkung verlieren. Erfahrungsgemäß kann eine echte, IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie auch nach einer strikten Karenz über Jahre persistieren, so dass eine unbeabsichtigte Zufuhr des spezifischen Nahrungsmittels zu einer schweren allergischen Reaktion bis zum anapylaktischen Schock, ja sogar zum Erstickungstod führen kann [26]. Dass die Patienten nach dem Rotationsdiät-Prinzip die verbotenen Nahrungsmittel nach einer Zeitspanne von einigen Tagen, einigen Wochen bis maximal von 6 Monaten wieder reaktionslos zu sich nehmen können, lässt an der Richtigkeit der gestellten Diagnose zweifeln. Glücklicherweise waren bei den mir zur Überprüfung der vermeintlichen Nahrungsmittelallergie wegen Nutzlosigkeit der durchgeführten Rotationsdiätvorschriften zugewiesenen Patienten die IgE-Werte immer negativ, sodass kein Unheil während der Rotationsdiät geschah. Wegen des hohen Placeboeffektes von Diätritualen und der eindrücklichen Technologie mit farbigen Ausdrücken der Befunde wird man jedoch immer wieder Patienten antreffen, die von diesen Methoden überzeugt sind. Richtigerweise wurde in einem Leserbrief in MEDICAL TRIBUNE zu verschiedenen Beiträgen zu dieser Thematik festgestellt, dass Patienten, die angeblich an Nahrungsmittelallergien und -Intoleranzen leiden, nicht selten eine ganz andere Erkrankung haben: eine Somatisierungsstörung oder eine larvierte Depression [27]. Insofern sei es wichtig, diese Patienten auch psychosomatisch zu untersuchen, bevor eine aufwendige alternative Allergiediagnostik erfolgt und die Patienten mit Maßnahmen behandelt werden, die ohne Wirksamkeit, teuer, sogar gefährlich sein können und mit irrsinnigen Diätvorschriften die Lebensqualität dieser Patienten noch verschlechtern.
Zusammenfassend, auch wenn übereinstimmend verschiedene Stellungnahmen und Positionspapiere von allergologischen und immunologischen Fachgesellschaften die unkritische Durchführung von IgG/IgG4-Bestimmungen gegen eine breite Palette von Lebensmittelantigenen strikte ablehnen, wird das weiterhin die Vertriebsfirmen und gewisse Laboratorien nicht hindern, diese Bestimmungen einem breiten Publikum anzupreisen. Viele nichtspezialisierte Ärzte werden – vielleicht in Unkenntnis ihrer Unwissenschaftlichkeit –, solche Untersuchungen bei ihren Patienten veranlassen. Manche Krankenkassen in der Schweiz übernehmen bei Zusatzversicherten diese Laborkosten oder die Patienten sind bereit, diese selbst zu übernehmen und sich unsinnigen Diäten zu unterziehen. Die Schweizer Behörde (Swissmedic), an welche die SGAI einen entsprechenden Antrag stellte, sieht keine Möglichkeit, gegen die Labors vorzugehen. „Die Testmethode zur Bestimmung der IgG-Antikörper ist wissenschaftlich und zertifiziert. Einzig die Interpretation der Resultate ist anfechtbar. Aber dagegen können wir nicht vorgehen“, lautete die Antwort. Unsere Gesundheitsbehörde sind nun gefordert, einen Riegel gegen diese Auswüchse zu setzen. Der Patient steht ja immer im Spannungsfeld zwischen Schul- und Alternativmedizin [28]. Quo vadis, Allergologie? [29].
Brunello Wüthrich, Zollikerberg
Literatur
[1]
Ärzteverband Deutsche Allergologen (ÄDA) und Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI): Pressemitteilung 24. November 2004. Patientenabzocke durch sinnlose Allergietests. Pressemappe auf www.allergietherapie.de/texte/laien/pm/aeda_11_04/dgai4.html
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Arbeitsgruppe der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie sowie der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie: Stellungnahme zum Thema Yorktest / Foodscan. Allergologie 27, 314-315 (2004).
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Bircher A.J., C. Hauser, W. Pichler, B. Wüthrich und die Spezialistenkommission der SGAI: Stellenwert und Indikation der Bestimmung spezifischer IgE- und IgG-Antikörper in der Allergiediagnostik. Schweiz. Ärztezeitung 82, 1605-1606 (2001). Allergologie 25, 338-340 (2002).
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[29]
Wüthrich B.: Allergologie: Quo vadis? Schweiz. Med. Wochenschr. 129, 905-914 (1999).Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Facharzt FMH für Allergologie und Dermatologie
Spital Zollikerberg
Trichtenhauserstraße 20
CH-8125 Zollikerberg
Email: wuethric@unizh.ch
bs.wuethrich@bluewin.ch
B. Wüthrich
Kaum haben der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) in einer Pressemeldung vom 29. November 2004 vor unseriösem Test auf IgG gewarnt [1] und prompt erhalte ich per E-mail eine Information von emed-buy („Der Marktplatz für medizinische Geräte und Medizintechnik. Tipps von Praxis zu Praxis – immer kurz und bündig!“) (www.emed-buy.de, Färberstr. 20, 90402 Nürnberg), welche mich über die Pathophysiologie und Klinik der Nahrungsmittelallergie informiert (sic!). Es ist in diesem E-mail zu lesen: „Neben klassischen Nahrungsmittelallergien durch IgE-Antikörper, Pseudoallergien oder Zuckerintoleranz (Milch-/ Fruchtzucker) kommt vor allem IgG4-vermittelten (antiallergen) Unverträglichkeiten eine wachsende Bedeutung zu. Hierbei handelt es sich nicht um Allergien im klassischen Sinne. Sehr viel häufiger äußern sich Unverträglichkeitsreaktionen durch IgG4 in Form unspezifischer Symptome, die in der Regel erst Stunden oder Tage nach dem Verzehr der verantwortlichen Nahrungsmittel auftreten. Zu den mit Nahrungsmitteltunverträglichkeiten assoziierten Beschwerdebildern gehören Magen- Darm-Beschwerden, wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfallneigung, Verstopfung, Hautsymptome wie Ekzeme, Hautrötungen, Juckreiz, Neurodermitis, Atemwegsbeschwerden, wie Asthma bronchiale, Nebenhöhlenentzündung sowie chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit, Depressionen, Schlafstörungen, Gelenk- oder Gliederschmerzen und Übergewicht“. Nach der Beschreibung der Nahrungsmittelallergien durch IgE-Antikörper erfahre ich über Unverträglichkeiten durch IgG4-Antikörper. „Antikörper der Klasse IgG lassen sich in 4 Subklassen aufteilen: IgG1 = antibakteriell, antiviral; IgG2 = antibakteriell; IgG3 = antiviral und IgG4 = antiallergen. Die hohe IgG4-Antikörperkonzentrationen im Blut gehen meist mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut einher. Nur 5 % aller IgG-Antikörper gehören im Durchschnitt der Subklasse IgG4 an. Es entstehen gegen Nahrungsmittel gerichtete Antikörper, die mit den Nahrungsmittel-Allergenen Komplexe bilden. Können die anfallenden Komplexe durch Immunzellen des Körpers nicht mehr abgebaut werden, kommt es zu einer Ablagerung in den Organen und damit zu multiplen chronischen Beschwerdebildern“. Deshalb sei es wichtig – fährt das Newsletter fort –, mit einem Test Unverträglichkeiten frühzeitig zu erkennen. „Mit dem Wissen um Ihre spezifischen Unverträglichkeiten lassen sich viele Beschwerdebilder vermeiden oder wieder beseitigen, falls Sie Ihre Ernährung erfolgreich umstellen können“. Angeboten wird dieser Test von www.biopoint.biz, Bahnhofstr. 17, 86150 Augsburg. Die Botschaft, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu Übergewicht führen können, hatte bereits ein Arzt in meiner Wohngemeinde übernommen, denn in seiner Homepage www.swissestetix.ch empfiehlt er folgendes: „Bei den von uns durchgeführten Nahrungsmitteltests werden mittels Blutentnahme Lebensmittel gesucht, die vom Immunsystem schlecht toleriert werden. Als Folge dieser Unverträglichkeiten bilden sich Immunkomplexe, die zu Übergewicht führen können. Hat man einmal die individuell schädlichen Nahrungsmittel entdeckt, ist es möglich, durch eine einfache Umstellung das Wohlbefinden zu steigern und Übergewicht zu reduzieren“.
Nicht nur die Deutschen Allergologenverbände [1], sondern auch die Arbeitsgruppe der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie sowie der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie [2] und die Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (SGAI) [3, 4] haben eine fundierte ablehnende Stellungnahme bezüglich der von mehreren Firmen („Yorktest / Foodscan“ [siehe www.yorktest.com], Food Allergy Profile von Great Smokies Diagnostic Laboratory, GSDL [www.gsdl.com], GANZIMMUN Allergoscreen [www.orthoanalytic.ch] u.a.) bzw. von mehreren Laboratorien angebotenen IgG- oder IgG4-Nahrungsmittel-Bestimmungen abgegeben. Auch unlängst hatte ich davor gewarnt, sich auf die Ergebnisse dieser kostenpflichtigen Tests auf IgG oder IgG4 zu verlassen [5, 6, 7, 8, 9, 10].
Die angebotenen IgG/IgG4-Bestimmungen auf eine breite Palette von bis zu 100 Nahrungsmittelallergenen als diagnostischer Suchtest einer Nahrungsmittelallergie ist strikte abzulehnen, da nahrungsspezifische IgG-Antikörper physiologisch auch bei Gesunden oder bei einer ganzen Reihe von entzündlichen Darmerkrankungen als Epiphänomen angetroffen werden [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16]. So sind IgG-Antikörper gegen mindestens ein Kuhmilch-Protein bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern sehr häufig (60 – 80%), bei größeren Kindern und Erwachsenen etwas seltener (10 – 40%). Innerhalb der ersten 4 – 6 Lebensmonate sind die nachgewiesenen Antikörper häufig diaplazentar von der Mutter übertragen. Am häufigsten sind Antikörper gegen Kasein, gefolgt von Antikörpern gegen b-Laktoglobulin. In Untersuchungen mit oralen Provokationstesten an Patienten mit Nahrungsmittelüberempfindlichkeit vermochte eine IgG-RAST-Bestimmung nicht die provokationspositiven von den provokationsnegativen Probanden zu unterscheiden [17, 18]. In einer Follow-up-Studie bei Kindern mit Nahrungsmittelallergie war ein hohes nahrungsmittelspezifisches IgG/IgE- Verhältnis mit einer Toleranzentwicklung assoziiert, was auf eine mögliche schützende Funktion der IgG-Antikörper hinweist [19]. Der Nachweis nahrungsmittelspezifischer Antikörper ist in erster Linie Ausdruck der Auseinandersetzung des Immunsystems mit diesen Antigenen, sagt aber nichts über deren pathogene Rolle aus [11, 12, 13, 14, 15]. Ebenfalls wird die diagnostische Bedeutung von nahrungsspezifischen IgG-Subklassen, wie IgG4, oder von IgA, als gering eingestuft [11, 15]. In einer Studie wurden in Seren von 400 Atopikern und 48 gesunden Kontrollpersonen mittels eines kommerziellen Chemolumineszenz-Tests spezifische IgG- und IgE- Antikörper gegenüber 53 Nahrungsmitteln untersucht [20]. Die Serumspiegel von allergenspezifischen IgG waren bei Atopikern und Kontrollpersonen ähnlich. Atopiker mit stark erhöhtem Gesamt-IgE zeigten jedoch erhöhte Serumspiegel an allergenspezifischen IgG-Antikörpern gegenüber einzelnen Allergenen, jedoch ohne klinische Relevanz.
Die kürzlich mitgeteilten Diäterfolge nach Elimination von im IgG-RAST positiven Nahrungsmitteln bei Patienten mit sogenannten “verzögerten” Nahrungsmittelallergien (Asthma, Menièr’sche Krankheit, Migräne, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gehörverminderung, Husten, Nasensymptome) wurden nicht mittels DBPCFC überprüft und entbehren jeglicher Wissenschaftlichkeit [21]. Auch zwei Publikationen aus der Oktober-Ausgabe der Zetschrift Gut, in welcher gezeigt wurde, dass eine Eliminationsdiät auf Grund der IgG-Bestimmung die Symptome des Reizdarmes effektiver als Medikamente zu lindern vermag [22, 23], wurde prompt wegen Mangels einer echten Kontrollgruppe und Fehlen von Provokationstesten auf die IgG-positiven Nahrungsmitteln in einer Flut von Stellungnahmen (Electronic Letters) heftig kritisiert [24, 25].
Die Great Smokies Allergy Laboratories bieten simultane IgE- und IgG-Bestimmungen gegen mehr als 100 Nahrungsmittel an (sogennante Food Allergy Profiles). Die Ergebnisse werden kolorimetrisch in verschiedenen Stärkeklassen ausgedrückt und gleichzeitig computermäßig die Vorschriften einer sogenannten Eliminations- und Rotationsdiät. Nahrungsmittel, gegen welche ein hoher IgG-Antikörpertiter gefunden wurde, müssen für mindestens 6 Monate eliminiert werden; andere mit mittleren oder schwachen Antikörpertitern entsprechend für eine kürzere Periode. Gleichzeitig soll eine Rotationsdiät verabfolgt werden, die in der Abwechslung der Nahrungsmittel nach einem bestimmten Rotationsschema erfolgt. Grund dafür sei, dass der Körper einen Zeitraum von etwa 4 – 6 Tagen benötige, um ein Lebensmittel völlig auszuscheiden. Durch die Einhaltung des vorgeschriebenen Zyklus soll es zur Stoffwechselaktivierung und damit zur Entgiftung kommen. Allergene würden dabei ihre Wirkung verlieren. Erfahrungsgemäß kann eine echte, IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie auch nach einer strikten Karenz über Jahre persistieren, so dass eine unbeabsichtigte Zufuhr des spezifischen Nahrungsmittels zu einer schweren allergischen Reaktion bis zum anapylaktischen Schock, ja sogar zum Erstickungstod führen kann [26]. Dass die Patienten nach dem Rotationsdiät-Prinzip die verbotenen Nahrungsmittel nach einer Zeitspanne von einigen Tagen, einigen Wochen bis maximal von 6 Monaten wieder reaktionslos zu sich nehmen können, lässt an der Richtigkeit der gestellten Diagnose zweifeln. Glücklicherweise waren bei den mir zur Überprüfung der vermeintlichen Nahrungsmittelallergie wegen Nutzlosigkeit der durchgeführten Rotationsdiätvorschriften zugewiesenen Patienten die IgE-Werte immer negativ, sodass kein Unheil während der Rotationsdiät geschah. Wegen des hohen Placeboeffektes von Diätritualen und der eindrücklichen Technologie mit farbigen Ausdrücken der Befunde wird man jedoch immer wieder Patienten antreffen, die von diesen Methoden überzeugt sind. Richtigerweise wurde in einem Leserbrief in MEDICAL TRIBUNE zu verschiedenen Beiträgen zu dieser Thematik festgestellt, dass Patienten, die angeblich an Nahrungsmittelallergien und -Intoleranzen leiden, nicht selten eine ganz andere Erkrankung haben: eine Somatisierungsstörung oder eine larvierte Depression [27]. Insofern sei es wichtig, diese Patienten auch psychosomatisch zu untersuchen, bevor eine aufwendige alternative Allergiediagnostik erfolgt und die Patienten mit Maßnahmen behandelt werden, die ohne Wirksamkeit, teuer, sogar gefährlich sein können und mit irrsinnigen Diätvorschriften die Lebensqualität dieser Patienten noch verschlechtern.
Zusammenfassend, auch wenn übereinstimmend verschiedene Stellungnahmen und Positionspapiere von allergologischen und immunologischen Fachgesellschaften die unkritische Durchführung von IgG/IgG4-Bestimmungen gegen eine breite Palette von Lebensmittelantigenen strikte ablehnen, wird das weiterhin die Vertriebsfirmen und gewisse Laboratorien nicht hindern, diese Bestimmungen einem breiten Publikum anzupreisen. Viele nichtspezialisierte Ärzte werden – vielleicht in Unkenntnis ihrer Unwissenschaftlichkeit –, solche Untersuchungen bei ihren Patienten veranlassen. Manche Krankenkassen in der Schweiz übernehmen bei Zusatzversicherten diese Laborkosten oder die Patienten sind bereit, diese selbst zu übernehmen und sich unsinnigen Diäten zu unterziehen. Die Schweizer Behörde (Swissmedic), an welche die SGAI einen entsprechenden Antrag stellte, sieht keine Möglichkeit, gegen die Labors vorzugehen. „Die Testmethode zur Bestimmung der IgG-Antikörper ist wissenschaftlich und zertifiziert. Einzig die Interpretation der Resultate ist anfechtbar. Aber dagegen können wir nicht vorgehen“, lautete die Antwort. Unsere Gesundheitsbehörde sind nun gefordert, einen Riegel gegen diese Auswüchse zu setzen. Der Patient steht ja immer im Spannungsfeld zwischen Schul- und Alternativmedizin [28]. Quo vadis, Allergologie? [29].
Brunello Wüthrich, Zollikerberg
Literatur
[1]
Ärzteverband Deutsche Allergologen (ÄDA) und Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI): Pressemitteilung 24. November 2004. Patientenabzocke durch sinnlose Allergietests. Pressemappe auf www.allergietherapie.de/texte/laien/pm/aeda_11_04/dgai4.html
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Wüthrich B.: Allergologie: Quo vadis? Schweiz. Med. Wochenschr. 129, 905-914 (1999).Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Facharzt FMH für Allergologie und Dermatologie
Spital Zollikerberg
Trichtenhauserstraße 20
CH-8125 Zollikerberg
Email: wuethric@unizh.ch
bs.wuethrich@bluewin.ch
Originalarbeit
Zink und Kupfer in Serum und induziertem Sputum von Patienten mit allergischer Rhinitis und allergischem Asthma
V. Djuric, D. Djarmati, G. Djordjevic-Denic, V. Tomic-Spiric, A. Peric-Popadic, J. Sojic, S. Raskovic und M. Bogic
165
32$
Abstract
Hintergrund: Es ist bekannt, daß Zink einen protektiven Effekt auf die Atemwege hat. Aus diesem Grund könnte Zink bei allergischen Atemwegserkrankungen eine Rolle spielen. Ziel unserer Studie war es, Zink- und Kupfergehalt in Serum und induziertem Sputum von Patienten mit allergischer Rhinitis oder allergischem Asthma zu messen. Methoden: Gemessen wurden die Zink- und Kupferkonzentrationen im Serum und im Überstand des induzierten Sputums bei 21 Patienten mit allergischem Asthma, bei 13 Patienten mit allergischer Rhinitis und bei 10 gesunden Kontrollen. Ergebnisse: Bei Patienten mit allergischem Asthma und allergischer Rhinitis wurde eine Verringerung der Zinkkonzentration im Serum festgestellt. Zudem war die Zinkkonzentration im Serum von Patienten mit allergischem Asthma niedriger als bei Patienten mit allergischer Rhinitis. Die Zinkkonzentration im Überstand des induzierten Sputums war bei Asthmatikern im Vergleich zu den Kontrollen und Patienten mit allergischer Rhinitis in statistisch nicht signifikantem Ausmaß verringert. Beim Kupfergehalt in Serum und Sputum war bei Asthmatikern, Patienten mit allergischer Rhinitis und bei den Kontrollen kein signifikanter Unterschied festzustellen. Außerdem konnten wir bei der Kontrollgruppe, bei den Patienten mit allergischem Asthma und bei männlichen Patienten mit allergischer Rhinitis eine positive lineare Korrelation zwischen der Zinkkonzentration in Serum und Sputum feststellen. Ergebnis: Aus den Untersuchungen ging hervor, daß sowohl bei Patienten mit allergischem Asthma als auch bei Patienten mit allergischer Rhinitis ein Zinkmangel auftritt.Correspondence to:
Dr. med. V. Djuric
Kralja Milutina 61
11000 Belgrad, Serbien und Montenegro
Email: vojadj@Eunet.yu
V. Djuric1, D. Djarmati2, G. Djordjevic-Denic3, V. Tomic-Spiric1, A. Peric-Popadic1, J. Sojic1, S. Raskovic1 und M. Bogic1
1Institut für Allergologie und Immunologie, 2Institut für Gesundheitsschutz und 3Institut für Pathophysiologie, Belgrad Hintergrund: Es ist bekannt, daß Zink einen protektiven Effekt auf die Atemwege hat. Aus diesem Grund könnte Zink bei allergischen Atemwegserkrankungen eine Rolle spielen. Ziel unserer Studie war es, Zink- und Kupfergehalt in Serum und induziertem Sputum von Patienten mit allergischer Rhinitis oder allergischem Asthma zu messen. Methoden: Gemessen wurden die Zink- und Kupferkonzentrationen im Serum und im Überstand des induzierten Sputums bei 21 Patienten mit allergischem Asthma, bei 13 Patienten mit allergischer Rhinitis und bei 10 gesunden Kontrollen. Ergebnisse: Bei Patienten mit allergischem Asthma und allergischer Rhinitis wurde eine Verringerung der Zinkkonzentration im Serum festgestellt. Zudem war die Zinkkonzentration im Serum von Patienten mit allergischem Asthma niedriger als bei Patienten mit allergischer Rhinitis. Die Zinkkonzentration im Überstand des induzierten Sputums war bei Asthmatikern im Vergleich zu den Kontrollen und Patienten mit allergischer Rhinitis in statistisch nicht signifikantem Ausmaß verringert. Beim Kupfergehalt in Serum und Sputum war bei Asthmatikern, Patienten mit allergischer Rhinitis und bei den Kontrollen kein signifikanter Unterschied festzustellen. Außerdem konnten wir bei der Kontrollgruppe, bei den Patienten mit allergischem Asthma und bei männlichen Patienten mit allergischer Rhinitis eine positive lineare Korrelation zwischen der Zinkkonzentration in Serum und Sputum feststellen. Ergebnis: Aus den Untersuchungen ging hervor, daß sowohl bei Patienten mit allergischem Asthma als auch bei Patienten mit allergischer Rhinitis ein Zinkmangel auftritt.Correspondence to:
Dr. med. V. Djuric
Kralja Milutina 61
11000 Belgrad, Serbien und Montenegro
Email: vojadj@Eunet.yu
Übersicht
Aktuelle Erkenntnisse zur Entwicklung obstruktiver Atemwegserkrankungen im Friseurgewerbe (BK Nrn.: 4301/4302)
H. Allmers, L. Nickau, C. Skudlik und S.M. John
172
24$
Abstract
In Deutschland werden durchschnittlich im Jahr mehr als 300 Verdachtsanzeigen auf das Vorliegen einer BK der Nummern 4301/4302 (obstruktive Atemwegserkrankungen) bei Beschäftigten im Friseurhandwerk gestellt. In den Jahren 2001 – 2003 wurden zwischen 68 und 85 Fälle als berufsbedingt anerkannt. Unsere seit 2001 durchgeführten Untersuchungen an Beschäftigten des Friseurhandwerks zeigen zwei Altersgipfel für Betroffene, bei denen der Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit gemäß den Nummern 4301/4302 ausgesprochen wurde. Der erste Gipfel liegt im Altersbereich zwischen 18 und 22 Jahren; diese Versicherten haben häufig multiple Sensibilisierungen gegen saisonale und/oder perenniale Umweltallergene. Der zweite Altersgipfel liegt im Bereich zwischen 40 und 50 Jahren; diese Versicherten leiden nicht selten an einer chronischen Bronchitis aufgrund einer langjährigen inhalativen Exposition gegenüber Tabakrauch. Unsere Untersuchungen zeigen, daß es sich bei den meisten Verdachtsfällen nicht um durch Friseurstoffe ausgelöste Krankheiten handelt, sondern um schicksalhafte Erkrankungen, die aufgrund der komplexen inhalativen Expositionen im Friseursalon symptomatisch werden und z.T. sogar richtungsweisend verschlimmert werden.Correspondence to:
PD Dr. med. H. Allmers, M.P.H.
Universität Osnabrück
Sedanstraße 115
D-49090 Osnabrück
Email: hallmers@uos.de
H. Allmers1,2, L. Nickau3, C. Skudlik1 und S.M. John1
1Abteilung Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie, Fachbereich Humanwissenschaften, Universität Osnabrück, 2Betriebsärztlicher Dienst, Universität Osnabrück, 3Präventionsdienst, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtsp In Deutschland werden durchschnittlich im Jahr mehr als 300 Verdachtsanzeigen auf das Vorliegen einer BK der Nummern 4301/4302 (obstruktive Atemwegserkrankungen) bei Beschäftigten im Friseurhandwerk gestellt. In den Jahren 2001 – 2003 wurden zwischen 68 und 85 Fälle als berufsbedingt anerkannt. Unsere seit 2001 durchgeführten Untersuchungen an Beschäftigten des Friseurhandwerks zeigen zwei Altersgipfel für Betroffene, bei denen der Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit gemäß den Nummern 4301/4302 ausgesprochen wurde. Der erste Gipfel liegt im Altersbereich zwischen 18 und 22 Jahren; diese Versicherten haben häufig multiple Sensibilisierungen gegen saisonale und/oder perenniale Umweltallergene. Der zweite Altersgipfel liegt im Bereich zwischen 40 und 50 Jahren; diese Versicherten leiden nicht selten an einer chronischen Bronchitis aufgrund einer langjährigen inhalativen Exposition gegenüber Tabakrauch. Unsere Untersuchungen zeigen, daß es sich bei den meisten Verdachtsfällen nicht um durch Friseurstoffe ausgelöste Krankheiten handelt, sondern um schicksalhafte Erkrankungen, die aufgrund der komplexen inhalativen Expositionen im Friseursalon symptomatisch werden und z.T. sogar richtungsweisend verschlimmert werden.Correspondence to:
PD Dr. med. H. Allmers, M.P.H.
Universität Osnabrück
Sedanstraße 115
D-49090 Osnabrück
Email: hallmers@uos.de
Leitlinien
Nahrungsmittelallergien durch immunologische Kreuzreaktionen
M. Henzgen, S. Vieths, I. Reese, S. Erdmann, T. Fuchs, L. Jäger, J. Kleine-Tebbe, U. Lepp, B. Niggemann, J. Saloga, I. Vieluf, T. Zuberbier und T. Werfel
177
60$
Abstract
Grundlage für die Mehrzahl IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter sind kreuzreagierende Allergene. Ähnliche Molekülstrukturen in Inhalations- und Nahrungsmittelallergenen bedingen die Bildung kreuzreagierender IgE-Antikörper. Damit wird infolge der Sensibilisierung gegen ein Kreuzallergen, meist primär ein Inhalationsallergen, ein ganzes Spektrum an Sensibilisierungen ausgelöst, und bereits der Erstkontakt mit dem Nahrungsmittel kann eine anaphylaktische Reaktion provozieren. Die größte Bedeutung haben pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien, wobei die baumpollenassoziierten Allergien am besten untersucht sind. Für die klinische Praxis reicht es nicht aus, mittels immunologischer Tests eine Kreuzreaktion nachzuweisen, sondern es muß zwischen einer Sensibilisierung ohne klinische Relevanz und einer klinischen Manifestation der Allergie unterschieden werden, weswegen bei unklarer Anamnese die Durchführung oraler Provokationstests notwendig wird. Daß baumpollenassoziierte Nahrungsmittelallergien durch die spezifische Immuntherapie mit Baumpollen eine Besserung erfahren können, zeigen einige offene Studien an Baumpollenallergikern. Wenigstens 50% dieser Patienten mit zusätzlichen Symptomen auf Nahrungsmittel beobachteten unter der Immuntherapie neben einer Besserung der polleninduzierten Beschwerden auch einen positiven Einfluß auf die Nahrungsmittelallergie. Allerdings stehen plazebokontrollierte Studien aus. Angesichts der Zunahme der Pollenallergien, der Verschiebung des Sensibilisierungsspektrums und einer Änderung unserer Eßgewohnheiten muß mit neuen, bisher unbekannten Kreuzreaktionen gerechnet werden.Correspondence to:
PD Dr. med. M. Henzgen
Pneumologie und Allergologie
Klinik für Innere Medizin I
Klinkum der Friedrich-Schiller-Universität
Erlanger Allee 101
D-07740 Jena
Email: Margot.Henzgen@med.uni-jena.de
M. Henzgen1, S. Vieths2, I. Reese3, S. Erdmann4, T. Fuchs5, L. Jäger6, J. Kleine-Tebbe7, U. Lepp8, B. Niggemann9, J. Saloga10, I. Vieluf11, T. Zuberbier12 und T. Werfel13
1Klinik für Innere Medizin I, Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität, Jena, 2Paul-Ehrlich-Institut, Langen, 3Ernährungspraxis, Schwerpunkt Allergologie, München, 4Hautklinik, Universität Aachen, 5Hautklinik, Georg-August-Universität, Göttingen Grundlage für die Mehrzahl IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter sind kreuzreagierende Allergene. Ähnliche Molekülstrukturen in Inhalations- und Nahrungsmittelallergenen bedingen die Bildung kreuzreagierender IgE-Antikörper. Damit wird infolge der Sensibilisierung gegen ein Kreuzallergen, meist primär ein Inhalationsallergen, ein ganzes Spektrum an Sensibilisierungen ausgelöst, und bereits der Erstkontakt mit dem Nahrungsmittel kann eine anaphylaktische Reaktion provozieren. Die größte Bedeutung haben pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien, wobei die baumpollenassoziierten Allergien am besten untersucht sind. Für die klinische Praxis reicht es nicht aus, mittels immunologischer Tests eine Kreuzreaktion nachzuweisen, sondern es muß zwischen einer Sensibilisierung ohne klinische Relevanz und einer klinischen Manifestation der Allergie unterschieden werden, weswegen bei unklarer Anamnese die Durchführung oraler Provokationstests notwendig wird. Daß baumpollenassoziierte Nahrungsmittelallergien durch die spezifische Immuntherapie mit Baumpollen eine Besserung erfahren können, zeigen einige offene Studien an Baumpollenallergikern. Wenigstens 50% dieser Patienten mit zusätzlichen Symptomen auf Nahrungsmittel beobachteten unter der Immuntherapie neben einer Besserung der polleninduzierten Beschwerden auch einen positiven Einfluß auf die Nahrungsmittelallergie. Allerdings stehen plazebokontrollierte Studien aus. Angesichts der Zunahme der Pollenallergien, der Verschiebung des Sensibilisierungsspektrums und einer Änderung unserer Eßgewohnheiten muß mit neuen, bisher unbekannten Kreuzreaktionen gerechnet werden.Correspondence to:
PD Dr. med. M. Henzgen
Pneumologie und Allergologie
Klinik für Innere Medizin I
Klinkum der Friedrich-Schiller-Universität
Erlanger Allee 101
D-07740 Jena
Email: Margot.Henzgen@med.uni-jena.de




