Jahrgang 28, No. 6/2005(Juni 2005)
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Allergologie
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Kurt Blaser 65 Jahre
Über die Kooperation mit dem Schweizerischen Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF, Direktor Prof. Dr. Kurt Blaser) von 1988 bis 2005 – oder von der Gunst des Klinikers, an der Seite eines erfolgreichen Forschungsinstitutes stehen zu dürfe
G. Menz
Kurt Blaser 65 Jahre
Professor Dr. phil. nat. Kurt Blaser und das Schweizerische Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)
Ch. Virchow sen.
Abstract
Ch. Virchow sen.
Davos beherbergt seit Jahrzehnten verschiedene Forschungsanstalten, deren Namen und Abkürzungen nicht nur den Einheimischen geläufig sind. Institute, wie das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung, das AO-Zentrum (die Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen), das Physikalisch-Meteorologische Observatorium Davos (PMOD) und das World Radiation Center (WRC) sind über den Kanton hinaus in der Schweiz, in vielen Ländern Europas und in Übersee bekannt. Das erst im Jahre 1988 eröffnete Schweizerische Institut für Allergie- und Asthmaforschung steht dem nicht nach. Selbst mit der Abkürzung SIAF sind inzwischen viele vertraut. Das SIAF geht auf das 1922 gegründete Institut für Tuberkuloseforschung und dessen Nachfolgeinstitutionen zurück. In einem vergleichsweise kurzen Zeitraum hat es sich nach Ansicht von Experten zu einer der erfolgreichsten Forschungsstätten der Schweiz entwickelt und ist in der wissenschaftlichen Welt ein Begriff geworden. Das SIAF gehört dem SFI an. Die Kurzbezeichnung steht für das Schweizerische Forschungsinstitut Davos, das zusätzlich für das oben erwähnte PMOD/WRC verantwortlich ist. Das SFI ist eine Stiftung nach Schweizerischem Recht und untersteht einem Stiftungsrat. Stiftungen haben in ihren Strukturen ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Der Stiftungsrat des SFI ist aus gewachsener Tradition relativ groß. Zu den Mitgliedern gehören neben den Inhabern politischer Ämter und maßgeblichen Repräsentanten der Davoser Behörden die Vertreter all der Institutionen, die das Schweizerische Forschungsinstitut vor mehr als 80 Jahren begründet haben. Ergänzt wurde der Stiftungsrat in den letzten Jahrzehnten durch einige Wissenschaftler und die Davoser Klinikchefs.
Zu den Personen, die an der Neuausrichtung der früheren Medizinischen Forschungsabteilung des SFI maßgeblich beteiligt waren, gehört der 2001 verstorbene Pneumologe und Thoraxchirurg Dr. Felix Suter, der die Thurgauer-Schaffhausener Heilstätte in Davos über Jahrzehnte leitete. Er hatte das Präsidium des SFI von 1962 bis 1994 inne. Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts trug er dazu bei, daß das Forschungsinstitut auf die modernen Heilanzeigen der Davoser Kliniken ausgerichtet wurde. Bei seinen Planungen wurde er von dem Zürcher Immunologen Professor Dr. Peter J. Grob beraten, dem es gelang, den damaligen PD Dr. Kurt Blaser für die Leitung des Instituts zu gewinnen. Als dritter ist der emeritierte Zürcher Internist, Professor Dr. Walter Siegenthaler zu nennen, der 1993 das Präsidium des Stiftungsrats übernahm und Ende 2004 von diesem Amt zurücktrat. Er rief für den Neubau des Instituts eine Spendenaktion ins Leben, schuf dem SIAF und dem darin waltenden Team eine modern ausgestattete Forschungsstätte (Abb. 2) und sorgte dafür, daß das SIAF durch einen Assoziierungsvertrag mit der Universität Zürich verbunden wurde.
Das Schweizerische Institut für Asthma- und Allergieforschung wird seit seinem Bestehen von dem Berner Chemiker und Immunologen, Prof. Dr. phil. nat. Kurt Blaser, geleitet (Abb. 1). Er allein hat die wissenschaftliche Ausrichtung des Instituts schließlich bestimmt. Hatten die Initianten als Aufgabe des neuen Instituts primär an klinische Dienstleistungen, d.h. an den Ausbau der klinisch-allergologischen Diagnostik gedacht, so waren die Vorstellungen des Institutsleiters von Beginn an andere. Seine Zielsetzung richtete sich auch auf die allergischen Leiden, speziell auf das allergische Asthma bronchiale und das atopische (oder endogene) Ekzem, doch das Gewicht sollte auf der Erforschung der bislang unbekannten pathogenetischen Vorgänge, der damit verbundenen immunologischen Prozesse und der Reparationsmechanismen des jeweils erkrankten Organismus liegen. Alle modernen naturwissenschaftlichen, besonders die immunologischen, molekularbiologischen und gentechnologischen Untersuchungsmethoden waren dabei einzubeziehen. Auf Tierversuche wurde bewußt verzichtet. Die zu bearbeitenden Fragestellungen sollten der klinischen Praxis entstammen.
Ausgangspunkt dieser Absichten war einerseits die große Zahl der in Davos betreuten Patienten mit allergischen Leiden, bei denen es sich um gründlich diagnostizierte, hochselektionierte Kranke handelte; andererseits bestand bei den allergischen Erkrankungen vor allem beim Asthma ein erheblicher Forschungsbedarf. Spezialisierte Forschergruppen gab es nur wenige. An vielen Universitäten fehlten (und fehlen immer noch) spezielle allergologische Einheiten. Zudem nehmen die allergischen (atopischen) Krankheiten seit Jahren in den Industrienationen zu. Bei Kindern beträgt der Anteil derer, die die Bereitschaft in sich tragen, ein allergisches Leiden zu entwickeln, schon mehr als 30%. Neben genetischen Faktoren werden dafür der moderne Lebensstil, unzureichend definierte Schadstoffbelastungen, der Wohnkomfort und die Ernährung verantwortlich gemacht. Die Zahl der Menschen, die eine Veranlagung besitzen, auf biologische oder synthetische Stoffe in ihrer Umgebung allergisch zu reagieren, ist groß. Es war abzusehen, zumindest zu hoffen, daß das SIAF eine zunehmend an Bedeutung gewinnende Aufgabe übernehmen würde.
Daß den allergischen Leiden entzündliche Veränderungen, die zur Chronizität neigen, zugrundeliegen, daß an diesen Vorgängen bestimmte Zellen beteiligt und komplexe Regulationsvorgänge dafür verantwortlich sind, deren Mechanismen ungeklärt waren, hatte bei Beginn der Forschungsarbeiten zu einer Fülle von offenen Fragen geführt. Ganz allgemein ging es darum, den immunologischen Vorgängen bei allergischen Atemwegs- und Hautkrankheiten auf die Spur zu kommen, die Regulation der für die Allergie verantwortlichen Zellen, Botenstoffe, Mittlersubstanzen und Antikörper zu enträtseln und neue Ansätze für Diagnostik und Therapie dieser Leiden zu finden. Weitere Forschungsvorhaben richteten sich auf die Allergene, auf deren Herstellung und Charakterisierung, sowie auf die Phänomene (und die Berechtigung) der Immuntherapie.
Zur sinnvollen Arbeitsteilung wurden Forschungsgruppen gebildet, die von anerkannten Wissenschaftlern geleitet werden. Mit diesen und dem kleinen unentbehrlichen Stammpersonal sind im SIAF zwischen 25 und 30 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt. Die meisten von ihnen sind jüngere Doktoranden und Postdoktoranden, die ihr naturwissenschaftliches oder medizinisches Studium beendet haben und die fachliche Spezialausbildung im SIAF für ihren weiteren Berufsweg nutzen möchten. Etlichen unter ihnen hat das SIAF als Sprungbrett für ihre wissenschaftliche Karriere gedient. Daß Forschung heutzutage nur gedeiht, wenn internationale Kontakte eingegangen und gewahrt werden, daß junge Wissenschaftler zu längeren Auslandsaufenthalten bereit sein müssen, daß die moderne naturwissenschaftliche Umgangssprache das Englisch ist, daß der Gedankenaustausch zumindest zum Teil, daß Vorträge und Seminare allein in dieser Sprache gepflegt und abgehalten werden sollten, alle diese Voraussetzungen werden im SIAF erfüllt. Regelmäßige Besprechungen, Gastvorträge und Förderung jeglicher persönlichen Initiative tun unter anderem das ihre, um eine institutseigene familiäre Atmosphäre zu schaffen, die für den fremden Besucher durch Einsatzfreude, Fleiß und freundlichen Zusammenhalt gekennzeichnet ist.
Der Zielsetzung gemäß haben sich die am SIAF tätigen Wissenschaftler mit allen wichtigen klinischen Fragestellungen vertraut gemacht und stehen in Kontakt mit den klinisch tätigen Ärzten in Davos und andernorts. Umgekehrt bemühten sich die an den Davoser Fachkliniken tätigen Ärzte, ihre klinischen Fragestellungen zu präzisieren. Die überdachte Zielsetzung erwies sich als fruchtbar. Bei Verfolgung dieser Ziele sind dem SIAF bedeutsame Entdeckungen gelungen. Die in dieser Ausgabe der Fachzeitschrift “Allergologie” publizierten Arbeiten der früheren und heutigen maßgeblichen MitarbeiterInnen des SIAF werden darauf eingehen. Die Einführung soll die erzielten Ergebnisse nicht vorwegnehmen. Doch sei erwähnt, daß viele Fragen beantwortet werden konnten und die Resultate Eingang in Diagnostik und Therapie der allergischen Leiden gefunden haben.
Wertung der Forschung
Jahr für Jahr konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SIAF eine große Anzahl von wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichen. Der größte Teil erschien in internationalen Fachzeitschriften, bei denen vor Drucklegung eine Prüfung durch Gutachter verlangt wird. Die wissenschaftliche Reputation eines Forschungsinstituts (und eines jeden Wissenschaftlers) ist meßbar geworden. Setzt man die Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen in Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln (und zur Zahl der MitarbeiterInnen), kommt das SIAF im Vergleich zu vielen anderen Forschungsstätten zu einer erstaunlichen Kosten/Nutzenrelation (Abb. 3). Und wenn die Veröffentlichungen in Beziehung zur Wertigkeit einer Zeitschrift gesetzt werden, in der sie erschienen sind, schneidet das SIAF hervorragend ab. Denn jede wissenschaftliche Zeitschrift hat ihren eigenen Rang, ihren – in Zahlen festgelegten “impact factor”. In welchem Umfang Arbeiten aus dem SIAF in erstrangigen Journalen – nur englischsprachige werden dabei berücksichtigt – Aufnahme fanden, ist erstaunlich. Auskunft über den Wert eines Instituts gibt auch die Häufigkeit, mit der die Arbeiten, die aus diesem stammen, zitiert werden. Je mehr Wissenschaftler in aller Welt eine Arbeit zitieren, um so wichtiger dürfte die in der Arbeit enthaltene Aussage sein. Auch im Hinblick auf die “Zitierhäufigkeit” hat das SIAF keinen Vergleich zu scheuen. Im Lauf der Jahre haben 34 Doktoranden (2 Pharmakologen, 6 Mediziner, 26 Naturwissenschaftler) mit Arbeiten, die im SIAF erstellt wurden, den Doktortitel erworben. Hinzu kommen 22 Diplomabschlüsse; 10 MitarbeiterInnen haben sich an verschiedenen europäischen Universitäten habilitieren können. Von diesen haben 8 eine Universitätsprofessur inne und/ oder leiten ein Forschungsinstitut.
Das SIAF wird großzügig unterstützt. Der Grundstock stammt aus Mitteln, die Gemeinde, Kanton und Bund zur Verfügung stellen. Weitere Gelder bewilligt auf Antrag der Schweizerische Nationalfond. Etliche Beträge kommen aus Wissenschaftsstiftungen, aus freiwilligen Zuwendungen, aus Sammlungen des Förderkreises. Allen Sparmaßnahmen zum Trotz muß eine gewisse Grundsumme gewährleistet sein. Die kritische Masse an finanziellen Mitteln und an Ausstattung, die kritische Zahl von weiblichen und männlichen Wissenschaftlern, Laboranten, Helfern und die kritische Menge an Einfällen und Ideen dürfen nicht unterschritten werden, sonst verkümmert die Forschung.
Im folgenden kommen langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SIAF zu Wort.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Ch. Virchow
Mitglied des Stiftungsrats des
Schweizerischen Forschungsinstituts Davos
Aussergasse 18A
CH-7494 Wiesen/GR
Kurt Blaser 65 Jahre
Rekombinante Allergene in Forschung und Klinik
R. Crameri, S. Flückiger, A.G. Glaser, C. Rhyner und M. Weichel
Abstract
R. Crameri, S. Flückiger, A.G. Glaser, C. Rhyner und M. Weichel
Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF), Davos
Allergene aus natürlichen Quellen sind verantwortlich für die Auslösung allergischer Reaktionen und spielen deshalb bei der Pathogenese allergischer Erkrankungen eine zentrale Rolle. Die derzeit in der Allergiediagnostik und Immuntherapie eingesetzten “Allergene” werden in der Form von Extrakten aus biologischen Allergenquellen hergestellt und stellen komplexe, schwer zu standardisierende Gemische dar, wobei nur ein Bruchteil der Komponenten eigentliche Allergenmoleküle sind. Mit molekularbiologischen Methoden lassen sich durch Klonierung die Gene, welche für Allergenmoleküle kodieren, isolieren, sequenzieren und charakterisieren. Die DNA der Strukturgene kann zur Großproduktion von rekombinanten Allergenen verwendet werden. Dadurch lassen sich auch im industriellen Maßstab standardisierte Präparate herstellen, welche den strengen Auflagen für die Anwendung in der Klinik genügen. Die Ausschöpfung dieses Potentials wird in Zukunft die Diagnose und die Therapie allergischer Erkrankungen wesentlich beeinflussen.Correspondence to:
Prof. Dr. phil. R. Crameri
Schweizerisches Institut für
Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)
Obere Straße 22
CH-7270 Davos
Email: crameri@siaf.unizh.ch
Kurt Blaser 65 Jahre
Immunologische Mechanismen der unterschiedlichen allergischen Phänotypen
M. Zimmermann, F. Meiler, M. Akdis und C.A. Akdis
Abstract
M. Zimmermann, F. Meiler, M. Akdis und C.A. Akdis
Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF), Davos
Die genetische Prädisposition und das jeweilige Umfeld einer Zelle bestimmen den Schwellenwert ihrer Aktivierung und die Lebensdauer der Zelle. Im Falle einer Allergie kommt es dabei durch Allergene zu einer Aktivierung allergenspezifischer T-Zellen, welche ein verändertes Verhalten in der peripheren Toleranz aufweisen. Ihre Lebensdauer ändert sich abhängig davon, welcher Subpopulation sie angehören. Gegenwärtig werden die T-Zellen in T-Helfer-1(Th1)-, T-Helfer-2 (Th2)-, T-Helfer-0(Th0)- und T-Regulator (Treg)-Zellen unterteilt. Die unterschiedlichen Arten der Immunantwort und die unterschiedlichen Aktivierungs- und Apoptose-Schwellenwerte definieren zumindest drei verschiedene Phänotypen allergischer Erkrankungen (atopisch, nicht-atopisch und monoallergisch). Alle drei Typen können sich mit (Dermatitis, Asthma, Rhinitis) oder ohne Einbezug einer Organentzündung klinisch manifestieren.Correspondence to:
Maya Zimmermann, MSc
Schweizerisches Institut für
Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)
Obere Straße 22
CH-7270 Davos
Email: maya.zimmermann@siaf.unizh.ch
Kurt Blaser 65 Jahre
Die Bedeutung von Histamin als Immunregulator
M. Jutel und C.A. Akdis
Abstract
M. Jutel1 und C.A. Akdis2
1Department of Internal Medicine and Allergology, Wroclaw Medical University, Wroclaw 2Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF), Davos
Histamin ist nicht nur ein wichtiger Mediator der akuten Entzündungsreaktion, sondern spielt auch eine stärker ausgeprägte immunmodulierende Rolle als bisher angenommen. Histamin entfaltet über mindestens vier Rezeptoren neben den klassischen Effekten bzw. allergischen Symptomen auch direkte Wirkungen auf die Zellen (Makrophagen, dendritische Zellen, T- und B-Lymphozyten, endotheliale Zellen), die an der Regulation der Immunantwort und Hämatopoese beteiligt sind. In diesen Zellen werden verschiedene Histaminrezeptoren exprimiert. Histamin, das von diesen Zellen synthetisiert und freigesetzt wird, kann proinflammatorische Prozesse durch verstärkte Chemotaxis und Kumulation der Entzündungszellen amplifizieren. Histamin reguliert sowohl die allergenspezifischen Th1-, Th2- und Treg-Zellen als auch die Antikörperisotypensynthese. Die diversen Wirkungen von Histamin auf das Immunsystem werden durch unterschiedliche Expressionen der Histaminrezeptoren in verschiedenen Zellen vermittelt. In dieser Übersicht sollen neben den klassischen Effekten von Histamin insbesondere neue Erkenntnisse zur Rolle von Histamin bei der Immunmodulation angesprochen werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. M. Jutel
Department of Internal Medicine and Allergology
Wroclaw Medical University
Traugutta 57
PL-50-417 Wroclaw
Email: mjutel@ak.am.wroc.pl
Kurt Blaser 65 Jahre
Regulatorische T-Zellen in der normalen Immunantwort und in der allergenspezifischen Immuntherapie
F. Meiler, M. Zimmermann, C.A. Akdis und M. Akdis
Abstract
F. Meiler, M. Zimmermann, C.A. Akdis und M. Akdis
Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF), Davos
Anergie, Toleranz und aktive Suppression sind höchstwahrscheinlich keine voneinander unabhängigen Vorgänge, sondern sind mit ähnlichen Mechanismen und Zelltypen in der Immunregulation verknüpft. Die Aktivierung von allergenspezifischen regulatorischen T- (Treg) Zellen scheint für die Aufrechterhaltung einer ausgewogenen Immunantwort notwendig zu sein. Antigenspezifische Treg-Zellen können eine pathologische Immunantwort gegen ein Allergen oder ein Selbstantigen mit Hilfe der von ihnen sezernierten Zytokine und Oberflächenmoleküle verhindern.Correspondence to:
Dipl. sc. nat. Flurina Meiler
Schweizerisches Institut für
Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)
Obere Straße 22
CH-7270 Davos
Email: Flurina.Meiler@siaf.unizh.ch
Kurt Blaser 65 Jahre
Die Rolle von TGF-b in Immunregulation und Allergie
C.B. Schmidt-Weber
Abstract
C.B. Schmidt-Weber
Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF), Davos
Allergische Erkrankungen sind durch eine unkontrollierte Immunreaktion gegen ansonsten harmlose Allergene definiert. Die permanente Exposition mit Umweltantigenen führt beim Asthma zu einer chronischen Entzündung und daraufhin zu Reparaturprozessen. Die Reparaturprozesse verändern das Lungengewebe irreversibel. Sowohl in systemischer als auch in lokaler Hinsicht spielen die Zytokine TGF-b und Aktivin bA eine wichtige Rolle. In der Pathogenese haben diese Zytokine einen Janus-Charakter: Zum einen inhibieren TGF-b und Aktivin bA willkommenermaßen die Proliferation von Lymphozyten, zum anderen induzieren beide Zytokine die Reparaturprozesse und die damit verbundene Beeinträchtigung der Atemwegsfunktion. Gegenstand dieses Artikels ist der Beitrag beider Zytokine sowohl zur Immunregulation als auch zu den Gewebeveränderungen.Correspondence to:
Dr. med. C.B. Schmidt-Weber
Schweizerisches Institut
für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)
Obere Straße 22
CH-7270 Davos
Email: csweber@siaf.unizh.ch
Kurt Blaser 65 Jahre
Die molekulare Regulation der Apoptose eosinophiler Granulozyten
H.-U. Simon
Abstract
H.-U. Simon
Institut für Pharmakologie, Universität Bern
Apoptose ist die häufigste Form des physiologischen Zelltodes und notwendig, um die Zahl von Zellen in multizellulären Organismen zu regulieren. Eosinophile werden laufend im Knochenmark generiert, und somit müssen unter physiologischen Bedingungen ständig Eosinophile sterben. In vielen eosinophilen Entzündungen wurde eine verzögerte Eosinophilenapoptose beobachtet. Dieser Mechanismus scheint zu einer erhöhten Zahl Eosinophiler zu führen, ein Phänomen, welches man Eosinophilie nennt. Eine erhöhte Expression von IL-5 scheint für die verzögerte Apoptose der Eosinophilen von großer Bedeutung zu sein. Der Entzug von Überlebensfaktoren führt dagegen zur Apoptose. Neben Überlebensfaktoren kontrollieren auch Todesliganden die Eosinophilenapoptose. Kürzliche Beobachtungen lassen vermuten, daß Mitochondrien in der Ausführung der Apoptose eine große Bedeutung einnehmen, obwohl die Mechanismen, die zur Freisetzung von proapoptotischen Faktoren aus Mitochondrien führen, weniger klar sind. Wirkstoffe, die spezifisch die Apoptose eosinophiler Granulozyten auslösen, könnten zukünftig therapeutisch zur Auflösung von Entzündungsreaktionen eingesetzt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. H.-U. Simon
Institut für Pharmakologie
Universität Bern
Friedbühlstrasse 49
CH-3010 Bern
Email: hus@pki.unibe.ch
Kurt Blaser 65 Jahre
Intrinsic Asthma – Schlüssel zum Verständnis des allergischen Asthmas?
J.C. Virchow jr.
Abstract
J.C. Virchow jr.
Abteilung für Pneumologie, Medizinische Klinik und Poliklinik, Universität Rostock
Das intrinsische Asthma ist bis heute unzureichend verstanden. Nur wenige Untersuchungen haben sich systematisch dem Vergleich mit dem allergischen Asthma gewidmet und davon wiederum konnten nur einzelne auch immunologische Unterschiede herausarbeiten. Diese weisen darauf hin, daß das intrinsische Asthma, das sich klinisch vom allergischen Asthma der Kinder und Jugendlichen erheblich unterscheidet, möglicherweise in den Bereich der Autoimmunerkrankungen einzuordnen sei. Zusätzlich gibt es indirekte Hinweise, daß zytotoxische Mechanismen beim intrinsischen Asthma eine Rolle spielen. Die bessere Kenntnis der Pathogenese des intrinsischen Asthmas stellt möglicherweise den Schlüssel zum Verständnis des chronisch allergischen Asthmas mit seiner Entwicklung einer persistierenden Atemwegsobstruktion und des Atemwegs-Remodelings dar.Correspondence to:
Prof. Dr. med. J.C. Virchow jr., FCCP, FAAAAI
Abteilung für Pneumologie
Medizinische Klinik und Poliklinik
Universität Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 6
D - 18055 Rostock
Email: j.c.virchow@med.uni-rostock.de
Kurt Blaser 65 Jahre
Das nicht-atopische (intrinsische) Ekzem
P. Schmid-Grendelmeier und A. Roll
Abstract
P. Schmid-Grendelmeier und A. Roll
Allergiestation, Dermatologische Klinik, UniversitätsSpital Zürich
Die atopische Dermatitis (AD) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, welche sich in vielen Fällen auf dem Boden einer genetischen Prädisposition entwickelt und durch die verschiedensten Umweltfaktoren getriggert wird. In den meisten Fällen wird die AD mit einer spezifischen IgE-Antwort auf inhalative und Nahrungsmittelallergene in Zusammenhang gebracht und dann als atopischer Subtyp, dem sogenannten atopischen Ekzem (AE), klassifiziert. Bei bis zu 30% der Patienten mit AD werden jedoch normale IgE-Spiegel im Serum und negative Hauttestungen beobachtet; daher rührt auch die Bezeichnung des nicht-atopischen Ekzems (NAE), auch als intrinsische oder nicht IgE-assoziierte Form der AD bezeichnet. Einzig Atopiepatchtests, bei denen eine ekzematöse Hautreaktion nach epikutaner Applikation häufiger Aeroallergene hervorgerufen wird, können bei dieser Konstellation vielfach Hinweis auf eine lokale T-Zellantwort in der Haut geben und sind daher beim NAE von wesentlicher Bedeutung. Neben einer besonderen genetischen Veranlagung wird auch eine Abhängigkeit von infektiösen Allergenen und Autoreaktivitätsphänomenen bei Patienten mit NAE beobachtet. Nachfolgend möchten wir in einem kurzen Überblick die typischen Charakteristika des NAE herausstellen und Arbeitshypothesen zur Pathogenese dieses Subtyps aufzeichnen.Correspondence to:
PD Dr. med. P. Schmid-Grendelmeier
Allergiestation, Dermatologische Klinik
UniversitätsSpital Zürich
Gloriastraße 31
CH-8091 Zürich
Email: peter.schmid@usz.ch