Jahrgang 27, No. 1/2004(Januar 2004)
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Allergologie
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Originalarbeiten
Häufigkeit von Extremereignissen beim Pollenflug
Th. Frei
Abstract
Th. Frei
Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, Zürich
In der Meteorologie wird dann von Extremereignissen gesprochen, wenn bestimmte Parameter einen Wert erreichen, der weit über dem langjährigen Durchschnittswert von 30 Jahren liegt (gemäß Definition der Weltorganisation für Meteorologie). Besonders markant in den Auswirkungen für Mensch und Natur sind die beiden Parameter Wind (z.B. Sturm Lothar, 1999) und Starkniederschlagsereignisse (Ereignisse in Tschechien, Deutschland, 2002). Mit Hilfe der Gumbelverteilung können die Häufigkeit von solchen Extremereignissen berechnet und die Wiederholungsperiode angeben werden. Grundlage dazu ist das Vorhandensein von langen Datenreihen. Dieses Verfahren wurde nun auch angewendet, um Extremereignisse beim Pollenflug untersuchen zu können. Als Extremereignis wird dabei das Auftreten von großen Mengen an Birkenpollen oder Gräserpollen verstanden.Correspondence to:
Dr. sc. nat. Th. Frei
Bundesamt für Meteorologie
und Klimatologie
Krähbühlstraße 58
CH-8044 Zürich
Email: websupport@meteoschweiz.ch
Originalarbeiten
Die Bedeutung von Brennesselpollen im Vergleich zu Beifußpollen für die saisonale allergische Rhinitis im Spätsommer
O. Pfaar, B. Hauswald und K.-B. Hüttenbrink
Abstract
O. Pfaar, B. Hauswald und K.-B. Hüttenbrink
HNO-Universitätsklinik, Dresden
Einleitung: Die Hyposensibilisierungstherapie auf Beifußpollen hat bei Patienten mit Spätblüherallergien eine Erfolgsrate von über 70%. Im Dresdener Raum konnte in den letzten 3 Jahren anhand von Messungen mit der Burkardschen Pollenfalle festgestellt werden, daß zur Hauptblühzeit von Beifuß ebenfalls eine hohe Brennesselpollenimmission besteht: Der Anteil der Brennesseln an der gesamten Baumpollenimmission lag in den Jahren 1998 – 2000 in den Monaten Juli und August bei 78% gegenüber einem Beifußanteil von 7%. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, die klinische Bedeutung dieser hohen Belastung mit Brennesselpollen für die Patienten mit Spätblüherallergien im Raum Dresden aufzuzeigen. Material und Methoden: Wir untersuchten insgesamt 36 Patienten (17 weiblich, 19 männlich, Durchschnittsalter 29,4 Jahre) mit einer saisonalen allergischen Rhinitis im Spätsommer, welche auf Beifuß sensibilisiert waren: Bei allen 36 Patienten wurden ein RAST (Radioallergosorbent-Test) und ein Prick-Test auf Brennessel durchgeführt, um eine mögliche Sensibilisierung dieser Patienten auch gegenüber Brennesselpollen aufzuzeigen. Bei 17 der auf Brennesselpollen sensibilisierten Patienten wurde zudem ein nasaler Provokationstest (NPT) mit Brennesselpollenallergenen durchgeführt und rhinomanometrisch kontrolliert. Ergebnisse: Von den 36 untersuchten Patienten mit einer Beifußallergie fielen bei 24 Patienten auch der Prick-Test und der RAST auf Brennesselpollen positiv aus, wodurch eine Sensibilisierung der Patienten gegenüber Brennesselpollen gezeigt werden konnte. Von den 17 untersuchten Patienten mit positivem Prick-Test und RAST auf Brennesselpollen fand sich bei 8 Patienten ein positiver NPT auf Brennesselpollen, wodurch die klinische Bedeutung der Belastung durch die hohen Brennesselpollenimmissionen bei fast der Hälfte der untersuchten Patienten demonstriert werden konnte. Schlußfolgerung: Diese Studie demonstriert, daß bei Patienten mit einer Beifußpollenallergie ebenfalls eine hohe Sensibilisierungsrate gegenüber Brennesselpollen vorliegt. Brennesselpollen sind im Dresdener Raum von hoher klinischer Bedeutung bei der Beurteilung von Spätsommerallergien. Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse empfehlen wir, bei der Allergiediagnostik von Patienten mit Spätsommerallergien auch Brennesselpollen mit einzubeziehen. Ist der NPT auf Brennesselpollen positiv, kann gegebenenfalls eine Hyposensibilisierungstherapie auch gegenüber Brennesselpollen in Betracht gezogen werden.Correspondence to:
Dr. med. O. Pfaar
HNO-Universitätsklinik
Fetscherstraße 74
D-01307 Dresden
Email: Oliver.Pfaar@uniklinikum-dresden.de
Originalarbeiten
Wirkung von Cetirizin und Fluticasonpropionat- Nasenspray auf Symptome und Entzündungsmediatoren der saisonalen allergischen Rhinitis
K. Dahl, B. Lange, G. Holtappels, K.-F. Lukat und C. Bachert
Abstract
K. Dahl1, B. Lange2, G. Holtappels3, K.-F. Lukat2 und C. Bachert3
1Krankenhaus Neuwerk, Mönchengladbach, 2Institut für Atemwegsforschung GmbH, Düsseldorf, 3Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Universität Gent, Belgien
Ziel unserer Untersuchungen war der Vergleich der Wirkungen von Fluticason-Nasenspray (FP) und Cetirizin-Tabletten (CET) auf die Symptome und die Konzentrationen proinflammatorischer Mediatoren im Nasensekret von Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis (SAR) während einer Pollenflugsaison. In der randomisierten Doppelblindstudie nahmen 30 Patienten mit Birken- und Gräserallergie für ca. 4,5 Monate während der Birken- und Gräserpollensaison entweder Cetirizin 10 mg p.o. und ein Plazebo-Nasenspray oder Fluticasonpropionat-Nasenspray 200 mg und eine Plazebo-Tablette 1-mal täglich ein. Augen- und Nasensymptome wurden täglich mittels eines Symptomkalenders erfaßt und unter Berücksichtigung der täglichen Pollenflugdaten ausgewertet. Nasensekret wurde mit Hilfe der Filterpapier-Disc-Technik gesammelt und hinsichtlich Histamin und ECP mittels ELISA analysiert. Bezüglich der Gesamtsymptomatik aus Nasen- und Augensymptomen ergab sich über den gesamten Studienzeitraum kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsstrategien. Die Analyse des nasalen Gesamtsymptomscores (TNSS) zeigte dagegen einen statistisch signifikanten Therapievorteil für FP im Saisonverlauf, wenn zur Auswertung nur Tage mit einem Pollenflug von über 20/m3 herangezogen wurden (p = 0,0197). Umgekehrt fand sich bei entsprechender Auswertung eine tendenziell stärkere Wirkung des Antihistaminikums auf die Augensymptomatik (p = 0,0584). Die Konzentrationen der Entzündungsmediatoren Histamin und ECP im Nasensekret waren unter FP signifikant niedriger als unter CET. Die Untersuchung zeigt, daß durch die getrennte Auswertung der Nasen- und Augensymptome unter Berücksichtigung des Pollenflugs eine differenziertere Beurteilung der Wirksamkeit von Arzneimitteln zur Behandlung der SAR möglich ist. Insbesondere in Regionen mit eher schwankendem Pollenflug kann sich aus der Auswertung lediglich der Tage mit hoher Pollenbelastung ein essentieller Informationsgewinn ergeben. Aus den Ergebnissen zur Freisetzung der Entzündungsmediatoren kann gefolgert werden, daß der anti-inflammatorische Effekt des topischen Glukokortikosteroids deutlich ausgeprägter ist als der des Antihistaminikums. Insgesamt legen die Studienergebnisse nahe, daß bei Patienten mit ausgeprägten Nasen- und Augensymptomen eine Kombinationstherapie aus einem topischen Kortikosteroid und einem Antihistaminikum indiziert sein kann.Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Bachert
Kliniek voor Neus-, Keel- + Oorheelkunde
UZ Gent
De Pintelaan 185
B-9000 Gent
Email: claus.bachert@rug.ac.be
Originalarbeiten
Wirksamkeit von hausstaubmilben- und allergendichten Encasings bei Patienten mit Hausstaubmilbenallergie
L. Ghazala, F. Schmid, A. Helbling, W.J. Pichler und C.E. Pichler
Abstract
L. Ghazala, F. Schmid, A. Helbling, W.J. Pichler und C.E. Pichler
Allergologisch-immunologische Poliklinik, Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie/Allergologie, Inselspital, Bern
Um die klinische Wertigkeit eines allergendichten Matratzenüberzugs zu evaluieren, führten wir eine doppelt blinde, plazebokontrollierte Cross-over-Studie bei 30 Patienten mit dokumentierter Hausstaubmilbenallergie durch. Es wurden objektive Parameter wie der Hausstaubmilbenallergengehalt im Staub der Matratzen und die Spiegel vom eosinophilen kationischen Protein im Serum bei hausstaubmilbenallergischen Patienten gemessen. Zusätzlich wurden subjektive, klinische Beschwerden bezüglich der Rhinokonjunktivitis und des Asthmas sowie der Medikamentenverbrauch im Verlauf berücksichtigt und der Komfort der Bezüge erfragt. Jede Phase – entweder mit Plazebobezug (= milbendurchlässiges Baumwollgewebe) oder einem milbenallergenundurchlässigen, mit Polyurethan beschichteten Bezug (VarioProtect der Firma Sanders) – dauerte 10 Wochen, unterbrochen von einem 2- bis 10-wöchigen Intervall. Allergenmessungen bestätigten die Hausstaubmilbenallergenreduktion in der Verumgruppe, nicht jedoch in der Plazebogruppe. Die klinischen Daten bezüglich Rhinitis und Asthma zeigten im Cross-over-Design keine statistische Signifikanz. Ein Carry-over-Effekt wurde ausgeschlossen, da die Baselinewerte vor jeder Behandlung keinen Unterschied aufwiesen. Die Analyse der zusammengelegten subjektiven Rhinitis-Scores ergab eine signifikante Reduktion sowohl in der Verum- als auch in der Plazebogruppe. Die Subgruppe der Patienten mit einem erhöhten ECP-Spiegel im Serum (n = 8) zeigte eine Verbesserung des Rhinitis-Scores durch die Verumbehandlung im Vergleich zur Plazebobehandlung. Zwölf Patienten mit Asthma zeigten ebenfalls eine signifikante Besserung bei Verwendung des Verumbezuges gegenüber dem Plazebobezug. Auch das eosinophile kationische Protein im Serum verringerte sich signifikant bei Verwendung des Verumbezuges. Beide Bezüge wurden bezüglich Komfort gut beurteilt, der Verumbezug raschelte allerdings stärker. Die Daten unterstützen die klinische Wirksamkeit des Matratzenbezugs vor allem bei Patienten mit erhöhtem ECP.Correspondence to:
Dr. med. C.E. Pichler
Allergologisch-Immunologische Poliklinik
Klinik für Rheumatologie und
Klinische Immunologie/Allergologie
Inselspital
CH-3010 Bern
Email: christiane-pichler@insel.ch
Originalarbeiten
Jahreszeitliche Schwankungen bei der akuten Urtikaria des Kindesalters – mögliche pathogenetische Bedeutung
N. Haas, W. Birkle-Berlinger, B. Krone und B.M. Henz
Abstract
N. Haas1, W. Birkle-Berlinger1, B. Krone2 und B.M. Henz1
1Hautklinik Charité, Humboldt-Universität, Berlin,2Abteilung Virologie, Universität Göttingen
Über jahreszeitliche Schwankungen im Auftreten der akuten Urtikaria (AU) des Kindesalters gibt es bisher nur spärliche Daten. Wir haben daher in einer kinderärztlichen Praxis einer süddeutschen Kleinstadt 150 Kinder in dieser Hinsicht retrospektiv bezüglich Inzidenz und Klinik erfaßt. Bei allen Patienten trat die AU am wenigsten häufig in den Sommermonaten, dagegen besonders häufig in den Wintermonaten sowie im Juni auf. Zudem wurden in dieser Zeit mehr gleichzeitig bestehende Atemwegsinfekte diagnostiziert, und das Krankheitsbild war schwerer (mehr Körperoberfläche involviert, mehr assoziierte Angioödeme). Dagegen konnten keine Zusammenhänge zwischen einer Atopie und jahreszeitlichen Schwankungen beobachtet werden. Dies unterstreicht die Bedeutung von zumeist viral ausgelösten Infektionskrankheiten der Atemwege als Ursache der AU bei Kindern.Correspondence to:
PD Dr. med. N. Haas
Hautklinik Charité
Humboldt-Universität Berlin
Schumannstraße 20/21
D-10117 Berlin
Email: norb.haas@charite.de
Kasuistik
Beruflich bedingtes dyshidrotisches Handekzem durch Euro-Münzen?
P. Koch
Abstract
P. Koch
Hautklinik und Poliklinik, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar
Nickel führt weltweit die “Hitliste” der Kontaktallergene an. Der berufliche Umgang mit nickelhaltigen Münzen stellt bei bereits sensibilisierten Personen ein Risiko für die Auslösung eines Handekzems dar. In der vorliegenden Arbeit werden die Kasuistiken zweier Kassiererinnen vorgestellt, bei welchen es im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit zu arbeitskongruent verlaufenden Schüben eines dyshidrotischen Handekzems kam. In beiden Fällen wurde eine epidermale Sensibilisierung gegen Nickelsulfat (5% in Vaseline) sowie durch 1- und 2-Euro-Münzen nachgewiesen, wobei die Testreaktionen durch die Münzen im ersten Fall fraglich positiv waren. Bei der zweiten Patientin kam es mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Auslösung des Handekzems durch Nickel in der neuen Währung. Eine Sensibilisierung durch Nickel in den neuen Euro-Münzen war wenig wahrscheinlich, da seit der Kindheit der Patientin eine Unverträglichkeit von Modeschmuck bekannt war.Correspondence to:
PD Dr. med. P. Koch
Hautklinik und Poliklinik
Universität des Saarlandes
D-66421 Homburg/Saar
Email: hapkoc@uniklinik-saarland.de