Jahrgang 26, No. 7/2003(Juli 2003)
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Allergologie
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Originalarbeit
Diagnostik des Analgetika-Intoleranz-Syndroms mittels funktioneller Zelltestung (Analgetika-Intoleranz-Test: AIT)
K. Hecksteden, D. Schäfer, B.A. Stuck
Abstract
K. Hecksteden1, D. Schäfer1, B.A. Stuck1,
1HNO-Klinik, Universitätsklinikum Mannheim, 2Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
Das klinisch manifeste Analgetika-Intoleranz-Syndrom (AIS) ist typischerweise durch rezidivierende Polyposis nasi, Asthma bronchiale und Analgetika-Unverträglichkeit gekennzeichnet. Es beruht nach gängiger Meinung auf Dysbalancen im Arachidonsäure-Metabolismus, ausgelöst durch die Einnahme von non-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Bisher sind in der Diagnostik des AIS Anamnese und Provokationstests etabliert. Die Methoden der nasalen, bronchialen und oralen Provokationstests sind für die Praxis umfangreich und für die Patienten meist unangenehm und risikobehaftet. Ziel dieser Arbeit war es herauszufinden, inwieweit ein komplikationsloses In-vitro-Verfahren mit funktioneller Zelltestung (Analgetika-Intoleranz-Test: AIT) zur Diagnosesicherung herangezogen werden kann. Hierfür wurde die herkömmliche Diagnostik mit den Ergebnissen des AIT an 50 Patienten mit Verdacht auf Analgetikaintoleranz verglichen. Zur Kontrolle dienten Tests an 38 Patienten mit leerer Anamnese und ohne klinische Zeichen einer Polyposis oder eines Asthma bronchiale. Für die Sensitivität des Tests wurden 100%, für die Spezifität 73,3% berechnet, der negative Vorhersagewert des AIT lag bei 100% und der positive Vorhersagewert bei 71%. Dies erklärt sich durch eine Gruppe von Patienten, bei denen die herkömmliche Diagnostik zu einem negativen, der AIT hingegen zu einem positiven Ergebnis gekommen war. Eine Follow-up-Studie muß klären, ob bei diesen Patienten ein klinisch nicht manifestes AIS vorliegt, oder ob der Test falsch-positive Ergebnisse liefert. Zusammenfassend ist der AIT bisher – trotz der guten Ergebnisse – nicht zur Diagnosesicherung eines AIS ausreichend, betrachtet man aber seine Vorteile in Praktikabilität und Risikominimierung, so ist eine weitere Validierung des Tests zu fordern.Correspondence to:
Dr. med. K. Hecksteden
HNO-Klinik
Universitätsklinikum Freiburg
Killianstraße 5
D-79106 Freiburg
Übersichten
Was können Nabelschnurzelluntersuchungen zur Allergieprävention beitragen?
Z. Szépfalusi
Abstract
Z. Szépfalusi
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien
Das fötale Immunsystem reift unter Umwelteinflüssen, die gänzlich über die mütterliche Exposition übermittelt werden. Nabelschnuruntersuchungen können Hinweise auf infektiöse und nichtinfektiöse intrauterine Exposition geben. So konnte gezeigt werden, daß der Fötus bereits ab der 20. Gestationswoche mit nutritiven und inhalativen Allergenen in Kontakt kommt. Weiterführende Untersuchungen an Amnionflüssigkeit und an einem Plazentamodell erbrachten den direkten Nachweis für eine materno-fötale Allergenübertragung. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, daß die Nabelschnurzell-Immunantwort auf Allergene von jenen Faktoren mitbeeinflußt wird, welche als Risikofaktoren für die Entwicklung von Asthma bronchiale und atopischer Erkrankungen maßgeblich sind: positive Familienanamnese für Atopie und mütterliches Rauchen. Im Gegensatz dazu ist die Bedeutung der perinatalen Allergenexposition, bestimmter maternaler Nahrungsgewohnheiten, Infektionsexposition und bestimmter pro- oder präbiotischer Nahrungsbestandteile auf eine primäre Atopieprävention noch weitgehend ungeklärt. Neuere Studien legen nahe, daß die protektiven Effekte mancher dieser Einflußfaktoren in der Perinatalperiode am stärksten zum Tragen kommen (Stalltierkontakt, Probiotika, Infektionen). Diesbezügliche spezifische Empfehlungen als primäre Atopieprävention sollten erst nach Vorliegen weiterführender gezielter Studien im Humansystem erfolgen.Correspondence to:
Univ.-Doz. Dr. med. Z. Szépfalusi
Universitätsklinik für
Kinder- und Jugendheilkunde
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Übersicht
Multiple chemische Sensitivität (MCS): Strategien zur Aufklärung genetischer Prädispositionen
T. Eggermann, K. Zerres, W. Dott und G.A. Wiesmüller
Abstract
T. Eggermann1, K. Zerres1, W. Dott2 und G.A. Wiesmüller2
1Institut für Humangenetik und 2Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Klinikum der RWTH, Aachen
Bei der multiplen chemischen Sensitivität (MCS) handelt es sich um eine von den Betroffenen mit Chemikalienexpositionen assoziiert erlebte Überempfindlichkeit, die durch rezidivierende Symptome an mehreren Organsystemen charakterisiert ist. Die Symptome werden auf die Exposition einer Vielzahl chemisch nicht-verwandter Stoffe zurückgeführt, deren Konzentrationen weit unter denen liegen, die in der allgemeinen Bevölkerung zu gesundheitlichen Störungen führen. Die Pathophysiologie der Erkrankung ist ungeklärt, Erklärungsansätze kommen aus unterschiedlichsten Disziplinen. Inwiefern genetische Faktoren von Bedeutung sind, ist derzeit weitgehend unklar, es gibt jedoch Hinweise für eine mögliche Beteiligung genetischer Faktoren an der Ätiologie von MCS. Mit der Aufklärung der Sequenz der menschlichen Erbinformation sowie der Entwicklung von molekularen Techniken, die eine schnelle und kostengünstige Analyse genetischer Faktoren erlauben, sind nun neue Ansätze zur Aufklärung des Pathomechanismus von MCS denkbar. Im folgenden sollen mögliche molekulargenetische Strategien erklärt und ihre Verwendung bei der Aufklärung von MCS erläutert werden. Aktuell wird zur Untersuchung genetischer Grundlagen von MCS am Universitätsklinikum Aachen ein Forschungsvorhaben durchgeführt.Correspondence to:
PD Dr. rer. nat. T. Eggermann
Institut für Humangenetik
Klinikum der RWTH
Pauwelsstraße 30
D-52074 Aachen
Übersichten
Lokalreaktionen als Nebenwirkungen der spezifischen Immuntherapie
W. Wehrmann
Abstract
W. Wehrmann
Allergologie – Umweltmedizin, Hautärztliche Gemeinschaftspraxis, Münster
Die klinische Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie in der Therapie von Allergien ist gut dokumentiert. Sie wird häufig durchgeführt und beinhaltet Nebenwirkungsrisiken. Systemische Nebenwirkungen treten selten in Erscheinung und können durch weitgehend standardisierte Therapien gut beherrscht werden. Dosisanpassungen für das weitere Vorgehen sind ebenso geregelt. Keine einheitlichen Vorgaben existieren für das Management von lokalen Nebenwirkungen, die als Soforttypreaktion oder als Spättypreaktionen auftreten. Die Informationen der allergologischen/immunologischen Fachgesellschaften differieren hierzu ebenso wie die der Hersteller. Ein einheitliches Management für das Vorgehen bei lokalen Nebenwirkungen, therapeutisch wie dosisbezogen, wäre für die Sicherheit und die Compliance in der Anwendung gleichermaßen notwendig und wichtig wie für die systemischen Nebenwirkungen.Correspondence to:
PD Dr. med. W. Wehrmann
Hautärztliche Gemeinschaftspraxis
Warendorfer Straße 183
D-48145 Münster
Serie
Management anaphylaktischer Reaktionen in der allergologischen Praxis
S. Ahlbach und W.-H. Boehncke
Abstract
S. Ahlbach1 und W.-H. Boehncke2
1Zentrum der Inneren Medizin, 2Zentrum der Dermatologie und Venerologie, Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main
Das Wissen um Risikofaktoren und die qualifizierte Durchführung allergologischer Maßnahmen trägt viel dazu bei, daß anaphylaktische Reaktionen in der Praxis weitestgehend vermieden werden können. Aber selbst größte Gewissenhaftigkeit kann das Auftreten dieser Komplikationen nicht völlig ausschließen. Jede allergologische Praxis muß daher auf den “Ernstfall” vorbereitet sein. Europäische und nationale Arbeitsgruppen haben Leitlinien für die Durchführung lebensrettender Maßnahmen erstellt, die in notärztliche und rettungsmedizinische Leitfäden aufgenommen wurden. Nachfolgend werden diese mit Bezug auf die Problematik des anaphylaktischen Schocks sowie die Gegebenheiten einer allergologischen Praxis dargestellt. Neben allgemeinen Maßnahmen werden Indikation und Applikation der wesentlichen Notfallmedikamente ebenso beschrieben wie die stadiengerechte Therapie anaphylaktischer Reaktionen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W.-H. Boehncke
Zentrum der Dermatologie und Venerologie
Klinikum der
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D-60590 Frankfurt