Jahrgang 25, No. 9/2002(September 2002)
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Allergologie
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Editorial
Stufenplan des BfArM zu Benzalkoniumchlorid in Nasentropfen und Sprays
Originalarbeit
Historische Aspekte der Hausstaubmilbenallergie
C. Gutgesell, L. Meyer und Th. Fuchs
Abstract
C. Gutgesell1, L. Meyer2 und Th. Fuchs1
1Hautklinik und Poliklinik, Georg-August-Universität, Göttingen, 2Abteilung Klassische Philologie, Universität Bern
Hintergrund: In bisherigen Übersichtsarbeiten zu historischen Aspekten der Hausstaubmilbenallergie finden sich keine Angaben zu antiken Autoren. Auch das deutschsprachige Schrifttum aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde bisher wenig berücksichtigt. Methoden: Wir suchten daher in Werken antiker Autoren (Hippokrates, Galen, Celsus und Plinius der Ältere) nach Hinweisen für Staubunverträglichkeiten. Zusätzlich wurde die relevante deutschsprachige Literatur aus den Jahren 1900 bis 1950 evaluiert. Schließlich berücksichtigten wir Arbeiten zum Thema, die in Medline aufgeführt sind. Ergebnisse: Es zeigte sich, daß bereits in der Antike ungünstige Effekte von Staub auf Haut und Schleimhäute beschrieben wurden. In der deutschen dermatologisch-allergologischen Fachliteratur gab es vor allem in den 1920er bis 1930er Jahren eine Diskussion darüber, ob Stauballergene einen wesentlichen Einfluß auf den Verlauf der atopischen Dermatitis ausüben könnten. In den Folgejahren verlor sich jedoch das Interesse an Hausstaub als Auslöser atopischer Symptome. Seit den 1960er Jahren mit der Entdeckung von Dermatophagoides pteronyssinus als allergologisch relevante Hausstaubmilbe erneuerte sich das Interesse an Innenraumallergenen als Provokationsfaktoren des Asthmas. Seit Beginn der 1980er Jahre mit der Einführung des Atopie-Patchtests wurden Hausstauballergene auch bei atopischer Dermatitis zunehmend als ursächlich bedeutsam beurteilt. Schlußfolgerung: Seit Jahrhunderten werden Staub bzw. Stauballergene als Auslöser von Haut- und Schleimhauterkrankungen beschrieben, wobei die Thematik im Laufe der Zeit ein unterschiedlich großes Interesse fand.Correspondence to:
Dr. med. C. Gutgesell
Hautklinik und Poliklinik
Georg-August-Universität
Von-Siebold-Straße 3
D-37075 Göttingen
Originalarbeit
In-vitro-Leukotrienproduktion gemessen im CAST-ELISA über einen Beobachtungszeitraum von 5 Monaten
E.M. Engels, J. Lange, D. Beischer, J. Kühr und M.V. Kopp
Abstract
E.M. Engels, J. Lange, D. Beischer, J. Kühr und M.V. Kopp
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universität Freiburg
Einleitung: Der Cellular Antigen Stimulation Test (CAST; Bühlmann Laboratory AG, CH) quantifiziert die In-vitro-Cystinyl-Leukotrienproduktion (= CysLT: LTC4, LTD4, LTE4) isolierter Leukozyten, die bei der allergischen Entzündungsreaktion Bronchokonstriktion, gesteigerte Gefäßpermeabilität und Hypersekretion hervorrufen. Fragestellung: Lassen sich saisonale Effekte bei der In-vitro-CysLT-Produktion beobachten? Population und Methoden: Es wurden 9 Probanden im Alter von 7 – 18 Jahren rekrutiert (3 ohne Sensibilisierung, 2 mit Hausstaubmilbensensibilisierung sowie 4 Probanden mit Sensibilisierung gegen Gräserpollen). Monatlich erfolgte jeweils eine Blutentnahme. Nach Dextransedimentation wurden die isolierten Zellen mit Medium alleine (Negativkontrolle), mit einem Anti-IgE-Rezeptor-Antikörper (Anti-IgE-rAK; 0,5 mg/mL; Positivkontrolle) sowie mit Graspollenallergen (Sechs-Gräsermischung GX1, 20 ng/ml) stimuliert. Die CysLT-Produktion (LTC4, LTD4, LTE4) wurde mittels ELISA quantifiziert (CAST-ELISA, Bühlmann Laboratory AG, Schönenbuch, Schweiz). Ergebnisse: Nach Stimulation mit Anti-IgE-rAK lagen die CysLT-Konzentrationen im März zwischen 1163 und 6187 pg/ml, im Monat Mai zwischen 2048 und 7620 pg/ml (mediane Zunahme 63%; Range: 35% – 114%; p = 0,012). Nach Stimulation mit Graspollenallergen wurde eine CysLT-Konzentration zwischen 158 und 208 pg/ml im März sowie zwischen 337 und 7057 pg/ml im Mai gemessen (mediane Zunahme 49,9%; Range: 38 – 133%; p = 0,004). Die mediane In-vitro-CysLT-Produktion nach Stimulation mit Graspollenallergen im Monat Mai lag bei Probanden mit Graspollensensibilisierung bei 6137 pg/ml (Range: 4249 – 7620), bei Probanden ohne Graspollensensibilisierung bei 2130 pg/ml (2048 – 5421). Schlußfolgerung: Es konnten saisonale Schwankungen mit einer signifikant höheren In-vitro-Produktion der CysLT im Monat Mai im Vergleich zum Monat März gezeigt werden. Diesem saisonalen Effekt muß beim Einsatz des CAST-ELISA im Rahmen von klinischen Langzeitstudien Rechnung getragen werden.Correspondence to:
Dr. med. M.V. Kopp
Zentrum für Kinderheilkunde
und Jugendmedizin
Universität Freiburg
Mathildenstraße 1
D-79106 Freiburg
Originalarbeit
Kurzzeit-Immuntherapie mit Baumpollen-Allergoiden und dem Adjuvans Monophosphoryl Lipid-A – Ergebnisse einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Multicenterstudie
K.J. Drachenberg, M. Heinzkill und E. Urban
Abstract
K.J. Drachenberg, M. Heinzkill und E. Urban
Bencard Allergie GmbH, München
Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist neben der Karenz die einzige kausale Therapieform in der Behandlung von Typ-I-Allergien. In dieser randomisierten, plazebokontrollierten Doppelblindstudie sollten Wirksamkeit und Verträglichkeit einer präsaisonalen Kurzzeit-Immuntherapie mit 4 Injektionen bei Baumpollenallergikern überprüft werden. Eingeschlossen wurden 84 Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis, Konjunktivitis und/oder Asthma. Die Patienten erhielten präsaisonal 4 Injektionen eines Präparates mit L-Tyrosin-adsorbierten Allergoiden (Birke/Erle/Hasel) plus jeweils 50 mg/ml Monophosphoryl Lipid-A (MPL) (Verum, n = 57) oder eine 2%ige L-Tyrosin-Suspension (Plazebo, n = 27). Als primärer Zielparameter diente der kombinierte Symptom-/Medikationsscore während der Pollenflugsaison. Dieser zeigte eine signifikante Überlegenheit von Verum (p = 0,028). Auch im titrierten Hautpricktest und im Verlauf von spezifischem IgG und IgE zeigte sich ein signifikanter Effekt der aktiven Therapie. Die Verträglichkeit des Präparates war gut. Schwere oder schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. In dieser Studie konnten die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer präsaisonalen Kurzzeit-Immuntherapie mit 4 Injektionen bei Baumpollenallergikern gezeigt werden. Die Anwendung dieser Therapie könnte die Akzeptanz bei den Patienten verbessern und damit zu einer weiteren Verbreitung der SIT in der Therapie von Typ-I-Allergien beitragen.Correspondence to:
Dr. med. K.J. Drachenberg
Bencard Allergie GmbH
Messerschmittstraße 4
D-80992 München
Übersicht
B-Zellen als Effektorzellen und potentielle Zielzellen bei der Behandlung von Typ I- allergischen Erkrankungen
A.C. Röver, B.M. Henz und M.Worm
Abstract
A.C. Röver, B.M. Henz und M.Worm
Klinik für Dermatologie und Allergologie, Charité, Campus Mitte, Humboldt-Universität, Berlin
B-Zellen sind wesentlich an der Entwicklung allergischer Immunreaktionen vom Typ-I beteiligt. In dieser Übersicht werden grundlegende Fakten zur Herkunft und Natur von B-Zellen dargestellt. Es wird detailliert auf Mechanismen eingegangen, welche die wenig beachtete Fähigkeit von B-Zellen zur Präsentation von spezifischen Allergenen gegenüber T-Lymphozyten umfassen. Zudem werden neuere Befunde zu den molekularen Vorgängen bei der Produktion der für allergische Erkrankungen wichtigen Immunglobuline der Klassen IgE und IgG4 dargestellt, insbesondere dem Antikörperklassenwechsel und der IgE-Regulation. Da die Immuntherapie mit spezifischen Allergenen derzeit die einzige kausale Behandlung allergischer Erkrankungen darstellt, werden Untersuchungen zu Veränderungen immunologischer Parameter während dieser Behandlung kritisch erörtert, einschließlich eigener Befunde. Schließlich werden neuere Daten zur negativen Beeinflussung von B-Zellen bei der IgE Synthese durch sehr geringe Konzentrationen von Vitamin A vorgestellt. Ob letztere sich auch für therapeutische Zwecke eignen, bedarf noch der klinischen Untersuchung. Insgesamt sollen die Ausführungen mit einem besseren Verständnis der Funktionen von B-Zellen Hinweise für neue, innovative Ansatzpunkte zur Beeinflussung IgE-abhängiger Erkrankungen bieten.Correspondence to:
PD Dr. med Margitta Worm
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Charité, Campus Mitte
Humboldt-Universität
Schumannstraße 20/21
D-10117 Berlin
Kasuistik
Shiitake (Lentinula edodes)-Dermatitis
U. Lippert, V. Martin, C. Schwertfeger und Th. Fuchs
Abstract
U. Lippert, V. Martin, C. Schwertfeger und Th. Fuchs
Hautklinik und Poliklinik, Georg-August-Universität, Göttingen
Shiitake (Lentinula edodes) ist in Asien ein beliebter Speisepilz, der auch in Europa zunehmend Verwendung findet. Er gehört zur Familie der Marasmiaceae, Gattung Lentinulae. Allergische Reaktionen durch Shiitake- Pilze äußern sich als Kontaktekzem, Alveolitis oder Asthma. Der Genuß von rohen Shiitake-Pilzen kann zu einer Toxikodermie führen. Hierbei entwickeln sich juckende Papeln. Als Toxin wird das Polysaccharid Lentina vermutet. Innerhalb von 7 Monaten sahen wir 3 Patienten, die nach Genuß dieses Pilzes verschieden ausgeprägte Hautveränderungen zeigten. Bei einem 45jährigen Hobbykoch der Shiitake-Pilzgerichte zubereitete und aß, traten erythematöse Papeln im Gesicht auf. Im Prick-to-Prick-Test mit einem Shiitake- Pilz zeigte sich eine Sofortreaktion, die sich in eine ekzematöse Spätreaktion umwandelte. Zwei weitere Patienten entwickelten disseminierte Papeln nach Genuß von rohen Pilzen. Ein Patient hatte zuvor gebratene Shiitake-Pilze gegessen und vertragen. Ein Pick-to-Prick-Test mit einem Shiitake-Pilz war bei beiden Patienten negativ. An den Teststellen entwickelten sich ekzematöse Spätreaktionen. Während der Fall 1 ein allergisches Geschehen vermuten läßt, erinnern Anamnese und Klinik der nachfolgenden Fälle an eine Toxikodermie. Ungewöhnlich sind allerdings die positiven Hauttestbefunde. Zur Klärung und Zuordnung dieser unterschiedlichen Reaktionen sind Untersuchungen weiterer Fälle unerläßlich.Correspondence to:
Dr. med. Undine Lippert
Hautklinik und Poliklinik
Georg-August-Universität
Von-Siebold-Straße 3
D-37075 Göttingen
Positionspapier
Durchführung des nasalen Provokationstests bei Erkrankungen der oberen Atemwege – Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (Sektion HNO) gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Klinische Immunolog
H. Riechelmann, C. Bachert, O. Goldschmidt, B. Hauswald, L. Klimek, W.W. Schlenter, A.J. Tasman und M. Wagenmann
Abstract
H. Riechelmann, C. Bachert, O. Goldschmidt, B. Hauswald, L. Klimek, W.W. Schlenter, A.J. Tasman und M. Wagenmann
Serie: Basiswissen Immunologie
Therapie allergischer Erkrankungen mit Omalizumab (Xolair, rhuMab-E25, anti-IgE)
K.-M. Beeh und R. Buhl
Abstract
K.-M. Beeh und R. Buhl
Schwerpunkt Pneumologie, III. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Mainz
Die zentrale Rolle des Immunglobulins E für die Pathogenese allergischer Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren umfangreich dokumentiert worden. Mit dem monoklonalen anti-IgE-Antikörper Omalizumab besteht erstmalig die therapeutische Option, selektiv in die IgE-vermittelte Entzündungskaskade einzugreifen. Klinische Studien bei allergischer Rhinitis und allergischem Asthma bronchiale haben die Wirksamkeit von Omalizumab hinsichtlich Symptomatik, Lebensqualität, Medikamentenverbrauch, Lungenfunktion und Asthma-Exazerbationshäufigkeit bei insgesamt guter Verträglichkeit belegen können. Dabei scheinen insbesondere Patienten mit schwergradigem Asthma bronchiale von diesem neuen Therapieprinzip zu profitieren. Der Beitrag fasst die bisherigen Ergebnisse zu Omalizumab zusammen.Correspondence to:
Dr. med. K.-M. Beeh
Schwerpunkt Pneumologie
III. Medizinische Klinik
Universitätsklinikum Mainz
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz