Jahrgang 25, No. 10/2002(Oktober 2002)
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Allergologie
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Originalarbeit
Pilotstudie zur Bewertung der Wirksamkeit von Aarane® im Vergleich zu Budesonid bei Kindern und Jugendlichen mit leichtem bis mittelschwerem Asthma bronchiale
S. Lau, W. Kamin, A. von Berg, F. Friedrichs, T. Zimmermann, W. Darlath, H.W. Voß und B. Niggemann
Abstract
S. Lau1, W. Kamin2, A. von Berg3, F. Friedrichs4, T. Zimmermann5, W. Darlath6, H.W. Voß7 und B. Niggemann1
1Universitätskinderklinik Charité, Berlin, 2Universitätskinderklinik, Mainz, 3Marienhospital Wesel, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, 4Kinderarztpraxis, Aachen, 5Universitätskinderklinik Erlangen, 6Aventis Pharma Deutschland GmbH, Klinische Entwicklung, Bad Soden, 7ClinResearch GmbH, Köln
Ziel der Studie war der Vergleich der Wirksamkeit der fixen Arzneimittelkombination aus DNCG und Reproterol (4 ´ tgl. 2 Sprühstöße, Aarane®, Aventis) im Vergleich zu niedrig dosiertem Budesonid (2´ tgl. 2 Sprühstöße zu 50 mg) bei Kindern und Jugendlichen mit leichtem bis mittelschwerem Asthma. 51 Patienten mit Asthma bronchiale im Alter von 4 bis 18 Jahren und einem FEV1 von mindestens 60% des Erwartungswertes wurden in diese multizentrische, randomisierte, doppelblinde, double-dummy Parallelgruppenstudie einbezogen. Nach Aufnahme in die Studie sollten die Patienten 2 ´ tgl. 2 Sprühstöße zu 50 mg Budesonid oder Plazebo sowie 4 ´ tgl. 2 Sprühstöße der Fixkombination zu je 1 mg DNCG und 0,5 mg Reproterol oder Plazebo inhalieren. Besuche im Prüfzentrum erfolgten im 4-wöchigen Abstand. Die Compliance wurde mit Hilfe von Aufsätzen auf den Dosieraerosolen (Doser) gemessen. Primärer Endpunkt war der an den Besuchstagen gemessene Ruhe-FEV1-Wert. Daneben wurden weitere Lungenfunktionsparameter gemessen und Daten in Patiententagebüchern erhoben. Nach 12 Wochen ergaben sich für die Parameter der Lungenfunktion keine statistisch signifikanten Unterschiede. Jedoch lag eine tendenzielle Überlegenheit der Behandlung mit Budesonid vor. Zwei Drittel der Patienten in der Budesonidgruppe inhalierten täglich die empfohlene Dosierung von 2 ´ 2 Sprühstößen, während in der Fixkombinationsgruppe die empfohlene Dosierung von täglich 4 ´ 2 Sprühstößen von keinem Patienten realisiert wurde. Die meisten Patienten (57%) dieser Behandlungsgruppe inhalierten täglich 3 ´ 2 Sprühstöße. Sowohl die Therapie mit der Fixkombination als auch niedrig dosiertes Budesonid scheinen für die Behandlung des leichten bis mittelschweren Asthma bronchiale im Kindesalter geeignet zu sein.Correspondence to:
PD Dr. med. Susanne Lau
Klinik für Pädiatrie
Charité
Humboldt-Universität Berlin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Originalarbeit
Diagnose-Algorithmus für Patienten mit umweltbezogenen Gesundheitsstörungen
G.A. Wiesmüller, W. Dott, S. Erdmann, H. Dickel, H.F. Merk, H. Ebel, H.J. Kunert, M. Müller-Küppers, K. Podoll, H. Saß, D. Wälte und R. Schulze-Röbbecke
Abstract
G.A. Wiesmüller1, W. Dott1, S. Erdmann2, H. Dickel2, H.F. Merk2, H. Ebel3,4, H.J. Kunert3, M. Müller-Küppers3, K. Podoll3, H. Saß3, D. Wälte3 und R. Schulze-Röbbecke5
1Institut für Hygiene und Umweltmedizin, 2Hautklinik und
3Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Aachen,
4Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Klinik Ludwigsburg, 5Institut für Hygiene, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf
Bisher liegen nur wenige systematische Untersuchungen zur somatischen und psychischen Morbidität bei Patienten mit umweltbezogenen Gesundheitsstörungen vor. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, einen Diagnose-Algorithmus, basierend auf umfangreichen Untersuchungen einschließlich intensiver Expositionserfassung sowie somatischer und psychischer Differentialdiagnostik zu entwickeln. Zwischen April 1997 und Dezember 1999 wurden Patienten der Umweltmedizinischen Ambulanz (UMA) des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin des Universitätsklinikums Aachen sowohl in der UMA als auch in der Allergologischen Sprechstunde der Hautklinik, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und abhängig vom Beschwerdebild zusätzlich in anderen Fachdisziplinen des Universitätsklinikums Aachen untersucht. Die erhobenen Befunde wurden in Hauptdiagnosen (Diagnosen, die das Beschwerdebild ausreichend erklären können) und Nebendiagnosen (Diagnosen, die nur Teile des Beschwerdebildes erklären können) eingeteilt. Basierend auf dieser Vorgehensweise wurde ein Diagnose-Algorithmus entwickelt. Mit diesem Diagnose-Algorithmus wurden 69 Patienten untersucht. Bei 55% der Patienten konnte eine psychiatrische Diagnose das Beschwerdebild erklären, bei 30% der Patienten traf dies für somatische, einschließlich allergologische Diagnosen zu. Bei den verbleibenden 15% der Patienten konnte keine Diagnose gestellt werden. Allerdings konnten bei diesen Patienten auch keine Umweltfaktoren als Ursache der Beschwerden ermittelt werden. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß bei Patienten mit umweltbezogenen Gesundheitsstörungen eine sorgfältige und gründliche Differentialdiagnostik erforderlich ist. Hierbei sollten nicht nur Umweltfaktoren, sondern auch somatische und/oder psychische Faktoren als mögliche Ursache der gesundheitlichen Störungen berücksichtigt werden. Ein interdisziplinärer Ansatz, so wie er im vorliegenden Diagnose-Algorithmus realisiert ist, ist hierbei von großem Nutzen.Correspondence to:
PD Dr. med. G.A. Wiesmüller
Institut für Hygiene und Umweltmedizin
Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstraße 30
D-52074 Aachen
Originalarbeiten
Vergleich des Wasserdampftransportvermögens von Barrieretextilien für allergendichte Matratzenbezüge (Encasings)
V.T. Bartels
Abstract
V.T. Bartels
Abteilung Bekleidungsphysiologie, Hohensteiner Institute, Bönnigheim
Allergendichte Matratzenbezüge (sogenannte Encasings) müssen neben einer guten Barrierewirkung und mehrfacher Waschbarkeit insbesondere auch eine gute physiologische Funktion besitzen, d.h. ein hohes Wasserdampftransportvermögen (“Atmungsaktivität”). Dadurch wird eine gute Schlafqualität und die Akzeptanz beim Patienten gewährleistet. Die physiologische Funktion wird in der vorliegenden Arbeit mit Hilfe des Hautmodells für unterschiedliche Schlafsituationen bestimmt. Untersucht werden verschiedenartige Barrieretextilien, die als PU-Beschichtung, Laminat, Gewebe oder Vlies ausgeführt sind. Es zeigt sich, daß es für alle Konstruktionen möglich ist, Materialien mit sehr guten physiologischen Eigenschaften herzustellen. Es offenbaren sich aber auch erhebliche Qualitätsunterschiede, die Spanne reicht innerhalb mancher Konstruktionsgruppen von sehr gut bis ungenügend. Eine einheitliche Bewertung z.B. von PU-Beschichtungen ist daher grundsätzlich nicht möglich.Correspondence to:
Dr. rer. nat. V.T. Bartels
Hohensteiner Institute
Abteilung Bekleidungsphysiologie
Schloß Hohenstein
D-74357 Bönnigheim
Übersicht
Eine Übersicht über pflanzliche Nahrungsmittelallergene
C. Ebner und H. Breiteneder
Abstract
C. Ebner und H. Breiteneder
Institut für Pathophysiologie, Universität Wien
Die meisten pflanzlichen Nahrungsmittelallergene können an Hand ihrer Struktur und/oder Funktion einigen wenigen Proteinfamilien zugerechnet werden. Die Allergene erfüllen wichtige biologische Funktionen, sie sind z.B. Teil des Abwehrsystems der Pflanze oder dienen der Speicherung (Speicherproteine). In den letzten Jahren konnte durch die Klonierung, Sequenzierung und Strukturanalyse von verschiedensten Allergenen viel Information über die Besonderheit dieser Proteine gewonnen werden. Viele Nahrungsmittelallergene sind Homologe von sogenannten “pathogenesis-related proteins” (PR-Proteine). Diese werden in manchen pflanzlichen Geweben konstitutiv exprimiert, in anderen als Antwort auf Streß (Pathogen-Befall, Verletzung, Umwelt-Streß). Andere wichtige Gruppen von Nahrungsmittelallergenen sind Enzym-Inhibitoren (Inhibitoren von a-Amylase oder Trypsin), Proteasen, Profiline und Samen-Speicherproteine. Innerhalb einer Gruppe besteht teilweise Kreuzreaktivität, die auch klinisch relevant sein kann. Die Kenntnis der biologischen Zusammenhänge kann also dem Kliniker die Diagnostik erleichtern und wichtige Information für den Patienten liefern.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Ch. Ebner
Institut für Pathophysiologie
Universität Wien
Währinger Gürtel 18 – 20
D-1090 Wien
Kasuistik
Celecoxib (Celebrex)-induzierte Anaphylaxie
U. Weber-Mani, A. Reimers, W.J. Pichler und U. Müller
Abstract
U. Weber-Mani1, A. Reimers1, W.J. Pichler2 und U. Müller1
1Allergiestation, Spital Bern, 2Klinik für Allergologie und Klinische Immunologie, Inselspital, Bern
Zyklooxygenase-2-Inhibitoren gewinnen zunehmend an Bedeutung. Bei NSAID-Intoleranz können sie als Behandlungsalternative eingesetzt werden. Auch sie können jedoch zu anaphylaktischen Reaktionen führen. Eine 72-jährige Patientin reagierte nach Einnahme von Mefenaminsäure und Celecoxib mit einer Anaphylaxie, nachdem sie beide Medikamente vorher mehrfach problemlos toleriert hatte. In einer allergologischen Untersuchung fanden sich keine Hinweise auf ein IgE-vermitteltes Geschehen. Ein Lymphozytentransformationstest (LTT) zeigte ebenfalls keine Sensibilisierung auf Celecoxib, jedoch überraschend eine starke Proliferation auf Rofecoxib, das die Patientin noch nie eingenommen hatte. Wegen der unklaren Situation wurde eine orale Provokation mit Celecoxib durchgeführt, während der es zu einer gleichartigen Reaktion kam. Die Serum-Tryptase war während der Reaktion stark erhöht. Ein anschließender Provokationstest mit 750 mg Mefenaminsäure verlief problemlos. Da die Patientin auch Azetylsalizylsäure und Paracetamol problemlos verträgt, liegt bei ihr keine konventionelle NSAID-Intoleranz vor. Zwei Reaktionsmechanismen sind denkbar: 1. Ein immunologischer, Celecoxib-spezifischer Mechanismus, möglicherweise auf einen Metaboliten. Die starke Erhöhung der Tryptase und die Proliferation im LTT nach Stimulation mit Rofecoxib könnten ein 2.Hinweis darauf sein. Eine nichtimmunologische Intoleranzreaktion auf die Gruppe der COX2-Hemmer. Hierfür spricht der fehlende Nachweis einer Sensibilisierung auf Celecoxib.Correspondence to:
Dr. med. U. Weber-Mani
Allergologische/immunologische Poliklinik
Inselspital
CH-3001 Bern
Serie: Standpunkt
Komplementärmethoden bzw. sogenannte “Alternativmethoden” in der Allergologie
W. Dorsch und J. Ring für die Arbeitsgruppe “Komplementärmedizin” der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie
Abstract
W. Dorsch und J. Ring für die Arbeitsgruppe “Komplementärmedizin” der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie
Die Liste unkonventioneller medizinischer Techniken, die in Deutschland Anwendung finden, ist sehr lang. Sie umfaßt Methoden zur Diagnostik sowie Methoden zur Therapie. Nur wenige können als seriöse Verfahren bezeichnet werden, die klassische Methoden der Allergologie sinnvoll ergänzen können: Atemtherapie, Akupunktur, Autogenes Training, Balneologie, funktionelle Entspannung, Klimatologie, seriöse Diätetik, Ernährungstherapie, Phytotherapie, Physiotherapie, Psychotherapie.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W. Dorsch
Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Allergologie, Naturheilverfahren
Leiter des Arbeitskreises
“Komplementärmedizin” der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und Immunologie
Aidenbachstrasse 118
D-81379 München