Jahrgang 25, No. 11/2002(November 2002)
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Allergologie
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Originalarbeit
Cluster-Immuntherapie bei allergischer Rhino-Konjunktivitis
I. Hansen, B.A. Stuck, S. Schneider-Gene, R. Mösges, K. Hörmann und L. Klimek
Abstract
I. Hansen1, B.A. Stuck1, S. Schneider-Gene1, R. Mösges2, K. Hörmann1 und L. Klimek1,3
1HNO-Universitätsklinik Mannheim, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg, 2IMSIE, Universität zu Köln, 3Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
Die Hyposensibilisierungstherapie oder spezifische Immuntherapie (SIT) ist neben der Allergenkarenz die einzige kausale Behandlungsmöglichkeit von Patienten mit allergischer Rhinokonjunktivitis. Die Effektivität der SIT ist abhängig vom spezifischen Allergen, der Qualität und Gesamtdosis der verabreichten Allergenextrakte und dem Applikationsschema. Bei der klassischen SIT wird ein Allergenextrakt repetitiv in ansteigenden Dosen subkutan injiziert. Es existieren unterschiedliche Therapie-Schemata für die subkutane SIT. Bei der Cluster-Therapie werden hierzu 2 – 3 Injektionen je Behandlungstag in wöchentlichen Abständen verabreicht. Wir untersuchten in dieser offenen Studie 247 Patienten (135 Frauen, 112 Männer) im Alter von 18 – 59 Jahren (Altersdurchschnitt: 31,2 ± 6,9 Jahre) hinsichtlich auftretender Nebenwirkungen des Cluster-Therapieschemas in der Dosissteigerungsphase. Die Gesamtzahl der übersteigerten Lokalreaktionen (³ Grad 1) betrug n = 512 entsprechend 11,3% aller Injektionen. Hiervon waren 374 (73,0%) Sofortphasenreaktionen, 131 (25,6%) Spätphasenreaktionen und 7 (1,4%) sowohl Sofort- als auch Spätphasenreaktionen. Von allen übersteigerten Lokalreaktionen waren 435 (85,1%) Grad 1-Reaktionen, 66 (12,9%) Grad 2-Reaktionen, 9 (1,7%) Grad 3-Reaktionen und 2 (0,3%) Grad 4-Reaktionen. Die Gesamtzahl der systemischen Reaktionen betrug n = 89 entsprechend 1,96% aller Injektionen. Hiervon waren 71 (80%) Sofortphasenreaktionen, 17 (19%) Spätphasenreaktionen und 1 (1,2%) sowohl eine Sofort- als auch Spätphasenreaktion. Von allen systemischen Reaktionen wurden 73 (82,02%) dem Stadium 1 zugeordnet und 16 (17,98%) dem Stadium 2. Reaktionen entsprechend Stadium 3 und 4 wurden nicht beobachtet. Art und Anzahl der unerwünschten Reaktionen bei dem verwendeten Cluster-SIT Schema entspechen somit dem bei anderen Schemata üblichen Rahmen. Unter Sicherheitsaspekten könnte daher die Cluster-SIT zu einer interessanten Alternative herkömmlicher Therapieschemata für die Dosissteigerungsphase werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. L. Klimek
Zentrum für Rhinologie
und Allergologie
An den Quellen 10
D-65183 Wiesbaden
Originalarbeit
Intraindividuelle, randomisierte Doppelblindstudie zum Vergleich des protektiven Effektes zwischen verschiedenen Anwendungsformen von DNCG und Reproterol bei Kindern mit Anstrengungsasthma
A. von Berg, B. Albrecht, W. Darlath, H.W. Voß und D. Berdel
Abstract
A. von Berg1, B. Albrecht1, W. Darlath2, H.W. Voß3 und D. Berdel1
1Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Marienhospital Wesel, 2Klinische Entwicklung, Aventis Pharma Deutschland GmbH, Bad Soden, 3ClinResearch GmbH, Köln
Ziel der Studie war der Nachweis der Überlegenheit einer Einmalgabe der fixen Arzneimittelkombination aus DNCG und Reproterol im Vergleich zur alleinigen Gabe der Monopräparate sowie ihrer aufeinanderfolgenden Gabe (freie Kombination) hinsichtlich des protektiven Effektes bei Kindern mit nachgewiesenem Anstrengungsasthma. Hauptzielkriterium war der protektive Gesamteffekt des Vergleichs Fixkombination vs. Reproterol. Er wurde berechnet als Fläche unter der Kurve des FEV1 zwischen den Zeitpunkten t = –5 und t = 20 Minuten nach Inhalation der jeweiligen Prüfmedikation, wobei die Differenzen zum Ausgangswert bei t = –5 Minuten herangezogen wurden. Die Studie wurde auf der Basis eines adaptiven Folgetestplans mit zwei Zwischenauswertungen durchgeführt. Der konfirmatorische Vergleich der Behandlungen erfolgte mittels einfaktorieller Varianzanalyse mit Messwiederholungen auf dem Faktor Behandlung. Das globale Signifikanzniveau war mit Alpha = 0,025 (einseitig) festgelegt. Die erste Zwischenauswertung wurde wie geplant nach Abschluß von 16 Patienten durchgeführt und führte zur Ablehnung der Nullhypothese. Daher wurde die Rekrutierung nach der Zwischenauswertung abgebrochen, nachdem n = 20 Patienten in die Studie aufgenommen waren und der 5. Randomblock vervollständigt worden war. Hinsichtlich der Zielkriterien ergab sich eine statistisch signifikante Überlegenheit (jeweils p < 0.01) der Kombination aus DNCG und Reproterol sowohl gegenüber Reproterol (Hauptzielkriterium) als auch DNCG (Nebenzielkriterium). Während die Einzelsubstanzen alleine nicht in der Lage waren, Anstrengungsasthma vollständig zu verhindern, gelang dies durch ihre kombinierte Gabe. Unterschiede zwischen der fixen und einer freien Kombination konnten nicht festgestellt werden. Der Nachweis der überlegenen Wirksamkeit der fixen Arzneimittelkombination im Vergleich zu den Monopräparaten konnte erbracht werden.
Correspondence to:
Dr. med. Andrea von Berg
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Marienhospital Wesel
Pastor-Janßen-Straße 8-38
D-46483 Wesel
Originalarbeit
Qualitätskontrolle in der Umweltmedizinischen Ambulanz (UMA) des Universitätsklinikums Aachen
S. Arcan, H.J. Kunert, H. Ebel, K. Podoll, R. Schulze-Röbbecke, W. Dott und G.A. Wiesmüller
Abstract
S. Arcan1, H.J. Kunert2, H. Ebel2,3, K. Podoll2, R. Schulze-Röbbecke4, W. Dott1 und G.A. Wiesmüller1
1Institut für Hygiene und Umweltmedizin und 2Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Aachen, 3Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Klinik Ludwigsburg, 4Institut für Hygiene, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf
Obwohl sich die Umweltmedizin in Deutschland vor etwas mehr als 10 Jahren etablierte, wurde bisher nur vereinzelt über eine systematische Qualitätskontrolle auf diesem Gebiet berichtet. Daher war Ziel der vorliegenden Studie, eine Qualitätsuntersuchung bei 68 Patienten der Umweltmedizinischen Ambulanz (UMA) des Universitätsklinikums Aachen durchzuführen. Die Patienten wurden per Anschreiben zur Teilnahme an der Studie eingeladen. Danach wurde ein standardisiertes Telefoninterview durchgeführt. Im Anschluß daran wurden die etablierten validierten psychometrischen Fragebögen Fragebogen zur Erfassung der Aufmerksamkeit (FEDA), Body Sensation Index (BSI) als Kurzform der Symptom Checklist 90 – Items revised und Screening für somatoforme Störungen (SOMS-7T) an die Patienten verschickt. Postalisch wurden 63 von 68 Patienten erreicht. Von diesen nahmen 61 (97%) am Telefoninterview teil und von diesen wiederum füllten 56 (92%) die psychometrischen Fragebögen aus, welche die Patienten bereits von ihrer Erstuntersuchung kannten. Von allen interviewten Patienten gaben 89% an, daß ihre gesundheitlichen Probleme vom Arzt verstanden worden seien, 21% profitierten von den klinischen Untersuchungen und 18% empfanden eine Verbesserung ihres Gesundheitsstatus. Die im Rahmen der Untersuchungen ermittelte Enddiagnose wurde von 48% akzeptiert, aber 59% konsultierten andere Ärzte. Dennoch würden 79% der interviewten Patienten die UMA weiterempfehlen. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß Patienten mit umweltbezogenen Gesundheitsstörungen Erwartungen an Diagnostik und Therapie haben, die von der Umweltmedizin (noch) nicht geleistet werden können. Hier sind Forschungs- und Entwicklungsarbeit dringend erforderlich.Correspondence to:
PD Dr. med. G.A. Wiesmüller
Institut für Hygiene und Umweltmedizin
Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstraße 30
D-52074 Aachen
Übersicht
Immunologische Aspekte bei Multipler Chemikalischer Sensitivität
C. Hornberg und G.A. Wiesmüller
Abstract
C. Hornberg1 und G.A. Wiesmüller2
1Biologie und Ökologie in den Gesundheitswissenschaften, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, 2Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Universitätsklinikum Aachen
Immunologische Störungen werden als mögliche Pathomechanismen bei der sogenannten Multiplen Chemischen Sensitivität (multiple chemical sensitivity, MCS) diskutiert. Gründe hierfür sind die systemischen gesundheitlichen Beschwerden bei MCS, die bekannten komplexen Interaktionen zwischen Immunsystem und anderen Organsystemen sowie einige wenige empirische Beobachtungen am Menschen. Andererseits bestehen sowohl theoretische Bedenken bezüglich möglicher zugrundeliegender immunologischer Mechanismen bei MCS als auch methodische Kritikpunkte an entsprechenden beim Menschen durchgeführten Studien. Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine kritische Darstellung der derzeit diskutierten immunologischen Konzepte zu MCS und der daraus ableitbaren Ansätze zukünftiger Forschung. Die klinischen Manifestationen von Allergie, Pseudoallergie und MCS werden als vergleichbare, eng miteinander verknüpfte Störungen diskutiert, bei denen umweltbedingte Expositionen Entzündungsreaktionen verursachen. Im Falle der Allergie binden fremde Eiweiße an das Immunglobulin E (IgE) auf Mastzellen, die inflammatorische Mediatoren freisetzen. Bei der Pseudoallergie induzieren die initiierenden Substanzen direkt eine Freisetzung von Entzündungsmediatoren, ohne daß Antikörper an diesen Prozessen beteiligt sind. Im Falle der MCS sollen niedrig-molekulare Chemikalien an sensorische Nervenfasern binden und so inflammatorische Mediatoren freisetzen. Verfechter der Immundysfunktion-Theorie sind der Ansicht, daß die Immundysfunktion auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist, wie beispielsweise auf eine “totale körperliche Belastung”, auf “Adaptation” oder auf “biochemische Individualität”. Darüber hinaus könnten “allergische und chemisch-irritative Reaktionen” erlernt sein, so daß die Immunantwort auch durch andersartige Stimuli getriggert werden kann. Allerdings limitiert die Tatsache, daß bisher weder intra- noch interindividuell konsistente Befunde bei Patienten mit MCS-Verdacht vorliegen, die Plausibilität dieser Hypothese, so daß bisher kein konsistentes Bild einer Immundysfunktion identifiziert werden konnte. Eine klinische Evaluation möglicher immunologischer Mechanismen bei MCS sollte keinesfalls auf der Basis von isolierten In-vitro-Beobachtungen zu Quantität und Funktion zellulärer Komponenten des Immunsystems erfolgen. Vielmehr müssen alle Variablen, die einen Einfluß auf die eingesetzten Untersuchungsmethoden haben können, einschließlich der kompletten Krankengeschichte und Befunde der körperlichen Untersuchung des Patienten, berücksichtigt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Dipl.-Biol. Dipl-Ökol.
Claudia Hornberg
Biologie und Ökologie
in den Gesundheitswissenschaften
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Universität Bielefeld
Postfach 10 01 31
D-33501 Bielefeld
Positionspapier
Therapiemöglichkeiten bei der IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie
U.S. Lepp, I. Ehlers, S. Erdmann, Th. Fuchs, M. Henzgen, J. Kleine-Tebbe, B. Niggemann, J. Saloga, I. Vieluf, S. Vieths, T. Zuberbier und T. Werfel, Arbeitsgruppe “Nahrungsmittelallergie” der DGAI
Abstract
U.S. Lepp, I. Ehlers, S. Erdmann, Th. Fuchs, M. Henzgen, J. Kleine-Tebbe, B. Niggemann, J. Saloga, I. Vieluf, S. Vieths, T. Zuberbier und T. Werfel, Arbeitsgruppe “Nahrungsmittelallergie” der DGAI
Medizinische Klinik Borstel, Borstel
Nach eindeutigem Nachweis einer Nahrungsmittelallergie, möglichst mittels doppelblind und plazebokontrolliert durchgeführter oraler Provokation, stellt sich die Frage der therapeutischen Möglichkeiten. Die Karenz ist die einzige Intervention, deren Effekt geprüft ist. Der Patient muß ausführliche Diätpläne mit Meidungsstrategien und Hinweisen zu sinnvollem Ersatz der Ernährung erhalten und eingehend beraten werden. Die Karenz muß im Fall von Allergenen, die potentiell schwere anaphylaktische Reaktionen auslösen können, mit Notfallmedikamenten (schnell absorbierbares orales Antihistaminikum, Glukokortikosteroid, Adrenalin) kombiniert werden. Eine Reexposition erscheint nur unter ärztlicher Aufsicht nach 1 – 2 Jahren gerechtfertigt. Die bei anderen allergischen Erkrankungen kausal wirkende Therapie der Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) stellt bei der Nahrungsmittelallergie die Ausnahme dar. Bei der baumpollenassoziierten Nahrungsmittelallergie kann den Patienten in Aussicht gestellt werden, daß sich nach Hyposensibilisierung mit einem Baumpollenextrakt auch die Reaktion auf die Nahrungsmittel bessert. Die subkutane Hyposensibilisierung mit Nahrungsmittelextrakten ist dagegen ausschließlich wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten. Eine orale Toleranzinduktion mit nativen Nahrungsmitteln kommt nur in Einzelfällen und bei nicht sicher meidbaren Nahrungsmitteln in Frage. Haben Patienten vorwiegend gastrointestinale Beschwerden, kann eine zeitlich begrenzte Therapie mit Cromoglykat versucht werden. Bei leichten Symptomen empfiehlt sich zur symptomorientierten Therapie ein modernes, nicht sedierendes, schnell wirksames Antihistaminikum. Abzulehnen sind “alternative Therapieformen” wie Rotationskost oder sogenannte “bioenergetische Verfahren” wie Elektroakupunktur nach Voll oder Bioresonanz.Correspondence to:
Dr. med. Ute S. Lepp
Medizinische Klinik Borstel
Parkallee 35
D-23845 Borstel