Jahrgang 25, No. 2/2002(Februar 2002)
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Allergologie
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Editorial
Allergie: Eine systemische Entzündung
C. Bachert
Übersicht
Genetik des Asthma und der atopischen Dermatitis
C. Sengler und R. Nickel
Abstract
C. Sengler und R. Nickel
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité, Humboldt-Universität, Berlin
Asthma, allergische Rhinitis und atopische Dermatitis sind komplexe Erkrankungen, welche vermutlich durch die Interaktion von mehreren Genen und Umweltfaktoren zustande kommen. Während der letzten 2 Jahrzehnte wurden zahlreiche chromosomale Regionen und genetische Varianten in Kandidatengenen identifiziert, die eine Kopplung bzw. Assoziationen mit Atopie-assoziierten Merkmalen aufwiesen. Schwerpunkte dieses Übersichtartikels sind a) die Methodik genetischer Studien zu erläutern, b) chromosomale Regionen und Polymorphismen in Genen zusammenzufassen, welche mit atopischen Krankheiten in Verbindung gebracht wurden, sowie c) genetische Faktoren aufzuzeigen, welche im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren die Entstehung allergischer Erkrankungen begünstigen können.Correspondence to:
Dr. med. Renate Nickel
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt
Pneumologie und Immunologie
Charité
Humboldt-Universität
Augustenburger Platz 1
D-13353 Berlin
Übersicht
Der allergische Marsch
U. Wahn
Abstract
U. Wahn
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité, Humboldt-Universität, Berlin
Der “allergische Marsch” bei Kindern und Jugendlichen nimmt Bezug auf eine typische Abfolge im Auftreten und Verschwinden atopischer Krankheitssymptome der Haut und der Atemwege sowie bestimmter IgE-Antworten gegen Nahrungsmittel- und Umweltallergene. Er wird ganz wesentlich von genetischen Faktoren geprägt, wobei neueste Untersuchungen darauf hindeuten, daß eine große Vielzahl von Genen die Krankheitsmanifestation mitbestimmen, wobei einige von ihnen phänotyp-spezifisch sind. Hinsichtlich der umwelt- und lebensstilbezogenen Determinanten ist unser Wissen im vergangenen Jahrzehnt deutlich erweitert worden. Es ist zu erwarten, daß neue evidenzbasierte Strategien zur Primär- und Sekundärprävention im nächsten Jahrzehnt evaluiert und hoffentlich auch in die Versorgung implementiert werden können.Correspondence to:
Prof. Dr. med. U. Wahn
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt
Pneumologie und Immunologie
Charité
Humboldt-Universität
Augustenburger Platz 1
D-13353 Berlin
Übersicht
Die Bedeutung von Histamin als Entzündungsmediator bei allergischen Erkrankungen
C. Bachert
Abstract
C. Bachert
Kliniek voor Neus-, Keel- en Oorheelkunde, UZ Gent
Histamin entfaltet über mindestens 3 Rezeptoren neben den klassischen Effekten bzw. Symptomen auch pro-inflammatorische Wirkungen auf die allergische Entzündung. Für das Verständnis der Pathophysiologie der allergischen Reaktion ist dabei wichtig, daß Histamin direkt eine Reihe von Zellen aktivieren oder hemmen kann, darunter Eosinophile, Lymphozyten, Makrophagen, Epithel- und Endothelzellen sowie Neutrophile. Im Hinblick auf die Bedeutung dieser Entzündungszellen bei allergischen Erkrankungen spielt Histamin damit eine stärker ausgeprägte entzündungsfördernde Rolle als bisher angenommen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Bachert
Kliniek voor Neus-, Keel- & Oorheelkunde
UZ Gent
De Pintelaan 185
B-9000 Gent
Übersicht
Allergie und Luftschadstoffe
B. Eberlein-König, J. Ring und H. Behrendt
Abstract
B. Eberlein-König, J. Ring und H. Behrendt
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München, Klinische Kooperationsgruppe Umweltdermatologie und Allergologie, Technische Universität München/GSF, Neuherberg-München
Die Rolle von Umweltfaktoren wird unter den Hypothesen, die im Zusammenhang mit dem Anstieg allergischer Erkrankungen in modernen westlichen Ländern stehen, besonders diskutiert. Um den Einfluß von Umweltschadstoffen auf Entstehung, Auslösung und Unterhaltung allergischer Reaktionen (Allergotoxikologie) näher charakterisieren zu können, werden epidemiologische und klinische Studien sowie experimentelle Testsysteme herangezogen. Diese Untersuchungen zeigten, daß unter den anthropogenen Luftschadstoffen mit möglichem allergiefördernden Einfluß insbesondere Schadstoffbelastungstypen mit Stickstoffoxiden (NOx), Ozon (O3), Nebenstrom-Tabakrauch, atmosphärischen Schwebstäuben und Dieselrußpartikeln von Bedeutung sind.Correspondence to:
PD Dr. B. Eberlein-König
Klinik und Poliklinik für
Dermatologie und Allergologie
am Biederstein
Technische Universität München
Biedersteiner Straße 29
D-80802 München
Übersicht
Wechselwirkungen zwischen den oberen und unteren Atemwegen
W. Heppt, A. Cryer, R. Heermann und G. Schultze-Werninghaus
Abstract
W. Heppt1, A. Cryer1, R. Heermann2 und G. Schultze-Werninghaus3
1Hals-Nasen-Ohrenklinik, Plastische Gesichtschirurgie, Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH, 2Hals-Nasen-Ohrenklinik, Medizinische Hochschule Hannover, 3Abteilung für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität, Bochum
Kombinierte Krankheiten der oberen und unteren Atemwege spielen in der täglichen Praxis eine große Rolle und erfordern ein fachübergreifendes Konzept in Diagnostik und Therapie. Die vorliegende Arbeit greift epidemiologische Studien über die Koinzidenz von Rhinitis, Sinusitis und Asthma auf und beleuchtet ihren Wert hinsichtlich Prädisposition und Prognose. Sie geht auf die pathophysiologischen Aspekte der wechselseitigen Organbeeinflussung ein und beschreibt die aktuellen Hypothesen über die gemeinsame Pathogenese, wie nervale Mechanismen, aerogene Übertragung oder Triggerung durch Mediatoren und Entzündungszellen. Dies geschieht auf dem Boden einer Darstellung der anatomischen Grundlagen. Als besonderer klinischer Aspekt der Wechselwirkung zwischen oberen und unteren Atemwegen wird auf die Rhinitis- und Sinusitis-Therapie, die spezifische Immuntherapie, die Gabe von Leukotrienantagonisten und die endonasale funktionelle Nasennebenhöhlenchirurgie eingegangen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W. Heppt
Hals-Nasen-Ohrenklinik,
Plastische Gesichtschirurgie
Städtisches Klinikum Karlsruhe GmbH
Moltkestraße 90
D-76133 Karlsruhe
Übersicht
Die allergische Entzündung der oberen und unteren Atemwege
M. Lommatzsch und J.Ch. Virchow
Abstract
M. Lommatzsch und J.Ch. Virchow
Abteilung für Pneumologie, Medizinische Universitätsklinik, Freiburg
Die allergische Entzündung der oberen und unteren Atemwege beruht auf einer bis heute nur in Ansätzen verstandenen komplexen Interaktion sehr heterogener Zellpopulationen und Mediatoren in den Atemwegen. Sie führt zu klinischen Charakteristika wie der allergeninduzierten Obstruktion, der Hypersektion und der Hyperreagibilität auf unspezifische Reize. Die Forschungen der letzten Jahre zeigen, daß die auffälligen Parallelitäten zwischen den allergischen Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege nicht nur auf ähnliche lokale Antigenpräsentationsmuster zurückzuführen sind. Vielmehr wirken sowohl systemische immunologische Determinanten als auch eine komplexe neuronale Dysfunktion wesentlich an der Pathogenese der allergischen Erkrankungen des Respirationstraktes mit. Die vorliegende Arbeit gibt eine Überblick über den aktuellen Stand der Forschungen zur Pathogenese und Therapie dieser organüberschreitenden Erkrankung.Correspondence to:
Prof. Dr. med. J. Ch. Virchow jr.
Abteilung für Pneumologie
Medizinische Universitätsklinik
Hugstetter Straße 55
D-79106 Freiburg
Übersicht
Zu allergischen Entzündungsreaktionen der Haut
Th. Werfel, M. Wittmann, K. Breuer und A. Kapp
Abstract
Th. Werfel, M. Wittmann, K. Breuer und A. Kapp
Klinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover
An allergischen Entzündungsreaktionen der Haut sind sowohl konstitutive Zellen der Dermis und Epidermis als auch aus der Zirkulation eingewanderte Leukozyten beteiligt. Das Verständnis zur Rolle der unterschiedlichen Zelltypen ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. In der vorliegenden Übersichtsarbeit wird auf Funktionen von Keratinozyten, dermalen Endothelzellen sowie antigenpräsentierenden Zellen der Haut und hautinfiltrierenden T-Lymphozyten im einzelnen eingegangen. Da insbesondere allergische Ekzemkrankheiten durch eine Infiltration von T-Zellen in das entzündete Organ gekennzeichnet sind, wird auf diesen Zelltyp näher eingegangen. Die Arbeit schließt mit Überlegungen zu therapeutischen Perspektiven, in denen immunmodulatorische Prinzipien bei allergischen Hautreaktionen angewandt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Th. Werfel
Klinik für Dermatologie und
Venerologie
Medizinische Hochschule Hannover
Ricklinger Straße 5
D-30449 Hannover
Übersicht
Urtikaria und Allergie: Beispiele für systemische Aspekte bei der akuten und chronischen Urtikaria
H.F. Merk
Abstract
H.F. Merk
Hautklinik, Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie, RWTH, Aachen
Urtikaria ist ein Symptom, das durch Freisetzung vieler Entzündungsfaktoren aus den von Vorläuferzellen des Knochenmarks abstammenden Mastzellen und Basophilen entsteht. Diese Freisetzung selbst wird moduliert durch viele Histaminfreisetzungsfaktoren, die ein komplexes Netzwerk der Interaktionen verschiedener Zellen reflektiert. Die Wechselwirkung zwischen Zielorgan Haut und systemischen Reaktionen wird an folgenden Beispielen diskutiert: histologische Unterschiede zwischen experimentell mit Histamin ausgelöster Quaddel und Urtikaria-Effloreszenz, Beispiele von Autoimmunerkrankungen und ihrem Zusammenhang mit Urtikaria, Autoimmunurtikaria, allergische Soforttypreaktionen bei akuter Urtikaria und Anaphylaxie, Latexallergie. Die Latexallergie ist dabei ein Beispiel für die Rolle der Sensibilisierung nach kutaner Resorption mit folgenden Nahrungsmittelallergien bei gastrointestinaler Exposition als Folge der Kreuzallergie.Correspondence to:
Prof. Dr. med. H.F. Merk
Hautklinik
Universitätsklinik für Dermatologie und
Allergologie
RWTH Aachen
Pauwelsstraße 30
D-52074 Aachen
Übersicht
Die allergische Entzündung des Gastrointestinaltrakts
St. C. Bischoff
Abstract
St. C. Bischoff
Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinische Hochschule Hannover
Die allergische Entzündung des Gastrointestinaltrakts ist möglicherweise eine in ihrer Häufigkeit unterschätzte, in unbehandeltem Zustand rezidivierend verlaufende Magen- bzw. Darmerkrankung, die differentialdiagnostisch bei unklaren Bauchbeschwerden bedacht werden soll. Die Krankheit ist definiert als immunologisch vermittelte Hypersensitivitätsreaktion gegen exogene Antigene, meist gegen Nahrungsmittel, aber auch andere Allergene wie Pollen etc. kommen als Auslöser in Frage. Sie muß einerseits von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ohne immunologische Ursache (z.B. Malfermentation, Enzymdefizienzen etc.) sowie von anderen gastroenterologischen Erkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie, mikroskopische Kolitis, idiopathische eosinophile Gastroenteritis etc.) abgegrenzt werden. Es gibt keine Laborparameter, die eine solche Diskriminierung bzw. die Bestätigung der Verdachtsdiagnose „Darmallergie“ erlauben. Deshalb sind einerseits die gründliche Anamnese, andererseits eine umfassende Ausschlußdiagnostik für die Sicherung der Diagnose unerläßlich. Die klassischen allergologischen Tests (Prick, RAST/CAP etc.) weisen hohe falsch-negative wie falsch-positive Raten auf. Der „goldene Standard“ zur Verifizierung von Nahrungsmittelallergien, die doppelblinde, placebokontrollierte orale Provokation, ist bei gastrointestinalen Manifestationen nur eingeschränkt durchführbar, insbesondere weil validierte Methoden zur Erfassung der Beschwerden fehlen. Neue Testverfahren wie beispielsweise die lokale endoskopische Provokation im Darm werden derzeit getestet. Therapie erster Wahl ist die Eliminationsdiät. Die medikamentöse Therapie ist nur indizert, wenn die Eliminationsdiät nicht bzw. nicht zufriedenstellend durchgeführt werden kann. Neuere Therapieverfahren (orale Hyposensibilisierung, Probiotika etc.) befinden sich in Entwicklung. Ein besseres Verständnis der Pathophysiologie und der Diagnostik von gastrointestinalen Allergien soll dazu beitragen, die klinische Bedeutung besser abschätzen zu können, insbesondere im Hinblick auf das häufig vorkommende, pathophysiolgisch ungeklärte Reizdarmsyndrom, und die therapeutischen Maßnahmen zu optimieren.Correspondence to:
PD Dr. med. S.C. Bischoff
Medizinische Hochschule Hannover
Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie
D-30623 Hannover