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Dustri-Verlag
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Übersicht
Kontaktallergenvermeidung: von der Grundlagenforschung zur In-vitro-Identifikation von Kontaktallergenen
S.F. Martin und P.R. Esser
Review
Avoiding contact allergens: from basic research to the in vitro identification of contact allergens
S.F. Martin und P.R. Esser
529
40$
Abstract
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
Dā79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 11/2011, S. 529–537
Avoiding contact allergens: from basic research to the in vitro identification of contact allergens
S.F. Martin und P.R. Esser
Forschergruppe Allergologie, Hautklinik, Universitätsklinikum Freiburg
Allergic contact dermatitis (ACD) is a chemical-induced inflammatory skin disease. Contact allergens are low-molecular-weight chemicals that must react with proteins in order to become immunogenic. This interaction leads to the activation of innate immune and stress responses and to the formation of antigenic epitopes for T cells which are the effector cells of ACD. Due to the multitude of chemicals that surround us in our daily life and their potential sensitizing capacity, it is crucial to identify contact sensitizers before these chemicals are used in consumer products. Appropriate in vitro assays for hazard identification are urgently needed to replace animal-based assays. The EU-wide ban on sensitization testing of cosmetic ingredients in animals is in effect since March 2009 and the necessity to test more than 30,000 already marketed chemicals for their sensitizing potential under the EU regulation REACh has intensified the worldwide efforts to replace animal testing. We summarize here the current strategies to develop a battery of assays which allows the identification of contact allergens by in vitro alternatives to animal testing. Our main focus lies on the test systems recently developed within the EU project Sens-it-iv in which we participate.Correspondence to:Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
Dā79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Abstract
Die allergische Kontaktdermatitis (ACD) ist eine chemikalieninduzierte entzündliche Hauterkrankung. Kontaktallergene sind niedermolekulare Chemikalien, die mit Proteinen reagieren müssen, um immunogen zu werden. Diese Interaktion führt zur Aktivierung angeborener Immun- und Stressantworten und zur Bildung antigener Epitope für T-Zellen, die die Effektorzellen der ACD sind. Wegen der Vielzahl von Chemikalien, die uns in unserem täglichen Leben umgeben und die ein Sensibilisierungspotenzial haben, ist es entscheidend, Kontaktallergene identifizieren zu können, bevor diese in Verbraucherprodukte kommen. Geeignete In-vitro-Tests zur Identifizierung von Gefahren werden dringend benötigt, um Tierversuche zu diesem Zweck zu ersetzen. Das EUweite Verbot für die Sensibilisierungstestung im Tier von Inhaltsstoffen für Kosmetika ist seit März 2009 in Kraft. Zudem hat die Notwendigkeit, mehr als 30.000 bereits auf dem Markt befindliche Chemikalien unter der EU-Richtlinie REACh auf ihr Sensibilisierungspotenzial zu testen, die weltweiten Bemühungen, Tierversuche zu ersetzen, intensiviert. Wir fassen hier die aktuellen Strategien zur Entwicklung einer Batterie von Tests zur Kontaktallergenidentifizierung durch In-vitro-Alternativen zum Tierversuch zusammen. Unser Hauptfokus liegt dabei auf den Testsystemen, die kürzlich innerhalb des EU-Projekts Sens-it-iv, an dem wir beteiligt sind, entwickelt wurden.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
Dā79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 11/2011, S. 529–537
Kontaktallergenvermeidung: von der Grundlagenforschung zur In-vitro-Identifikation von Kontaktallergenen
S.F. Martin und P.R. Esser
Forschergruppe Allergologie, Hautklinik, Universitätsklinikum Freiburg Die allergische Kontaktdermatitis (ACD) ist eine chemikalieninduzierte entzündliche Hauterkrankung. Kontaktallergene sind niedermolekulare Chemikalien, die mit Proteinen reagieren müssen, um immunogen zu werden. Diese Interaktion führt zur Aktivierung angeborener Immun- und Stressantworten und zur Bildung antigener Epitope für T-Zellen, die die Effektorzellen der ACD sind. Wegen der Vielzahl von Chemikalien, die uns in unserem täglichen Leben umgeben und die ein Sensibilisierungspotenzial haben, ist es entscheidend, Kontaktallergene identifizieren zu können, bevor diese in Verbraucherprodukte kommen. Geeignete In-vitro-Tests zur Identifizierung von Gefahren werden dringend benötigt, um Tierversuche zu diesem Zweck zu ersetzen. Das EUweite Verbot für die Sensibilisierungstestung im Tier von Inhaltsstoffen für Kosmetika ist seit März 2009 in Kraft. Zudem hat die Notwendigkeit, mehr als 30.000 bereits auf dem Markt befindliche Chemikalien unter der EU-Richtlinie REACh auf ihr Sensibilisierungspotenzial zu testen, die weltweiten Bemühungen, Tierversuche zu ersetzen, intensiviert. Wir fassen hier die aktuellen Strategien zur Entwicklung einer Batterie von Tests zur Kontaktallergenidentifizierung durch In-vitro-Alternativen zum Tierversuch zusammen. Unser Hauptfokus liegt dabei auf den Testsystemen, die kürzlich innerhalb des EU-Projekts Sens-it-iv, an dem wir beteiligt sind, entwickelt wurden.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
Dā79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Originalarbeit
Analyse des allergenspezifischen IgEs bei 230 Kindern mit allergischen Atemwegserkrankungen in Nordchina
Zhao-Xia Wang, Lian-Yun Wang, Ke-Jun Zhang, Xiu-Wen Zhao, Li Shao und Zhong-Dong Qiao
Original paper
Analysis of allergen-specific IgE in 230 children with allergic airway disease in northern China
Zhao-Xia Wang, Lian-Yun Wang, Ke-Jun Zhang, Xiu-Wen Zhao, Li Shao und Zhong-Dong Qiao
294
24$
Abstract
Prof. Dr. Zhongdong Qiao
School of Life Science and Biotechnology
Shanghai Jiao Tong University
800 Dongchuan Road
Shanghai, 200240, P.R. China
Email: zdqiao@sjtu.edu.cn
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 6/2011, S. 294–298
Analysis of allergen-specific IgE in 230 children with allergic airway disease in northern China
Zhao-Xia Wang1, Lian-Yun Wang1, Ke-Jun Zhang2, Xiu-Wen Zhao1, Li Shao3 und Zhong-Dong Qiao1
1Fakultät für Biowissenschaft und Biotechnologie, Shanghai Jiao Tong Universität, Shanghai, 2Abteilung für Otorhinolaryngologie, The First Hospital of Shanxi, Medizinische Universität, Taiyuan, 3Abteilung für Atemwegserkrankungen, Renji Hospital, Medizinische Fakultät, Shanghai Jiao Tong Universität, Shanghai, Volksrepublik China
In order to assess the etiological factors for seasonal allergic airway disease in children in northern China, the sera of 230 children with clinically observed allergic airway disease were tested for specific IgE (sIgE) binding to a group of allergens by UniCAP. The 230 subjects were divided into 3 groups which comprised 91 patients with allergic rhinitis, 109 with bronchial asthma and 30 with both. The proportion having sIgE to Artemisia vulgaris (w6) was 49.7% of the 161 children tested, 30.2% of 202 tested were positive to Dermatophagoides pteronyssinus (d1) and 29.4% out of 180 patients were positive to house dust. Statistical analysis of sIgE antibodies revealed that several suspected allergens have significant correlations in causing airway hypersensitivity. Thus, in northern China, the three main inhalents are A. vulgaris, D. pteronyssinus and other allergens in house dust.Correspondence to:Prof. Dr. Zhongdong Qiao
School of Life Science and Biotechnology
Shanghai Jiao Tong University
800 Dongchuan Road
Shanghai, 200240, P.R. China
Email: zdqiao@sjtu.edu.cn
Abstract
Zur Untersuchung ätiologischer Faktoren für saisonale allergische Atemwegserkrankungen bei nordchinesischen Kindern wurden die Seren von 230 Kindern mit klinischen Anzeichen einer allergischen Atemwegserkrankung mittels UniCAP auf spezifisches IgE (sIgE) gegen eine Gruppe von Allergenen untersucht. Die 230 Testpersonen wurden in 3 Gruppen eingeteilt: 91 Patienten mit Rhinitis allergica, 109 mit Asthma bronchiale und 30 mit beiden Diagnosen. Von 161 auf Artemisia vulgaris (w6) getesteten Kindern war bei 49,7% spezifisches IgE nachweisbar, von 202 getesteten reagierten 30,2% positiv auf Dermatophagoides pteronyssinus (d1) und von 180 getesteten Patienten 29,4% positiv auf Hausstaub. Die statistische Analyse der sIgE-Antikörper zeigte, dass einige dieser Allergene signifikant mit einer Überempfindlichkeit der Atemwege korrelieren. Dies deutet darauf hin, dass die drei häufigsten Inhalationsallergene in Nordchina A. vulgaris, D. pteronyssinus und eventuell andere Allergene in Hausstaub sind.Correspondence to:
Prof. Dr. Zhongdong Qiao
School of Life Science and Biotechnology
Shanghai Jiao Tong University
800 Dongchuan Road
Shanghai, 200240, P.R. China
Email: zdqiao@sjtu.edu.cn
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 6/2011, S. 294–298
Analyse des allergenspezifischen IgEs bei 230 Kindern mit allergischen Atemwegserkrankungen in Nordchina
Zhao-Xia Wang1, Lian-Yun Wang1, Ke-Jun Zhang2, Xiu-Wen Zhao1, Li Shao3 und Zhong-Dong Qiao1
1Fakultät für Biowissenschaft und Biotechnologie, Shanghai Jiao Tong Universität, Shanghai, 2Abteilung für Otorhinolaryngologie, The First Hospital of Shanxi, Medizinische Universität, Taiyuan, 3Abteilung für Atemwegserkrankungen, Renji Hospital, Medizinische Fakultät, Shanghai Jiao Tong Universität, Shanghai, Volksrepublik China Zur Untersuchung ätiologischer Faktoren für saisonale allergische Atemwegserkrankungen bei nordchinesischen Kindern wurden die Seren von 230 Kindern mit klinischen Anzeichen einer allergischen Atemwegserkrankung mittels UniCAP auf spezifisches IgE (sIgE) gegen eine Gruppe von Allergenen untersucht. Die 230 Testpersonen wurden in 3 Gruppen eingeteilt: 91 Patienten mit Rhinitis allergica, 109 mit Asthma bronchiale und 30 mit beiden Diagnosen. Von 161 auf Artemisia vulgaris (w6) getesteten Kindern war bei 49,7% spezifisches IgE nachweisbar, von 202 getesteten reagierten 30,2% positiv auf Dermatophagoides pteronyssinus (d1) und von 180 getesteten Patienten 29,4% positiv auf Hausstaub. Die statistische Analyse der sIgE-Antikörper zeigte, dass einige dieser Allergene signifikant mit einer Überempfindlichkeit der Atemwege korrelieren. Dies deutet darauf hin, dass die drei häufigsten Inhalationsallergene in Nordchina A. vulgaris, D. pteronyssinus und eventuell andere Allergene in Hausstaub sind.Correspondence to:
Prof. Dr. Zhongdong Qiao
School of Life Science and Biotechnology
Shanghai Jiao Tong University
800 Dongchuan Road
Shanghai, 200240, P.R. China
Email: zdqiao@sjtu.edu.cn
Kasuistik
Stevens-Johnson-Syndrom/ toxische epidermale Nekrolyse bei einem Kind
M. Tichy jun., I. Karlova, M. Tichy sen., J. Urbanek und D. Ditrichova
Case report
Stevens-Johnson syndrome/toxic epidermal necrolysis in a child
M. Tichy jun., I. Karlova, M. Tichy sen., J. Urbanek und D. Ditrichova
264
20$
Abstract
Dr. med. Dr. phil. M. Tichy
Abteilung für Dermatologie und Venerologie
Universitätsklinik
Fakultät für Medizin und Zahnmedizin der Palacky-Universität
I.P. Pavlova 6
CZ–77520 Olomouc
Email: tichy.martin.jun@fnol.cz
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 5/2011, S. 264–267
Stevens-Johnson syndrome/toxic epidermal necrolysis in a child
M. Tichy jun.1, I. Karlova1, M. Tichy sen.2, J. Urbanek1 und D. Ditrichova1
1Abteilung für Dermatologie und Venerologie, 2Abteilung für Pathologie, Universitätsklinik, Fakultät für Medizin und Zahnmedizin, Palacky-Universität, Olomouc, Tschechien
The authors describe the case of a 9-year-old boy with a severe bullous skin reaction. Initially, disseminated macular exanthema with a few atypical target lesions on the trunk and extremities followed respiratory infection treated with penicillin. Later, fever, malaise and progression to blisters that cover about 25 – 30% of the skin surface developed. The clinical manifestation, histopathological examination, direct immunofluorescence and serological tests were pivotal for diagnosis of SJS/TEN. The general characteristics of the clinical subtypes of Erythema multiforme and severe blistering reactions and their etiopathogenesis are discussed along with therapeutic procedure including indications for systemic corticosteroid administration.Correspondence to:Dr. med. Dr. phil. M. Tichy
Abteilung für Dermatologie und Venerologie
Universitätsklinik
Fakultät für Medizin und Zahnmedizin der Palacky-Universität
I.P. Pavlova 6
CZ–77520 Olomouc
Email: tichy.martin.jun@fnol.cz
Abstract
Die vorliegende Kasuistik beschreibt den Fall eines 9-jährigen Jungen mit schwerer bullöser Hautreaktion. Der Junge war aufgrund einer Atemwegsinfektion mit Penizillin behandelt worden und hatte daraufhin ein disseminiertes makulöses Exanthem mit einigen atypischen Zielläsionen an Rumpf und Extremitäten entwickelt. Später traten Fieber, Krankheitsgefühl und Bullae auf, die etwa 25 – 30% der Hautoberfläche bedeckten. Die klinische Manifestation, die histopathologische Untersuchung, die direkte Immunfluoreszenz sowie die serologischen Tests stützten die Diagnose Stevens-Johnson-Syndrom/toxische epidermale Nekrolyse (SJS/TEN). Im Folgenden werden die Merkmale der klinischen Subtypen des Erythema multiforme und der schweren bullösen Reaktionen, ihre Ätiopathogenese sowie auch die therapeutische Vorgehensweise und die Indikationen für systemische Kortikosteroid-Verabreichung diskutiert.Correspondence to:
Dr. med. Dr. phil. M. Tichy
Abteilung für Dermatologie und Venerologie
Universitätsklinik
Fakultät für Medizin und Zahnmedizin der Palacky-Universität
I.P. Pavlova 6
CZ–77520 Olomouc
Email: tichy.martin.jun@fnol.cz
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 5/2011, S. 264–267
Stevens-Johnson-Syndrom/ toxische epidermale Nekrolyse bei einem Kind
M. Tichy jun.1, I. Karlova1, M. Tichy sen.2, J. Urbanek1 und D. Ditrichova1
1Abteilung für Dermatologie und Venerologie, 2Abteilung für Pathologie, Universitätsklinik, Fakultät für Medizin und Zahnmedizin, Palacky-Universität, Olomouc, Tschechien Die vorliegende Kasuistik beschreibt den Fall eines 9-jährigen Jungen mit schwerer bullöser Hautreaktion. Der Junge war aufgrund einer Atemwegsinfektion mit Penizillin behandelt worden und hatte daraufhin ein disseminiertes makulöses Exanthem mit einigen atypischen Zielläsionen an Rumpf und Extremitäten entwickelt. Später traten Fieber, Krankheitsgefühl und Bullae auf, die etwa 25 – 30% der Hautoberfläche bedeckten. Die klinische Manifestation, die histopathologische Untersuchung, die direkte Immunfluoreszenz sowie die serologischen Tests stützten die Diagnose Stevens-Johnson-Syndrom/toxische epidermale Nekrolyse (SJS/TEN). Im Folgenden werden die Merkmale der klinischen Subtypen des Erythema multiforme und der schweren bullösen Reaktionen, ihre Ätiopathogenese sowie auch die therapeutische Vorgehensweise und die Indikationen für systemische Kortikosteroid-Verabreichung diskutiert.Correspondence to:
Dr. med. Dr. phil. M. Tichy
Abteilung für Dermatologie und Venerologie
Universitätsklinik
Fakultät für Medizin und Zahnmedizin der Palacky-Universität
I.P. Pavlova 6
CZ–77520 Olomouc
Email: tichy.martin.jun@fnol.cz
Originalarbeit
Patientencharakteristika in deutschen allergologischen Facharztpraxen – ein bundesweites Survey
T. Reinhold, C. Lindig, S.N. Willich und B. Brüggenjürgen
Original paper
Patient characteristics in German allergological practices – a nationwide survey
T. Reinhold, C. Lindig, S.N. Willich und B. Brüggenjürgen
237
48$
Abstract
Dr. rer. medic. T. Reinhold
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Luisenstraße 57
D–10117 Berlin
Email: thomas.reinhold@charite.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 5/2011, S. 237–247
Patient characteristics in German allergological practices – a nationwide survey
T. Reinhold, C. Lindig, S.N. Willich und B. Brüggenjürgen
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Introduction: In Western societies a significant incidence and prevalence of allergic asthma and other allergic diseases is observable. The present study investigated epidemiological patterns of allergic diseases and the utilization of health care resources by subjects who are already under specialized allergological treatment. Furthermore the study was performed to identify factors which had a significant impact on accessibility to specific immunotherapy (SIT). Methods: The study was based on a cross-sectional survey on patient characteristics, which was performed by participating physicians, who were specialized in the field of allergological disorders and SIT, in collaboration with their patients. The analysis of data was divided into descriptive analyses and an analytical part, in which influencing factors for accessibility to specific immunotherapy were investigated. Logistic regression models to identify several predictor variables were used. Results: 495 physicians documented the data of 19,990 patients. 18,177 patients were included in the analyses. Patients had a mean age of 31.5 ± 15.5 years and 53.2% were female. The most frequent and most severe allergic disorders observable in German allergological practices were conjunctivitis and rhinitis. The seasonal symptoms occurred mainly during March to August, while seasonal disease manifestation was 2.5 times more frequent than perennial forms. The most received anti-symptomatic medications are antihistamines and corticosteroids. Patients who receive SIT were mainly treated using subcutaneous immunotherapy (SCIT) – only in lower age groups, the likelihood of receiving sublingual immunotherapy (SLIT) was increased. Conclusion: In Germany, conjunctivitis and rhinitis are the most severe allergic disorders in allergological practices. Compared to the German general patient population, people who were already in allergological treatment had better access to SIT.Correspondence to:Dr. rer. medic. T. Reinhold
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Luisenstraße 57
D–10117 Berlin
Email: thomas.reinhold@charite.de
Abstract
Einleitung: In westlichen Industrienationen sind allergische Erkrankungen, insbesondere allergisches Asthma und allergische Rhinitis, mittlerweile bedeutende Erkrankungsbilder. Die vorliegende Studie untersuchte epidemiologische Faktoren sowie die Ressourcen-Nutzung bei Patienten in allergologischer Facharztbehandlung. Zudem sollten Faktoren identifiziert werden, die den Zugang zur spezifischen Immuntherapie (SIT) beeinflussen. Methoden: Die Studie basierte auf einer Querschnittserhebung von Patientencharakteristika, die von teilnehmenden allergologischen Fachärzten gemeinsam mit ihren Patienten durchgeführt wurde. Die Datenanalyse gliederte sich in eine deskriptive Auswertung und einen analytischen Teil, in dem die Faktoren untersucht wurden, die den Zugang zur SIT determinieren. Um diese Faktoren zu identifizieren, wurden logistische Regressionsanalysen verwendet. Ergebnisse: 495 teilnehmende Ärzte haben die Daten von 19.990 Patienten dokumentiert, davon wurden nach einer Plausibilitätsprüfung 18.177 Datensätze in den Analysen berücksichtigt. Die Patienten waren im Mittel 31,5 ± 15,5 Jahre alt, der Anteil weiblicher Patienten lag bei 53,2%. Die häufigsten und schwersten allergologischen Krankheitsbilder in deutschen allergologischen Facharztpraxen waren Konjunktivitis und Rhinitis. Saisonale Symptomatiken treten besonders während der Monate März bis August auf, wobei saisonale Erkrankungsbilder 2,5-mal häufiger beobachtet wurden als ganzjährige Symptomausprägungen. Die häufigsten symptomatischen Arzneimittel waren Antihistamine sowie Kortikosteroide. Patienten mit SIT erhalten vorzugsweise subkutane Applikationsformen (SCIT) – nur in niedrigeren Altersgruppen ist die Wahrscheinlichkeit des Zugangs zur sublingualen Immuntherapie (SLIT) höher. Zusammenfassung: In Deutschland gehören Konjunktivitis und Rhinitis zu den häufigsten Krankheitsbildern in allergologischen Facharztpraxen. Patienten in allergologischer Facharztbehandlung haben einen deutlich besseren Zugang zur SIT.Correspondence to:
Dr. rer. medic. T. Reinhold
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Luisenstraße 57
D–10117 Berlin
Email: thomas.reinhold@charite.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 5/2011, S. 237–247
Patientencharakteristika in deutschen allergologischen Facharztpraxen – ein bundesweites Survey
T. Reinhold, C. Lindig, S.N. Willich und B. Brüggenjürgen
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité – Universitätsmedizin Berlin Einleitung: In westlichen Industrienationen sind allergische Erkrankungen, insbesondere allergisches Asthma und allergische Rhinitis, mittlerweile bedeutende Erkrankungsbilder. Die vorliegende Studie untersuchte epidemiologische Faktoren sowie die Ressourcen-Nutzung bei Patienten in allergologischer Facharztbehandlung. Zudem sollten Faktoren identifiziert werden, die den Zugang zur spezifischen Immuntherapie (SIT) beeinflussen. Methoden: Die Studie basierte auf einer Querschnittserhebung von Patientencharakteristika, die von teilnehmenden allergologischen Fachärzten gemeinsam mit ihren Patienten durchgeführt wurde. Die Datenanalyse gliederte sich in eine deskriptive Auswertung und einen analytischen Teil, in dem die Faktoren untersucht wurden, die den Zugang zur SIT determinieren. Um diese Faktoren zu identifizieren, wurden logistische Regressionsanalysen verwendet. Ergebnisse: 495 teilnehmende Ärzte haben die Daten von 19.990 Patienten dokumentiert, davon wurden nach einer Plausibilitätsprüfung 18.177 Datensätze in den Analysen berücksichtigt. Die Patienten waren im Mittel 31,5 ± 15,5 Jahre alt, der Anteil weiblicher Patienten lag bei 53,2%. Die häufigsten und schwersten allergologischen Krankheitsbilder in deutschen allergologischen Facharztpraxen waren Konjunktivitis und Rhinitis. Saisonale Symptomatiken treten besonders während der Monate März bis August auf, wobei saisonale Erkrankungsbilder 2,5-mal häufiger beobachtet wurden als ganzjährige Symptomausprägungen. Die häufigsten symptomatischen Arzneimittel waren Antihistamine sowie Kortikosteroide. Patienten mit SIT erhalten vorzugsweise subkutane Applikationsformen (SCIT) – nur in niedrigeren Altersgruppen ist die Wahrscheinlichkeit des Zugangs zur sublingualen Immuntherapie (SLIT) höher. Zusammenfassung: In Deutschland gehören Konjunktivitis und Rhinitis zu den häufigsten Krankheitsbildern in allergologischen Facharztpraxen. Patienten in allergologischer Facharztbehandlung haben einen deutlich besseren Zugang zur SIT.Correspondence to:
Dr. rer. medic. T. Reinhold
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Luisenstraße 57
D–10117 Berlin
Email: thomas.reinhold@charite.de
Ernährungstherapie in der Allergologie
Ernährungstherapie bei Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin
I. Reese
Nutrition therapy in allergology
Nutrition therapy for adverse reactions to histamine in food and beverages
I. Reese
152
32$
Abstract
Dr. Imke Reese
Ernährungsberatung und -therapie
Schwerpunkt Allergologie
Ansprengerstraße 19
D–80803 München
Email: info@ernaehrung-allergologie.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 3/2011, S. 152–158
Nutrition therapy for adverse reactions to histamine in food and beverages
I. Reese
Ernährungsberatung und -therapie, München
Adverse reactions to food are suspected in one third of the German population, but only 10% of these assumed hypersensitivity reactions can be clinically confirmed. While diagnosis of food allergies is fairly easy due to objective laboratory parameters, non-allergic hypersensitivity reactions are difficult to diagnose because these objective markers are lacking so far. Adverse reactions to histamine are often suspected to be the cause of a wide range of symptoms, especially when no allergic pathomechanism can be identified. In order to confirm such a suspicion, it is inevitable to validate a reproducible association between consumption of food and beverages rich in histamine and symptoms, to identify causative agents and to exclude other disorders. Thereafter, avoidance should be performed on the basis of individual requirements. General advices with a lot of restraints are often unnecessarily strict. Nutrition therapy aims at a reduction of symptoms to a minimum while maintaining a high quality of life.Correspondence to:Dr. Imke Reese
Ernährungsberatung und -therapie
Schwerpunkt Allergologie
Ansprengerstraße 19
D–80803 München
Email: info@ernaehrung-allergologie.de
Abstract
Unverträglichkeitsreaktionen nach Verzehr histaminhaltiger Speisen und Getränke werden häufig als Ursache von Beschwerden vermutet, für die sich kein allergischer Pathomechanismus nachweisen lässt. Aufgrund bisher fehlender objektiver Parameter, den Verdacht auf ein solches Krankheitsbild zu untermauern, wird die Diagnose rein klinisch gestellt. Dabei sind die Sicherung des tatsächlich vorhandenen Zusammenhangs zwischen Patientenangaben und reproduzierbaren Reaktionen, die Identifikation des oder der Auslöser(s) und der differenzialdiagnostische Ausschluss anderer Erkrankungen unerlässliche Bestandteile der Diagnostik. Bei nachweisbarer Unverträglichkeit ist es notwendig, den Betroffenen individuell zu beraten. Pauschallisten mit umfangreichen Verboten schränken Betroffene zu stark ein und erhöhen oftmals den Leidensdruck durch unnötige Restriktion. Ziel der Ernährungstherapie ist es, die Beschwerden auf ein Minimum zu reduzieren und gleichzeitig eine hohe Lebensqualität weitgehend zu erhalten.Correspondence to:
Dr. Imke Reese
Ernährungsberatung und -therapie
Schwerpunkt Allergologie
Ansprengerstraße 19
D–80803 München
Email: info@ernaehrung-allergologie.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 3/2011, S. 152–158
Ernährungstherapie bei Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin
I. Reese
Ernährungsberatung und -therapie, München Unverträglichkeitsreaktionen nach Verzehr histaminhaltiger Speisen und Getränke werden häufig als Ursache von Beschwerden vermutet, für die sich kein allergischer Pathomechanismus nachweisen lässt. Aufgrund bisher fehlender objektiver Parameter, den Verdacht auf ein solches Krankheitsbild zu untermauern, wird die Diagnose rein klinisch gestellt. Dabei sind die Sicherung des tatsächlich vorhandenen Zusammenhangs zwischen Patientenangaben und reproduzierbaren Reaktionen, die Identifikation des oder der Auslöser(s) und der differenzialdiagnostische Ausschluss anderer Erkrankungen unerlässliche Bestandteile der Diagnostik. Bei nachweisbarer Unverträglichkeit ist es notwendig, den Betroffenen individuell zu beraten. Pauschallisten mit umfangreichen Verboten schränken Betroffene zu stark ein und erhöhen oftmals den Leidensdruck durch unnötige Restriktion. Ziel der Ernährungstherapie ist es, die Beschwerden auf ein Minimum zu reduzieren und gleichzeitig eine hohe Lebensqualität weitgehend zu erhalten.Correspondence to:
Dr. Imke Reese
Ernährungsberatung und -therapie
Schwerpunkt Allergologie
Ansprengerstraße 19
D–80803 München
Email: info@ernaehrung-allergologie.de
Originalarbeit
Auslöserprofile anaphylaktischer Reaktionen ā vom niedergelassenen Allergologen bis zum Notfalleinsatz
M. Hohenadel, K. Beyer, S. Hompes und M. Worm
Original paper
Elicitors of severe allergic reactions ā reports from allergists and emergency doctors
M. Hohenadel, K. Beyer, S. Hompes und M. Worm
60
36$
Abstract
Prof. Dr. med. Margitta Worm
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D–10117 Berlin
Email: margitta.worm@charite.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 2/2011, S. 60–67
Elicitors of severe allergic reactions – reports from allergists and emergency doctors
M. Hohenadel, K. Beyer, S. Hompes und M. Worm
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Data from the anaphylaxis registry of German-speaking countries indicate that food is the most frequent elicitor of severe allergic reactions in children, venom is the most frequent elicitor in adults. The anaphylaxis registry considers data from patients of allergy centres. The aim of the present study was to collect data regarding elicitors, cofactors and the medical care of patients with severe allergic reactions seen in private practice allergists but also patients seen by emergency doctors. From June 2008 to December 2009 70 cases of severe allergic reactions from private practice allergists and 154 from the emergency doctors were registered. Our data show that the profiles of elicitors differs among the reporting groups. The reported causes from allergists were severe reactions to food, venom and subcutaneous immunotherapy, the emergency doctors gave venom as the most frequent elicitor. Our data show that a systematic evaluation of severe allergic reactions can provide important data about elicitors and circumstances of anaphylaxis. Through a comparison with data from the anaphylaxis register the analysis of the data from the emergency doctors will allow to determine how many patients with severe allergic reactions are seen by an allergist for further diagnostics and therapy later on.Correspondence to:Prof. Dr. med. Margitta Worm
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D–10117 Berlin
Email: margitta.worm@charite.de
Abstract
Daten aus dem deutschsprachigen Anaphylaxie-Register zeigen, dass Nahrungsmittel der häufigste Auslöser schwerer allergischer Reaktionen bei Kindern sind, während die Insektengifte bei Erwachsenen die häufigsten Auslöser darstellen. Innerhalb des Anaphylaxie-Registers werden primär Patienten von allergologischen Zentren gemeldet. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Daten zu Auslösern, Kofaktoren und zur Versorgungssituation von Patienten mit schweren allergischen Reaktionen zu gewinnen, die von niedergelassenen Allergologen sowie Notfallärzten gesehen werden. Im Zeitraum von Juni 2008 bis Dezember 2009 wurden von den niedergelassenen Allergologen 70 Anaphylaxie-Fälle und von den Notarztstützpunkten Berlins im gleichen Zeitraum 154 Anaphylaxie-Fälle gemeldet. Die Daten zeigen, dass sich das Auslöserspektrum in Bezug auf die Häufigkeit der Auslöser unterscheidet. Die häufigsten Auslöser der gemeldeten Fälle aus den Praxen waren schwere allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel, Insektengifte und die subkutane Immuntherapie (SCIT), während von den Notärzten Insektengifte als häufigster Auslöser angegeben wurden. Die Daten zeigen, dass die systematische Erhebung schwerer allergischer Reaktionen je nach Erhebungsgruppe variiert. Durch den Vergleich der Notarztdaten mit den Daten aus dem Anaphylaxie-Register ist es möglich, die Zahl der Anaphylaxie-Patienten mit schweren allergischen Reaktionen zu ermitteln, die zur weiteren Diagnostik und Therapie fachärztlich weiter betreut wurden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Margitta Worm
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D–10117 Berlin
Email: margitta.worm@charite.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 2/2011, S. 60–67
Auslöserprofile anaphylaktischer Reaktionen – vom niedergelassenen Allergologen bis zum Notfalleinsatz
M. Hohenadel, K. Beyer, S. Hompes und M. Worm
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin Daten aus dem deutschsprachigen Anaphylaxie-Register zeigen, dass Nahrungsmittel der häufigste Auslöser schwerer allergischer Reaktionen bei Kindern sind, während die Insektengifte bei Erwachsenen die häufigsten Auslöser darstellen. Innerhalb des Anaphylaxie-Registers werden primär Patienten von allergologischen Zentren gemeldet. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Daten zu Auslösern, Kofaktoren und zur Versorgungssituation von Patienten mit schweren allergischen Reaktionen zu gewinnen, die von niedergelassenen Allergologen sowie Notfallärzten gesehen werden. Im Zeitraum von Juni 2008 bis Dezember 2009 wurden von den niedergelassenen Allergologen 70 Anaphylaxie-Fälle und von den Notarztstützpunkten Berlins im gleichen Zeitraum 154 Anaphylaxie-Fälle gemeldet. Die Daten zeigen, dass sich das Auslöserspektrum in Bezug auf die Häufigkeit der Auslöser unterscheidet. Die häufigsten Auslöser der gemeldeten Fälle aus den Praxen waren schwere allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel, Insektengifte und die subkutane Immuntherapie (SCIT), während von den Notärzten Insektengifte als häufigster Auslöser angegeben wurden. Die Daten zeigen, dass die systematische Erhebung schwerer allergischer Reaktionen je nach Erhebungsgruppe variiert. Durch den Vergleich der Notarztdaten mit den Daten aus dem Anaphylaxie-Register ist es möglich, die Zahl der Anaphylaxie-Patienten mit schweren allergischen Reaktionen zu ermitteln, die zur weiteren Diagnostik und Therapie fachärztlich weiter betreut wurden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Margitta Worm
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D–10117 Berlin
Email: margitta.worm@charite.de
Seltene und neue Allergene
Implantatallergie
P. Thomas und B. Summer
Rare and new allergens
Implant allergy
P. Thomas und B. Summer
42
32$
Abstract
Prof. Dr. med. P. Thomas
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstrasse 9 – 11
D-80337 München
Email: Peter.Thomas@med.uni-muenchen.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 1/2011, S. 42–48
Implant allergy
P. Thomas und B. Summer
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität, München
Osteosynthesis materials or artificial joint replacement make part of clinical routine. In case of complaints mostly mechanical causes or infections are found. Metals like nickel, chromium and cobalt or bone cement components like acrylates and gentamicine may however potentially cause intolerance reactions to implants. Correspondingly eczema, delayed wound / bone healing, recurrent effusion, pain or implant loosening have been described as manifestation of implant allergy. In contrast to the high incidence of cutaneous metal allergy, allergies associated with implants are rare. Diagnosis of metal implant allergy is based on excluding differential diagnoses – in particular infection – and on a combined approach of allergological diagnostics by patch test and histopathology of periimplant tissue. Risk factors for allergic sensitization to implants or triggering periimplant allergic reactions in the case of preexisting cutaneous metal allergy are unknown. Despite the risk of developing complications being unclear, titanium-based osteosynthesis materials are recommended for metal-allergic patients and the use of metal-metal couplings in arthroplasty is rather not recommended for such patients. If a regular, potentially applicable CoCr-polyethylene articulation is preferred, the patient has to be well informed and has to give his written consent.Correspondence to:Prof. Dr. med. P. Thomas
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstrasse 9 – 11
D-80337 München
Email: Peter.Thomas@med.uni-muenchen.de
Abstract
´Osteosynthesematerialien und gelenkersetzende Prothesen gehören zum klinischen Alltag. Bei Komplikationen wird zunächst an klassische Auslöser wie mechanische Ursachen oder Infekte gedacht. Implantatbestandteile wie Nickel, Chrom und Kobalt oder Knochenzementkomponenten wie Acrylate und Gentamicin könnten als potentielle Kontaktallergieauslöser jedoch auch zu Implantatunverträglichkeit führen. Dementsprechend wird Implantatallergie unter dem Bild von Ekzemen, gestörter Wund- oder Frakturheilung, Ergüssen, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Lockerungen beschrieben. Im Gegensatz zu der hohen Metallallergieprävalenz in der Bevölkerung scheint Implantatallergie selten. Die Diagnose einer Metallimplantatallergie basiert auf dem Ausschluß von Differenzialdiagnosen – speziell Infekte – und einer Zusammenschau von Epikutantest und Histopathologie des periimplantären Gewebes. Risikofaktoren für die Entwicklung einer Implantatallergie sind noch unklar. Auch wenn das Risiko der Entwicklung von Komplikationen nicht genau abschätzbar ist, so wird derzeit bei bekannter Metallallergie die Verwendung von Titan-Osteosynthesematerialien empfohlen und von einer Metall-Metall-Gleitpaarung in der Hüftendoprothetik eher abgeraten. Sofern man, was auch möglich ist, bei der gewohnten CoCr-Polyethylen-Gleitpaarung bleibt, sollte in einem gut dokumentierten Aufklärungsgespräch von dem metallallergischen Patienten die Zustimmung erlangt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. P. Thomas
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstrasse 9 – 11
D-80337 München
Email: Peter.Thomas@med.uni-muenchen.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 1/2011, S. 42–48
Implantatallergie
P. Thomas und B. Summer
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität, München ´Osteosynthesematerialien und gelenkersetzende Prothesen gehören zum klinischen Alltag. Bei Komplikationen wird zunächst an klassische Auslöser wie mechanische Ursachen oder Infekte gedacht. Implantatbestandteile wie Nickel, Chrom und Kobalt oder Knochenzementkomponenten wie Acrylate und Gentamicin könnten als potentielle Kontaktallergieauslöser jedoch auch zu Implantatunverträglichkeit führen. Dementsprechend wird Implantatallergie unter dem Bild von Ekzemen, gestörter Wund- oder Frakturheilung, Ergüssen, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Lockerungen beschrieben. Im Gegensatz zu der hohen Metallallergieprävalenz in der Bevölkerung scheint Implantatallergie selten. Die Diagnose einer Metallimplantatallergie basiert auf dem Ausschluß von Differenzialdiagnosen – speziell Infekte – und einer Zusammenschau von Epikutantest und Histopathologie des periimplantären Gewebes. Risikofaktoren für die Entwicklung einer Implantatallergie sind noch unklar. Auch wenn das Risiko der Entwicklung von Komplikationen nicht genau abschätzbar ist, so wird derzeit bei bekannter Metallallergie die Verwendung von Titan-Osteosynthesematerialien empfohlen und von einer Metall-Metall-Gleitpaarung in der Hüftendoprothetik eher abgeraten. Sofern man, was auch möglich ist, bei der gewohnten CoCr-Polyethylen-Gleitpaarung bleibt, sollte in einem gut dokumentierten Aufklärungsgespräch von dem metallallergischen Patienten die Zustimmung erlangt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. P. Thomas
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstrasse 9 – 11
D-80337 München
Email: Peter.Thomas@med.uni-muenchen.de
Seltene und neue Allergene
Seltene und neue berufliche Inhalationsallergene
M. Raulf-Heimsoth, I. Sander, S. Kespohl, V. van Kampen und T. Brüning
Rare and new allergens
Rare and new occupational inhalation allergens
M. Raulf-Heimsoth, I. Sander, S. Kespohl, V. van Kampen und T. Brüning
27
28$
Abstract
Prof. Dr. rer. nat. Monika Raulf-Heimsoth
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
D–44789 Bochum
Email: raulf@ipa-dguv.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 1/2011, S. 27–32
Rare and new occupational inhalation allergens
M. Raulf-Heimsoth, I. Sander, S. Kespohl, V. van Kampen und T. Brüning
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Occupational airway diseases induced by inhalation of allergens at workplaces have become common, but the inducers are diverse and their pathomechanisms are not clear in each case. Only few allergens were studied in detail (like wheat flour dust and natural rubber latex) and most of the occupational airway sensitizers were documented only as case reports. In this review more rare and exotic occupational Type I-aeroallergens according to their workplace application area (e.g. production of dough and bakery products, handling with decorative and economic plants, wood processing, fish-, shellfish-processing and fish breeding) were described.Correspondence to:Prof. Dr. rer. nat. Monika Raulf-Heimsoth
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
D–44789 Bochum
Email: raulf@ipa-dguv.de
Abstract
Berufsbedingte Atemwegserkrankungen verursacht durch Inhalationsallergene sind in der Arbeitswelt nicht selten, allerdings sind die auslösenden Stoffe sehr unterschiedlich und ihre Wirkungen noch nicht in jedem Fall eindeutig geklärt. Neben der systematischen Erforschung einzelner Berufsallergene wie zum Beispiel den Allergenen aus Naturlatex und Weizenmehl werden atemwegssensibilisierende Wirkungen einer Vielzahl von Arbeitsstoffen zum Teil nur als Einzelfallberichte dokumentiert. In dieser Übersicht werden eher seltene und exotische berufliche Inhalationsallergene entsprechend ihrem Vorkommen in den verschiedenen Berufsfeldern und Anwendungsgebieten (u.a. Herstellung von Teig- und Backwaren, Umgang mit Zier- und Nutzpflanzen, Holzverarbeitung, Verarbeitung von Fischen, Schalen- und Krustentieren sowie bei der Fischzucht) dargestellt.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. Monika Raulf-Heimsoth
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
D–44789 Bochum
Email: raulf@ipa-dguv.de
Allergologie, Jahrgang 34, Nr. 1/2011, S. 27–32
Seltene und neue berufliche Inhalationsallergene
M. Raulf-Heimsoth, I. Sander, S. Kespohl, V. van Kampen und T. Brüning
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) Berufsbedingte Atemwegserkrankungen verursacht durch Inhalationsallergene sind in der Arbeitswelt nicht selten, allerdings sind die auslösenden Stoffe sehr unterschiedlich und ihre Wirkungen noch nicht in jedem Fall eindeutig geklärt. Neben der systematischen Erforschung einzelner Berufsallergene wie zum Beispiel den Allergenen aus Naturlatex und Weizenmehl werden atemwegssensibilisierende Wirkungen einer Vielzahl von Arbeitsstoffen zum Teil nur als Einzelfallberichte dokumentiert. In dieser Übersicht werden eher seltene und exotische berufliche Inhalationsallergene entsprechend ihrem Vorkommen in den verschiedenen Berufsfeldern und Anwendungsgebieten (u.a. Herstellung von Teig- und Backwaren, Umgang mit Zier- und Nutzpflanzen, Holzverarbeitung, Verarbeitung von Fischen, Schalen- und Krustentieren sowie bei der Fischzucht) dargestellt.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. Monika Raulf-Heimsoth
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
D–44789 Bochum
Email: raulf@ipa-dguv.de
Allergologie in der DDR
Geschichte der Gesellschaft für Klinische und Experimentelle Immunologie der DDR
K.-C. Bergmann und I. Bergmann
Allergology in the GDR
History of the Society of Clinical and Experimental Immunology in the GDR
K.-C. Bergmann und I. Bergmann
524
44$
Abstract
Prof. Dr. med. K.-C. Bergmann
Allergie-Centrum Charité
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D–10117 Berlin
Email: karlchristianbergmann@googlemail.com
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 11/2010, S. 524–533
History of the Society of Clinical and Experimental Immunology in the GDR
K.-C. Bergmann1 und I. Bergmann2
1Allergie-Centrum-Charité, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 2Berlin
In 1954 the „Society for Allergy and Asthma Research“ in the German Democratic Republic (East Germany) was founded. One year earlier the „German Society for Allergy and Immunity Research“ was founded in the Federal Republic of Germany (West Germany). Later, the „German Research Council in Allergy“ was founded to keep together the allergologists in the divided Germany. In 1965 this East German society’s name was changed to „Society for Allergy and Immunity Research in the GDR“ to underscore the importance of immunology for clinical allergology. The society was home to very active working groups (asthma and clinical-immunological diagnostic) and developed standards of care for patients suffering from asthma and other allergic diseases. The obligatory education of students and professional training for physicians to become specialists in immunology was promoted and accomplished. The journal „Allergie und Asthma“, published by the society, was the only journal for allergologists in Germany. Following the reunification of Germany in 1990, members of the society became members of either the „German Society for Allergological and Immunological Research“ or the „German Society for Immunology“.Correspondence to:Prof. Dr. med. K.-C. Bergmann
Allergie-Centrum Charité
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D–10117 Berlin
Email: karlchristianbergmann@googlemail.com
Abstract
Im Jahre 1954 wurde die “Gesellschaft für Allergie- und Asthmaforschung” in der DDR gegründet, ein Jahr zuvor bereits die „Deutsche Gesellschaft für Allergie- und Immunitätsforschung“ in der BRD. Um den Zusammenhalt der Allergologen nach der Teilung Deutschlands soweit wie möglich zu bewahren, wurde danach der gemeinsame „Deutsche Forschungsrat für Allergiefragen“ geschaffen. 1965 erfolgte eine Namensänderung in „Gesellschaft für Allergie- und Immunitätsforschung in der DDR“, um der Bedeutung der Immunologie auch für die klinische Allergologie gerecht zu werden. Die Gesellschaft war die Basis für aktive Arbeitsgemeinschaften (Asthma und klinisch-immunologische Diagnostik) und war wesentlich für die engagierte Betreuung von Patienten mit Asthma und anderen allergischen Erkrankungen. Die obligate Ausbildung von Studenten und die Weiterbildung zum Facharzt für Immunologie wurden gefördert und erreicht. Die von der Gesellschaft publizierte Zeitschrift „Allergie und Asthma“ war die einzige allergologische Zeitschrift für ganz Deutschland. Nach der Wiedervereinigung schlossen sich ihre Mitglieder 1990 der Deutschen Gesellschaft für Allergie- und Immunitätsforschung oder der Deutschen Gesellschaft für Immunologie an.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K.-C. Bergmann
Allergie-Centrum Charité
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D–10117 Berlin
Email: karlchristianbergmann@googlemail.com
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 11/2010, S. 524–533
Geschichte der Gesellschaft für Klinische und Experimentelle Immunologie der DDR
K.-C. Bergmann1 und I. Bergmann2
1Allergie-Centrum-Charité, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 2Berlin Im Jahre 1954 wurde die “Gesellschaft für Allergie- und Asthmaforschung” in der DDR gegründet, ein Jahr zuvor bereits die „Deutsche Gesellschaft für Allergie- und Immunitätsforschung“ in der BRD. Um den Zusammenhalt der Allergologen nach der Teilung Deutschlands soweit wie möglich zu bewahren, wurde danach der gemeinsame „Deutsche Forschungsrat für Allergiefragen“ geschaffen. 1965 erfolgte eine Namensänderung in „Gesellschaft für Allergie- und Immunitätsforschung in der DDR“, um der Bedeutung der Immunologie auch für die klinische Allergologie gerecht zu werden. Die Gesellschaft war die Basis für aktive Arbeitsgemeinschaften (Asthma und klinisch-immunologische Diagnostik) und war wesentlich für die engagierte Betreuung von Patienten mit Asthma und anderen allergischen Erkrankungen. Die obligate Ausbildung von Studenten und die Weiterbildung zum Facharzt für Immunologie wurden gefördert und erreicht. Die von der Gesellschaft publizierte Zeitschrift „Allergie und Asthma“ war die einzige allergologische Zeitschrift für ganz Deutschland. Nach der Wiedervereinigung schlossen sich ihre Mitglieder 1990 der Deutschen Gesellschaft für Allergie- und Immunitätsforschung oder der Deutschen Gesellschaft für Immunologie an.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K.-C. Bergmann
Allergie-Centrum Charité
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D–10117 Berlin
Email: karlchristianbergmann@googlemail.com
Allergologie in der DDR
Die wissenschaftliche Tätigkeit und Forschung auf dem Gebiet der Allergologie in der DDR
D. Stiller, K.-C. Bergmann, W. Leupold, G. Metzner, W.D. Schneider und H.-J. Schubert
Allergology in the GDR
Science and research on the field of allergology in the GDR
D. Stiller, K.-C. Bergmann, W. Leupold, G. Metzner, W.D. Schneider und H.-J. Schubert
512
52$
Abstract
PD Dr. med. habil. D. Stiller
Neue Gartenstraße 22
D–15890 Eisenhüttenstadt
Email: stiller@herbsttagung-vab.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 11/2010, S. 512–523
Science and research on the field of allergology in the GDR
D. Stiller1, K.-C. Bergmann2, W. Leupold3, G. Metzner4, W.D. Schneider5 und H.-J. Schubert6
1Praxis Dr. Paetz, Eisenhüttenstadt, 2Allergie-Centrum-Charité, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 3ehem. Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Dresden, 4ehem. Medizinische Universitätsklinik Leipzig, 5ehem. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin, 6ehem. Hautklinik der Medizinischen Akademie Erfurt
The research in the field of allergology concentrated in the GDR in the first years after the founding of scientific societies on clinically oriented questions and epidemiology. Later basic research topics were added. Thematically focused on internal medicine the obstructive pulmonary diseases with bronchial asthma and allergic rhinitis were in the center. Of dermatological side, mainly the occupational dermatitis and drug allergies were processed. Efforts to improve clinical allergy diagnostics focused on the improvement of allergen quality in terms of characterization and standardization applied to the skin and provocation tests. This was done mainly in collaboration with the Saxon Serum Company Dresden (SSW) and also in an international agreement. By separate device developments, such as immunoelectrophoresis apparatus of Friemel around 1965 or methodological developments of radial immunodiffusion by Mancini for determination of increased IgE levels in serum attempted to reduce the deficit in equipment technology – balance – as measured by international standards. In the area of drug therapy, it was very difficult to follow international developments. The development of new drugs in the GDR was only modest. Research has been in the controlled use of existing substances, for example in clinical studies. The centrally oriented structures or hierarchies gave some advantages for multi-center studies. This „advantage“ of central structures was in the epidemiological research even clearer; in this filed could also be achieved by international standards, remarkable achievements. In no other country was such precise epidemiological data, such as the frequency of contact dermatitis, occupational dermatitis, non-specific bronchial hyperreactivity and asthma or extrinsic allergic alveolitis. In the latter, relatively rare disease, the offer led to the (free) determination of IgG-specific antibodies in the serum of suspected cases in a study center for the entire GDR for a comprehensive overview of the sensitization spectrum and the incidence of the disease, as in almost any other country could be achieved. So, the lack of study options had – partial – some positive effects, too.Correspondence to:PD Dr. med. habil. D. Stiller
Neue Gartenstraße 22
D–15890 Eisenhüttenstadt
Email: stiller@herbsttagung-vab.de
Abstract
Die Forschung auf dem Gebiet der Allergologie konzentrierte sich in der DDR in den ersten Jahren nach der Gründung der wissenschaftlichen Gesellschaften auf klinisch-orientierte Fragestellungen und die Epidemiologie. Später kamen Themen der Grundlagenforschung hinzu. Thematisch standen auf internistischer Seite die obstruktiven Atemwegskrankheiten mit Asthma bronchiale und die allergische Rhinitis im Mittelpunkt, verbunden mit den organisatorischen Anstrengungen, um eine an Zeit und Bedingungen angepasste, gute medizinische Versorgung der Asthmatiker zu erzielen. Von hautärztlicher Seite wurden vor allem die Berufsdermatosen und Arzneimittelallergien bearbeitet. Die Bemühungen um eine verbesserte klinisch-allergologische Diagnostik betrafen vor allem die Qualitätsverbesserung der für Haut- und Provokationstests anzuwendenden Allergene hinsichtlich ihrer Charakterisierung und Standardisierung. Dies geschah überwiegend in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Serumwerk Dresden (SSW) und auch in internationaler Absprache. Durch eigenständige Geräteentwicklungen, wie die Immunelektrophorese-Apparatur von Friemel um 1965 oder methodische Weiterentwicklungen der radialen Immundiffusion nach Mancini zur Bestimmung erhöhter IgE-Spiegel im Serum, wurde versucht, das Defizit an Gerätetechnik – gemessen am internationalen Standard – auszugleichen. Auf dem Gebiet der medikamentösen Therapie war es sehr schwierig, der internationalen Entwicklung zu folgen. Die Entwicklung neuer Präparate erfolgte in der DDR nur in bescheidenem Umfang. Forschungsarbeiten wurden eher in der kontrollierten Anwendung vorhandener Substanzen, zum Beispiel in klinischen Studien, durchgeführt, wobei sich die zentral orientieren Strukturen bzw. Hierarchien für multizentrische Studien nach vorgegebenem Design als Vorteil erwiesen. Dieser “Vorteil” zentraler Strukturen wurde in der epidemiologischen Forschung noch deutlicher, in der auch nach internationalen Maßstäben beachtliche Leistungen erreicht werden konnten. In kaum einem anderen Land gab es so genaue epidemiologische Daten zur Häufigkeit von Kontaktekzemen, Berufsdermatosen, unspezifischer bronchialer Hyperreaktivität und Asthma bronchiale oder zur exogen-allergischen Alveolitis. Bei letzterer, relativ seltener Erkrankung führte das Angebot zur (kostenlosen) Bestimmung IgG-spezifischer Antikörper im Serum bei Verdachtsfällen in einer Untersuchungszentrale für die ganze DDR zu einer umfassenden Übersicht über das Sensibilisierungsspektrum und die Erkrankungshäufigkeit. So entstanden aus dem Mangel an Untersuchungsmöglichkeiten auch – partiell – positive Effekte.Correspondence to:
PD Dr. med. habil. D. Stiller
Neue Gartenstraße 22
D–15890 Eisenhüttenstadt
Email: stiller@herbsttagung-vab.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 11/2010, S. 512–523
Die wissenschaftliche Tätigkeit und Forschung auf dem Gebiet der Allergologie in der DDR
D. Stiller1, K.-C. Bergmann2, W. Leupold3, G. Metzner4, W.D. Schneider5 und H.-J. Schubert6
1Praxis Dr. Paetz, Eisenhüttenstadt, 2Allergie-Centrum-Charité, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 3ehem. Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Dresden, 4ehem. Medizinische Universitätsklinik Leipzig, 5ehem. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin, 6ehem. Hautklinik der Medizinischen Akademie Erfurt Die Forschung auf dem Gebiet der Allergologie konzentrierte sich in der DDR in den ersten Jahren nach der Gründung der wissenschaftlichen Gesellschaften auf klinisch-orientierte Fragestellungen und die Epidemiologie. Später kamen Themen der Grundlagenforschung hinzu. Thematisch standen auf internistischer Seite die obstruktiven Atemwegskrankheiten mit Asthma bronchiale und die allergische Rhinitis im Mittelpunkt, verbunden mit den organisatorischen Anstrengungen, um eine an Zeit und Bedingungen angepasste, gute medizinische Versorgung der Asthmatiker zu erzielen. Von hautärztlicher Seite wurden vor allem die Berufsdermatosen und Arzneimittelallergien bearbeitet. Die Bemühungen um eine verbesserte klinisch-allergologische Diagnostik betrafen vor allem die Qualitätsverbesserung der für Haut- und Provokationstests anzuwendenden Allergene hinsichtlich ihrer Charakterisierung und Standardisierung. Dies geschah überwiegend in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Serumwerk Dresden (SSW) und auch in internationaler Absprache. Durch eigenständige Geräteentwicklungen, wie die Immunelektrophorese-Apparatur von Friemel um 1965 oder methodische Weiterentwicklungen der radialen Immundiffusion nach Mancini zur Bestimmung erhöhter IgE-Spiegel im Serum, wurde versucht, das Defizit an Gerätetechnik – gemessen am internationalen Standard – auszugleichen. Auf dem Gebiet der medikamentösen Therapie war es sehr schwierig, der internationalen Entwicklung zu folgen. Die Entwicklung neuer Präparate erfolgte in der DDR nur in bescheidenem Umfang. Forschungsarbeiten wurden eher in der kontrollierten Anwendung vorhandener Substanzen, zum Beispiel in klinischen Studien, durchgeführt, wobei sich die zentral orientieren Strukturen bzw. Hierarchien für multizentrische Studien nach vorgegebenem Design als Vorteil erwiesen. Dieser “Vorteil” zentraler Strukturen wurde in der epidemiologischen Forschung noch deutlicher, in der auch nach internationalen Maßstäben beachtliche Leistungen erreicht werden konnten. In kaum einem anderen Land gab es so genaue epidemiologische Daten zur Häufigkeit von Kontaktekzemen, Berufsdermatosen, unspezifischer bronchialer Hyperreaktivität und Asthma bronchiale oder zur exogen-allergischen Alveolitis. Bei letzterer, relativ seltener Erkrankung führte das Angebot zur (kostenlosen) Bestimmung IgG-spezifischer Antikörper im Serum bei Verdachtsfällen in einer Untersuchungszentrale für die ganze DDR zu einer umfassenden Übersicht über das Sensibilisierungsspektrum und die Erkrankungshäufigkeit. So entstanden aus dem Mangel an Untersuchungsmöglichkeiten auch – partiell – positive Effekte.Correspondence to:
PD Dr. med. habil. D. Stiller
Neue Gartenstraße 22
D–15890 Eisenhüttenstadt
Email: stiller@herbsttagung-vab.de
Übersicht
Rupatadin – Pharmakologie, klinische Wirksamkeit und therapeutische Sicherheit eines neuen Antihistamins mit zusätzlicher, PAF-antagonisierender Wirkung
C. Thorn, O. Pfaar, K. Hörmann und L. Klimek
Review
Rupatadine – pharmacology, clinical profile and safety of a new antihistamine with PAF-antagonizing quality
C. Thorn, O. Pfaar, K. Hörmann und L. Klimek
429
52$
Abstract
C. Thorn
Universitäts-HNO-Klinik Mannheim der Universität Heidelberg
Theodor-Kutzer-Ufer 1 – 3
D–68167 Mannheim
Email: carstenthorn@gmx.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 10/2010, S. 429–440
Rupatadine – pharmacology, clinical profile and safety of a new antihistamine with PAF-antagonizing quality
C. Thorn1,2, O. Pfaar1,2, K. Hörmann1 und L. Klimek2
1Universitäts-HNO-Klinik Mannheim der Universität Heidelberg, 2Zentrum für Allergologie und Rhinologie Wiesbaden
Rupatadine is a new, second generation antihistamine. It can sufficiently block the actions on histamine H1-receptors in the periphery as well as on PAF-receptors. From 1st of August 2008 on, Rupatadin is available for the therapy of allergic rhinitis and chronic urticaria for patients older than 12 years in Germany. In the following review we collected and discussed available data on the pharmacology and the clinical use of rupatadine, regarding the recent recommendations from the CONGA report on the value of new, “ideal” antihistamines. We specially focus on the safety and efficacy of rupatadine in long-term use and the danger of causing heart rhythm disturbances in high-risk patients when treating them with antihistamines in general.Correspondence to:C. Thorn
Universitäts-HNO-Klinik Mannheim der Universität Heidelberg
Theodor-Kutzer-Ufer 1 – 3
D–68167 Mannheim
Email: carstenthorn@gmx.de
Abstract
Rupatadin ist ein neues Antihistamin der zweiten Generation und besitzt sowohl periphere Histamin-H1-Rezeptor(H1)- und PAF-Rezeptor(PAF-R)-antagonisierende Qualitäten. Seit 1. August 2008 ist Rupatadin unter dem Handelsnamen Rupafin® 10 mg in Deutschland zur Behandlung der Rhinitis allergica und der chronischen Urtikaria für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren erhältlich. In folgendem Review haben wir die zurzeit verfügbaren Studien zu Pharmakologie und zur klinischen Anwendung von Rupatadin zusammengefasst und gegenübergestellt. Besonderes Augenmerk lag in der Bewertung von Rupatadin nach den Vorgaben des CONGA-Reports zu Anforderungen an ein “ideales” neues Antihistaminikum. Schlussendlich gehen wir im Speziellen auf die Sicherheit und Effektivität von Rupatadin in der Langzeitanwendung und die Gefahr von Herzrhythmusstörungen bei Risikopatienten unter der Behandlung mit Antihistaminika ein.Correspondence to:
C. Thorn
Universitäts-HNO-Klinik Mannheim der Universität Heidelberg
Theodor-Kutzer-Ufer 1 – 3
D–68167 Mannheim
Email: carstenthorn@gmx.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 10/2010, S. 429–440
Rupatadin – Pharmakologie, klinische Wirksamkeit und therapeutische Sicherheit eines neuen Antihistamins mit zusätzlicher, PAF-antagonisierender Wirkung
C. Thorn1,2, O. Pfaar1,2, K. Hörmann1 und L. Klimek2
1Universitäts-HNO-Klinik Mannheim der Universität Heidelberg, 2Zentrum für Allergologie und Rhinologie Wiesbaden Rupatadin ist ein neues Antihistamin der zweiten Generation und besitzt sowohl periphere Histamin-H1-Rezeptor(H1)- und PAF-Rezeptor(PAF-R)-antagonisierende Qualitäten. Seit 1. August 2008 ist Rupatadin unter dem Handelsnamen Rupafin® 10 mg in Deutschland zur Behandlung der Rhinitis allergica und der chronischen Urtikaria für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren erhältlich. In folgendem Review haben wir die zurzeit verfügbaren Studien zu Pharmakologie und zur klinischen Anwendung von Rupatadin zusammengefasst und gegenübergestellt. Besonderes Augenmerk lag in der Bewertung von Rupatadin nach den Vorgaben des CONGA-Reports zu Anforderungen an ein “ideales” neues Antihistaminikum. Schlussendlich gehen wir im Speziellen auf die Sicherheit und Effektivität von Rupatadin in der Langzeitanwendung und die Gefahr von Herzrhythmusstörungen bei Risikopatienten unter der Behandlung mit Antihistaminika ein.Correspondence to:
C. Thorn
Universitäts-HNO-Klinik Mannheim der Universität Heidelberg
Theodor-Kutzer-Ufer 1 – 3
D–68167 Mannheim
Email: carstenthorn@gmx.de
Originalarbeit
Therapiemonitoring von Omalizumab im Kindes- und Jugendalter
J.O. Steiß, A. Schmidt, H. Lindemann, S. Rudloff, A. Staatz, P. Strohner, G. Becher, L. Nährlich und K.P. Zimmer
Original paper
Monitoring of omalizumab therapy in children and adolescents
J.O. Steiß, A. Schmidt, H. Lindemann, S. Rudloff, A. Staatz, P. Strohner, G. Becher, L. Nährlich und K.P. Zimmer
421
36$
Abstract
PD Dr. med. J.-O. Steiß
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Justus-Liebig-Universität
Feulgenstraße 12
D–35385 Gießen
Email: Jens-Oliver.Steiss@paediat.med.uni-giessen.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 10/2010, S. 421–428
Monitoring of omalizumab therapy in children and adolescents
J.O. Steiß1, A. Schmidt1, H. Lindemann1, S. Rudloff1, A. Staatz2, P. Strohner2, G. Becher3, L. Nährlich1 und K.P. Zimmer1
1Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Justus-Liebig-Universität Gießen, 2BioTeZ Berlin-Buch GmbH, 3BecherConsult GmbH Berlin
Background: Omalizumab is a successfully implemented supplementary therapy for improving asthma control in children aged 6 years and older with severe persistent allergic asthma. The dosage of omalizumab depends on body weight and IgE level, yet no parameter has been established to guide dosage changes during therapy. Clinical studies in patients with allergic asthma or allergic rhinitis revealed a clinically relevant improvement by using omalizumab leading to concentrations of free serum IgE reported to be lower than 50 ng/ml. Therefore, only the question concerning the concentrations of free IgE used in a therapy with omalizumab is regarded of clinical importance, while total IgE (free and omalizumab-bound IgE) increases during treatment. Patients and methods: Ten patients, 8 to 17 years of age, received therapy with omalizumab due to severe allergic asthma. In addition, the patients had pronounced rhinoconjunctivitis, food allergy, insect sting allergy, and/or neurodermitis. The total IgE in the serum was measured in the patients 3 – 6 monthly before each omalizumab injection as a potential progress parameter (Sandwich-Immunoassay ADVIA Centaur). Results: Six months after beginning of the therapy with omalizumab, a significant decrease of the total IgE concentration was found, in comparison to the baseline values (p < 0.003). In all patients the tolerability of omalizumab was very good: there was a reduction in the frequency of the asthma exacerbations and rescue medications. All patients reported a clearly improved quality of life. Conclusions: A general increase in IgE was not observed in any of the children we treated with omalizumab. Apart from the development of routine assays to determine free serum IgE levels, the significance of the total serum IgE as a suitable control of an omalizumab therapy should be further investigated in controlled studies with regard to sensitivity and specificity. In order to only administer the lowest necessary dose of omalizumab especially in children and adolescents, the establishment of laboratory parameters (free IgE and/or total IgE) to adequately monitor the therapy is urgently needed. Patients undergoing an omalizumab therapy require medical supervision at close intervals.Correspondence to:PD Dr. med. J.-O. Steiß
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Justus-Liebig-Universität
Feulgenstraße 12
D–35385 Gießen
Email: Jens-Oliver.Steiss@paediat.med.uni-giessen.de
Abstract
Hintergrund: Omalizumab wird erfolgreich als Zusatztherapie zur verbesserten Asthmakontrolle bei Kindern ab 6 Jahren mit schwerem persistierendem allergischen Asthma eingesetzt. Dosierung und Häufigkeit der Applikation von Omalizumab richten sich nach dem Gesamt-IgE im Serum und dem Körpergewicht vor Therapiebeginn. Da bei den meisten kommerziellen IgE-Assays sowohl freies als auch an Omalizumab gebundenes IgE gemessen wird, kommt es zu einem angeblichen Anstieg des Gesamt-IgE im Verlauf der Therapie. Diese allgemein akzeptierte Feststellung soll überprüft werden. Methodik: Wir berichten von 10 Patienten im Alter von 8 – 17 Jahren, bei denen wir wegen eines schweren allergischen Asthma bronchiale eine Therapie mit Omalizumab einleiteten. Das Asthma war teilweise kombiniert mit einer ausgeprägten Rhinokonjunktivitis, Erdnussallergie, Insektengiftallergie oder atopischen Dermatitis. Im Abstand von 3 – 6 Monaten wurde vor jeder Omalizumab-Injektion das Gesamt-IgE im Serum bestimmt (Sandwich-Immunassay ADVIA Centaur). Ergebnisse: Sechs Monate nach Therapiebeginn mit Omalizumab war bei allen Patienten ein deutlicher Abfall der Gesamt-IgE-Konzentration im Vergleich zum Therapiebeginn nachweisbar (p < 0,003). Bei allen Patienten zeigte sich eine sehr gute Verträglichkeit von Omalizumab sowie eine Reduktion der Häufigkeit der Asthmaexazerbationen, der Notfallbehandlungen und der Dosis der inhalativen Glukokortikoide sowie eine Verbesserung des PEF. Alle Kinder und Jugendlichen berichten von einer deutlich gebesserten Lebensqualität. Schlussfolgerungen: Der in der Literatur beschriebene Anstieg der Gesamt-IgE-Konzentrationen nach Omalizumab konnte nicht bestätigt werden. Die Wertigkeit des Gesamt-IgE im Serum als Verlaufsparameter sollte durch kontrollierte Studien zur Sensitivität und Spezifität der jeweiligen Assays untersucht werden. Damit gerade im Kindes- und Jugendalter die angemessene Dosis von Omalizumab appliziert wird, erscheint die Etablierung eines Verlaufsparameters (freies IgE und/oder Gesamt-IgE) zur Steuerung der Therapie dringend erforderlich. Patienten mit einer Omalizumab-Therapie müssen engmaschig ärztlich betreut werden.Correspondence to:
PD Dr. med. J.-O. Steiß
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Justus-Liebig-Universität
Feulgenstraße 12
D–35385 Gießen
Email: Jens-Oliver.Steiss@paediat.med.uni-giessen.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 10/2010, S. 421–428
Therapiemonitoring von Omalizumab im Kindes- und Jugendalter
J.O. Steiß1, A. Schmidt1, H. Lindemann1, S. Rudloff1, A. Staatz2, P. Strohner2, G. Becher3, L. Nährlich1 und K.P. Zimmer1
1Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Justus-Liebig-Universität Gießen, 2BioTeZ Berlin-Buch GmbH, 3BecherConsult GmbH Berlin Hintergrund: Omalizumab wird erfolgreich als Zusatztherapie zur verbesserten Asthmakontrolle bei Kindern ab 6 Jahren mit schwerem persistierendem allergischen Asthma eingesetzt. Dosierung und Häufigkeit der Applikation von Omalizumab richten sich nach dem Gesamt-IgE im Serum und dem Körpergewicht vor Therapiebeginn. Da bei den meisten kommerziellen IgE-Assays sowohl freies als auch an Omalizumab gebundenes IgE gemessen wird, kommt es zu einem angeblichen Anstieg des Gesamt-IgE im Verlauf der Therapie. Diese allgemein akzeptierte Feststellung soll überprüft werden. Methodik: Wir berichten von 10 Patienten im Alter von 8 – 17 Jahren, bei denen wir wegen eines schweren allergischen Asthma bronchiale eine Therapie mit Omalizumab einleiteten. Das Asthma war teilweise kombiniert mit einer ausgeprägten Rhinokonjunktivitis, Erdnussallergie, Insektengiftallergie oder atopischen Dermatitis. Im Abstand von 3 – 6 Monaten wurde vor jeder Omalizumab-Injektion das Gesamt-IgE im Serum bestimmt (Sandwich-Immunassay ADVIA Centaur). Ergebnisse: Sechs Monate nach Therapiebeginn mit Omalizumab war bei allen Patienten ein deutlicher Abfall der Gesamt-IgE-Konzentration im Vergleich zum Therapiebeginn nachweisbar (p < 0,003). Bei allen Patienten zeigte sich eine sehr gute Verträglichkeit von Omalizumab sowie eine Reduktion der Häufigkeit der Asthmaexazerbationen, der Notfallbehandlungen und der Dosis der inhalativen Glukokortikoide sowie eine Verbesserung des PEF. Alle Kinder und Jugendlichen berichten von einer deutlich gebesserten Lebensqualität. Schlussfolgerungen: Der in der Literatur beschriebene Anstieg der Gesamt-IgE-Konzentrationen nach Omalizumab konnte nicht bestätigt werden. Die Wertigkeit des Gesamt-IgE im Serum als Verlaufsparameter sollte durch kontrollierte Studien zur Sensitivität und Spezifität der jeweiligen Assays untersucht werden. Damit gerade im Kindes- und Jugendalter die angemessene Dosis von Omalizumab appliziert wird, erscheint die Etablierung eines Verlaufsparameters (freies IgE und/oder Gesamt-IgE) zur Steuerung der Therapie dringend erforderlich. Patienten mit einer Omalizumab-Therapie müssen engmaschig ärztlich betreut werden.Correspondence to:
PD Dr. med. J.-O. Steiß
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Justus-Liebig-Universität
Feulgenstraße 12
D–35385 Gießen
Email: Jens-Oliver.Steiss@paediat.med.uni-giessen.de
Kasuistik
Allergische Kontaktdermatitis der Lippe bei Typ-IV-Sensibilisierung gegenüber Dalbergionen in Flötenholz
C. Pföhler und W. Tilgen
Case report
Contact dermatitis of the lips due to late-type sensitization against dalbergiones in a wooden recorder
C. Pföhler und W. Tilgen
410
16$
Abstract
PD Dr. med. Claudia Pföhler
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrbergerstraße 100
D–66421 Homburg/Saar
Email: hacpfo@uks.eu
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 9/2010, S. 410–412
Contact dermatitis of the lips due to late-type sensitization against dalbergiones in a wooden recorder
C. Pföhler und W. Tilgen
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar
Background: Late-type sensitizations against wood are rare and are mostly seen in patients with occupational contact with saw dust. Generally, commercial wooden products only lead to sensitization or dermatitis in cases when contact to the unprotected skin is direct, intensive and of longer duration, i.e. by wearing wooden jewellery or by playing wooden instruments. Causative for the sensitization process are ingredients of the wood core such as alkaloids, glycosides, anthrachinones, saponines, phenols, catechols, flavonoids, cumarins, and benzo-, naphtho-, furano-, and phenanthrenquinones and their precursors. Case report: We report the case of a 70-year-old patient who developed cheilitis after playing different wooden recorders made of African blackwood, rosewood, cedar, olive, and pear. Methods: Patch testing with baseline series of contact allergens and saw dust of the recorders were performed as well as skin prick tests with common inhalant allergens and saw dust of the recorders. Results: Patch testing showed sensitizations against African blackwood, rosewood, fragrance mix 2 and hydroxyisohexyl-3-cyclohexene carboxaldehyde. Skin prick testing was without pathological results. Conclusion: African blackwood and rosewood contain(S)-4’-hydroxy-4-methoxydalbergione and (S)-4-methoxydalbergione. As a result of the chemical affinity between the dalbergiones, cross-reactions between different woods are observed. The case presented shall show the diagnostic procedure in cases in which sensitizations against wood components are suspected.Correspondence to:PD Dr. med. Claudia Pföhler
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrbergerstraße 100
D–66421 Homburg/Saar
Email: hacpfo@uks.eu
Abstract
Hintergrund: Typ-IV-Sensibilisierungen gegenüber Hölzern sind selten und werden meist bei Personen gefunden, die beruflichen Umgang mit Holzstäuben haben. Fertige Holzprodukte führen in der Regel nur dann zu einer Sensibilisierung bzw. Dermatitis, wenn der Hautkontakt direkt, intensiv und langzeitig ist, zum Beispiel beim Tragen von Holzschmuck und beim Musizieren auf Holzinstrumenten. Ursächlich für die Sensibilisierung vom Spättyp sind Inhaltsstoffe des Kernholzes wie Alkaloide, Glykoside, Anthrachinone, Saponine, Phenole, Katechole, Flavonoide, Kumarine und Benzo-, Naphtho-, Furano- und Phenanthrenchinone bzw. deren Vorstufen. Fallbericht: Wir berichten über einen 70 Jahre alten Patienten, bei dem sich nach Musizieren auf Flöten mit verschiedenen hölzernen Mundstücken aus Grenadil, Palisander, Zedern-, Oliven- und Birnenholz wiederholt eine Cheilitis entwickelte. Methodik: Es erfolgte eine Epikutantestung mit der Standardreihe und mit Holzstaub der Flöten sowie eine Prick-Testung mit verbreiteten Inhalationsallergenen und mit Holzstaub der Flöten. Ergebnisse: Die Epikutantestung ergab Typ-IV-Sensibilisierungen gegenüber Grenadil und Palisander sowie gegenüber Duftstoffmix 2 und Hydroxyisohexyl-3-cyclohexen-Carboxaldehyd. Die Prick-Testung war unauffällig. Schlussfolgerungen: In Grenadil und Palisander sind die Dalbergione (S)-4’-hydroxy-4-methoxydalbergion und (S)-4-methoxydalbergion enthalten. Aufgrund der chemischen Ähnlichkeit der Dalbergione untereinander können Kreuzreaktionen zwischen verschiedenen Hölzern, wie bei unserem Patienten auf Grenadil und Palisander, beobachtet werden. Der vorgestellte Fall soll das diagnostische Prozedere bei Verdacht auf eine Sensibilisierung gegenüber Holzbestandteilen aufzeigen.Correspondence to:
PD Dr. med. Claudia Pföhler
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrbergerstraße 100
D–66421 Homburg/Saar
Email: hacpfo@uks.eu
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 9/2010, S. 410–412
Allergische Kontaktdermatitis der Lippe bei Typ-IV-Sensibilisierung gegenüber Dalbergionen in Flötenholz
C. Pföhler und W. Tilgen
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar Hintergrund: Typ-IV-Sensibilisierungen gegenüber Hölzern sind selten und werden meist bei Personen gefunden, die beruflichen Umgang mit Holzstäuben haben. Fertige Holzprodukte führen in der Regel nur dann zu einer Sensibilisierung bzw. Dermatitis, wenn der Hautkontakt direkt, intensiv und langzeitig ist, zum Beispiel beim Tragen von Holzschmuck und beim Musizieren auf Holzinstrumenten. Ursächlich für die Sensibilisierung vom Spättyp sind Inhaltsstoffe des Kernholzes wie Alkaloide, Glykoside, Anthrachinone, Saponine, Phenole, Katechole, Flavonoide, Kumarine und Benzo-, Naphtho-, Furano- und Phenanthrenchinone bzw. deren Vorstufen. Fallbericht: Wir berichten über einen 70 Jahre alten Patienten, bei dem sich nach Musizieren auf Flöten mit verschiedenen hölzernen Mundstücken aus Grenadil, Palisander, Zedern-, Oliven- und Birnenholz wiederholt eine Cheilitis entwickelte. Methodik: Es erfolgte eine Epikutantestung mit der Standardreihe und mit Holzstaub der Flöten sowie eine Prick-Testung mit verbreiteten Inhalationsallergenen und mit Holzstaub der Flöten. Ergebnisse: Die Epikutantestung ergab Typ-IV-Sensibilisierungen gegenüber Grenadil und Palisander sowie gegenüber Duftstoffmix 2 und Hydroxyisohexyl-3-cyclohexen-Carboxaldehyd. Die Prick-Testung war unauffällig. Schlussfolgerungen: In Grenadil und Palisander sind die Dalbergione (S)-4’-hydroxy-4-methoxydalbergion und (S)-4-methoxydalbergion enthalten. Aufgrund der chemischen Ähnlichkeit der Dalbergione untereinander können Kreuzreaktionen zwischen verschiedenen Hölzern, wie bei unserem Patienten auf Grenadil und Palisander, beobachtet werden. Der vorgestellte Fall soll das diagnostische Prozedere bei Verdacht auf eine Sensibilisierung gegenüber Holzbestandteilen aufzeigen.Correspondence to:
PD Dr. med. Claudia Pföhler
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrbergerstraße 100
D–66421 Homburg/Saar
Email: hacpfo@uks.eu
Originalarbeit
Wirksamkeit von Präparaten mit nicht modifizierten Allergenen zur subkutanen Applikation – Evidenzbewertung anhand klinischer Studien
C. Bachert und L. Devuyst
Original paper
Efficacy of non-modified allergen products for subcutaneous specific immunotherapy – evaluation of evidence in clinical trials
C. Bachert und L. Devuyst
379
68$
Abstract
Prof. Dr. C. med. Bachert
URL, HNO-Universitätsklinik Gent
De Pintelaan 185
B–9000 Gent
Email: claus.bachert@ugent.be
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 9/2010, S. 379–394
Efficacy of non-modified allergen products for subcutaneous specific immunotherapy – evaluation of evidence in clinical trials
C. Bachert und L. Devuyst
URL, HNO-Universitätsklinik Gent, Belgien
Background: Allergen products for specific immunotherapy (SIT) differ in terms of qualitative and quantitative composition, standardization, application and dosage. Systematic reviews demonstrate significant heterogeneity in primary outcome of SIT studies. To ensure that patients are treated based on scientific evidence, clinical efficacy of each allergen product should be demonstrated by adequate clinical trials. Objective: To evaluate the clinical efficacy of non-modified allergen products for subcutaneous specific immunotherapy obtainable in Germany by using the recommendations for clinical trials of the World Allergy Organization (WAO). Methods: A systematic literature search was performed to identify randomized clinical trials including outcome measurement of symptom- and medication scores. Results: A total of 65 publications were identified for further analysis. 15 doubleblind, placebo-controlled (DBPC) studies fulfilled the inclusion criteria and were analyzed in detail. Clinical efficacy was documented for grass pollen allergic adults and children in 7 studies with 3 products and for tree pollen allergic adults in 4 studies with 3 products. In 4 studies, clinical efficacy was demonstrated in mite-allergic patients with one product. One product also showed long-term efficacy in grass allergic patients and demonstrated clinical efficacy in adults as well as in children, both, suffering from rhinoconjunctivitis and/or asthma bronchiale. In addition, secondary preventive aspects have been shown for one product in randomized trials. Conclusion: Evidence of clinical efficacy, analyzed according to the WAO recommendations for clinical SIT trials, has been demonstrated for 3 non-modified products with 3 homologous allergen groups in 15 clinical studies.Correspondence to:Prof. Dr. C. med. Bachert
URL, HNO-Universitätsklinik Gent
De Pintelaan 185
B–9000 Gent
Email: claus.bachert@ugent.be
Abstract
Hintergrund: Allergenimpfstoffe zur spezifischen Immuntherapie (SIT) unterscheiden sich hinsichtlich ihrer qualitativen und quantitativen Zusammensetzung, Standardisierung, Anwendung und Dosierung. Systematische Reviews zeigen eine signifikante Heterogenität der Studienergebnisse zur SIT. Um eine evidenzbasierte Immuntherapie zu gewährleisten, sollte die klinische Wirksamkeit der einzelnen Präparate durch geeignete klinische Studien dokumentiert sein. Ziel: Die Wirksamkeit von in Deutschland verfügbaren nicht modifizierten Allergenpräparaten zur subkutanen Injektion (SCIT) soll anhand der Empfehlungen der World Allergy Organization (WAO) zur Durchführung klinischer Studien hinsichtlich ihrer Evidenz beurteilt werden. Methoden: In einer systematischen Literaturrecherche wurde nach randomisierten klinischen Studien mit den primären Zielparametern Symptom- und Medikations-Scores gesucht. Ergebnisse: 65 Publikationen wurden für die Bewertung identifiziert, davon wurden 15 doppelblinde, plazebokontrollierte (DBPC) Studien in die detaillierte Analyse eingeschlossen. Für 3 Präparate konnte eine klinische Wirksamkeit in 7 Studien mit Gräserpollen bei Erwachsenen und Kindern sowie in 4 Studien bei Erwachsenen mit Baumpollenallergie dokumentiert werden. Für ein Produkt liegen 4 Studien zur Wirksamkeit der subkutanen SIT bei Patienten mit Hausstaubmilbenallergie vor. Für ein Produkt konnte zudem ein Langzeiteffekt bei Patienten mit Gräserpollenallergie sowie die Wirksamkeit bei Erwachsenen und Kindern sowohl bei Rhinokonjunktivitis als auch bei Asthma bronchiale demonstriert werden. Für dieses Produkt konnten auch sekundärpräventive Aspekte in randomisierten Studien dargestellt werden. Fazit: Die Evidenz zur klinischen Wirksamkeit, analysiert gemäß den Qualitätsanforderungen der WAO, konnte in 15 klinischen Studien für 3 nicht modifizierte Präparate und für insgesamt 3 homologe Allergengruppen belegt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. C. med. Bachert
URL, HNO-Universitätsklinik Gent
De Pintelaan 185
B–9000 Gent
Email: claus.bachert@ugent.be
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 9/2010, S. 379–394
Wirksamkeit von Präparaten mit nicht modifizierten Allergenen zur subkutanen Applikation – Evidenzbewertung anhand klinischer Studien
C. Bachert und L. Devuyst
URL, HNO-Universitätsklinik Gent, Belgien Hintergrund: Allergenimpfstoffe zur spezifischen Immuntherapie (SIT) unterscheiden sich hinsichtlich ihrer qualitativen und quantitativen Zusammensetzung, Standardisierung, Anwendung und Dosierung. Systematische Reviews zeigen eine signifikante Heterogenität der Studienergebnisse zur SIT. Um eine evidenzbasierte Immuntherapie zu gewährleisten, sollte die klinische Wirksamkeit der einzelnen Präparate durch geeignete klinische Studien dokumentiert sein. Ziel: Die Wirksamkeit von in Deutschland verfügbaren nicht modifizierten Allergenpräparaten zur subkutanen Injektion (SCIT) soll anhand der Empfehlungen der World Allergy Organization (WAO) zur Durchführung klinischer Studien hinsichtlich ihrer Evidenz beurteilt werden. Methoden: In einer systematischen Literaturrecherche wurde nach randomisierten klinischen Studien mit den primären Zielparametern Symptom- und Medikations-Scores gesucht. Ergebnisse: 65 Publikationen wurden für die Bewertung identifiziert, davon wurden 15 doppelblinde, plazebokontrollierte (DBPC) Studien in die detaillierte Analyse eingeschlossen. Für 3 Präparate konnte eine klinische Wirksamkeit in 7 Studien mit Gräserpollen bei Erwachsenen und Kindern sowie in 4 Studien bei Erwachsenen mit Baumpollenallergie dokumentiert werden. Für ein Produkt liegen 4 Studien zur Wirksamkeit der subkutanen SIT bei Patienten mit Hausstaubmilbenallergie vor. Für ein Produkt konnte zudem ein Langzeiteffekt bei Patienten mit Gräserpollenallergie sowie die Wirksamkeit bei Erwachsenen und Kindern sowohl bei Rhinokonjunktivitis als auch bei Asthma bronchiale demonstriert werden. Für dieses Produkt konnten auch sekundärpräventive Aspekte in randomisierten Studien dargestellt werden. Fazit: Die Evidenz zur klinischen Wirksamkeit, analysiert gemäß den Qualitätsanforderungen der WAO, konnte in 15 klinischen Studien für 3 nicht modifizierte Präparate und für insgesamt 3 homologe Allergengruppen belegt werden.Correspondence to:
Prof. Dr. C. med. Bachert
URL, HNO-Universitätsklinik Gent
De Pintelaan 185
B–9000 Gent
Email: claus.bachert@ugent.be
Kasuistik
Akute allergische Reaktion durch berufliche Exposition gegenüber einem proteolytischen Enzympräparat mit hoher Peptidase- und Proteinase-Aktivität
B. Wüthrich und R. Schaffner
Case report
Acute allergic reaction due to occupational exposure to a proteolytic enzyme preparation with high peptidase and high proteinase activity
B. Wüthrich und R. Schaffner
357
16$
Abstract
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Im Ahorn 18
CH–8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 8/2010, S. 357–359
Acute allergic reaction due to occupational exposure to a proteolytic enzyme preparation with high peptidase and high proteinase activity
B. Wüthrich und R. Schaffner
Früher Allergiestation, Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich, Schweiz
We report the case of a skilled worker in the fragrance and flavour industry – without previous atopic manifestations such as asthma, hay fever or atopic eczema – who developed acute asthma, rhinoconjunctivitis and swelling of the tongue after the first exposure with a powdered enzyme preparation with high peptidase and high proteinase activity (Umamizyme). Skin prick test and IgE CAP were clearly positive for the enzyme preparation. A probably previous, latent sensitization to other proteolytic enzymes, which the patient had handled during his work, may explain the fact that he reacted after the first contact with this enzyme. Specific IgE to enzymes used in the detergent industry (Maxatase, Alkalase, Savinase) or to proteases of plant origin (Bromelain, Papain) were negative. To our knowledge, serum IgE antibodies against this proteolytic enzyme with high peptidase activity and without cross-reactivity to other proteases have been demonstrated for the first time. This case illustrated again that the handling with pulverized enzymes can lead to sensitization and allergy also in non-atopic persons.Correspondence to:Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Im Ahorn 18
CH–8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Abstract
Im Folgenden wird der Fall eines ausgebildeten Arbeiters in der Aromen- und Riechstoffindustrie vorgestellt. Bei ihm waren zuvor noch nie atopische Manifestationen wie Asthma, Heuschnupfen oder atopisches Ekzem aufgetreten. Nach der ersten Exposition gegenüber einem pulverförmigen Enzympräparat mit hoher Peptidase- und Proteinase-Aktivität (Umamizyme) entwickelte er akutes Asthma, Rhinokonjunktivitis und eine Zungenschwellung. Der Prick-Test und IgE-CAP waren eindeutig positiv für das Enzympräparat. Eine wahrscheinliche frühere, latente Sensibilisierung gegen andere proteolytische Enzyme, mit denen der Patient aufgrund seines Berufs Umgang hatte, könnte die Tatsache erklären, dass er nach dem ersten Kontakt mit dem Enzym reagierte. Untersuchungen auf spezifisches IgE gegen Enzyme, die in der Waschmittelindustrie angewandt werden (Maxatase, Alkalase, Savinase), oder gegen Proteasen pflanzlichen Ursprungs (Bromelain, Papain) waren negativ. Unseres Wissens ist dies der erste Fall, bei dem Serum-IgE-Antikörper gegen dieses proteolytische Enzym mit hoher Peptidase-Aktivität und ohne Kreuzreaktivität gegen andere Proteasen auftreten. Dieser Fall zeigt erneut, dass der Umgang mit pulverförmigen Enzymen auch bei Nicht-Atopikern zu Sensibilisierung und Allergie führen kann.Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Im Ahorn 18
CH–8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 8/2010, S. 357–359
Akute allergische Reaktion durch berufliche Exposition gegenüber einem proteolytischen Enzympräparat mit hoher Peptidase- und Proteinase-Aktivität
B. Wüthrich und R. Schaffner
Früher Allergiestation, Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich, Schweiz Im Folgenden wird der Fall eines ausgebildeten Arbeiters in der Aromen- und Riechstoffindustrie vorgestellt. Bei ihm waren zuvor noch nie atopische Manifestationen wie Asthma, Heuschnupfen oder atopisches Ekzem aufgetreten. Nach der ersten Exposition gegenüber einem pulverförmigen Enzympräparat mit hoher Peptidase- und Proteinase-Aktivität (Umamizyme) entwickelte er akutes Asthma, Rhinokonjunktivitis und eine Zungenschwellung. Der Prick-Test und IgE-CAP waren eindeutig positiv für das Enzympräparat. Eine wahrscheinliche frühere, latente Sensibilisierung gegen andere proteolytische Enzyme, mit denen der Patient aufgrund seines Berufs Umgang hatte, könnte die Tatsache erklären, dass er nach dem ersten Kontakt mit dem Enzym reagierte. Untersuchungen auf spezifisches IgE gegen Enzyme, die in der Waschmittelindustrie angewandt werden (Maxatase, Alkalase, Savinase), oder gegen Proteasen pflanzlichen Ursprungs (Bromelain, Papain) waren negativ. Unseres Wissens ist dies der erste Fall, bei dem Serum-IgE-Antikörper gegen dieses proteolytische Enzym mit hoher Peptidase-Aktivität und ohne Kreuzreaktivität gegen andere Proteasen auftreten. Dieser Fall zeigt erneut, dass der Umgang mit pulverförmigen Enzymen auch bei Nicht-Atopikern zu Sensibilisierung und Allergie führen kann.Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Im Ahorn 18
CH–8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Originalarbeit
Ethylenoxid als berufliches Kontaktallergen – ein unterschätztes Problem?
K. Breuer, M. Worm, C. Skudlik und S.M. John
Original paper
Ethylene oxide as an occupational contact allergen – an underestimated problem?
K. Breuer, M. Worm, C. Skudlik und S.M. John
331
28$
Abstract
PD Dr. med. Kristine Breuer
Dermatologikum Hamburg
Drehbahn 1 – 3
D–20354 Hamburg
Email: breuer@dermatologikum.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 8/2010, S. 331–336
Ethylene oxide as an occupational contact allergen – an underestimated problem?
K. Breuer1, M. Worm2, C. Skudlik1,3 und S.M. John1,3,4
1Dermatologikum Hamburg, 2Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Allergie-Centrum-Charité, Campus Mitte, Universitätsmedizin Berlin, 3Institut für interdisziplinäre dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm), Universität Osnabrück, 4Fachgebiet Dermatologie und Umweltmedizin, Universität Osnabrück
Background: Ethylene oxide (EtO) is a volatile epoxy compound which is used to sterilize medical devices. EtO may cause irritant contact dermatitis, but only few cases of allergic contact dermatitis have been reported yet. Objectives: About 20 employees of a department for surgery developed eczematous skin reactions at the contact areas to wrist bands of surgical gowns which had been sterilized with EtO. Patch tests were performed to exclude contact allergy. Methods: Due to the volatility of EtO, patch tests were done with epichlorohydrin (0.1% pet., 1% pet.) which is an epoxy compound chemically related to EtO. Results: 7/8 patients and 4 healthy control persons showed non-allergic irritant reactions to 1.0% epichlorohydrin. 1.0% epichlorohydrin may have induced an iatrogenic sensitization in one of the control persons. None of the control persons reacted to 0.1% epichlorohydrin. Allergic contact dermatitis to EtO and a cross sensitization to epichlorohydrin was diagnosed in a nurse who showed an allergic crescendo patch test reaction to 0.1% epichlorohydrin. Conclusions: EtO can act as an occupational contact allergen in health personnel, a problem that may have been underestimated in the past due to methodological difficulties in patch testing. When allergic contact dermatitis to EtO is suspected, a patch test to 0.1% epichlorohydrin should be performed.Correspondence to:PD Dr. med. Kristine Breuer
Dermatologikum Hamburg
Drehbahn 1 – 3
D–20354 Hamburg
Email: breuer@dermatologikum.de
Abstract
Hintergrund: Ethylenoxid (EO) ist eine flüchtige Epoxidverbindung, die zur Sterilisation von Medizinprodukten verwendet wird. EO kann eine irritative Kontaktdermatitis verursachen, es sind jedoch bislang nur wenige Fälle allergischer Kontaktdermatitiden bekannt geworden. Fragestellung: Etwa 20 Mitarbeiter einer chirurgischen Abteilung entwickelten ekzematöse Hautreaktionen an den Kontaktstellen der Ärmelbündchen von OP-Mänteln, die mit EO sterilisiert worden waren. Um eine Kontaktallergie auszuschließen, wurden Epikutantests durchgeführt. Methoden: Aufgrund der Flüchtigkeit von EO wurden die Epikutantests mit Epichlorhydrin (0,1% Vas., 1% Vas.), einer mit EO chemisch verwandten Epoxidverbindung, durchgeführt. Ergebnisse: 7 von 8 Patienten und 4 gesunde Kontrollpersonen zeigten nichtallergische irritative Reaktionen auf 1,0% Epichlorhydrin. Bei einer der Kontrollpersonen könnte 1,0% Epichlorhydrin eine iatrogene Sensibilisierung induziert haben. Keine der Kontrollpersonen reagierte auf 0,1% Epichlorhydrin. Bei einer Krankenschwester, die eine allergische Crescendo-Reaktion im Epikutantest mit 0,1% Epichlorhydrin zeigte, konnte eine allergische Kontaktdermatitis gegenüber EO und eine Kreuzsensibilisierung gegenüber Epichlorhydrin diagnostiziert werden. Schlussfolgerungen: EO ist ein berufliches Kontaktallergen, welches im Gesundheitswesen eine Rolle spielt – ein Problem, welches in der Vergangenheit möglicherweise aufgrund von methodischen Schwierigkeiten im Rahmen der Epikutantestung unterschätzt wurde. Bei Verdacht auf ein allergisches Kontaktekzem gegenüber EO sollte ein Epikutantest mit 0,1% Epichlorhydrin durchgeführt werden.Correspondence to:
PD Dr. med. Kristine Breuer
Dermatologikum Hamburg
Drehbahn 1 – 3
D–20354 Hamburg
Email: breuer@dermatologikum.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 8/2010, S. 331–336
Ethylenoxid als berufliches Kontaktallergen – ein unterschätztes Problem?
K. Breuer1, M. Worm2, C. Skudlik1,3 und S.M. John1,3,4
1Dermatologikum Hamburg, 2Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Allergie-Centrum-Charité, Campus Mitte, Universitätsmedizin Berlin, 3Institut für interdisziplinäre dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm), Universität Osnabrück, 4Fachgebiet Dermatologie und Umweltmedizin, Universität Osnabrück Hintergrund: Ethylenoxid (EO) ist eine flüchtige Epoxidverbindung, die zur Sterilisation von Medizinprodukten verwendet wird. EO kann eine irritative Kontaktdermatitis verursachen, es sind jedoch bislang nur wenige Fälle allergischer Kontaktdermatitiden bekannt geworden. Fragestellung: Etwa 20 Mitarbeiter einer chirurgischen Abteilung entwickelten ekzematöse Hautreaktionen an den Kontaktstellen der Ärmelbündchen von OP-Mänteln, die mit EO sterilisiert worden waren. Um eine Kontaktallergie auszuschließen, wurden Epikutantests durchgeführt. Methoden: Aufgrund der Flüchtigkeit von EO wurden die Epikutantests mit Epichlorhydrin (0,1% Vas., 1% Vas.), einer mit EO chemisch verwandten Epoxidverbindung, durchgeführt. Ergebnisse: 7 von 8 Patienten und 4 gesunde Kontrollpersonen zeigten nichtallergische irritative Reaktionen auf 1,0% Epichlorhydrin. Bei einer der Kontrollpersonen könnte 1,0% Epichlorhydrin eine iatrogene Sensibilisierung induziert haben. Keine der Kontrollpersonen reagierte auf 0,1% Epichlorhydrin. Bei einer Krankenschwester, die eine allergische Crescendo-Reaktion im Epikutantest mit 0,1% Epichlorhydrin zeigte, konnte eine allergische Kontaktdermatitis gegenüber EO und eine Kreuzsensibilisierung gegenüber Epichlorhydrin diagnostiziert werden. Schlussfolgerungen: EO ist ein berufliches Kontaktallergen, welches im Gesundheitswesen eine Rolle spielt – ein Problem, welches in der Vergangenheit möglicherweise aufgrund von methodischen Schwierigkeiten im Rahmen der Epikutantestung unterschätzt wurde. Bei Verdacht auf ein allergisches Kontaktekzem gegenüber EO sollte ein Epikutantest mit 0,1% Epichlorhydrin durchgeführt werden.Correspondence to:
PD Dr. med. Kristine Breuer
Dermatologikum Hamburg
Drehbahn 1 – 3
D–20354 Hamburg
Email: breuer@dermatologikum.de
Anaphylaxie
Risikofaktoren bei Insektengiftallergie
F. Ruëff, J. Kroth und B. Przybilla
Anaphylaxis
Risk factors in Hymenoptera venom allergy
F. Ruëff, J. Kroth und B. Przybilla
297
28$
Abstract
PD Dr. med. Franziska Ruëff
AllergieZentrum
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstraße 9 – 11
D–80337 München
Email: Franziska.Rueff@med.uni-muenchen.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 7/2010, S. 297–302
Risk factors in Hymenoptera venom allergy
F. Ruëff, J. Kroth und B. Przybilla
AllergieZentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität, München
Risk factors should be part of the decision, of which patient should be offered venom immunotherapy (VIT) and how VIT should be performed. Risk factors for a severe systemic anaphylactic reaction (SAR) after a Hymenoptera field sting include a preceding less severe sting reaction, a wasp sting, an increased baseline serum tryptase concentration (BSTC), mastocytosis, older age, ACE inhibitor medication, and male gender. During VIT, treatment with honey bee venom is the most important risk factor for a SAR. Further risk factors include a high BSTC (for vespid VIT only), presence of venom specific IgE in serum, any antihypertensive medication during therapy, and an ultra-rush protocol for build-up. Treatment failure is more common in patients suffering from honey bee venom allergy, high BSTC (for vespid VIT only) or mastocytosis, and in those who had experienced side effects during VIT. Besides discontinuing antihypertensive medication or switching to a moderate type of dose increase during build-up, little can be done to minimize the risks associated with VIT. Increasing the maintenance dose may improve the efficacy of VIT. In patients with a particularly high risk for treatment failure, or in case of treatment failure, VIT should include an increased maintenance dose right from the beginning. Usually, 200 mg will be sufficient.Correspondence to:PD Dr. med. Franziska Ruëff
AllergieZentrum
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstraße 9 – 11
D–80337 München
Email: Franziska.Rueff@med.uni-muenchen.de
Abstract
Die Kenntnis von Risikofaktoren bei Insektengiftallergie beeinflusst die Indikationsstellung zur spezifischen Immuntherapie (SIT) mit Insektengift und allgemeine therapeutische Gesichtspunkte bei Insektengiftallergie. Risikofaktoren für eine schwere systemische anaphylaktische Reaktion (SAR) bei Hymenopterenstich sind frühere leichtere Stichreaktionen, Stiche durch Wespen, erhöhte basale Serumtryptasekonzentration (bSTK), Mastozytose, höheres Alter, ACE-Hemmer und männliches Geschlecht. Der stärkste Risikofaktor für SAR bei SIT ist die Behandlung mit Bienengift, weiter zu nennen sind bSTK, Mastozytose, insektengiftspezifische IgE-Antikörper im Serum und schnelle Dosissteigerung. Versagen der SIT ist häufiger bei Patienten mit Bienengiftallergie, bei schlecht vertragener SIT und bei Mastozytose; nur bei Patienten mit Wespengiftallergie auch eine erhöhte bSTK. Bis auf das Absetzen von Arzneimitteln (ACE-Hemmer) sowie die Wahl des Dosissteigerungsschemas und der Erhaltungsdosis können Risiken bei Patienten mit Insektengiftallergie kaum beeinflusst werden. Bei Patienten mit einem besonderen Risiko für ein Therapieversagen bzw. im Falle eines Therapieversagens sollte die SIT von vornherein mit einer erhöhten Erhaltungsdosis durchgeführt werden, meist sind 200 mg ausreichend.Correspondence to:
PD Dr. med. Franziska Ruëff
AllergieZentrum
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstraße 9 – 11
D–80337 München
Email: Franziska.Rueff@med.uni-muenchen.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 7/2010, S. 297–302
Risikofaktoren bei Insektengiftallergie
F. Ruëff, J. Kroth und B. Przybilla
AllergieZentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Ludwig-Maximilians-Universität, München Die Kenntnis von Risikofaktoren bei Insektengiftallergie beeinflusst die Indikationsstellung zur spezifischen Immuntherapie (SIT) mit Insektengift und allgemeine therapeutische Gesichtspunkte bei Insektengiftallergie. Risikofaktoren für eine schwere systemische anaphylaktische Reaktion (SAR) bei Hymenopterenstich sind frühere leichtere Stichreaktionen, Stiche durch Wespen, erhöhte basale Serumtryptasekonzentration (bSTK), Mastozytose, höheres Alter, ACE-Hemmer und männliches Geschlecht. Der stärkste Risikofaktor für SAR bei SIT ist die Behandlung mit Bienengift, weiter zu nennen sind bSTK, Mastozytose, insektengiftspezifische IgE-Antikörper im Serum und schnelle Dosissteigerung. Versagen der SIT ist häufiger bei Patienten mit Bienengiftallergie, bei schlecht vertragener SIT und bei Mastozytose; nur bei Patienten mit Wespengiftallergie auch eine erhöhte bSTK. Bis auf das Absetzen von Arzneimitteln (ACE-Hemmer) sowie die Wahl des Dosissteigerungsschemas und der Erhaltungsdosis können Risiken bei Patienten mit Insektengiftallergie kaum beeinflusst werden. Bei Patienten mit einem besonderen Risiko für ein Therapieversagen bzw. im Falle eines Therapieversagens sollte die SIT von vornherein mit einer erhöhten Erhaltungsdosis durchgeführt werden, meist sind 200 mg ausreichend.Correspondence to:
PD Dr. med. Franziska Ruëff
AllergieZentrum
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstraße 9 – 11
D–80337 München
Email: Franziska.Rueff@med.uni-muenchen.de
Kasuistik
Nahrungsmittelbedingte, anstrengungsinduzierte Anaphylaxie bei starker Sensibilisierung auf Getreideproteine, insbesondere auf Omega-5-Gliadin, und bei fraglichem Hausstaubmilben-Krustazeen-Syndrom
B. Wüthrich und T. Hofer
Case report
Food-dependent, exercise-induced anaphylaxis (FDEIA) to wheat proteins, particularly to rTri alpha19-Omega-5-Gliadin, and light sensitization to crustaceans and house dust mite (so-called “house dust mite-crustaceans-syndrome”)
B. Wüthrich und T. Hofer
205
28$
Abstract
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Praxis für Allergologie und Dermatologie
Spital Zollikerberg
Trichtenhauserstraße 20
CH–8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 5/2010, S. 205–210
Food-dependent, exercise-induced anaphylaxis (FDEIA) to wheat proteins, particularly to rTri alpha19-Omega-5-Gliadin, and light sensitization to crustaceans and house dust mite (so-called “house dust mite-crustaceans-syndrome”)
B. Wüthrich1 und T. Hofer2
1Praxis für Allergologie und Dermatologie, Spital Zollikerberg, Schweiz, 2Praxis für Dermatologie und Venerologie, Wettingen, Schweiz
A 47-year-old female patient without pre-existing manifest atopic diseases experienced 5 episodes of severe anaphylactoid reactions within 1 year. All events occurred subsequently to physical activities (nordic walking, cycling, dancing). Before these activities the patient had eaten pasta or bread and in at least 3 cases also shrimps. Thus, the clinical picture of food-dependent, exercise-induced anaphylaxis (FDEIA) was present. Allergologic work-up was carried out in two steps and demonstrated a strong sensitization against flour proteins, particularly against gluten (mainly rTri α19-Omega 5 gliadin), a strong sensitization against house dust mite and a weak sensitization against crustaceans. Skin prick testing with a commercially available extract had initially been negative for flour allergens so that in the beginning shrimps intake was considered to be the only reason for FDEIA. After a cereal- (and initially also crustacean-)free diet before physical exercise, no further anaphylactic reactions occurre.Correspondence to:Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Praxis für Allergologie und Dermatologie
Spital Zollikerberg
Trichtenhauserstraße 20
CH–8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Abstract
Eine 47-jährige Patientin ohne manifeste atopische Vorerkrankungen erlitt innerhalb eines Jahres 5 Episoden von schweren, anaphylaktoiden Reaktionen. Alle Ereignisse traten im Anschluss an körperliche Betätigungen auf (Nordic Walking, Radfahren, Tanzen). Vorangegangen war jeweils die Einnahme von Pasta oder Brot und, mindestens bei 3 Episoden, auch Krevetten. Es lag also das Krankheitsbild der nahrungsmittelbedingten, anstrengungsinduzierten Anaphylaxie (food-dependent, exercise-induced anaphylaxis: FDEIA) vor. Die in zwei Schritten durchgeführten allergologischen Abklärungen wiesen eine starke Sensibilisierung gegen Mehlproteine, insbesondere gegen Gluten und besonders stark gegen rTri α19-Omega-5-Gliadin nach sowie eine starke Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben und eine schwache gegen Krustazeen. Bei der Prick-Testung waren initial die Mehlallergene mit einem kommerziellen Extrakt negativ ausgefallen, sodass sich die Ursache der FDEIA zunächst lediglich auf die Einnahme der Krustazeen (Shrimps/Krevetten) richtete. Nach getreide- (und anfänglich auch krustazeen-)freier Kost vor einer Anstrengung blieben die anaphylaktischen Reaktionen aus.Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Praxis für Allergologie und Dermatologie
Spital Zollikerberg
Trichtenhauserstraße 20
CH–8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 5/2010, S. 205–210
Nahrungsmittelbedingte, anstrengungsinduzierte Anaphylaxie bei starker Sensibilisierung auf Getreideproteine, insbesondere auf Omega-5-Gliadin, und bei fraglichem Hausstaubmilben-Krustazeen-Syndrom
B. Wüthrich1 und T. Hofer2
1Praxis für Allergologie und Dermatologie, Spital Zollikerberg, Schweiz, 2Praxis für Dermatologie und Venerologie, Wettingen, Schweiz Eine 47-jährige Patientin ohne manifeste atopische Vorerkrankungen erlitt innerhalb eines Jahres 5 Episoden von schweren, anaphylaktoiden Reaktionen. Alle Ereignisse traten im Anschluss an körperliche Betätigungen auf (Nordic Walking, Radfahren, Tanzen). Vorangegangen war jeweils die Einnahme von Pasta oder Brot und, mindestens bei 3 Episoden, auch Krevetten. Es lag also das Krankheitsbild der nahrungsmittelbedingten, anstrengungsinduzierten Anaphylaxie (food-dependent, exercise-induced anaphylaxis: FDEIA) vor. Die in zwei Schritten durchgeführten allergologischen Abklärungen wiesen eine starke Sensibilisierung gegen Mehlproteine, insbesondere gegen Gluten und besonders stark gegen rTri α19-Omega-5-Gliadin nach sowie eine starke Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben und eine schwache gegen Krustazeen. Bei der Prick-Testung waren initial die Mehlallergene mit einem kommerziellen Extrakt negativ ausgefallen, sodass sich die Ursache der FDEIA zunächst lediglich auf die Einnahme der Krustazeen (Shrimps/Krevetten) richtete. Nach getreide- (und anfänglich auch krustazeen-)freier Kost vor einer Anstrengung blieben die anaphylaktischen Reaktionen aus.Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Praxis für Allergologie und Dermatologie
Spital Zollikerberg
Trichtenhauserstraße 20
CH–8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Originalarbeit
Behandlung der saisonalen allergischen Rhinokonjunktivitis mit einem liposomalen Nasenspray
L.A. Weston und R. Mösges
Original paper
Treating seasonal allergic rhinoconjunctivitis with a liposomal nasal spray
L.A. Weston und R. Mösges
196
40$
Abstract
Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. R. Mösges
Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie
Universität zu Köln
Kerpener Straße 62
D–50924 Köln
Email: Ralph@Moesges.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 5/2010, S. 196–204
Treating seasonal allergic rhinoconjunctivitis with a liposomal nasal spray
L.A. Weston und R. Mösges
Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie, Universität zu Köln
Objective: To investigate symptom reduction using the liposomal nasal spray LipoNasal (LN) for patients with seasonal allergic rhinoconjunctivitis (SAR). Moreover, the tolerability and the impact on quality of life were tested. The same parameters were determined for the combination of a nasal antihistamine and glucocorticosteroid spray (Livocab and Livocab with beclomatasone) (LLB). Methods: This prospective, controlled, open observational study took place monocentrically. According to their symptoms and preference 40 patients with SAR were distributed to two groups: LN: n = 24; LLB: n = 16. The study comprised 2 visits at an interval of 7 days. The efficacy was determined with the daily documented nasal and conjunctival symptom score. The Nasal Spray Evaluation Questionnaire served to test the tolerability. Quality of life (QoL) was examined by means of the RHINASTHMA Quality of Life Questionnaire GAV. Results: LN caused a significant reduction of nasal (p = 0.003) and conjunctival symptoms (p = 0.005). The symptom abatement using LLB was equally significant. The tolerability of both treatments was good and no side-effects were observed. QoL improved significantly in both groups (LN: p = 0.002; LLB: p = 0.002). Neither one of them displayed a higher QoL than the other group (p = 0.456). Conclusion: The treatment of SAR with LipoNasal leads to a significant reduction of symptoms and a significant improvement of quality of life. In that it does not differ from the standard treatment using an antihistamine and glucocorticosteroid spray. The tolerability of LN is good.Correspondence to:Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. R. Mösges
Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie
Universität zu Köln
Kerpener Straße 62
D–50924 Köln
Email: Ralph@Moesges.de
Abstract
Ziel: Das Ziel dieser Studie war die Untersuchung der Symptomreduktion durch das liposomale Nasenspray LipoNasal (LN) bei Patienten mit saisonaler allergischer Rhinokonjunktivitis (SAR). Ferner wurden die Verträglichkeit und der Einfluss auf die Lebensqualität ermittelt. Dieselben Parameter wurden parallel für eine Kombination aus nasalem Antihistaminikum und Glukokortikosteroid (Livocab und Livocab mit Beclometason) (LLB) ermittelt. Methoden: Diese prospektive, kontrollierte, offene Beobachtungsstudie fand monozentrisch statt. 40 Patienten mit SAR wurden gemäß ihrer Beschwerden auf 2 Studienarme verteilt: LN: n = 24; LLB: n = 16. Die Studie umfasste 2 Visiten im Abstand von 7 Tagen. Die Wirksamkeit wurde anhand des täglich erhobenen nasalen und konjunktivalen Symptom-Scores ermittelt. Zur Prüfung der Verträglichkeit diente die Nasenspray-Sensorik-Skala, die Lebensqualität wurde mittels der RHINASTHMA-Lebensqualitätsskala GAV gemessen. Ergebnisse: LN führte zu signifikanter Reduktion der nasalen (p = 0,003) und konjunktivalen (p = 0,005) Symptome. Ebenso signifikant war die Symptomlinderung durch LLB. Die Verträglichkeit beider Behandlungen war gut und es kam zu keinerlei Nebenwirkungen. Die Lebensqualität verbesserte sich in beiden Gruppen signifikant (LN: p = 0,002; LLB: p = 0,002). Dabei wies keine der beiden Gruppen eine signifikant höhere Lebensqualität auf (p = 0,456). Schlussfolgerung: Die Behandlung der SAR mit LipoNasal führt zu signifikanter Symptomreduktion und signifikanter Verbesserung der Lebensqualität. Darin unterscheidet es sich nicht signifikant von der leitliniengemäßen Therapie mit einem Antihistamin- und Glukokortikosteroid-Spray. Die Verträglichkeit von LN ist gut.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. R. Mösges
Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie
Universität zu Köln
Kerpener Straße 62
D–50924 Köln
Email: Ralph@Moesges.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 5/2010, S. 196–204
Behandlung der saisonalen allergischen Rhinokonjunktivitis mit einem liposomalen Nasenspray
L.A. Weston und R. Mösges
Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie, Universität zu Köln Ziel: Das Ziel dieser Studie war die Untersuchung der Symptomreduktion durch das liposomale Nasenspray LipoNasal (LN) bei Patienten mit saisonaler allergischer Rhinokonjunktivitis (SAR). Ferner wurden die Verträglichkeit und der Einfluss auf die Lebensqualität ermittelt. Dieselben Parameter wurden parallel für eine Kombination aus nasalem Antihistaminikum und Glukokortikosteroid (Livocab und Livocab mit Beclometason) (LLB) ermittelt. Methoden: Diese prospektive, kontrollierte, offene Beobachtungsstudie fand monozentrisch statt. 40 Patienten mit SAR wurden gemäß ihrer Beschwerden auf 2 Studienarme verteilt: LN: n = 24; LLB: n = 16. Die Studie umfasste 2 Visiten im Abstand von 7 Tagen. Die Wirksamkeit wurde anhand des täglich erhobenen nasalen und konjunktivalen Symptom-Scores ermittelt. Zur Prüfung der Verträglichkeit diente die Nasenspray-Sensorik-Skala, die Lebensqualität wurde mittels der RHINASTHMA-Lebensqualitätsskala GAV gemessen. Ergebnisse: LN führte zu signifikanter Reduktion der nasalen (p = 0,003) und konjunktivalen (p = 0,005) Symptome. Ebenso signifikant war die Symptomlinderung durch LLB. Die Verträglichkeit beider Behandlungen war gut und es kam zu keinerlei Nebenwirkungen. Die Lebensqualität verbesserte sich in beiden Gruppen signifikant (LN: p = 0,002; LLB: p = 0,002). Dabei wies keine der beiden Gruppen eine signifikant höhere Lebensqualität auf (p = 0,456). Schlussfolgerung: Die Behandlung der SAR mit LipoNasal führt zu signifikanter Symptomreduktion und signifikanter Verbesserung der Lebensqualität. Darin unterscheidet es sich nicht signifikant von der leitliniengemäßen Therapie mit einem Antihistamin- und Glukokortikosteroid-Spray. Die Verträglichkeit von LN ist gut.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. R. Mösges
Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie
Universität zu Köln
Kerpener Straße 62
D–50924 Köln
Email: Ralph@Moesges.de
Neurodermitis
Alternativverfahren beim atopischen Ekzem
T. Schäfer
Atopic dermatitis
Complementary alternative medicine (CAM) and atopic eczema
T. Schäfer
180
44$
Abstract
Prof. Dr. med. T. Schäfer
Häven 6b
D–23626 Ratekau
Email: torsten.schaefer4@gmx.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 4/2010, S. 180–189
Complementary alternative medicine (CAM) and atopic eczema
T. Schäfer
Ratekau
There is a substantial and growing interest in complementary alternative medicine (CAM) in the general population. This paper aims to answer in how far patients with atopic eczema use CAM and which techniques. Furthermore the evidence basis on the efficacy of CAM in the use for atopic eczema should be reviewed. For that purpose randomised controlled trials were searched systematically. In Germany about 46% of the general population and up to 51% of inpatients with eczema use CAM. Acupuncture, homeopathy, diets and supplements comprise the most popular techniques. Better educated, middle-aged women use CAM more frequently. In general the evidence basis concerning studies on the efficacy (and safety) of CAM for atopic eczema with appropriate size and quality is limited. Most studies were found on essential fatty acids and Chinese herbs, whereby the results remain conflicting. There was not enough evidence to assess the efficacy of acupuncture, homeopathy and salt baths. A single study on bioresonance should no superiority compared to a shame procedure. Single studies indicated beneficial effects for topical hypericum, autologous blood injection, massage therapy, Vitamin E and D, and topical Viatmin B12. These results must be confirmed by future studies. CAM are frequently used in atopic eczema, the evidence basis for that, however, is limited.Correspondence to:Prof. Dr. med. T. Schäfer
Häven 6b
D–23626 Ratekau
Email: torsten.schaefer4@gmx.de
Abstract
In der Allgemeinbevölkerung besteht ein großes und wachsendes Interesse an der Inanspruchnahme von sogenannten Alternativverfahren. Diese Übersicht geht der Frage nach, inwieweit Patienten mit atopischem Ekzem sich Alternativverfahren zuwenden und welchen. Außerdem sollte die Studienlage zur Wirksamkeit der Verfahren in der Anwendung beim atopischen Ekzem dargestellt werden. Dafür wurden randomisierte, kontrollierte Studien systematisch gesucht. In Deutschland nehmen etwa 46% der Allgemeinbevölkerung Alternativverfahren in Anspruch, unter stationären Ekzempatienten sind es bis zu 51%, wobei Akupunktur, Homöopathie und diverse Diätformen bzw. Nahrungsergänzungsmittel die am häufigsten angewandten Verfahren darstellen. Besser ausgebildete Frauen mittleren Alters wenden sich überzufällig häufig Alternativverfahren zu. Die Evidenzgrundlage im Sinne ausreichend großer und methodisch guter Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit (und Sicherheit) von Alternativverfahren beim atopischen Ekzem ist insgesamt gering. Die meisten Studien wurden zu essenziellen Fettsäuren und zu chinesischen Kräutern gefunden, wobei die Ergebnisse widersprüchlich bleiben. Keine ausreichende Evidenz gibt es zur Beurteilung der Wirksamkeit von Akupunktur, Homöopathie und Salzwasserbädern. Eine Studie zur Bioresonanz zeigte keine signifikante Überlegenheit gegenüber einer Scheinbehandlung. Einzelne Studien weisen auf günstige Effekte durch die topische Anwendung von Johanniskraut, Eigenblutbehandlung, Massagetherapie, Vitamin E und D und topischem Vitamin B12 hin. Diese Ergebnisse müssen in weiteren Studien überprüft werden. Alternativverfahren werden beim atopischen Ekzem häufig eingesetzt, die Evidenzgrundlage dafür ist bislang gering.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T. Schäfer
Häven 6b
D–23626 Ratekau
Email: torsten.schaefer4@gmx.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 4/2010, S. 180–189
Alternativverfahren beim atopischen Ekzem
T. Schäfer
Ratekau In der Allgemeinbevölkerung besteht ein großes und wachsendes Interesse an der Inanspruchnahme von sogenannten Alternativverfahren. Diese Übersicht geht der Frage nach, inwieweit Patienten mit atopischem Ekzem sich Alternativverfahren zuwenden und welchen. Außerdem sollte die Studienlage zur Wirksamkeit der Verfahren in der Anwendung beim atopischen Ekzem dargestellt werden. Dafür wurden randomisierte, kontrollierte Studien systematisch gesucht. In Deutschland nehmen etwa 46% der Allgemeinbevölkerung Alternativverfahren in Anspruch, unter stationären Ekzempatienten sind es bis zu 51%, wobei Akupunktur, Homöopathie und diverse Diätformen bzw. Nahrungsergänzungsmittel die am häufigsten angewandten Verfahren darstellen. Besser ausgebildete Frauen mittleren Alters wenden sich überzufällig häufig Alternativverfahren zu. Die Evidenzgrundlage im Sinne ausreichend großer und methodisch guter Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit (und Sicherheit) von Alternativverfahren beim atopischen Ekzem ist insgesamt gering. Die meisten Studien wurden zu essenziellen Fettsäuren und zu chinesischen Kräutern gefunden, wobei die Ergebnisse widersprüchlich bleiben. Keine ausreichende Evidenz gibt es zur Beurteilung der Wirksamkeit von Akupunktur, Homöopathie und Salzwasserbädern. Eine Studie zur Bioresonanz zeigte keine signifikante Überlegenheit gegenüber einer Scheinbehandlung. Einzelne Studien weisen auf günstige Effekte durch die topische Anwendung von Johanniskraut, Eigenblutbehandlung, Massagetherapie, Vitamin E und D und topischem Vitamin B12 hin. Diese Ergebnisse müssen in weiteren Studien überprüft werden. Alternativverfahren werden beim atopischen Ekzem häufig eingesetzt, die Evidenzgrundlage dafür ist bislang gering.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T. Schäfer
Häven 6b
D–23626 Ratekau
Email: torsten.schaefer4@gmx.de
Neurodermitis
Systemische Therapie der atopischen Dermatitis
C. Bußmann und N. Novak
Atopic dermatitis
Systemic therapy of atopic dermatitis
C. Bußmann und N. Novak
164
36$
Abstract
Prof. Dr. med. Natalija Novak
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
D–53105 Bonn
Email: Natalija.Novak@ukb.uni-bonn.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 4/2010, S. 164–171
Systemic therapy of atopic dermatitis
C. Bußmann und N. Novak
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Universität Bonn
Therapy of severe atopic dermatitis, which is refractory to consistent treatment with topical steroids and topical calcineurin inhibitors is still a problem in many cases. The use of cyclosporine, which is the only approved systemic drug for the therapy of severe atopic dermatitis is often limited by contraindications or adverse reactions. In this context, results from controlled and open label studies with novel therapeutic approaches such as methotrexat, omalizumab or rituximab, which are in part very promising, are of great interest. In this work we would like to provide an overview of established and new therapeutic options for the treatment of severe atopic dermatitis.Correspondence to:Prof. Dr. med. Natalija Novak
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
D–53105 Bonn
Email: Natalija.Novak@ukb.uni-bonn.de
Abstract
Die Therapie der schweren Formen der atopischen Dermatitis (AD), die nur unzureichend auf eine Behandlung mit topischen Steroiden und topischen Immunmodulatoren ansprechen, bereitet nach wie vor Probleme. Der Einsatz von Ciclosporin, des einzigen in Deutschland für die systemische Behandlung der AD zugelassenen Medikaments, ist häufig durch Kontraindikationen und Nebenwirkungen limitiert. Vor diesem Hintergrund sind neuere Studien und Anwendungsbeobachtungen zu innovativen Therapieansätzen wie Methotrexat, Omalizumab oder Rituximab, die zum Teil vielversprechende Ergebnisse zeigen, besonders interessant. Wir möchten in dieser Arbeit daher einen Überblick über bewährte und neue systemische Therapieformen der AD geben.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Natalija Novak
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
D–53105 Bonn
Email: Natalija.Novak@ukb.uni-bonn.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 4/2010, S. 164–171
Systemische Therapie der atopischen Dermatitis
C. Bußmann und N. Novak
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Universität Bonn Die Therapie der schweren Formen der atopischen Dermatitis (AD), die nur unzureichend auf eine Behandlung mit topischen Steroiden und topischen Immunmodulatoren ansprechen, bereitet nach wie vor Probleme. Der Einsatz von Ciclosporin, des einzigen in Deutschland für die systemische Behandlung der AD zugelassenen Medikaments, ist häufig durch Kontraindikationen und Nebenwirkungen limitiert. Vor diesem Hintergrund sind neuere Studien und Anwendungsbeobachtungen zu innovativen Therapieansätzen wie Methotrexat, Omalizumab oder Rituximab, die zum Teil vielversprechende Ergebnisse zeigen, besonders interessant. Wir möchten in dieser Arbeit daher einen Überblick über bewährte und neue systemische Therapieformen der AD geben.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Natalija Novak
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
D–53105 Bonn
Email: Natalija.Novak@ukb.uni-bonn.de
Abstract
Abstract
Übersicht
Vorkommen und gesundheitliche/ allergologische Relevanz von Schimmelpilzen aus Sicht der Umweltmedizin
T. Gabrio und U. Weidner
Review
Occurence and hygienic/ allergological relevance of mould from point of view of the environmental medicine
T. Gabrio und U. Weidner
101
36$
Abstract
Dr. rer. nat. T. Gabrio
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im
Regierungspräsidium Stuttgart
Nordbahnhofstraße 135
D–70191 Stuttgart
Email: thomas.gabrio@rps.bwl.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 3/2010, S. 101–108
Occurence and hygienic/ allergological relevance of mould from point of view of the environmental medicine
T. Gabrio und U. Weidner
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart (LGA)
Allergic skin and respiratory diseases range among the most frequent afflictions in industrialized countries. Due to this fact the importance of indoor mould pollution based on dampness is discussed. In a sentinel health study of the State Health Agency (LGA) children attending Class 4 of a primary school were tested by an in-vitro allergy screening (UniCap 100/Phadia) for the mould allergens mx1 (Penicillium chrysogenum m1, Cladosporium herbarum m2, Aspergillus fumigatus m3 und Alternaria alternata m6). Primarily about 5% of the children were sensitized against mould which are associated with the ambient air. The investigations showed that most of the children were sensitized against Alternaria alternata and concerning the IgE-concentration (kU/l) Alternaria alternata had the highest concentration among the tested allergens. Commonly children with sensitization against mould were polysensitized. It is unclear if the allergy screening against mould mx1 includes mould with indication for indoor mould pollution such as Acremonium spp., Aspergillus penicillioides, Aspergillus restrictus, Aspergillus versicolor, Chaetomium spp., Phialophora spp., Stachybotrys chartarum, Tritirachium (Engyodontium) album und Trichoderma spp. by means of crossreaction. Therefore such investigations do not admit any conclusion about health problems as a result of indoor mould pollution. At the present state of knowledge the exposure measurements of indoor mould pollutions are not possible, at most a semiquantitative assessment. Although it is generally accepted that dwellings with moisture and mould represent a health risk, knowledge about indoor mould pollution and the related health problems is lacking.Correspondence to:Dr. rer. nat. T. Gabrio
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im
Regierungspräsidium Stuttgart
Nordbahnhofstraße 135
D–70191 Stuttgart
Email: thomas.gabrio@rps.bwl.de
Abstract
Allergische Haut- und Atemwegserkrankungen treten in den hochentwickelten Industriestaaten mit verstärkter Häufigkeit auf. In diesem Zusammenhang wird immer wieder diskutiert, welche Bedeutung diesbezüglich dem Schimmelpilzbefall in Innenräumen aufgrund eines Feuchtschadens zukommt. Innerhalb des vom LGA bearbeiteten Projekts “Beobachtungsgesundheitsämter Baden-Württemberg” wurden Kinder der 4. Klasse auf ihre Sensibilisierung gegenüber der Schimmelpilzmischung mx1 (Penicillium chrysogenum m1, Cladosporium herbarum m2, Aspergillus fumigatus m3 und Alternaria alternata m6) untersucht. Ca. 5% der Kinder waren gegenüber diesen vor allem außenluftassoziierten Schimmelpilzen sensibilisiert, insbesondere gegenüber Alternaria alternata. Auch bezüglich der Konzentration der spezifischen IgE (kU/l) lag Alternaria alternata am höchsten. In der Regel waren die gegenüber den Schimmelpilzen sensibilisierten Kinder polysensibilisiert. Es ist unklar, ob bei der Testung gegenüber der Schimmelpilzmischung mx1 durch Kreuzreaktion auch die Schimmelpilze mit einer Indikation für Feuchtigkeit in Innenräumen miterfasst werden (Acremonium spp., Aspergillus penicillioides, Aspergillus restrictus, Aspergillus versicolor, Chaetomium spp., Phialophora spp., Stachybotrys chartarum, Tritirachium (Engyodontium) album und Trichoderma spp.). Deshalb erlauben solche Untersuchungen keine Aussage über die durch einen Schimmelpilzbefall im Innenraum ausgelösten gesundheitlichen Beschwerden. Beim jetzigen Stand des Wissens ist es nicht möglich, die Exposition gegenüber Schimmelpilzen im Innenraumbereich zu messen, günstigstenfalls sind halbquantitative Abschätzungen möglich. Obwohl allgemein unumstritten ist, dass feuchte, verschimmelte Wohnungen eine gesundheitliche Gefährdung darstellen, ist das Wissen über den Zusammenhang zwischen einem vorliegenden Schimmelpilzbefall und den dadurch bedingten gesundheitlichen Beschwerden gering.Correspondence to:
Dr. rer. nat. T. Gabrio
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im
Regierungspräsidium Stuttgart
Nordbahnhofstraße 135
D–70191 Stuttgart
Email: thomas.gabrio@rps.bwl.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 3/2010, S. 101–108
Vorkommen und gesundheitliche/ allergologische Relevanz von Schimmelpilzen aus Sicht der Umweltmedizin
T. Gabrio und U. Weidner
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart (LGA) Allergische Haut- und Atemwegserkrankungen treten in den hochentwickelten Industriestaaten mit verstärkter Häufigkeit auf. In diesem Zusammenhang wird immer wieder diskutiert, welche Bedeutung diesbezüglich dem Schimmelpilzbefall in Innenräumen aufgrund eines Feuchtschadens zukommt. Innerhalb des vom LGA bearbeiteten Projekts “Beobachtungsgesundheitsämter Baden-Württemberg” wurden Kinder der 4. Klasse auf ihre Sensibilisierung gegenüber der Schimmelpilzmischung mx1 (Penicillium chrysogenum m1, Cladosporium herbarum m2, Aspergillus fumigatus m3 und Alternaria alternata m6) untersucht. Ca. 5% der Kinder waren gegenüber diesen vor allem außenluftassoziierten Schimmelpilzen sensibilisiert, insbesondere gegenüber Alternaria alternata. Auch bezüglich der Konzentration der spezifischen IgE (kU/l) lag Alternaria alternata am höchsten. In der Regel waren die gegenüber den Schimmelpilzen sensibilisierten Kinder polysensibilisiert. Es ist unklar, ob bei der Testung gegenüber der Schimmelpilzmischung mx1 durch Kreuzreaktion auch die Schimmelpilze mit einer Indikation für Feuchtigkeit in Innenräumen miterfasst werden (Acremonium spp., Aspergillus penicillioides, Aspergillus restrictus, Aspergillus versicolor, Chaetomium spp., Phialophora spp., Stachybotrys chartarum, Tritirachium (Engyodontium) album und Trichoderma spp.). Deshalb erlauben solche Untersuchungen keine Aussage über die durch einen Schimmelpilzbefall im Innenraum ausgelösten gesundheitlichen Beschwerden. Beim jetzigen Stand des Wissens ist es nicht möglich, die Exposition gegenüber Schimmelpilzen im Innenraumbereich zu messen, günstigstenfalls sind halbquantitative Abschätzungen möglich. Obwohl allgemein unumstritten ist, dass feuchte, verschimmelte Wohnungen eine gesundheitliche Gefährdung darstellen, ist das Wissen über den Zusammenhang zwischen einem vorliegenden Schimmelpilzbefall und den dadurch bedingten gesundheitlichen Beschwerden gering.Correspondence to:
Dr. rer. nat. T. Gabrio
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im
Regierungspräsidium Stuttgart
Nordbahnhofstraße 135
D–70191 Stuttgart
Email: thomas.gabrio@rps.bwl.de
Übersicht
Die Rolle des angeborenen Immunsystems bei der Kontaktallergie
S.F. Martin
Review
The role of the innate immune system in allergic contact dermatitis
S.F. Martin
66
24$
Abstract
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
D–79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 66–70
The role of the innate immune system in allergic contact dermatitis
S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie, Hautklinik, Universitätsklinikum Freiburg
Allergic contact dermatitis is a T-cell mediated inflammatory skin disease that is caused by low molecular weight chemicals and metal ions. These contact allergens induce skin inflammation, an essential element of the sensitization process. Our understanding of the molecular mechanisms that underlie chemical-induced inflammation has improved significantly over the last years. The emerging picture shows that contact allergens activate known innate immune and stress responses that play a role in immune responses to infections. Contact allergens use innate immune receptors such as the Toll-like receptors TLR2 and TLR4 and the NOD-like receptor NLRP3 as part of the inflammasome as well as the induction of oxidative stress to induce skin inflammation. The detailed identification of the relevant signaling pathways and the mechanisms of their activation by contact allergens will most likely lead to more targeted therapeutic approaches by interference with these pathways. Moreover, this will help to refine existing, and to develop new in vitro assays for the identification of contact allergens, an important step to replace animal testing e.g. for ingredients of cosmetics which was prohibited now by EU legislation.Correspondence to:Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
D–79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Abstract
Die allergische Kontaktdermatitis ist eine T-Zell-vermittelte entzündliche Hauterkrankung, die durch niedermolekulare Chemikalien und Metallionen hervorgerufen wird. Diese Kontaktallergene verursachen eine Hautentzündung, die für den Sensibilisierungsprozess essenziell ist. Unser Verständnis der molekularen Mechanismen, die der chemikalieninduzierten Entzündung zugrunde liegen, hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Immer klarer wird, dass Kontaktallergene bekannte angeborene Immun- und Stressantworten aktivieren, die zur Hautentzündung führen. Dabei spielen angeborene Immunrezeptoren wie die Toll-like-Rezeptoren TLR2 und TLR4 und der NOD-like-Rezeptor NLRP3 als Bestandteil des Inflammasoms sowie die Auslösung von oxidativem Stress eine wichtige Rolle. Diese Mechanismen sind auch für die Infektabwehr wichtig. Die detaillierte Identifikation der an der Hautentzündung beteiligten Signalwege und der Mechanismen ihrer Aktivierung durch Kontaktallergene wird sehr wahrscheinlich zu gezielteren therapeutischen Ansätzen durch Blockierung dieser Signalwege führen. Darüber hinaus wird dies helfen, existierende In-vitro-Tests für die Identifizierung von Kontaktallergenen zu verfeinern und neue In-vitro-Tests zu entwickeln, ein wichtiger Schritt, um Tierversuche unter anderem für die Testung von Inhaltsstoffen für Kosmetika zu ersetzen, die durch die EU-Gesetzgebung jetzt verboten wurden.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
D–79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 66–70
Die Rolle des angeborenen Immunsystems bei der Kontaktallergie
S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie, Hautklinik, Universitätsklinikum Freiburg Die allergische Kontaktdermatitis ist eine T-Zell-vermittelte entzündliche Hauterkrankung, die durch niedermolekulare Chemikalien und Metallionen hervorgerufen wird. Diese Kontaktallergene verursachen eine Hautentzündung, die für den Sensibilisierungsprozess essenziell ist. Unser Verständnis der molekularen Mechanismen, die der chemikalieninduzierten Entzündung zugrunde liegen, hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Immer klarer wird, dass Kontaktallergene bekannte angeborene Immun- und Stressantworten aktivieren, die zur Hautentzündung führen. Dabei spielen angeborene Immunrezeptoren wie die Toll-like-Rezeptoren TLR2 und TLR4 und der NOD-like-Rezeptor NLRP3 als Bestandteil des Inflammasoms sowie die Auslösung von oxidativem Stress eine wichtige Rolle. Diese Mechanismen sind auch für die Infektabwehr wichtig. Die detaillierte Identifikation der an der Hautentzündung beteiligten Signalwege und der Mechanismen ihrer Aktivierung durch Kontaktallergene wird sehr wahrscheinlich zu gezielteren therapeutischen Ansätzen durch Blockierung dieser Signalwege führen. Darüber hinaus wird dies helfen, existierende In-vitro-Tests für die Identifizierung von Kontaktallergenen zu verfeinern und neue In-vitro-Tests zu entwickeln, ein wichtiger Schritt, um Tierversuche unter anderem für die Testung von Inhaltsstoffen für Kosmetika zu ersetzen, die durch die EU-Gesetzgebung jetzt verboten wurden.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
D–79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Originalarbeit
Psychosozialer Stress im Kindesalter und allergische Sensibilisierung
G. Herberth, S. Röder, A. Bockelbrink, T. Schäfer, M. Borte, O. Herbarth, U. Krämer, H. Behrendt, S. Sausenthaler, J. Heinrich und I. Lehmann
Original paper
Stressful life events in childhood and allergic sensitisation
G. Herberth, S. Röder, A. Bockelbrink, T. Schäfer, M. Borte, O. Herbarth, U. Krämer, H. Behrendt, S. Sausenthaler, J. Heinrich und I. Lehmann
55
48$
Abstract
Dr. rer. nat. G. Herberth
Umweltimmunologie
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Permoserstrasse 15
D-04318 Leipzig
Email: gunda.herberth@ufz.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 55–65
Stressful life events in childhood and allergic sensitisation
G. Herberth, S. Röder, A. Bockelbrink, T. Schäfer, M. Borte, O. Herbarth, U. Krämer, H. Behrendt, S. Sausenthaler, J. Heinrich und I. Lehmann
Umweltimmunologie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig
Stressful life events evidently have an impact on development of allergic diseases, but the mechanism linking stress to pathological changes of immune system function is still not fully understood. The aim of our study was to investigate the relationship between stressful life events, neuropeptide and cytokine concentrations in children as well as the association between early stressful life events and atopic eczema (AE). Within the LISAplus (Life style – Immune system – Allergy) study, blood samples from children of 6 years of age were analyzed for concentration of the neuropeptides vasoactive intestinal peptide (VIP), somatostatin (SOM), substance P (SP) and the Th1/Th2 cytokines IFN-g and IL-4. Life events such as severe disease or death of a family member, unemployment or divorce of the parents were assessed with a questionnaire filled in by the parents. Furthermore, lifetime prevalence of AE and incidence after the assessment period of life events were compared. Our data suggest that separation/divorce of parents increase children’s risk of developing AE later in life. Children with separated/divorced parents showed high VIP levels and high concentrations of the Th2 cytokine IL-4 in their blood. Severe diseases and death of a family member were neither associated with neuropeptide levels nor with cytokine concentrations. Unemployment of the parents was associated with decreased IFN-g concentrations in children’s blood but not with neuropeptide levels. Thus, the neuropeptide VIP might be a mediator between stressful life events and immune regulation contributing to the Th2 shifted immune response in children with separated/divorced parents.Correspondence to:Dr. rer. nat. G. Herberth
Umweltimmunologie
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Permoserstrasse 15
D-04318 Leipzig
Email: gunda.herberth@ufz.de
Abstract
Stressereignisse in der Kindheit stehen zunehmend im Verdacht, eine Rolle bei der Entwicklung von allergischen Erkrankungen zu spielen. Allerdings ist der dahinterliegende Mechanismus, der Stress mit Fehlfunktionen des Immunsystems verbindet, noch nicht völlig aufgeklärt. Ziel unserer Studie war es, den Zusammenhang zwischen stressvollen, belastenden Lebensereignissen und Neuropeptid- und Zytokinkonzentrationen im Blut von 6-jährigen Kindern zu untersuchen. Weiterhin wurden die belastenden Lebensereignisse der ersten beiden Lebensjahre in Zusammenhang mit dem späteren Auftreten eines atopischen Ekzems gestellt. Innerhalb der LISAplus-Studie (Lebensstil-Immunsystem-Allergie) wurden in den Blutproben der Kinder die Konzentrationen der Neuropeptide vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP), Somatostatin (SOM) und Substanz P (SP) und die Th1/Th2-Zytokine IFN-g und IL-4 gemessen. Belastende Lebensereignisse wie Erkrankung oder Tod eines Familienmitgliedes, Arbeitslosigkeit und Trennung/Scheidung der Eltern wurden mittels Fragebögen erfasst. Unsere Daten zeigen, dass eine Trennung oder Scheidung der Eltern das Risiko der Kinder, später an einem atopischen Ekzem zu erkranken, erhöht. Kinder, deren Eltern über eine Trennung/Scheidung berichteten, hatten höhere Blutkonzentrationen des Neuropeptids VIP und des Th2-Zytokins IL-4. Schwere Erkrankung oder Tod eines Familienangehörigen waren weder mit Neuropeptid- noch mit Zytokinkonzentrationen assoziiert. Arbeitslosigkeit der Eltern stand in Zusammenhang mit niedrigen IFN-g Konzentrationen, jedoch nicht mit Neuropeptidkonzentrationen. Scheinbar führt das Neuropeptid VIP als Mediator zwischen stressvollen, belastenden Lebensereignissen und Immunregulation zu einer Th2-lastigen Immunantwort bei Kindern mit getrennten/geschieden Eltern.Correspondence to:
Dr. rer. nat. G. Herberth
Umweltimmunologie
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Permoserstrasse 15
D-04318 Leipzig
Email: gunda.herberth@ufz.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 55–65
Psychosozialer Stress im Kindesalter und allergische Sensibilisierung
G. Herberth, S. Röder, A. Bockelbrink, T. Schäfer, M. Borte, O. Herbarth, U. Krämer, H. Behrendt, S. Sausenthaler, J. Heinrich und I. Lehmann
Umweltimmunologie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig Stressereignisse in der Kindheit stehen zunehmend im Verdacht, eine Rolle bei der Entwicklung von allergischen Erkrankungen zu spielen. Allerdings ist der dahinterliegende Mechanismus, der Stress mit Fehlfunktionen des Immunsystems verbindet, noch nicht völlig aufgeklärt. Ziel unserer Studie war es, den Zusammenhang zwischen stressvollen, belastenden Lebensereignissen und Neuropeptid- und Zytokinkonzentrationen im Blut von 6-jährigen Kindern zu untersuchen. Weiterhin wurden die belastenden Lebensereignisse der ersten beiden Lebensjahre in Zusammenhang mit dem späteren Auftreten eines atopischen Ekzems gestellt. Innerhalb der LISAplus-Studie (Lebensstil-Immunsystem-Allergie) wurden in den Blutproben der Kinder die Konzentrationen der Neuropeptide vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP), Somatostatin (SOM) und Substanz P (SP) und die Th1/Th2-Zytokine IFN-g und IL-4 gemessen. Belastende Lebensereignisse wie Erkrankung oder Tod eines Familienmitgliedes, Arbeitslosigkeit und Trennung/Scheidung der Eltern wurden mittels Fragebögen erfasst. Unsere Daten zeigen, dass eine Trennung oder Scheidung der Eltern das Risiko der Kinder, später an einem atopischen Ekzem zu erkranken, erhöht. Kinder, deren Eltern über eine Trennung/Scheidung berichteten, hatten höhere Blutkonzentrationen des Neuropeptids VIP und des Th2-Zytokins IL-4. Schwere Erkrankung oder Tod eines Familienangehörigen waren weder mit Neuropeptid- noch mit Zytokinkonzentrationen assoziiert. Arbeitslosigkeit der Eltern stand in Zusammenhang mit niedrigen IFN-g Konzentrationen, jedoch nicht mit Neuropeptidkonzentrationen. Scheinbar führt das Neuropeptid VIP als Mediator zwischen stressvollen, belastenden Lebensereignissen und Immunregulation zu einer Th2-lastigen Immunantwort bei Kindern mit getrennten/geschieden Eltern.Correspondence to:
Dr. rer. nat. G. Herberth
Umweltimmunologie
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Permoserstrasse 15
D-04318 Leipzig
Email: gunda.herberth@ufz.de
Leitlinie
Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen
J. Kleine-Tebbe, A. Bufe, C. Ebner, P. Eigenmann, F. Friedrichs, T. Fuchs, I. Huttegger, K. Jung, L. Klimek, M. Kopp, W. Lässig, H. Merk, B. Niggemann, U. Rabe, J. Saloga, P. Schmid-Grendelmeier, H. Sitter, J.C. Virchow, M.
Guideline
Specific immunotherapy (hyposensitization) for IgE-mediated allergic diseases
J. Kleine-Tebbe, A. Bufe, C. Ebner, P. Eigenmann, F. Friedrichs, T. Fuchs, I. Huttegger, K. Jung, L. Klimek, M. Kopp, W. Lässig, H. Merk, B. Niggemann, U. Rabe, J. Saloga, P. Schmid-Grendelmeier, H. Sitter, J.C. Virchow, M.
3
128$
Abstract
PD Dr. med. J. Kleine-Tebbe
Allergie- und Asthma-Zentrum Westend
Praxis Hanf, Herold und Kleine-Tebbe
Spandauer Damm 130, Haus 9
D–14050 Berlin
Email: kleine-tebbe@allergie-experten.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 1/2010, S. 3–34
Specific immunotherapy (hyposensitization) for IgE-mediated allergic diseases
J. Kleine-Tebbe1, A. Bufe2, C. Ebner3, P. Eigenmann4, F. Friedrichs5, T. Fuchs6, I. Huttegger7, K. Jung8, L. Klimek9, M. Kopp10, W. Lässig11, H. Merk12, B. Niggemann13, U. Rabe14, J. Saloga15, P. Schmid-Grendelmeier16, H. Sitter17, J.C. Virchow18, M.
1Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Berlin, 2Abteilung für experimentelle Pneumologie, Universitätsklinik Bergmannsheil, Bochum, 3Ambulatorium für Allergie und klinische Immunologie, Wien, Österreich, 4Allergologie Pédiatrique, Hôpital des Enfants, Hôpitaux Universitaires de Genève, Schweiz, 5Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Laurensberg, 6Abteilung Dermatologie und Venerologie, Universitätsmedizin Göttingen, 7Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburger Landeskliniken, Salzburg, Österreich, 8Praxis für Dermatologie und Immunologie, Erfurt, 9Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 10Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Freiburg, 11Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara, Halle/Saale, 12Universitätshautklinik, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule, Aachen, 13Pädiatrische Allergologie und Pneumologie, Hedwig-von-Rittberg-Zentrum, DRK-Kliniken Westend, Berlin, 14Abteilung Pneumologie, Klinik III, Johanniterkrankenhaus im Flämig, Treuenbrietzen, 15Universitätshautklinik, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, 16Allergiestation, Dermatologische Universitätsklinik, Zürich, Schweiz, 17Institut für theoretische Chirurgie, Universität Marburg, 18Abteilung Pneumologie, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, Universität Rostock, 19Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Universitätsklinikum Düsseldorf, 20Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Hochschule Hannover, 21Allergie-Centrum Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
The present guideline on allergen-specific immunotherapy (SIT) was established by German, Austrian and Swiss allergy societies in conjunction with other scientific and medical societies (dermatology, ear-nose-throat, pediatrics, lung and airway diseases) and a German patient support group according to criteria of the Association of the Scientific Medical Societies in Germany (AWMF). Subcutaneous immunotherapy (SCIT) induces long-term tolerance to the applied allergens after completion due to numerous immunologic effects. Regarding immunologic mechanisms of sublingual immunotherapy (SLIT), no consistent concepts exist. In case of preparations with high doses, though, similar systemic immunologic effects have been observed as with SCIT. Allergen concentrations and products for SCIT or SLIT cannot be compared at present due to their heterogeneous composition and variable assay methods of their active components. Non-modified allergens are used as aqueous or physically coupled (depot) allergen extracts; chemically modified allergens (allergoids) are used as depot extracts for SCIT. Mainly non-modified allergen extracts for SLIT are used as aqueous solutions or tablets. Results from controlled studies differ in extent and in quality, requiring product-specific evaluation of SIT. Systematic reviews demonstrate considerable heterogeneity between study results of SIT, partially explained by different subject groups, the utilized allergen products, the duration of treatment, and the therapeutic dose. Efficacy of SCIT has been demonstrated for pollen and house dust mite allergens in many controlled studies in patients with allergic rhinoconjunctivitis, and for animal dander (cat) and mold allergens (Alternaria, Cladosporium) in few studies. SCIT has been well studied in controlled asthma (according to new GINA guidelines, 2008) and intermittent and mild persisting IgE-mediated allergic asthma (according to former GINA guidelines, 2005) and is recommended as a therapeutic option besides allergen avoidance and pharmacotherapy, particularly in case of concomitant allergic rhinoconjunctivitis. Secondary preventive aspects, especially less novel allergic sensitizations and reduced development of bronchial asthma, are important reasons for an early start of SCIT during childhood and adolescence. Diagnostic allergy work-up, indication and selection of appropriate allergens for SCIT are, in general, made by a physician with allergy training within his/her specialization or carrying a certified (sub)speciality in allergy. SCIT is indicated in patients with IgE-mediated sensitizations and corresponding clinical symptoms to allergens, which do not or insufficiently permit allergen avoidance and which are available as suitable, efficacious extracts. Contraindications have to be considered on an individual basis. Injections of SCIT are administered by a physician experienced in this therapy and who is able to perform emergency treatment in case of an allergic adverse event. A preceeding patients information is mandatory and should be documented. The therapy should last 3 years. Children tolerate the SCIT well and benefit notably from its immunomodulatory effects. Severe, potentially life-threatening systemic adverse events can occur after SCIT, being very rare in case of complete adherence to safety standards. Most adverse events are mild to moderate and easily treatable. Risk factors for and results of unwanted systemic effects can effectively be minimized by training the staff members involved, adhering to safety standards and immediate emergency treatment. In case of systemic reactions due to hymenoptera (bee, wasp) venom hypersensitivity, SCIT has excellent efficacy and should be continued for at least 3 – 5 years. An extended, sometimes lifelong SCIT is necessary in some patients. Efficacy of SLIT in grass pollen-induced allergic rhinoconjunctivitis has been proven in several large-scale, controlled clinical studies. Applying other allergen sources (house dust mites, animal dander, molds), less and in part methodologically insufficient studies with contradictory results exist so far. Efficacy of SLIT in allergic bronchial asthma has not enough evidence until now. SLIT with efficacious products is an option for adults with allergic rhinoconjunctivitis due to pollen allergens, particularly if SCIT is not suitable. In case of house dust mite allergy or symptoms due to other allergen sources and allergic asthma due to inhalants, SLIT does not substitute SCIT. SLIT can be indicated in children and adolescents, if SCIT is not an option, using a preparation with proven clinical efficacy in this age group. SLIT is started by a physician experienced in the therapy of allergic diseases (see guideline wording) and who is able to perform emergency treatment in case of an allergic adverse event. According to the leaflet of the product manufacturer, the patient should be informed about the therapy, usually lasting 3 years as pre- and coseasonal or perennial regimen. During this course consultations should take place at least every 3 months. Apart from very frequently to frequently occurring dose-dependent unwanted local oral and pharyngeal symptoms, systemic reactions, mostly of mild nature, have rarely been described after SLIT. With regard to anaphylactic and other severe systemic reactions SLIT demonstrates a superior safety profile compared to SCIT. Various research fields like allergen characterization, routes of application, adjuvants, updosing regimen and preventive aspects demonstrate new developments in SIT being currently examined for clinical efficacy.Correspondence to:PD Dr. med. J. Kleine-Tebbe
Allergie- und Asthma-Zentrum Westend
Praxis Hanf, Herold und Kleine-Tebbe
Spandauer Damm 130, Haus 9
D–14050 Berlin
Email: kleine-tebbe@allergie-experten.de
Abstract
Die vorliegende Leitlinie (S2) zur spezifischen Immuntherapie (SIT) wurde von den deutschen, österreichischen und schweizerischen allergologischen Fachverbänden im Konsens mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Kinder- und Jugendmedizin, Pneumologie sowie einer deutschen Allergiker-Selbsthilfeorganisation nach Kriterien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erarbeitet. Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) entsteht durch zahlreiche immunologische Veränderungen eine über die Therapiedauer hinaus anhaltende Toleranz gegenüber den eingesetzten Allergenen. Zu den Wirkmechanismen der sublingualen Immuntherapie (SLIT) gibt es bisher noch keine einheitlichen Vorstellungen, allerdings werden bei hoch dosierten Präparaten ähnliche systemische Immuneffekte wie bei der SCIT beobachtet. Allergenkonzentrationen und Produkte zur SCIT oder SLIT sind aufgrund ihrer heterogenen Zusammensetzung und unterschiedlicher Messmethoden ihrer wirksamen Inhaltsstoffe derzeit nicht vergleichbar. Zur SCIT werden nicht modifizierte Allergene als wässrige oder physikalisch gekoppelte (Semidepot-)Extrakte sowie chemisch modifizierte Extrakte (Allergoide) als Semidepot-Extrakte eingesetzt. Die vorwiegend unmodifizierten Allergenextrakte zur SLIT werden als wässrige Lösungen oder Tabletten angewandt. Die Daten der kontrollierten Studien unterscheiden sich hinsichtlich ihres Umfangs und ihrer Qualität und erfordern eine produktspezifische Bewertung. Systematische Reviews zeigen erhebliche Heterogenität der Studienergebnisse zur SIT, die teilweise auf unterschiedlichen Probandengruppen, den eingesetzten Allergenprodukten sowie der Therapiedauer und -dosis beruhen. Die Wirksamkeit der SCIT ist bei der allergischen Rhinokonjunktivitis bei Pollen- und Hausstaubmilbenallergie durch zahlreiche kontrollierte Studien und bei Tier- (Katzen) und Schimmelpilzallergie (Alternaria, Cladosporium) durch wenige Studien belegt. Bei kontrolliertem Asthma bronchiale (nach neuen GINA-Leitlinien, 2008) bzw. bei intermittierendem und geringgradig persistierendem IgE-vermitteltem allergischem Asthma (nach alten GINA-Leitlinien, 2005) ist die SCIT gut untersucht und als Therapieoption neben Allergenkarenz und Pharmakotherapie empfehlenswert, insbesondere wenn zusätzlich eine allergische Rhinokonjunktivitis vorliegt. Sekundärpräventive Aspekte, insbesondere die Reduktion von Neusensibilisierungen und ein vermindertes Asthmarisiko, sind daher Gründe, die Indikation zum Therapiebeginn im Kindes- und Jugendalter früh zu stellen. Diagnostik, Indikationsstellung und die Auswahl der relevanten Allergene sollen grundsätzlich von einem Facharzt vorgenommen werden, der über die allergologische Weiterbildung im Kerngebiet oder die Zusatzweiterbildung Allergologie verfügt. Eine Indikation zur SCIT besteht bei nachgewiesener IgE-vermittelter Sensibilisierung mit korrespondierenden klinischen Symptomen durch Allergene, bei denen eine Karenz nicht möglich oder nicht ausreichend ist und ein geeigneter, wirksamer Extrakt zur Verfügung steht. Die Kontraindikationen müssen individuell berücksichtigt werden. Die Injektionen zur SCIT werden von einem Arzt durchgeführt, der mit dieser Therapieform Erfahrung hat und bei einem allergologischen Zwischenfall zur Notfallbehandlung befähigt ist. Eine vorherige Aufklärung mit Dokumentation ist erforderlich. Die Therapie sollte 3 Jahre durchgeführt werden. Kinder zeigen eine gute Verträglichkeit und profitieren besonders von den immunmodulatorischen Effekten der SCIT. Das Auftreten schwerer, potenziell lebensbedrohlicher systemischer Reaktionen bei der SCIT ist möglich, aber bei Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen sehr selten. Die meisten unerwünschten Reaktionen sind leicht bis mittelschwer und lassen sich gut behandeln. Das Risiko und die Folgen unerwünschter systemischer Reaktionen können durch Schulung des Personals, Beachtung der Sicherheitsstandards und rasche Notfallmaßnahmen wirksam vermindert werden. Bei systemischen Reaktionen durch eine Hymenopterengiftallergie (Biene, Wespe) ist die SCIT ausgezeichnet wirksam und sollte mindestens 3 – 5 Jahre durchgeführt werden, bei manchen Patienten lebenslang. Die Wirksamkeit der SLIT ist bei der allergischen Rhinokonjunktivitis durch Gräserpollenallergene in mehreren großen, kontrollierten Studien belegt. Bei anderen Allergenquellen (Hausstaubmilben, Tierepithelien, Schimmelpilzsporen) existieren bisher weniger und teilweise methodisch unzureichende Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen. Die Wirksamkeit der SLIT ist bei allergischem Asthma bronchiale bislang unzureichend belegt. Die SLIT mit Pollenallergenen kann bei Erwachsenen mit allergischer Rhinokonjunktivitis mit wirksamen Produkten eingesetzt werden, insbesondere dann, wenn eine SCIT nicht infrage kommt. Bei Hausstaubmilbenallergie oder anderen Allergenquellen bzw. allergischem Asthma durch Inhalationsallergene stellt die SLIT keinen Ersatz für die SCIT dar. Bei Kindern und Jugendlichen kann die Anwendung der SLIT mit Präparaten, für die eine klinische Wirksamkeit in dieser Altersgruppe dokumentiert ist, in Betracht gezogen werden, wenn eine SCIT nicht infrage kommt. Die SLIT wird von einem Arzt eingeleitet, der mit der Therapie allergischer Erkrankungen Erfahrung (siehe Leitlinientext) hat. Die Therapie wird dem Patienten gemäß den Gebrauchsinformationen des Herstellers erläutert und 3 Jahre prä- und kosaisonal oder ganzjährig durchgeführt. Der Therapieverlauf sollte durch ärztliche Konsultationen wenigstens alle 3 Monate begleitet werden. Abgesehen von sehr häufig bis häufig auftretenden, dosisabhängigen unerwünschten lokalen Symptomen im Mund- und Rachenraum sind systemische Reaktionen vorwiegend leichterer Ausprägung nach einer SLIT bisher sehr selten beschrieben worden. Die SLIT zeigt im Hinblick auf anaphylaktische oder andere schwere systemische Reaktionen ein besseres Sicherheitsprofil als die SCIT. Die SIT zeigt in vielen Bereichen, wie Allergencharakterisierung, Applikationswege, Adjuvantien, Aufdosierung und präventive Aspekte, neue Entwicklungen, die teilweise bereits auf ihre klinische Wirksamkeit untersucht werden.Correspondence to:
PD Dr. med. J. Kleine-Tebbe
Allergie- und Asthma-Zentrum Westend
Praxis Hanf, Herold und Kleine-Tebbe
Spandauer Damm 130, Haus 9
D–14050 Berlin
Email: kleine-tebbe@allergie-experten.de
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 1/2010, S. 3–34
Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen
J. Kleine-Tebbe1, A. Bufe2, C. Ebner3, P. Eigenmann4, F. Friedrichs5, T. Fuchs6, I. Huttegger7, K. Jung8, L. Klimek9, M. Kopp10, W. Lässig11, H. Merk12, B. Niggemann13, U. Rabe14, J. Saloga15, P. Schmid-Grendelmeier16, H. Sitter17, J.C. Virchow18, M.
1Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Berlin, 2Abteilung für experimentelle Pneumologie, Universitätsklinik Bergmannsheil, Bochum, 3Ambulatorium für Allergie und klinische Immunologie, Wien, Österreich, 4Allergologie Pédiatrique, Hôpital des Enfants, Hôpitaux Universitaires de Genève, Schweiz, 5Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Laurensberg, 6Abteilung Dermatologie und Venerologie, Universitätsmedizin Göttingen, 7Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburger Landeskliniken, Salzburg, Österreich, 8Praxis für Dermatologie und Immunologie, Erfurt, 9Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 10Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Freiburg, 11Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara, Halle/Saale, 12Universitätshautklinik, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule, Aachen, 13Pädiatrische Allergologie und Pneumologie, Hedwig-von-Rittberg-Zentrum, DRK-Kliniken Westend, Berlin, 14Abteilung Pneumologie, Klinik III, Johanniterkrankenhaus im Flämig, Treuenbrietzen, 15Universitätshautklinik, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, 16Allergiestation, Dermatologische Universitätsklinik, Zürich, Schweiz, 17Institut für theoretische Chirurgie, Universität Marburg, 18Abteilung Pneumologie, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, Universität Rostock, 19Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Universitätsklinikum Düsseldorf, 20Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Hochschule Hannover, 21Allergie-Centrum Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin Die vorliegende Leitlinie (S2) zur spezifischen Immuntherapie (SIT) wurde von den deutschen, österreichischen und schweizerischen allergologischen Fachverbänden im Konsens mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Kinder- und Jugendmedizin, Pneumologie sowie einer deutschen Allergiker-Selbsthilfeorganisation nach Kriterien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erarbeitet. Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) entsteht durch zahlreiche immunologische Veränderungen eine über die Therapiedauer hinaus anhaltende Toleranz gegenüber den eingesetzten Allergenen. Zu den Wirkmechanismen der sublingualen Immuntherapie (SLIT) gibt es bisher noch keine einheitlichen Vorstellungen, allerdings werden bei hoch dosierten Präparaten ähnliche systemische Immuneffekte wie bei der SCIT beobachtet. Allergenkonzentrationen und Produkte zur SCIT oder SLIT sind aufgrund ihrer heterogenen Zusammensetzung und unterschiedlicher Messmethoden ihrer wirksamen Inhaltsstoffe derzeit nicht vergleichbar. Zur SCIT werden nicht modifizierte Allergene als wässrige oder physikalisch gekoppelte (Semidepot-)Extrakte sowie chemisch modifizierte Extrakte (Allergoide) als Semidepot-Extrakte eingesetzt. Die vorwiegend unmodifizierten Allergenextrakte zur SLIT werden als wässrige Lösungen oder Tabletten angewandt. Die Daten der kontrollierten Studien unterscheiden sich hinsichtlich ihres Umfangs und ihrer Qualität und erfordern eine produktspezifische Bewertung. Systematische Reviews zeigen erhebliche Heterogenität der Studienergebnisse zur SIT, die teilweise auf unterschiedlichen Probandengruppen, den eingesetzten Allergenprodukten sowie der Therapiedauer und -dosis beruhen. Die Wirksamkeit der SCIT ist bei der allergischen Rhinokonjunktivitis bei Pollen- und Hausstaubmilbenallergie durch zahlreiche kontrollierte Studien und bei Tier- (Katzen) und Schimmelpilzallergie (Alternaria, Cladosporium) durch wenige Studien belegt. Bei kontrolliertem Asthma bronchiale (nach neuen GINA-Leitlinien, 2008) bzw. bei intermittierendem und geringgradig persistierendem IgE-vermitteltem allergischem Asthma (nach alten GINA-Leitlinien, 2005) ist die SCIT gut untersucht und als Therapieoption neben Allergenkarenz und Pharmakotherapie empfehlenswert, insbesondere wenn zusätzlich eine allergische Rhinokonjunktivitis vorliegt. Sekundärpräventive Aspekte, insbesondere die Reduktion von Neusensibilisierungen und ein vermindertes Asthmarisiko, sind daher Gründe, die Indikation zum Therapiebeginn im Kindes- und Jugendalter früh zu stellen. Diagnostik, Indikationsstellung und die Auswahl der relevanten Allergene sollen grundsätzlich von einem Facharzt vorgenommen werden, der über die allergologische Weiterbildung im Kerngebiet oder die Zusatzweiterbildung Allergologie verfügt. Eine Indikation zur SCIT besteht bei nachgewiesener IgE-vermittelter Sensibilisierung mit korrespondierenden klinischen Symptomen durch Allergene, bei denen eine Karenz nicht möglich oder nicht ausreichend ist und ein geeigneter, wirksamer Extrakt zur Verfügung steht. Die Kontraindikationen müssen individuell berücksichtigt werden. Die Injektionen zur SCIT werden von einem Arzt durchgeführt, der mit dieser Therapieform Erfahrung hat und bei einem allergologischen Zwischenfall zur Notfallbehandlung befähigt ist. Eine vorherige Aufklärung mit Dokumentation ist erforderlich. Die Therapie sollte 3 Jahre durchgeführt werden. Kinder zeigen eine gute Verträglichkeit und profitieren besonders von den immunmodulatorischen Effekten der SCIT. Das Auftreten schwerer, potenziell lebensbedrohlicher systemischer Reaktionen bei der SCIT ist möglich, aber bei Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen sehr selten. Die meisten unerwünschten Reaktionen sind leicht bis mittelschwer und lassen sich gut behandeln. Das Risiko und die Folgen unerwünschter systemischer Reaktionen können durch Schulung des Personals, Beachtung der Sicherheitsstandards und rasche Notfallmaßnahmen wirksam vermindert werden. Bei systemischen Reaktionen durch eine Hymenopterengiftallergie (Biene, Wespe) ist die SCIT ausgezeichnet wirksam und sollte mindestens 3 – 5 Jahre durchgeführt werden, bei manchen Patienten lebenslang. Die Wirksamkeit der SLIT ist bei der allergischen Rhinokonjunktivitis durch Gräserpollenallergene in mehreren großen, kontrollierten Studien belegt. Bei anderen Allergenquellen (Hausstaubmilben, Tierepithelien, Schimmelpilzsporen) existieren bisher weniger und teilweise methodisch unzureichende Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen. Die Wirksamkeit der SLIT ist bei allergischem Asthma bronchiale bislang unzureichend belegt. Die SLIT mit Pollenallergenen kann bei Erwachsenen mit allergischer Rhinokonjunktivitis mit wirksamen Produkten eingesetzt werden, insbesondere dann, wenn eine SCIT nicht infrage kommt. Bei Hausstaubmilbenallergie oder anderen Allergenquellen bzw. allergischem Asthma durch Inhalationsallergene stellt die SLIT keinen Ersatz für die SCIT dar. Bei Kindern und Jugendlichen kann die Anwendung der SLIT mit Präparaten, für die eine klinische Wirksamkeit in dieser Altersgruppe dokumentiert ist, in Betracht gezogen werden, wenn eine SCIT nicht infrage kommt. Die SLIT wird von einem Arzt eingeleitet, der mit der Therapie allergischer Erkrankungen Erfahrung (siehe Leitlinientext) hat. Die Therapie wird dem Patienten gemäß den Gebrauchsinformationen des Herstellers erläutert und 3 Jahre prä- und kosaisonal oder ganzjährig durchgeführt. Der Therapieverlauf sollte durch ärztliche Konsultationen wenigstens alle 3 Monate begleitet werden. Abgesehen von sehr häufig bis häufig auftretenden, dosisabhängigen unerwünschten lokalen Symptomen im Mund- und Rachenraum sind systemische Reaktionen vorwiegend leichterer Ausprägung nach einer SLIT bisher sehr selten beschrieben worden. Die SLIT zeigt im Hinblick auf anaphylaktische oder andere schwere systemische Reaktionen ein besseres Sicherheitsprofil als die SCIT. Die SIT zeigt in vielen Bereichen, wie Allergencharakterisierung, Applikationswege, Adjuvantien, Aufdosierung und präventive Aspekte, neue Entwicklungen, die teilweise bereits auf ihre klinische Wirksamkeit untersucht werden.Correspondence to:
PD Dr. med. J. Kleine-Tebbe
Allergie- und Asthma-Zentrum Westend
Praxis Hanf, Herold und Kleine-Tebbe
Spandauer Damm 130, Haus 9
D–14050 Berlin
Email: kleine-tebbe@allergie-experten.de




